Nina Marie Bust-Bartels
25.05.2013 | 10:22 80

Burschen streiten wieder über "Ariernachweis"

Völkisches Denken Muss das Blut deutsch sein, oder reicht der Pass? Darüber diskutierte der Dachverband deutscher Burschenschaften in Eisenach. Es geht vor allem um ein politiches Zeichen

Burschen streiten wieder über "Ariernachweis"

Foto: Ralph Orlowski / Getty Images

Burschenschaften nehmen nicht jeden in ihre Gemeinschaft auf. Erstens wollen sie nur Männer. Und zweitens sollen die deutsch sein. Und zwar richtig deutsch. Aber was das heißt deutsch-sein? Darüber streiten die Männerbünde schon lange. Auf dem diesjährigen Burschentag in Eisenach lag ein Antrag dazu vor: Fortan sollten Mitgliedsanwärter unterteilt werden in die Kategorien „deutsch“, „abendländisch-europäisch“ und „nicht-abendländisch-europäisch“. Fiele ein Anwärter in die dritte Kategorie, sollte der Rechtsausschuss über die Aufnahme entscheiden.

Damit hätte sich der Dachverband Deutsche Burschenschaft (DB) zum völkischen Vaterlandsbegriff bekannt: Nicht der Pass ist ausschlaggebend. Es ist das Blut, das einen Deutschen zum Deutschen macht. Einige Burschenschaft handhaben das bereits so, zum Beispiel die Hamburger Germania.

Aber die Deutsche Burschenschaft hat sich nicht entschieden. Der Antrag wurde zurückgezogen. Geändert hätte er nicht viel. Die deutschen Burschenschaftler sind generell ein sehr arischer Verein. Die Mützen sitzen auf akkurat geschnittenen Blondschöpfen mit Seitenscheitel. Wer diesem Ideal des weißen deutschen Mannes nicht entspricht, gehört eh nicht zur Zielgruppe. Um eine Veränderung der Aufnahmepraxis ging es also nicht. Die neue Klausel wäre vor allem ein politisches Statement gewesen.

Polizeiaufgebot soll Fackelzug schützen

Die Eröffnungsrede des Burschentags unterstreicht dieses Statement: Der Kampf gegen den Faschismus, den sich die von Linken unterwanderte deutsche Gesellschaft zur Aufgabe mache, sei völlig unsinnig, weil „der Faschismus eine Epochenerscheinung war“, sagt Hans-Helmuth Knütter. Er gilt als wichtiger Vordenker der Neuen Rechten.

Wie auch in den vergangenen Jahren gibt es in Eisenach eine Demonstration gegen den Burschentag. 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer protestierten gestern Abend gegen Sexismus, Rassismus und Geschichtsrevisionismus. Ein Großaufgebot der Polizei schützte die Burschenschaftler, die mit Fackeln durch die Dunkelheit zogen. Wie  jedes Jahr sangen die Fackelträger alle drei Strophen des Deutschlandliedes.

Jedes Jahr ein Skandal

Die Diskussion um den „Ariernachweis“ ist in der DB nicht neu: Auch auf dem Burschentag 2011 gab es einen Antrag, die Aufnahmepolitik am völkischen Vaterlandsbegriff zu orientieren. Damals hatte ein Mannheimer Burschenschaftler die Gemüter der Burschen erregt. Der Grund: Seine Eltern kommen aus China. Er wuchs in Deutschland auf, hat einen deutschen Pass. Aber er war nicht deutsch genug für einige Burschenschaften. Die forderten den Ausschluss des Mannheimer Bundes, weil dieser einen „Fremden“ aufgenommen hatte. „In Zeiten fortschreitender Überfremdung“ sei es „nicht hinnehmbar, dass Menschen, welche nicht von deutschem Stamm sind, in die Deutsche Burschenschaft aufgenommen werden“, hieß es in dem Antrag. Doch auch 2011 wurde der Antrag in letzter Minute zurückgezogen.

Der Burschentag 2012 erregte erneut Aufsehen. Norbert Weidner, damals noch Chefredakteur des DB-Organs „Burschenschaftliche Blätter“, hatte in einem Artikel den NS-Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer als Landesverräter bezeichnet. Bonhoeffers Hinrichtung sei formal-juristisch richtig gewesen, schrieb Weidner. Die Staatsanwaltschaft ermittelte, die Deutsche Burschenschaft bestätigte ihn im Amt. Abgewählt wurde Weidner erst ein halbes Jahr später, als Videoaufnahmen auftauchten, die Weidner bei den rechten Übergriffen von Rostock-Lichtenhagen im Jahr 1992 zeigen.

Schlechte Presse führte zu Austritten

Presseberichte über ihr rechtes Denken möchten die Männerbünde tunlichst vermeiden. Vielleicht ist auch deswegen der Antrag heute nicht verhandelt worden. Je mehr sich Berichte über das rechte Gedankengut der Burschenschaften häufen, desto schwieriger wird es, für Absolventen, die in einer Burschenschaft waren, einen Job zu finden – besonders im öffentlichen Dienst.

Aber schlechte Presse ist besonders schlecht, weil die Burschenschaften in den politischen und wirtschaftlichen Eliten Deutschlands gut vertreten sind. Seit sich Presseberichte über das völkische Denken der Burschenschaften häufen, stehen auch ihre alten Herren unter Druck. Der Berliner Senator für Soziales, Mario Czaja (CDU), entließ erst vor zwei Wochen seinen Staatssekretär Michael Büge, weil dieser sich weigerte, aus der Burschenschaft Gothia auszutreten. Die Gothia ist Mitglied in der Deutschen Burschenschaft.

Auch Peter Ramsauer (CSU) ist ein Burschenschaftler. Eigentlich sollte der Bundesverkehrsminister auf dem diesjährigen Burschentag in Eisenach zu seinen Verbandsbrüdern reden. In weiser Voraussicht veranlasste Ramsauer jedoch den Austritt seiner Burschenschaft Franco-Bavaria München aus der DB. Neben der Burschenschaft von Peter Ramsauer traten im letzten Jahr fast dreißig weitere Bünde aus dem Dachverband aus.

Liberale Burschenschaften gibt es nicht

Die Diskussionen um völkisches Denken im Dachverband Deutsche Burschenschaft kommt diesen Aussteiger-Bünden zu gute. Denn die öffentliche Kritik beschränkt sich auf Hardliner in der DB, in Abgrenzung zu ihnen werden die übrigen Burschenschaften als „liberal“ bezeichnet – egal ob ihre Mitglieder sonst auch mit Fackeln in der Hand grölen: „Von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt – Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt!“

Kommentare (80)

apatit 25.05.2013 | 14:45

Für mich sind das gespenstige Überlegungen! ( Arier - Nachweis )! Gespenstig sind auch die Aufzüge gepaart mit Rituale und Mensur. Eilten unter sich, zukünftige Führungskräfte die Gestalten sollen, nur in welche Richtung ist hier die Frage. Eisenach liegt doch in Thüringen, da war doch noch was? Ich denke nicht an Zufälle!

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Ehemaliger Nutzer 25.05.2013 | 14:48

Die deutschen Burschenschaftler sind generell ein sehr arischer Verein. Die Mützen sitzen auf akkurat geschnittenen Blondschöpfen mit Seitenscheitel.
Man kann das auslösende Moment, den Chinesen abzulehnen, mit einigem Recht fragwürdig finden. Aber DAS ist Stürmerstil.

Das Deutschlandverständnis der deutschen Burschenschaft ist das des liberaldemokratischen Deutschland von 1848. Dies in einem Atemzug mit dem der Nazis zu nennen ist unterster Antifakindergarten.

Georg von Grote 25.05.2013 | 15:07

Also hier von "Stürmerstil" zu sprechen, ist ja nun schon ein wenig verwegen.

Und die heutigen Nachkriegsburschenschaften mit den von 1848 gleichzusetzen dürfte Ihrem nun allseits bekannten Hang zur Geschichtsklitterung geschuldet sein, wie so üblich, wenn es auf derartige Themen kommt.

Meine Erfahrungen seit meiner Studienzeit bis heute, ist die, dass sich in Burschenschaften und Verbindungen fast durchweg nur ein erzkonservatives, deutschnationales bis hin zu nationalsozialistischem Geschwerl tummelte und immer noch tummelt.

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Ehemaliger Nutzer 25.05.2013 | 15:32

Das ist nicht einmal vollkommen falsch, was Sie schreiben. Nur muss ich Ihnen als Rechtskenner nicht erklären, dass dergleichen ein juristisches "Nullum" ist. Tolerare...

