Heldenverehrung? Wenn dann richtig!

Volkstrauertag Auf einem Dorf in Niedersachsen hat Freitag-Autor J. Bühlbecker ein Kriegsdenkmal mit unpassender Beschriftung entdeckt und antwortet hier mit einem kurzen Statement.
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Manchmal ärgere ich mich laut: Ein Denkmal mit dem Wehrmachtslogo im weißen Kranz, den Jahreszahlen der beiden Weltkriege (1914-1918 und 1939-1945) und der Überschrift “Unsere Helden” “ziert” die Hauptstraße eines Dorfes in Niedersachsen.

Mit Verlaub: Deutsche Soldaten, die in einem Weltkrieg gekämpft haben, sind keine Helden. Manche von ihnen waren Opfer eines Systems, den sie, weil sie in ihm aufgewachsen waren und/oder es (sich) beispielsweise aufgrund ihres Bildungsstandes nicht anders verstellen, nicht hinterfragen konnten, nicht entfliehen konnten. Ein “gutes” Beispiel hierfür ist vielleicht Günther Gras. Aber die Helden fier Kriege sind die Verfolgten, sind die, die sich aufgelehnt haben, im Widerstand waren, Verfolgte versteckt oder – als “kleine Helden” – bewusst nicht mitgemacht haben. Helden das zweiten Weltkrieges waren auch die, die Deutschland vom Nationalsozialismus befreit haben.

Sie und ihre Lebensleistung tritt dieses Denkmal. Die meisten solcher Steine haben mittlerweile jedoch – entgegen dieses Beispiels- vom Krieger- zum Kriegsdenkmal umgeschult. Und das ist richtig.

So, wie es auch richtig ist, an Opfer und Helden der Weltkriege zu denken, ihnen zu gedenken. Aber die Botschaften müssen “nie wieder militärisches Größenwahn!” und “nie wieder Angriffskrieg!” sein.

Denn nur wenn wir verstehen, dass es am Volkstrauertag nicht um gefallene Deutsche, sondern um Helden und Opfer der beiden Weltkriege geht, wird es uns möglich sein, die richtigen Schlüsse aus ihnen zu ziehen. Und nur wenn uns das gelingt, werden wir es schaffen, Frieden zu leben.

Auf ein Kriegsdenkmal gehört die Friedenstaube statt dem Wehrmachtszeichen und an den Kranz gehört die Europa- statt der Deutschland-Fahne.

20:23 02.01.2016
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Geschrieben von

Jan Bühlbecker

Jan Bühlbecker. Slam Poet, Jungsozialist & Sozialdemokrat. Liebt Queer-Feminismus, Fußball, das Existenzrecht Israels & Hashtags.
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