Sepp Blatter, der heilige Vater

Fußball, FIFA Blatter will als FIFA-Präsident wieder gewählt werden, der Fußball Weltverband sei schließlich einflussreicher als Religionen. Doch wie wäre er als Papst? Eine Glosse.
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Sepp Blatter hat es erfasst: Am letzten Wochenende sagte der Chef der FIFA seine Organisation sei „einflussreicher als alle Religionen“. Und er damit mächtiger als der Ajatollah im Iran, angesehener als ein Rabbi in Israel und stolzer als die Päpste im Mittelalter. Hui, FIFA-Präsident müsste man sein!

Doch stellen wir uns mal vor, es wäre umgekehrt und Blatter wäre nicht beim Fußballweltverband, sondern in der Katholischen Kirche, als Papst versteht sich. Einlass zur Messe wäre immer schon am Freitagabend, die Lieder würden Samstagnachmittag gesungen, die Predigt gebe es aber erst - quasi als Topspiel - um 18 Uhr 30 und das Abendmahl fände am Sonntag statt. Aufsplitterung des Gottesdienstes der Sponsoringerlöse wegen. Die Kollekte am Ausgang ginge übrigens in die Kaffeekasse, für eine Firmung bräuchte man fünf Empfehlungsschreiben und gute Kontakte zur Schweizer Garde und die nächste Kindstaufe würde im Altenheim stattfinden. Klingt verrückt? Wie Fußball spielen in der Wüste. Hauptsache es wird bezahlt - Im Idealfall mit irgendeinem Erbe. Aber auch der Aufstieg der Frauen in der Katholischen Kirche ginge weiter: Frauenpredigten immer am Tag nach der eigentlichen Messe wären binnen fünf Jahren nicht mehr aus der Bibel wegzudenken - Und die würde übrigens präsentiert von Gazprom oder den Zeugen Jehovas.


Was anderes: Wussten Sie - kein Witz übrigens - das der Vatikan Anteile an einer der größten Kondom-Fabriken der Welt hält? Das dürfte bleiben, auch mit Papst Blatter. Und auch die guten Verbindungen zu manchen Staaten auf der Erde würde Sepp I aufrechterhalten. Anschließend würde er sich selbst heilig sprechen, sämtliche Freunde zu Kardinälen machen und diesen lästigen Zölibat aufheben.

Gut, dass uns das alles erspart bleiben wird. Sepp Blatter bleibt Chef der FIFA und Papst Franziskus Oberhaupt der Katholischen Kirche. Wobei eine Sache ist noch dran am Ausgangszitat Blatters: Sein Weltverband ist nämlich ungefähr so beliebt, wie die Katholische Kirche nach ihrem Missbrauchsskandal.

19:05 22.03.2015
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Geschrieben von

Jan Bühlbecker

Jan Bühlbecker. Slam Poet, Jungsozialist & Sozialdemokrat. Liebt Queer-Feminismus, Fußball, das Existenzrecht Israels & Hashtags.
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