Und der "Stürmerstil" bezog sich schlicht auf das Abrutschen ins klischeehaft-phänotypische. Man kann eine Gruppe schlecht dafür kritisieren, dass Sie einen Asiaten mit deutschen Pass nicht aufnimmt - und dann so tun, als wären sie alle blond. Das ist nicht nur sachlich falsch. Es ist noch stilistisch und menschlich noch unterhalb dessen, was man kritisiert, weil man sich nicht nur auf das kritisierte rassistisch-phänotypische Niveau herabbegibt (die Ablehnung des Chinesen) - sondern dort auch noch lügt.

Um es auf den Punkt zu bringen: Die Vermutung, dass "ein Deutscher" Schlitzaugen haben könnte, ist weit weniger absurd als die Behauptung, es gehöre nicht zur Zielgruppe der Burschenschaft, wer nicht dem "Ideal des weißen deutschen Mannes" entspreche, das (linguistische Kohärenz) in "akkurat geschnittenen Blondschöpfen mit Seitenscheitel" bestehe.

Das ist lupenreiner Phänotypismus. Herabsetzung entlang optischer Kategorien. Mit anderen Worten: Rassismus.

So mißlingt Kritik.

thinktankgirl 25.05.2013 | 15:44

Das Deutschlandverständnis der deutschen Burschenschaft ist das des liberaldemokratischen Deutschland von 1848. Dies in einem Atemzug mit dem der Nazis zu nennen ist unterster Antifakindergarten.

Zur Nachhilfe:

Die Wurzeln des burschenschaftlichen Rechtsextremismus reichen aber noch weiter zurück: Bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts zeigt die Burschenschaftsbewegung eine eigentümliche Mixtur aus oppositionellem Rebellentum gegen Fürstenherrschaft und Kleinstaaterei auf der einen und Deutschtümelei auf der anderen Seite – Franzosen- sowie Judenhass eingeschlossen. Herbert Marcuse ist wohl am schärfsten mit den frühburschenschaftlichen Überzeugungen ins Gericht gegangen: Er erkannte bereits früh in ihnen „die Ideologie der faschistischen Volksgemeinschaft“.[6] Dies mag überzogen erscheinen; die „Zerstörung der Vernunft“ (Georg Lukács), die „völkische Droge“ (Lutz Hoffmann) wurzelt gleichwohl auch in den Anfängen der Urburschenschaft. Sie radikalisierte sich im Zuge imperialistischen Weltmarktstrebens und in den Jahren der Weimarer Republik.

Zweitens ging die Idee der Volksgemeinschaft von Anfang an einher mit der Vorstellung wehrhafter Männlichkeit und heldenhafter Kameradschaft. Auch diese Ideen waren und sind mit rechtsextremen Traditionen aufs Engste verknüpft. Vor allem im Männerbund wird das Prinzip der Ungleichheit sowohl gepredigt als auch gelebt. Der Ausschluss von Frauen, ein militärisch geprägtes Gesellschaftsbild, „männliche“ Stereotypen, Kategorien von Über- und Unterordnung, Heroismus und gleichzeitige Kollektiv-Sentimentalität im Männerkreise – all dies trägt sowohl zur individuell-psychologischen Disposition als auch zur kollektiven Praxis rechtsextremen Denkens und Handelns bei. Der Männerbund gilt daher nicht nur in der Vergangenheit als ein zentraler Bestandteil rechtsextremer Subkultur bzw. Lebensform.

[...]

Der auf der Grundlage des „natürlichen Volksbegriffes“ beschworene Integrationsmythos erfordert Abgrenzungen zu anderen Kulturen und Nationen. Im Gegensatz zu einem Rassismus, der von der Überlegenheit der „arischen Rasse“ ausgeht, argumentiert der „Ethnopluralismus“ allerdings differentialistisch: Rassisch definierte Kulturen werden hier nicht als Kollektive unterschiedlicher Qualität verstanden, sondern als gleichermaßen wichtig für die Entwicklung der gesamten Menschheit erachtet. Aus dieser – scheinbar egalitären – Annahme folgern zahlreiche Burschenschaften, dass sich Kulturen fremder Einflüsse und damit einhergehender Einebnungen von Differenzen erwehren müssen – jenseits eines universell geltenden Gleichheitsprinzips.

Die völkisch-nationale Identitätsdiskussion wird aus diesem Grunde mit klaren Absagen an ein offenes Europa, der Bundesrepublik als Einwanderungsland wie auch jeder Form multikultureller Gesellschaft verknüpft. Folgerichtig fanden Ausländer in die Deutsche Burschenschaft daher nur dann Aufnahme, wenn es sich bei ihnen um „Volksdeutsche“ handelte.

von Dietrich Heither

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Ehemaliger Nutzer 25.05.2013 | 16:16

Das Lustigste - und dann klinke ich mich hier aus und überlasse den vereinigten Wahrheitsausschüssen das Feld: Unter dem Beitrag hier finden sich auf der Community-Startseite die gesammelten Beiträge zum schönen 150. Geburtstag der SPD - gegründet vom Burschenschaftler Ferdinand Lassalle...

balsamico 25.05.2013 | 17:51

...gegründet vom Burschenschaftler Ferdinand Lassalle...

Das ist 150 Jahre her. In der Zwischenzeit ist viel passiert, was den Burschen offenbar entgangen ist. Schauen Sie sich doch nur mal die Typen auf dem Foto im Eingangsbeitrag an: Wie aus der Zeit gefallen! Oben schrieben Sie: "Das Deutschlandverständnis der deutschen Burschenschaft ist das des liberaldemokratischen Deutschland von 1848." Das ist lächerlich. Tatsächlich sind die Burschen von heute längst nicht mehr, was sie damals waren, sondern so ziemlich das genaue Gegenteil, bis auf die Liebe zum Bier vielleicht.

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Ehemaliger Nutzer 25.05.2013 | 18:22

Das ist 150 Jahre her. In der Zwischenzeit ist viel passiert, was den Burschen offenbar entgangen ist.

Was denn? Und was soll uns die Formulierung "offenbar" sagen? Dass Sie wenig Ahnung von diesem Thema haben?

Und, by the way, was soll das Thinktankgirl nun von Ihnen halten? Sie fallen ihr in den Rücken, wenn das 19.Jahrhundert, um Lassalle zu retten (die Liste berühmter Burschenschaftler ist lang) dann eben nicht nazi gewesen sein soll, sondern nur das 20 Jahrhundert.

...

Das 20. Jahrhundert... So ein Mist, da wurden die Burschen von den Nazis verboten!

Immer diese Fakten.

Schauen Sie sich doch nur mal die Typen auf dem Foto im Eingangsbeitrag an: Wie aus der Zeit gefallen!

Ja, furchtbar. In einem freien Land. Abführen!

Meinen Sie das Ernst?

Was Sie da machen, geht übrigens sehr stark in Richtung Diskriminierung. Eine solche ist mit gutem Grund verboten. Die Herren müssen Sie nicht um Erlaubnis fragen, wie sie sich kleiden oder was sie in ihrer Freizeit tun. Dies anderen Bürgern vorschreiben zu wollen ist anmaßend, und wo es militant wird (Baseballschlägerangriffe der "Antifa"), schlicht kriminell.

Oben schrieben Sie: "Das Deutschlandverständnis der deutschen Burschenschaft ist das des liberaldemokratischen Deutschland von 1848." Das ist lächerlich.

Wieso? Mehr patriotische FDP-Anhänger auf einem Haufen wird man kaum finden. Wobei: Das ist für Leute wie Sie ja auch nazi. Und was Demokratie ist und was ein Staatsbürger auch ihrem Boden zu denken hat, bestimmen ja auch sie.

Also lausche ich lieber der weisen "Begründung" Ihrer These, die dann da lautet

Tatsächlich sind die Burschen von heute längst nicht mehr, was sie damals waren, sondern so ziemlich das genaue Gegenteil

Ah so.

Wie schön, dass Sie die Ihnen bekannten Fakten mit uns teilen.

thinktankgirl 25.05.2013 | 18:37

Und, by the way, was soll das Thinktankgirl nun von Ihnen halten? Sie fallen ihr in den Rücken, wenn das 19.Jahrhundert, um Lassalle zu retten (die Liste berühmter Burschenschaftler ist lang) dann eben nicht nazi gewesen sein soll, sondern nur das 20 Jahrhundert.

Kuntze, zuerst lesen, dann schreiben ...

Ausserdem warte ich noch immer darauf, daß Sie die Textstellen aufzeigen, denen es an Objektivität mangeln soll.

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Ehemaliger Nutzer 25.05.2013 | 19:04

Es gibt keine.

