Die Heinz Müller Story

Fußball & Recht Wie ein Ersatztorwart aus Mainz Deutschlands WM Helden nach Katar schickte. Eine Glosse über das Urteil von gestern
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Die Heinz Müller Story
Die Debatte um sein Arbeitsverhältnis birgt Sprengstoff: Heinz Müller

Bild: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images

„Der Aki Schmidt, das war noch einer“ sagt mein Großvater, seines Zeichens geboren in Dortmund und deswegen schon immer BVB-Fan, so oft er es irgendwie in einem Gespräch unterbekommt, gerne auch mal so: „Jan, weißt du eigentlich wer unser erster Nationalspieler war, der im Finale um die Deutsche Meisterschaft nicht mitspielen durfte?“ Oder so: „Und dann war ich im Stadion, bei einer Stadionführung und rate mal mit wem!“ Aki Schmidt. Aki Schmidt ist meistens die richtige Antwort: „Wer hat heute Geburtstag?“ „Wer ist der größte Stürmer der Geschichte?“ Und: „Wer hat´s erfunden?“ Aki Schmidt. Mein Opa würde wahrscheinlich alles dafür geben seinen Lieblingsspieler nochmal über den Rasen rennen zu sehen. Und mein Vater, ein glühender HSV-Fan, ärgert sich bis heute, die große Ära von ‚Uns Uwe‘ Seeler verpasst zu haben. Ich kann das verstehen: So sehr ich Khaled Mehri - Meinen ersten Lieblingsstürmer bei der SG Wattenscheid 09 - mochte, ich hätte alles dafür gegeben, statt mit ihm mit Samy Sané in der Bundesliga aufzuwachsen. Hätte, hätte, Fahrradkette!

Gestern dann bin ich auf eine Geschichte gestoßen, die mir einerseits zeigte, dass auch Bundesliga-Profis ihre größten Idole noch einmal spielen sehen wollen und andererseits neuen Mut machte: Der langjährige Ersatztorwart des FSV Mainz 05, Heinz Müller, dessen Anstellung beim Bundesligisten im letzten Sommer ausgelaufen war, hat den Verein verklagt, auf Festanstellung, weil die ständige Befristung von Spielerverträgen seiner Rechtsauffassung nach unrecht sei. Und er hat tatsächlich auch eine Richterin gefunden, die diese Ansicht teilt. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Wenn auch die nächsten Instanzen dieses Urteil bestätigen, darf man Spielerverträge bald vielleicht nur noch einmal befristen, danach müsste der FC Bayern seine Spieler ebenso bis ins Rentenalter einstellen wie der Wuppertaler SV, zu den normalen Bezügen. Ein Beispiel: Wenn ein Spieler nach dem Karriereende, wie der große Norbert Dickel in Dortmund, Stadionsprecher wird, bekommt er sein Spielergehalt dafür weiter, das sind im Jahr gerne mal mehrere Millionen Euro. Das kann sich vermutlich kein einziger Verein auf der Welt leisten, also müssten die Jungs weiter kicken. Neulich hat Thomas Müller gesagt: „Wir haben in der Kabine auch schon über die WM 2022 gesprochen. Aber weniger über die Hitze, viel mehr haben wir uns gefragt, ob wir dann noch dabei sind.“ Joah, nun, jetzt schon…

Aber darüber, dass uns unsere Weltmeister noch lange erhalten bleiben könnten, freuen sich nicht alle: Die Vereinsverantwortlichen beispielsweise stänkern schon: „Das ist schlimmer als das Bosman-Urteil!“

Bosman? Den Namen kenne ich doch. Aber wo und wie hat der noch mal gespielt? Vielleicht erfahre ich es ja bald - Vielen Dank dafür, Heinz Müller!

10:12 25.03.2015
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Geschrieben von

Jan Bühlbecker

Jan Bühlbecker. Slam Poet, Jungsozialist & Sozialdemokrat. Liebt Queer-Feminismus, Fußball, das Existenzrecht Israels & Hashtags.
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