la vie l'orange

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RE: Wie vor 40 Jahren? | 23.11.2020 | 17:49

Nein, der Kommentar ist nicht süffisant, sondern platt und oberflächlich. Beim ersten Punkt sind wir uns einig, Frau Maron muß dem Fischer-Verlag nicht dankbar dafür sein, dass er sie vor die Tür gesetzt hat. Gut!Beim zweiten Punkt stimme ich Dir teilweise zu. Ja, in der BRD heute kann eine Autorin der Verlag wechseln, in der DDR war das gesamte System repressiv. Aber hat Monika Maron denn BRD und DDR gleichgesetzt oder hat sie sie verglichen? Letzteres ist legitim, und es ist auch verständlich dass eine Autorin, die Repression erfahren hat ihr Leben lang darauf sensibel reagiert. Vielleicht ist es ja ganz gut, wenn wir auch im besten aller Systeme ein bisschen kritisch auf uns selber blicken, denn es gibt kein Ende der Geschichte und sind schon Demokratien umgegippt, wie Polen oder Ungarn, um nicht gleich wieder den beliebten Vergleich zu Nazi-Deutschland zu bemühen.Was für mich völlig unverständlich ist ist der Vorwurf, dass sie damit ein rechtes Narrativ bedient. Es gab mal eine Zeit als Menschen, die sich gegen Zensur und Einschränkungen der Meinungsfreiheit wandten als liberal oder links angesehen wurden. Monika Maron ist sicherlich nicht so einfach politisch einzuordnen. Aber wenn man Leuten die zu Recht oder Unrecht Staat oder Gesellschaft partiell kritisieren oder hinterfragen gleich den Stempel "rechts" aufdrückt, dann darf man sich nicht wundern wenn unsere Gesellschaft sich immer weiter spaltet. Wie schön wäre es gewesen, wenn Charlotte Gneuß mal nicht "süffisant" über Maron hergezogen wäre (übrigens mit vierwöchiger Verspätung) sondern das Gespräch mit ihr gesucht hätte. Dann hätte sie sie fragen können ob sie verglichen oder gleichgesetzt hat.

RE: Wie vor 40 Jahren? | 22.11.2020 | 10:56

Frau Gneuß, es wäre schön wenn Sie Ihre Argumentation noch mal erläutern, denn in dem Kommentar ist keine Logik erkennbar.Monika Maron soll dem Fischer-Verlag also dankbar sein, dass er ihr Aufmerksamkeit verschafft hat. Dann müsste also auch Biermann der SED für die Ausweisung dankbar sein, die ihm ja auch viel Aufmerksamkeit verschafft hat??Und die Kritik von Maron an echten oder angeblichen Einschränkungen der Meinungsfreiheit soll nicht gelten, weil Maron zu rechte Ansichten habe oder mit Rechten rede? Da kann ich nur mit der linken Rosa Luxemburg einwenden: Freiheit ist die Freiheit des anderen. Es ist nun mal keine Meinungsfreiheit, wenn man nur seine eigene Meinung gelten lässt und die Zensur anderer Meinungen gutheißt. Wohlgemerkt, wir reden hier nicht über Aufrufe zur Gewalt oder Rassismus. Aber wenn jemand meint dass unsere Sprache zu gegendert ist dann sollte man darüber reden dürfen. Oder?

RE: Biegsam siegt | 26.01.2018 | 08:10

Die ganze Story baut darauf auf dass Habeck kein richtiger Linker sei weil er Macron lobt und dass die Grünen deshalb "biegsam" sind - und sowieso Verräter. Da lohnt es sich mal nachzulesen was er wirklich in der taz zu Macron gesagt hat:

"Manches teile ich, eine marktliberale Wirtschaftspolitik nicht. Aber er traut sich, nach vorne zu gehen, er hat einen sehr glaubwürdigen Umweltminister, und er will Europa wirklich erneuern. Und er wirkt frisch und redet nicht Plattitüden. Das imponiert mir."

Ein richtiger Linker (oder natürlich: eine richtige Linke, aber mir hier geht es hier um Habeck) muss demnach also immer in Freund-Feind-Klischees denken, muss finster dreinschauen, darf nicht zu telegen sein und nicht zu sehr aus der Herde herausscheinen. Und vor allem: Er muss immer im Besitz der 100-Prozentigen Wahrheit in der Opposition sitzen, während die, die wirklich neoliberal oder erzkonservativ sind die Welt gestalten. Verkehrte Welt: Die Linken sind derzeit elitär, die Rechten populär. Und wenn mal einer kommt der das Zeug hätte Wahlen zu gewinnen dann kann ja was mit ihm nicht stimmen.