Denn Sie haben Recht! Alles, was jemals ein Band um die Brust trug, ist gefährlich. Und die teuflischen Wurzeln reichen tief bis ins 19. Jahrhundert, wie Ihr Text ganz objektiv nachweist.

Und es reicht auch nicht, lediglich die Burschenschaftler kritisch zu beäugen. Was ist denn mit den anderen Verbindungsarten? Hmm?

Und wenn Sie sich fragen, warum die SPD dauernd Kriege führt und Hartz IV beschließt, da sind sie im Gründungsmoment mit dem Burschenschaftler Lasalle schon mal auf einer guten Spur. Wilhelm Liebknecht (pflichtschlagender Corposstudent) nicht vergessen! Ja selbst bei Karl Marx versuchen interessierte Kreise verzweifelt, seine Mitglied in einer Landsmannschaft aus der deutschsprachigen Wikipedia zu tricksen ("nicht mehr eindeutig nachweisbar") und seine Teufelsprögung zu kaschieren, dabei ist sie auf der englischen Seite und andernorts ist sie noch klar belegt.

Also: Sie haben Recht! Nieder mit diesen Studentenvereinen! Schaut man sich nur diese drei Männer an, so sind die Konsequenzen doch verheerend. Allein der Weltkommunismus hat 100 Millionen Todesopfer in einem Jahrhundert gefordert. Und auch bei den Nazis war der ein oder andere Mützenträger dabei! Man denke an einen Mann wie Schleyer! ...

gweberbv 25.05.2013 | 19:51

Zweitens ging die Idee der Volksgemeinschaft von Anfang an einher mit der Vorstellung wehrhafter Männlichkeit und heldenhafter Kameradschaft. Auch diese Ideen waren und sind mit rechtsextremen Traditionen aufs Engste verknüpft. Vor allem im Männerbund wird das Prinzip der Ungleichheit sowohl gepredigt als auch gelebt. Der Ausschluss von Frauen, ein militärisch geprägtes Gesellschaftsbild, „männliche“ Stereotypen, Kategorien von Über- und Unterordnung, Heroismus und gleichzeitige Kollektiv-Sentimentalität im Männerkreise – all dies trägt sowohl zur individuell-psychologischen Disposition als auch zur kollektiven Praxis rechtsextremen Denkens und Handelns bei. Der Männerbund gilt daher nicht nur in der Vergangenheit als ein zentraler Bestandteil rechtsextremer Subkultur bzw. Lebensform.

Alles oben geschriebene könnte man mit etwas bösem Willen auch auf die traditionellen Schützenbruderschaften (hat nichts mit Schießsport zu tun) beziehen, die insbesondere in NRW das Vereinsleben auf dem Land prägen.

Der auf der Grundlage des „natürlichen Volksbegriffes“ beschworene Integrationsmythos erfordert Abgrenzungen zu anderen Kulturen und Nationen. Im Gegensatz zu einem Rassismus, der von der Überlegenheit der „arischen Rasse“ ausgeht, argumentiert der „Ethnopluralismus“ allerdings differentialistisch: Rassisch definierte Kulturen werden hier nicht als Kollektive unterschiedlicher Qualität verstanden, sondern als gleichermaßen wichtig für die Entwicklung der gesamten Menschheit erachtet. Aus dieser – scheinbar egalitären – Annahme folgern zahlreiche Burschenschaften, dass sich Kulturen fremder Einflüsse und damit einhergehender Einebnungen von Differenzen erwehren müssen – jenseits eines universell geltenden Gleichheitsprinzips.

Die völkisch-nationale Identitätsdiskussion wird aus diesem Grunde mit klaren Absagen an ein offenes Europa, der Bundesrepublik als Einwanderungsland wie auch jeder Form multikultureller Gesellschaft verknüpft.

Das ist zwar ein altmodisches Weltbild, dürfte aber - meiner Vermutung nach - locker bei 30% bis 50% der Bevölkerung tendentiell auf Zustimmung stoßen. Gänzlich verneinen kann man das eigentlich nur dann, wenn man die Konzeption eines ethnisch-kulturell geprägten Nationalstaats rundheraus ablehnt - eine absolute Minderheitenposition.

balsamico 25.05.2013 | 20:37

Wenn sie jetzt einen "Ariernachweis" verlangen wollen, was wohl das Saudümmste ist, das Studenten nach 1945 gefordert haben, dann liegen sie auf derselben Linie, zu der Heinrich Heine bemerkte:

„Auf der Wartburg krächzte die Vergangenheit ihren obskuren Rabengesang, und bei Fackellicht wurden Dummheiten gesagt und getan, die des blödsinnigsten Mittelalters würdig waren! (...) Auf der Wartburg herrschte jener beschränkte Teutomanismus, der viel von Liebe und Glaube greinte, dessen Liebe aber nichts anderes war als Haß des Fremden und dessen Glaube nur in der Unvernunft bestand, und der in seiner Unwissenheit nichts Besseres zu erfinden wußte als Bücher zu verbrennen!

Tollschock 25.05.2013 | 21:11

Könnte man diese kranken Geister nicht einfach deportieren? Das wäre doch sicherlich im Sinne dieses Geistes. Ich verstehe einfach nicht das es eingetragene Organisationen gibt die derartiges Gedankengut hervorbringen. Das ist nicht national das ist nicht rational. Ich finde deutschland schön aber es wird sicherlich noch schöner wenn wir solch Volk verdammen und einfach nicht in unserer Mitte akzeptieren.

roland 25.05.2013 | 23:54

"Das 20. Jahrhundert... So ein Mist, da wurden die Burschen von den Nazis verboten!

Immer diese Fakten."

Ja, die Fakten muß man sich allerdings genau ansehen: Wikipedia lügt hier faktisch! Die Verbindungen haben sich, getragen von einer gigantischen internen Begeisterung, ab 1934 meistens mit fast einstimmigen Beschlüssen in die Nazi-Organisationen überführt. Vorher jedoch waren sie 1933 noch tragend an der Organisation der Bücherverbrennungen beteiligt. Zu verbrennende Bücher wurden häufig in den Verbindungshäusern gesammelt. Und die Verbrennungen haben die Verbindungen massenhaft in voller Couleur mit geschwungenen Verbindungsfahnen mitorganisiert. Nach 1945 wußte man das noch in den Universitäten. Deshalb durften an vielen Universitäten Verbindungsstudenten bis in die 80er Jahre nicht in "Couleur" auf das Universitätsgelände. Leider haben heute viele die "nazinahe Vergangenheit" der Verbindungen vergessen. Es ist der gleiche Geist, der 1933 Bücher verbrannt hat und heute wieder Arierparagraphen diskutiert.

Exilant 26.05.2013 | 12:10

"30-50% der Bevölkerung ansprechen...".

Lt. Heitmeyer-Studie haben 20-30% der Bevölkerung rechtsextreme Einstellungen.

Richtig ist auch, dass rechtsextreme Parteien versuchen, den Fuss in die Mitte der Gesellschaft zu bekommen.

Und dass die im Blog beschriebene Burschenschaften rechtsextremistische Einstellungen haben, ist ohne jeden Zweifel ersichtlich. Deshalb auch die Nähe zu ebensolchen Parteien oder Kommentatoren.

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Ehemaliger Nutzer 26.05.2013 | 17:11

@NINA MARIE BUST-BARTELS25.05.2013 | 10:22

"Burschenschaften nehmen nicht jeden in ihre Gemeinschaft auf."

Das trifft auf alle Vereine zu.

"Erstens wollen sie nur Männer."

Das liegt in ihrer Entstehung begründet, als Frauen ein Studium noch verwehrt wurde.

"Und zweitens sollen die deutsch sein."

Sieht so aus, als wollen die aus dem gleichen Kulturkreis und einfach unter sich sein. Findet man noch ausgeprägter bei den Vertriebenenverbänden.

"Aber was das heißt deutsch sein?"

Historisch hat sich unser Deutsch sein aus den germanischen Stämmen, dem Heiligem Reich Deutscher Nation, dem Deutschen Reich und schließlich der Gründung der Bundesrepublik Deutschland entwickelt.

Von den Historikern der Annales-Schule wissen wir, das sich bestimmte Mentalitäten jahrhundertelang ausbilden und noch länger bestehen.

"Es ist das Blut, das einen Deutschen zum Deutschen macht."

So ist auch unsere gesetzliche Erbfolge durch das Blut der Abstammung begründet, von der man ausdrücklich abweichen kann und muss, wenn man dies will und vor dem Erbfall schriftlich erklärt.

Dass es sich bei den besagten Burschenschaften um nationalistische, reaktionäre, revanchistische, revisionistische, rassistische und wer weiß sonst noch was für Gruppen handelt, ist ja nun offensichtlich. Sie befinden sich damit mit den vielen Sarrazins Deutschlands in ähnlicher Gesellschaft. Schließlich wurde auch die Bundesrepublik bisher überwiegend von rückschrittlichen, konservativen und nationalistischen Kreisen regiert, mit der einzigen Ausnahme der Regierung Brandt und der gleichzeitigen Bundespräsidentenschaft Gustav Heinemanns. Eine einmalige und einzigartige glückliche Fügung der Geschichte.

balsamico 26.05.2013 | 19:09

Burschenschaften nehmen nicht jeden in ihre Gemeinschaft auf."

Das trifft auf alle Vereine zu.

Aber nicht in Ermangelung eines Ariernachweises.

"Erstens wollen sie nur Männer."

Das liegt in ihrer Entstehung begründet, als Frauen ein Studium noch verwehrt wurde.

Seither hat sich Einiges geändert, das zu einer Änderung der Aufnahmepraxis Anlass geben könnte.

"Und zweitens sollen die deutsch sein."

Sieht so aus, als wollen die aus dem gleichen Kulturkreis und einfach unter sich sein. Findet man noch ausgeprägter bei den Vertriebenenverbänden.

Gewiss. Rückwärtsgewandt sind die Einen wie die Anderen.

"Aber was das heißt deutsch sein?"

Historisch hat sich unser Deutsch sein aus den germanischen Stämmen, dem Heiligem Reich Deutscher Nation, dem Deutschen Reich und schließlich der Gründung der Bundesrepublik Deutschland entwickelt.

Offenbar sind manche im Denken nicht über das deutsche Reich hinausgekommen.

Von den Historikern der Annales-Schule wissen wir, das sich bestimmte Mentalitäten jahrhundertelang ausbilden und noch länger bestehen.

Und?

"Es ist das Blut, das einen Deutschen zum Deutschen macht."

So ist auch unsere gesetzliche Erbfolge durch das Blut der Abstammung begründet, von der man ausdrücklich abweichen kann und muss, wenn man dies will und vor dem Erbfall schriftlich erklärt.

Das ist schief. Richtig ist, dass die gesetzliche Erbfolge erst in zweiter Linie gilt, wenn der Erblasser nicht anders testiert hat. Abgesehen davon gilt das deutsche Erbrecht auch für eingebürgerte Deutsche, in deren Adern kein "deutsches Blut" fließt. Tatsächlich ist Blut als solches bar jeden Nationalitätfusels. Das merken sogar Burschenschaftler, wenn sie mal eine Blutspende brauchen und gerade kein deutsches Blut ihrer Blutgruppe zur Hand ist.

Dass es sich bei den besagten Burschenschaften um nationalistische, reaktionäre, revanchistische, revisionistische, rassistische und wer weiß sonst noch was für Gruppen handelt, ist ja nun offensichtlich. Sie befinden sich damit mit den vielen Sarrazins Deutschlands in ähnlicher Gesellschaft. Schließlich wurde auch die Bundesrepublik bisher überwiegend von rückschrittlichen, konservativen und nationalistischen Kreisen regiert, mit der einzigen Ausnahme der Regierung Brandt und der gleichzeitigen Bundespräsidentenschaft Gustav Heinemanns. Eine einmalige und einzigartige glückliche Fügung der Geschichte.

So hoch würde ich es nicht hängen. Halte es da eher mit meinem Freund Eugen Roth:

Auf Flaschen steht bei flüssigen Mitteln,
man müsse vor Gebrauch sie schütteln.
Und dies begreifen wir denn auch -
denn zwecklos ist es nach Gebrauch.

Auch Menschen gibt es, ganz verstockte,
wo es uns immer wieder lockte,
sie herzhaft hin und her zu schwenken,
in Fluß zu bringen so ihr Denken.

Ja, sie zu schütteln voller Wut -
doch lohnt sich nicht, daß man es tut.
Man laß sie stehn an ihrem Platz
samt ihrem trüben Bodensatz.

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Ehemaliger Nutzer 26.05.2013 | 21:18

Sehr geehrte Frau Bust-Bartels, können Sie noch rechechieren, was genau die Burschenschaften unter völkischem Denken verstehen? Arier als Elite für Europa, die halbe Welt oder besser doch gleich die ganze oder back-to-the-roots-Zerfall in nazionale Nationalstaaten und der 5. Anlauf für ein "reines deutsches Reich"?

Nichts gegen Fackelzüge und Kerzenscheinromatik auf Burgen, Schlössern oder Lagerfeuer auf freiem Feld, Fechten ist sexy und Uniform noch immer schick, akkurater Seitenscheitel, naja, lässig geht anders, gesellige Bier-, Wein- oder Wodkarunden am Stammtisch, wenn man danach noch einen klaren Kopf hat für die wirkliche Weiterentwicklung der (Welt)Gesellschaft, warum nicht.

Aber hässliche Mensurnarben als Zeichen für Untertanmentalität, Fackeln in Vorbereitung auf Bücherverbrennungen?, arisches Blut als Inzucht, tätige und mentale Frauenverachtung, rechtsnationales Denken und Handeln ... dringend überholungs- und entwicklungsbedürftig. Nationalstolz (wird im übrigen gerade durch solche Zusammenkünfte immer fragwürdiger) kann auch anders zum Ausdruck gebracht werden, besonders im friedlichen und freundschaftlichen Austausch mit anderen Staatsbürgern. Hier wird das Gegenteil geschaffen, indem gerade die Erinnerung an dt. Reiche und deren Gräuel wach und lebendig gehalten wird. Positiver Aufbau geht anders.

Leider scheinen sich viele Karrierewege immer nur noch auf "geheimen Pfaden mit geheimem Klüngel" zu öffnen. Der Ariernachweis bzw. die Burschenschaftszugehörigkeit als Vorbedingung für Regierungsämter und Wirtschaftsposten sowie sonstige Beratergruppen... Gute Nacht, Deutschland.

Bastian84 27.05.2013 | 11:03

Der von Ihnen zitierte Text ist sehr interessant:

http://www.blaetter.de/archiv/jahrgaenge/2011/oktober/stramm-rechts-die-deutsche-burschenschaft

Fast wehmütig guckt man auf diese lang vergangende Zeit von vor zwei Jahren zurück. Was in dem Text noch als Skandal gilt, ist heute teils völlig normal, die Medienlandschaft bleibt bei Geschichtsrevisionismus mittlerweile ruhig oder springt lobend bei, dass Publikum klatscht...

Zwei Beispiele:

"Der 8. Mai – kein Tag der Befreiung?

In Umland | Am 24 Mai 2013 | Von Sebastian Bartoschek

Ein Stadtverband der CDU in Sachsen übt sich in peinlichem Geschichtsrevisionismus. Die Landespartei schweigt dazu." http://www.ruhrbarone.de/der-8-mai-kein-tag-der-befreiung/

Deutsche Geschichte bei Lanz: Zu wenig Kolonien, zu viele Juden

26. März 2013 13:29 27.664 mal abgerufen89 Kommentare

Im Begleitprogramm rund um den ZDF-Dreiteiler “Unsere Mütter, unsere Väter” talkte am vergangenen Dienstag eine illustre Runde in der ZDF-Sendung “Markus Lanz” über deutsche Geschichte und ihre (filmische) Aufarbeitung. Dabei wurde Erstaunliches behauptet: So trage Deutschland keine Verantwortung für den 1. Weltkrieg, sondern “Frankreich und Russland”. Infolge der Niederlage sei Deutschland bei “der Kolonialisierung der Welt” “zu kurz gekommen” – und wegen dieser Demütigung sei es dann zum 2. Weltkrieg gekommen. Ergänzend wurde festgestellt, dass “Täter” und “Opfer” nicht zu unterschieden seien – und die industrielle Massenvernichtung von Menschen nur deshalb erdacht werden musste, weil man so viele Juden einfach nicht mehr erschießen konnte. Für nennenswerten Widerspruch oder gar einen Eklat sorgte diese Aneinanderreihung von revisionistischen Äußerungen nicht – deutsche TV-”Vergangenheitsbewältigung” anno 2013.