Schade, es gab einmal eine Linke, die in die Gesellschaft hineinreichte und der es nicht reichte im engen intellektuellen Ghetto Recht zu haben.

RE: Abschied von der Grundrechtspartei | 04.10.2015 | 08:31

Liebe Ulrike Baureithel, mein Vorwurf der moralischen Überheblichkeit bezog sich auf die typische, meines Erachtens in ihrem Artikel auftauchende Position von Gesinnungsethikern (wozu ich sie hier einmal rechne) gegenüber Verantwortungsethikern. Die Grünen sagen hier eben: Ja, wir sind für Flüchtlingsschutz, wir wollen auch mehr Flüchtlinge aus Bürgerkriegsgebieten wie Syrien aufnehmen, aber im Gegenzug wird mit dem Prinzip der Sicheren Herkunftsstaatern die Zuwanderung von Menschen aus dem Westbalkan ÜBER DAS ASYLVERFAHREN erschwert. Sie hingegen sagen vereinfacht: "Alle dürfen kommen". Letztere Position klingt zunächst viel moralischer, ist es aber nicht wenn sie in de Realität nicht durchzuhalten ist. Erstens kann die Stimmung knach rechts kippen, das versuchen einige gerade anzuzetteln. Zweitens sinkt die Solidarität, wenn 40 Prozent der Flüchtlinge aus dem Westbalkan kommen, wie sie diskriminiert aber nicht verfolgt werden. Und: Wir könnten mehr Menschen z.B. aus Syrien aufnehmen, die um ihre Existens bangen müssen, wenn wir auf der anderen Seite für die 4o Prozent aus dem Westbalkan andere Lösungen finden (Zuwanderung über den Arbeitsmarkt, Hilfe vor Ort). Das scheint mir die grüne Position zu sein und die finde ich moralisch richtig!

Darüber würde ich gerne streiten. Was ich aber bei den rein von der Gesinnung her Angetriebenen vielfach vermisse ist eine differenzierte inhaltliche Auseinandersetzung mit der Realität. Das Gegenteil von gut ist gut gemeint und wer einfach nur andere plump als Verräter oder Knechte des Kapitals beschimpft (nicht Sie, aber einige hier im Forum), der ist ein Teil des Problems. Einen schönen Sonntag ;-)

RE: Abschied von der Grundrechtspartei | 03.10.2015 | 12:22

Ich frage mich, wo die Autorin ihre moralische Überheblichkeit hernimmt. Es gibt zur Zeit in D-Land noch eine große Solidarität für Menschen die aus Bürgerkriegsgebieten fliehen. Kaum ein anderes EU-Land nimmt so viele Menschen aus Syrien auf. Das geht nur und die Akzeptanz in der Bevölkerung wird nur bestehen bleiben, wenn im Gegenzug für Menschen die offenkundig keinen Anspruch auf Asyl haben die Asylverfahren beschleunigt werden. Die derzeitige Annerkenungsquote für Menschen aus den Balkanstaaten ist um 0,1 Prozent (und auch darunter sind noch humanitäre Fälle). Wenn 99,9 Prozent der Asylbewerber z.B aus Serbien nicht anerkannt werden, dann spricht einiges dafür dass man daraus Konsequenzen im Verfahren zieht. Es gab in den 90ern in Teilen des "Balkans" eine massive Verfolgung von Roma. Es gibt derzeit eine Diskriminierung, aber keine Folter, Genozide, etc. Viele Roma kommen weil sie arm sind und weil es Teil ihrer Lebensstrategie ist eine Weile in Deutschland zu bleiben. Das ist aus ihrer Sicht legitim aber kein Asylgrund. Besser wäre es da, die Siutation der Menschen vor Ort zu verbessern, z.B. durch bessere Förderprogramme für sozial schwache Gruppen. Und es muss Menschen aus dem Balkan, die hier arbeiten wollen ermöglicht werden, einen legalen Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt zu bekommen, statt dass sie den Umweg über das Asylverfahren gehen müssen. Dazu ist übrigens in der Vereinbarung, die die bösen bösen Grünen mit der Bundesregierung verhandelt haben nun eine Regelung enthalten, die quasi ein Einstieg in ein Einwanderungsgesetz ist. Ja, das ist nur ein Kompromiss, aber ich denke man muss auch die in diesem Lande mitnehmen, die nicht komplett multikulti aber grundsätzlich hilfsbereit sind....

RE: Wie ich die Kiezbuchhandlung hassen lernte | 31.01.2013 | 07:46

Wie schön, dass man/frau am Prenzlauer Berg die Muße hat, sich mit solchen Luxusproblemen auseinandersetzen wie dem, dass die Buchhandlungen einfach zu gut sind ;-)