Von Floris Biskamp

Rückblickend möchte man mit Martin Hohmann beinahe Mitleid haben. Denn nun ist klar: Er wurde damals nicht geschasst, weil er das Falsche gesagt hatte, sondern nur, weil er seiner Zeit weit voraus war. Am 3. Oktober 2003 hielt Hohmann seine berühmt-berüchtigte Rede zum Tag der Deutschen Einheit. Darin hieß es unter anderem:

„Die Schuld von Vorfahren an diesem Menschheitsverbrechen hat fast zu einer neuen Selbstdefinition der Deutschen geführt. Trotz der allseitigen Beteuerungen, dass es Kollektivschuld nicht gäbe, trotz nuancierter Wortneuschöpfungen wie ‚Kollektivverantwortung‘ oder ‚Kollektivscham‘: Im Kern bleibt der Vorwurf: die Deutschen sind das ‚Tätervolk‘. [...] Auf diesem Hintergrund stelle ich die provozierende Frage: Gibt es auch beim jüdischen Volk, das wir ausschließlich in der Opferrolle wahrnehmen, eine dunkle Seite in der neueren Geschichte oder waren Juden ausschließlich die Opfer, die Leidtragenden? [...] Daher könnte man Juden mit einiger Berechtigung als „Tätervolk“ bezeichnen. Das mag erschreckend klingen. Es würde aber der gleichen Logik folgen, mit der man Deutsche als Tätervolk bezeichnet. [...] Daher sind weder ‚die Deutschen‘ noch ‚die Juden‘ ein Tätervolk.”

[...]

[Arnulf Baring:] „Ganz großartig ist ja in dem Film, dass man sieht, dass die ganze Teilung, von der wir seit Jahrzehnten reden, nämlich zwischen Opfern und Tätern, dass die nicht hinhaut. Auch die Opfer sind irgendwo Täter und die Täter sind irgendwo Opfer.“ Widerspruch bekommt er dafür nicht, aber allerhand Gelegenheiten, deutlicher zu machen, wen er meint: „Diese Unterscheidung zwischen Opfern und Tätern, die Deutschen sind ein Tätervolk und die Juden sind Opfer…Nein! Auch viele Juden haben sozusagen, das kann man in dem Film auch sehen, haben andere verraten, um ihre eigene Haut zu retten.“ [...]

Baring scheint sein Glück kaum fassen zu können, das endlich aussprechen zu dürfen, und so tut er es immer wieder. Niemand in der Runde scheint sich groß daran zu stören. Einzig der Journalist Claus Strunz merkt einmal an, es sei ihm „einen Ticken zu vehement“ vorgetragen – nicht aber, ohne seine grundsätzliche Zustimmung zu signalisieren.

Die Jüdin soll den Mund halten

Ein Fremdkörper in der Talk-Runde ist einzig Marina Weisband, die sich trotz des geradezu übergriffigen Drängens von Lanz und Baring weigert, den geforderten jüdischen Beitrag zum Erinnerungsmatsch zu liefern, in dem sich die anderen suhlen. Sie möchte die Diskussion gerne in eine andere Richtung lenken. Statt über das kollektive Leiden der Deutschen an ihrer Geschichte will sie über Gesellschaft reden, darüber, „wie es dazu kommen konnte“ und darüber, ob der heutige Antisemitismus und Rassismus, ob Sarrazin oder NSU vielleicht in einem Zusammenhang zum Nationalsozialismus stehen.

Aufgenommen werden diese Einwürfe freilich nicht. Im Gegenteil, als sie es gegen Ende der Sendung noch ein zweites Mal versucht, pflaumt Gastgeber Lanz sie in beleidigtem Tonfall an. Denn solche Profanitäten interessieren nicht, wenn deutsche Erinnerungskultur produziert wird. Sie sind „viel zu oberflächlich“ (Baring), weil sie nicht das „kollektive Trauma“ (Lanz) der Deutschen betreffen. Es geht hier nicht um gesellschaftliche Prozesse, es geht um „kollektives Erinnern“. Es geht darum, dass Baring die Tränen kommen, wenn er vom Krieg erzählt, und Lanz sich sichtlich über diese „emotionale Erschütterung“ in seiner Sendung freut.

[...]

http://www.publikative.org/2013/03/26/deutsche-geschichte-bei-markus-lanz-zu-wenig-kolonien-zu-viele-juden/

Durschnittliche Deutsche sind nur noch Opfer, waren immer Opfer. Wenn Frau Weißband über Alltagsrassimus und -antisemitismus sprechen will, dann scheint sie den reigen des nationalen Selbstmitleids nur zu stören. Nazis sind derweil verpönt, deren Ansichten jedoch nicht...

https://www.freitag.de/autoren/bastian84/gute-mitte-boese-nazis-unfaehige-behoerden

Bastian84 27.05.2013 | 11:31

„Auf der Wartburg krächzte die Vergangenheit ihren obskuren Rabengesang, und bei Fackellicht wurden Dummheiten gesagt und getan, die des blödsinnigsten Mittelalters würdig waren! (...) Auf der Wartburg herrschte jener beschränkte Teutomanismus, der viel von Liebe und Glaube greinte, dessen Liebe aber nichts anderes war als Haß des Fremden und dessen Glaube nur in der Unvernunft bestand, und der in seiner Unwissenheit nichts Besseres zu erfinden wußte als Bücher zu verbrennen!"

Irgendwie muss ich da (Teutomanismus, Bücherverbennen) noch an andere Heinezitate denken:

99 Jahre bevor auch seine Bücher verbrannt wurden, "prophezeite" er:

„Das Christenthum – und das ist sein schönstes Verdienst – hat jene brutale germanische Kampflust einigermaßen besänftigt, konnte sie jedoch nicht zerstören, und wenn einst der zähmende Talisman, das Kreuz, zerbricht, dann rasselt wieder empor die Wildheit der alten Kämpfer, die unsinnige Berserkerwuth […] Der Gedanke geht der That voraus, wie der Blitz dem Donner. Der deutsche Donner ist freylich auch ein Deutscher und ist nicht sehr gelenkig und kommt etwas langsam herangerollt; aber kommen wird er, und wenn Ihr es einst krachen hört, wie es noch niemals in der Weltgeschichte gekracht hat, so wißt: der deutsche Donner hat endlich sein Ziel erreicht. Bey diesem Geräusche werden die Adler aus der Luft todt niederfallen, und die Löwen in der fernsten Wüste Afrikas werden die Schwänze einkneifen und sich in ihre königlichen Höhlen verkriechen. Es wird ein Stück aufgeführt werden in Deutschland, wogegen die französische Revoluzion nur wie eine harmlose Idylle erscheinen möchte.“

aus: Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland

Aber wir verstehen uns bass,
Wir Germanen auf den Hass.
Aus Gemütes Tiefen quillt er,
Deutscher Hass! Doch riesig schwillt er,
Und mit seinem Gifte füllt er
Schier das Heidelberger Faß.

Aus: Diesseits und jenseits des Rheins

Bastian84 27.05.2013 | 11:36

"Könnte man diese kranken Geister nicht einfach deportieren? Das wäre doch sicherlich im Sinne dieses Geistes. Ich verstehe einfach nicht das es eingetragene Organisationen gibt die derartiges Gedankengut hervorbringen. Das ist nicht national das ist nicht rational. Ich finde deutschland schön aber es wird sicherlich noch schöner wenn wir solch Volk verdammen und einfach nicht in unserer Mitte akzeptieren."

Deportieren?

1. Wäre das inhuman

2. Wer will die denn haben? Manch einer von denen würde sich doch am liebsten selber nach Schlesien, Pommern oder ins Elsass "deportieren"...

P.S. Schreiben sie deutschland ruhig weiterhin klein.

Bastian84 27.05.2013 | 12:18

"Das trifft auf alle Vereine zu."

Die Frage ist, warum wird wer ausgeschlossen?

"Das liegt in ihrer Entstehung begründet, als Frauen ein Studium noch verwehrt wurde."

Heute dürfen Frauen aber studieren, warum also nicht in die Burschenschaft?

"Sieht so aus, als wollen die aus dem gleichen Kulturkreis und einfach unter sich sein. Findet man noch ausgeprägter bei den Vertriebenenverbänden."Aha. Vertriebenenverbände. Die Vertriebenenverbände, die neulich malzugegeben haben, dass ihre Vereine als Auffangbacken für Nazis fungierten?Übrigens: "Als Kulturkreis bezeichnete man in den Geisteswissenschaften früher ein großflächiges Siedlungsgebiet, dessen Mitgliedern die gleiche oder zumindest eine ähnliche Kultur zugeschrieben wird. Der Begriff, der aus der heute als überholt geltenden Kulturkreislehre stammt, wird in der deutschsprachigen Ethnologie aus verschiedenen Gründen mittlerweile recht einhellig abgelehnt. Stattdessen wird der neutrale Begriff Kulturraum verwendet.[...]

Die Kulturkreislehre wurde 1898 von Leo Frobenius als Theorie der Völkerkunde eingeführt. Postuliert wird eine fortschreitende chronologische Weiterentwicklung der menschlichen Kultur.

Frobenius selbst gab diese Theorie als nicht überzeugend wieder auf und entwickelte stattdessen den Ansatz der Kulturmorphologie. Aufgegriffen und weiterentwickelt wurde sie von dem deutschen Historiker Fritz Graebner als Gegentheorie zum Evolutionismus, der von einem gemeinsamen Ursprung aller Ethnien ausgeht. „Seine meist zitierte Quelle ist ein gewisser Christoph Meiners, deutscher Philosophieprofessor, einer der Urheber der kulturellen Bewertung von Rassen, welche eine Wiege der Auffassung vom Herrenmenschen eines Adolf Hitlers darstellt.“[1]

Die Kulturkreislehre wurde vor allem von der Wiener Schule der Völkerkunde Anfang des 20. Jahrhunderts aufgegriffen, von Pater Wilhelm Schmidt und Pater Wilhelm Koppers. Sie erfanden den Begriff „Urkulturkreis“, der von Anfang an monotheistisch, monogam und patriarchalisch gelebt habe und daher völkerkundlich der wertvollste sei. Die Lehre wurde so zu einer Rassentheorie. Schmidt war auch Anhänger des Sozialdarwinismus.[1] Ein weiterer Wiener Vertreter war Paul Schebesta, der als Missionar in Mosambik tätig war.

Die Wiener Schule verwendete die Begriffe „Urkultur“, „Primärkultur“ und „Sekundärkultur“, wobei die Urkultur die wertvollste sei; die „Kulturvölker“ wurden im Vergleich dazu als degeneriert angesehen.

„Die Wiener Schule der Kulturkreislehre dominierte die deutschsprachige Ethnologie bis in die 1930er, vielleicht 1940er Jahre hinein, obwohl sie in den späteren Jahren zunehmend massiver Kritik ausgesetzt war, die sich […] vor allem gegen die schematische Vorgehensweise und die zunehmend als unzeitgemäß empfundene Fixierung auf pseudohistorische Rekonstruktionen wandte.“

Martin Rössler: Die deutschsprachige Ethnologie bis ca. 1960: Ein historischer Abriss[2]

"https://de.wikipedia.org/wiki/Kulturkreis

"Historisch hat sich unser Deutsch sein aus den germanischen Stämmen, dem Heiligem Reich Deutscher Nation, dem Deutschen Reich und schließlich der Gründung der Bundesrepublik Deutschland entwickelt."

Ähja. Wenn man ein paar Völkerwanderungen und allerhand "Vermischungen" vor allem mit den Slaven mal außen vorlässt.

Übrigens, zu den "Germanen":

"· Der Beginn einer verhängnisvollen Geschichte: Cäsar hat die Germanen erfunden, Tacitus hat sie als edle Barbaren beschrieben, und spätere Generationen haben daraus die Deutschen gemacht. Der Harvard-Philologe Christopher B. Krebs zeigt in seinem Werk «Ein gefährliches Buch» diesen Weg bis zum Schluss auf. Tacitus wird immer wieder als Geschichtsschreiber bezeichnet und gerne zitiert. Sicher aber ist: Seine «Germania» ist kein faktischer Bericht." http://rerum-publicarum.blogspot.de/2012/05/germania.html

"Nationaler Schwindel

Deutsche Identität im 19. Jahrhundert

[....]

Das Interesse des 19. Jahrhunderts an den Germanen kam nicht von ungefähr, der Wunsch war hier Vater des Gedankens: Männer wie Jacob Grimm wollten die Ursprünge der Nation möglichst weit in die Vorzeit zurückverlegen und damit beweisen, daß die Deutschen durchaus mit anderen Nationen konkurrieren können und ihnen an Alter und Würde nicht nachstehen. In seinem Eifer ließ sich Jacob Grimm auch von der schlechten Quellenlage nicht schrecken und konstruierte, die eigenen methodischen Prämissen unbekümmert verletzend, seine spekulative „Deutsche Mythologie" (1835; erweitert 1844).

Deutscher Michel

Die biologische und soziale Einheit des „Volkes" wurde zum Zentralwert stilisiert und diente sehr bald der Legitimierung von Kriegen, wenn es angeblich darum ging, das Überleben des „Volkes" als dem natürlichen Träger der „Kultur" zu sichern. Beide Textkorpora, Nibelungendramen wie historische Romane, lassen sich als Auseinandersetzung mit der Zeit lesen, in der sie entstanden sind, obwohl erstere ihre Handlung in eine mythische Vorzeit legen und letztere die alten Germanenkämpfe darstellen. Dahns Kriegerkasten zum Beispiel haben, wenn man sie auf aktuelle Konflikte (zum Beispiel den 1870/71er Krieg) projiziert, immer einen anachronistischen Zug: der historische Roman zelebriert einen elitären Heldentypus, der angesichts der durchtechnisierten modernen Kriegsführung alt ausgesehen hätte; und die französische Bewältigungsliteratur griff auf die antiken Vandalen zurück, um die deutsche Kriegs- und Zerstörungswut zu benennen.

[...]" http://www.netzwerk-literaturkritik.de/wiki/index.php/Nationaler_Schwindel_-_Deutsche_Identit%C3%A4t_im_19._Jahrhundert

"Von den Historikern der Annales-Schule wissen wir, das sich bestimmte Mentalitäten jahrhundertelang ausbilden und noch länger bestehen."

"Die Abwendung von Ereignisgeschichte, von Politik-, Diplomatie- und Militärgeschichte, wie sie in Deutschland besonders vertreten waren, wird von einigen Historikern kritisiert: Die Annales-Schule entferne sich mitunter zu weit von den gesicherten Fakten, argumentiere anachronistisch, gehe zu sehr von dem aus, was aufgrund ihrer Theorien zu erwarten sei und vernachlässige politische Faktoren zu sehr. Dieser grundsätzliche methodologische Dissens konnte bislang nicht gelöst werden.[1]" http://de.wikipedia.org/wiki/Annales-Schule#Kritik

"Mentalitätsgeschichte

Mentalitätengeschichte, moderner, vonFrankreich ausgehender Zweig der Geschichtswissenschaft; von den Historikern M. Bloch und L. Febvre entwickelt; versucht die im lateinischen Begriff »mens« enthaltenen Bedeutungsfelder - Geist und Verstand, Gefühl und Leidenschaft, Haltung und Verhalten - zu berücksichtigen. Die Mentalitätsgeschichte, die u. a. enge Verbindungen zur Alltagsgeschichte (Alltag) und zur Historischen Anthropologie aufweist, bezieht in die Erforschung geschichtlicher Vorgänge und Epochen die Formen des Alltagswissens und die dem Bewusstsein der betreffenden Zeit entzogenen, aber tatsächlich wirksamen Denkmuster ein. Der Versuch, »kollektive Mentalitäten« zu analysieren und sie als soziokulturelle Muster zu interpretieren, um so das geistige Klima einer Gesellschaft zu rekonstruieren, stößt v. a. auf das Problem der Erschließbarkeit; so mangelt es häufig an seriellen Quellen, entziehen sich bestimmte Bevölkerungsteile (besonders gesellschaftliche Unterschichten) zumeist einer quellenmäßigen Erfassung oder die Befunde sind nicht genügend repräsentativ. Dennoch ermöglicht die Mentalitätsforschung der Geschichtswissenschaft neue, komplexere Sichten v. a. auf die Kultur- und Sozialgeschichte, erschließt sie einen spezifischen Zugang zu den Handlungsorientierungen des Volkes beziehungsweise einzelner Gruppen und Schichten, erfasst sie bislang noch nicht berücksichtigte Quelleninhalte beziehungsweise erweitert den Kreis der herangezogenen Zeugnisse und führt zur Kooperation mit anderen Wissenschafts-Disziplinen (besonders Sprachwissenschaft, Kunst- und Literaturgeschichte)." http://universal_lexikon.deacademic.com/272227/Mentalit%C3%A4tsgeschichte

Bastian84 27.05.2013 | 12:22

"So ist auch unsere gesetzliche Erbfolge durch das Blut der Abstammung begründet, von der man ausdrücklich abweichen kann und muss, wenn man dies will und vor dem Erbfall schriftlich erklärt.

Dass es sich bei den besagten Burschenschaften um nationalistische, reaktionäre, revanchistische, revisionistische, rassistische und wer weiß sonst noch was für Gruppen handelt, ist ja nun offensichtlich. Sie befinden sich damit mit den vielen Sarrazins Deutschlands in ähnlicher Gesellschaft. Schließlich wurde auch die Bundesrepublik bisher überwiegend von rückschrittlichen, konservativen und nationalistischen Kreisen regiert,"

damit haben sie weitestgehend Recht. "Deutscher wird man nicht, Deutscher ist man". Allerhöchstens darf man sich in der postnazistischen Republik als "Passdeutscher" verunglimpfen lassen.

Bastian84 27.05.2013 | 12:28

"Grade aufgefallen: Wurde bzw. wird ein vergleichbarer "Ariernachweis" nicht auch von den Spätaussiedlern gefordert, um als Deutsche anerkannt zu werden?"

Ja, so ist dass in der postnazistischen deutschen Republik. Die Burschen leiten den Ariernachweis sogar direkt aus einem Teutschen Gesetz von 2007 ab:

"Die Definition eines Deutschen entspricht dem § 6, Absatz 1 des bundesdeutschen Vertriebenengesetzes 2007, das festhält, daß als wesentliche Kennzeichen des deutschen Volkstums eben die „Merkmale Abstammung, Sprache, Erziehung, Kultur” sind.

Auch in der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zum bundesdeutschen Vertriebenengesetz (BVFG-VwV) zum § 6 heißt:

„Die kumulativ zu erfüllenden Merkmale der deutschen Volkszugehörigkeit sind:

deutsche Abstammung (Nr. 2.1)ausschließliches Bekenntnis zum deutschen Volkstum [...] oder Zurechnung zur deutschenNationalität nach dem Recht des Herkunftsstaates [...]Bestätigung des Bekenntnisses [...] durch die Fähigkeit der familiären Vermittlung ein einfaches Gespräch in deutscher Sprache [...] führen zu können (Nr. 2-3)Zu Nr. 2.1.: Deutsche Abstammung: Mit Abstammung im Sinne der Vorschrift ist ausschließlich das leibliche Kind (der ersten Generation) gemeint, nicht hingegen Adoptiv-, Stief- oder Pflegekinder. Zumindest ein Elternteil muß daher die deutsche Staatsangehörigkeit oder die deutsche Volkszugehörigkeit besitzen.“


Es ist daher legitim und sinnvoll, auf die Frage der Abstammung zusätzlich zu den im bisherigen Artikel 9, Absatz 1 der DB-Verfassung genannten Kriterien einzugehen und diese einzufügen.

Da einer der wesentlichsten Grundsätze und Verfassungsbestandteile der Deutschen Burschenschaft der staatenübergreifend wirksame volkstumsbezogene Vaterlandsbegriff ist, ist die Anwendung der Rechtsgrundlage des zitierten bundesdeutschen Gesetzes analog auch im Rahmen der Deutschen Burschenschaft anwendbar, da sich ja Angehörige des Deutschen Volkes in vielen Gebieten Europas (und der Welt) befinden." https://linksunten.indymedia.org/node/71883

Bastian84 27.05.2013 | 12:33

Andererseits: Nazis sehen sich gerne als Vollstrecker einer "schweigenden Mehrheit". Um so lauter also Burschenschaften und Co. ähnliche Ansichten rausbrüllen, Bahring bei Lanz "die Juden" als Tätervolk bezeichnet und Sarrazin zugejubelt wird, um so eher sehen gewalttätige Nazis ihre Handlungen als legitim an.Andererseits: Nazis sehen sich gerne als Vollstrecker einer "schweigenden Mehrheit". Um so lauter also Burschenschaften und Co. ähnliche Ansichten rausbrüllen, Bahring bei Lanz "die Juden" als Tätervolk bezeichnet und Sarrazin zugejubelt wird, um so eher sehen gewalttätige Nazis ihre Handlungen als legitim an.

Bastian84 27.05.2013 | 12:36

LEIDER hat ihr Widerpart recht. Die Burschen leiten den Ariernachweis sogar direkt aus einem Teutschen Gesetz ab. Nein, keines von 1933. Eines von 2007:

"Die Definition eines Deutschen entspricht dem § 6, Absatz 1 des bundesdeutschen Vertriebenengesetzes 2007, das festhält, daß als wesentliche Kennzeichen des deutschen Volkstums eben die „Merkmale Abstammung, Sprache, Erziehung, Kultur” sind.

Auch in der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zum bundesdeutschen Vertriebenengesetz (BVFG-VwV) zum § 6 heißt:

„Die kumulativ zu erfüllenden Merkmale der deutschen Volkszugehörigkeit sind:

deutsche Abstammung (Nr. 2.1)ausschließliches Bekenntnis zum deutschen Volkstum [...] oder Zurechnung zur deutschenNationalität nach dem Recht des Herkunftsstaates [...]Bestätigung des Bekenntnisses [...] durch die Fähigkeit der familiären Vermittlung ein einfaches Gespräch in deutscher Sprache [...] führen zu können (Nr. 2-3)Zu Nr. 2.1.: Deutsche Abstammung: Mit Abstammung im Sinne der Vorschrift ist ausschließlich das leibliche Kind (der ersten Generation) gemeint, nicht hingegen Adoptiv-, Stief- oder Pflegekinder. Zumindest ein Elternteil muß daher die deutsche Staatsangehörigkeit oder die deutsche Volkszugehörigkeit besitzen.“


Es ist daher legitim und sinnvoll, auf die Frage der Abstammung zusätzlich zu den im bisherigen Artikel 9, Absatz 1 der DB-Verfassung genannten Kriterien einzugehen und diese einzufügen.

Da einer der wesentlichsten Grundsätze und Verfassungsbestandteile der Deutschen Burschenschaft der staatenübergreifend wirksame volkstumsbezogene Vaterlandsbegriff ist, ist die Anwendung der Rechtsgrundlage des zitierten bundesdeutschen Gesetzes analog auch im Rahmen der Deutschen Burschenschaft anwendbar, da sich ja Angehörige des Deutschen Volkes in vielen Gebieten Europas (und der Welt) befinden." https://linksunten.indymedia.org/node/71883

Ja, so ist dass in der postnazistischen teutschen Republik...

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Ehemaliger Nutzer 27.05.2013 | 13:10

"„In Zeiten fortschreitender Überfremdung“ sei es „nicht hinnehmbar, dass Menschen, welche nicht von deutschem Stamm sind, in die Deutsche Burschenschaft aufgenommen werden“, hieß es in dem Antrag."

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Das ist ein politisches Zeichen wofür? Das gab es schon einmal in Deutschland. Da sollten alle Ampeln auf ROT schalten.

Hallo ZdJ, wo ist Euer Protest gegen Nazis? So fing es an:

"Der erste klare Beweis für die Nazi-Politik in Bezug auf die Juden ist im Parteiprogramm vom Februar 1920 zu finden. Ich lege als Beweismittel Dokument 1708-PS, US-255, das Programm der NSDAP vor. MitErlaubnis des Gerichtshofs möchte ich den bezüglichen Teil dieses Programms zitieren: Punkt vier:

»Staatsbürger kann nur sein, wer Volksgenosse ist, Volksgenosse kann nur sein, wer deutschen Blutes ist, ohne Rücksicht auf die Konfession....«

[...]

»Das Recht, über Führung und Gesetze des Staates zu bestimmen, darf nur dem Staatsbürger zustehen. Daher fordern wir, daß jedes öffentliche Amt, gleichgültig welcher [582] Art, gleich ob im Reich, Land oder Gemeinde, nur durch Staatsbürger bekleidet werden darf.«"

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Ehemaliger Nutzer 27.05.2013 | 13:14

Und so ging es weiter:

"In Deutschland geborenen Juden wurde die Staatsangehörigkeit entzogen: Reichsgesetzblatt 1935, Teil I, Seite 1146, unterzeichnet von dem Angeklagten Frick.

Juden durften mit Personen deutschen Blutes weder verheiratet sein noch außereheliche Verbindungen haben: Reichsgesetzblatt 1935, Teil I, Seite 1146, unterzeichnet von den Angeklagten Frick und Heß.

Juden wurde das Wahlrecht aberkannt: Reichsgesetzblatt 1936, Teil I, Seite 133, unterzeichnet von dem Angeklagten Frick.

Juden konnten keine öffentlichen Ämter oder Staatsstellen bekleiden: Reichsgesetzblatt 1933, Teil I, Seite 277, unterzeichnet von dem Angeklagten Frick.

Es wurde beschlossen, die Juden auf ein niedrigeres Niveau herabzudrücken, indem man ihnen die allgemeinen Rechte und Freiheiten entzog. Gewisse Stadtteile und Straßen, Verkehrsmittel, Unterhaltungsstätten und Gaststätten waren ihnen verboten: Reichsgesetzblatt 1938, Teil I, Seite 1676.

Mit der Zeit wurden immer strengere Maßnahmen angewandt, die soweit gingen, daß man ihnen die Ausübung ihrer privaten Beschäftigung untersagte. Sie durften den zahnärztlichen Beruf nicht mehr ausüben: Reichsgesetzblatt 1939, Teil I, Seite 47, unterzeichnet von dem Angeklagten Heß.

Sie wurden vom Rechtsanwaltsberuf ausgeschlossen: Reichsgesetzblatt 1938, Teil I, Seite 1403, unterzeichnet von den Angeklagten Frick und Heß.

Sie durften ihrer ärztlichen Praxis nicht mehr nachgehen: Reichsgesetzblatt 1938, Teil I, Seite 969, unterzeichnet von Frick und Heß. Sie durften weder in der Presse noch am Rundfunk tätig sein: Reichsgesetzblatt 1933, Teil I, Seite 661.

Sie wurden von der Börse und dem Aktienhandel ausgeschlossen: Reichsgesetzblatt 1934, Teil I, Seite 169; und

sogar von der Landwirtschaft: Reichsgesetzblatt 1933, Teil I, Seite 685.

Im Jahre 1938 wurden sie aus dem allgemeinen Geschäfts- und Wirtschaftsleben Deutschlands ausgeschaltet: Reichsgesetzblatt 1938, Teil I, Seite 1580, unterzeichnet von Göring.

Die Juden wurden gezwungen, nachteilig hohe Steuern und hohe Sühnestrafen zu zahlen; ihre Heimstätten, Bankkonten, Grundstückbesitze usw. wurden ihnen genommen.

[…]

Und dann den letzten Absatz auf Seite 22 der Übersetzung, die dem Gerichtshof vorliegt. Ich zitiere:

»Ich werde den Wortlaut wählen, daß die deutschen Juden in ihrer Gesamtheit als Strafe für ihre ruchlosen Verbrechen usw. eine Kontribution von 1 Milliarde auferlegt bekommen. Das wird hinhauen, die Schweine werden einen zweiten Mord so schnell nicht machen. Im übrigen muß ich noch einmal feststellen: Ich möchte kein Jude in Deutschland sein.«

Solche absonderliche Bemerkungen waren es, die Verordnungen zur Folge hatten, denn nach dieser Sitzung wurde eine Verordnung erlassen, die den deutschen Juden eine Geldstrafe von 1 Milliarde auferlegte: Reichsgesetzblatt 1938, Teil I, Seite 1579, datiert vom 12. November 1938, unterzeichnet von dem Angeklagten Göring.

Ähnliche Verordnungen finden sich im Reichsgesetzblatt 1939, Teil I, Seite 282, unterzeichnet von dem Angeklagten Göring; und Reichsgesetzblatt 1941, Teil I, Seite 722, unterzeichnet von den Angeklagten Frick und Bormann.

Schließlich wurde im Jahre 1943 den Juden auch der letzte Rechtsschutz durch einen Erlaß entzogen, den die Angeklagten Bormann und Frick und einige andere unterzeichneten, und die Polizei allein bekam die Entscheidungsbefugnis über Strafe und Tod: Reichsgesetzblatt 1943, Teil I, Seite 372, unterzeichnet von Frick und Bormann."

Aus den Prozessakten der Nürnberger Prozesse:

file:///media/FC96-2C58/buchenwald2/Nachmittagssitzung.html

http://docusec.de

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Ehemaliger Nutzer 27.05.2013 | 13:26

Und das haben wir hier und heute:

Andre E. war in der regionalen Kameradschaftsszene in Sachsen aktiv, betrieb einen Szene-Versandhandel im Netz - und diverse Tätowierungen auf seinem Körper lassen keine Zweifel an seiner tiefbraunen Gesinnung aufkommen: Ein Porträt von Horst Wessel auf dem Oberkörper, der Schriftzug "Die Jew Die" (Stirb, Jude, stirb!) - sowie der Name der Kameradschaft "Weiße Bruderschaft Erzgebirge", dazu weitere einschlägige Symbole, die bei Rechtsextremen beliebt sind.

http://www.tagesschau.de/inland/nsuandree100.html

Hallo Ihr Rabbiner vom Simon-Wiesenthal-Center, die Ihr so eifrig gegen Herrn Augstein u.a. im Zweifel Linke agiertet? Wo seid Ihr?

"Es [SWC] verfolgt das Ziel, Toleranz und Verständnis gegenüber Mitmenschen in der heutigen Zeit zu bewahren, was durch aktives Einbeziehen der Gesellschaft und deren Aufklärung und Bildung erreicht werden soll. Das Simon Wiesenthal Center beschäftigt sich mit Rassismus, Antisemitismus, Terrorismus und Völkermord. ..."

http://de.wikipedia.org/wiki/Simon_Wiesenthal_Center

gweberbv 27.05.2013 | 14:04

Ja, so ist dass in der postnazistischen deutschen Republik.

Na, wenn man unterstellt, dass es sowas wie ein "Deutschtum" gibt, landet man zwangsläufig bei Kriterien wie Abstammung, kultureller Background, etc. Identifiziert sich jemand wiederum positiv mit diesem Deutschtum, ist es auch naheliegend, dessen allmäliges "Verblassen/Zerfasern" in einer ethnisch-kulturell durchmischten Gesellschaft, in der viele "-tums" ineinanderlaufen, abzulehnen.

Das halte ich für die Mehrheitsmeinung im konservativen Teil der Familie. Das ist sicherlich keine konstruktive Haltung, mit sich die Weiterentwicklung des Gemeinwesens positiv gestalten läßt (vergleichbar mit "Frauen an den Herd/die Krippe", "Familie nur mit Trauschein und Trauschein nur für Heteros, etc."), aber legitim ist es allemal.

balsamico 27.05.2013 | 14:19

LEIDER hat ihr Widerpart recht. Die Burschen leiten den Ariernachweis sogar direkt aus einem Teutschen Gesetz ab. Nein, keines von 1933. Eines von 2007:

Keineswegs hat er recht. Das Vertriebenengesetz regelt die staatliche Versorgung von Vertriebenen und Flüchtlingen. Für diese Zwecke mag es angehen, unter anderem auch auf die Abstammung abzustellen. Daraus kann aber nicht hergeleitet werden, dass die auf das Vertriebenengesetz bezogene und darauf beschränkte Definition generell gelte, also auch dafür, wer zwecks Einritt in eine Burschenschaft als Deutscher zu gelten habe.

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Ehemaliger Nutzer 27.05.2013 | 16:04

Ach Gottchen Herr Kuntz, einen Nazivergleich untersten Antifakindergarten nennen und dann bzw. vorher selber einen machen ("Stürmerstil"), sowas ist immer bisschen doof für die eigene Argumentation.
Warum?

Ich finde, dass ich mit dem was ich über die sachlich unhaltbaren Blonde-Haare-Sätze der Autorin schreibe, richtig liege, diese aber mit recht pauschal vorgebrachten Vorwürfen gegen die Burschenschaften eher falsch liegt.

Ganz abgesehen davon, dass Sie uns (aus Absicht? aus Unkenntnis?) in dem "männerbündischen" Klischeebild, das sie zeichnet, verschweigt dass es "gemischte Burschenschaften" und sogar Damenverbindungen gibt, erfahren wir in dem Text, dass angeblich alle Mitglieder der Burschenschaften blond sind und einen Seitenscheitel haben. Das ist nicht nur abwegig falsch, es insinuiert auch, dass blonde Haare etwas schlechtes sind. Dieser Satz wäre auch dann irre, wenn er sachlich zuträfe und nicht rein erfunden wäre.

Früher war das angeblich Böse dunkelgelockt, heute ist es blond und gescheitelt. Wir gefällt weder das einen noch das andere.

Sie dürfen das Zweite gerne ganz toll finden.

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Ehemaliger Nutzer 27.05.2013 | 17:51

Sie müssen ja nicht verstehen, was ich schreibe oder können, da Sie ja nicht auf den Kopf gefallen sind, auch gerne so tun, als würden Sie es nicht verstehen.

Falls das erste zutrifft, wiederhole ich gerne nocheinmal:

Auf Ernstchens Nachfrage habe ich erklärt, warum ich den Beitrag oben an der Stelle stürmerlike finde, wo er behauptet, dass die Burschenschafter, man mag sie für das absolute Böse halten oder Grautöne sehen, es ist für das, worum es mir hier geht, ganz egal"alle blond" sind, stürmerlike finde. Ganz nüchtern, abstrakt und vom Muster her.

Der weiße deutsche Mann, ach was, der blonde weiße deutsche Mann ist schlecht, böse, gestrig, gefährlich sagt uns dieser Beitrag ziemlich wörtlich. Es ist lupenreiner Rassismus.

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Ehemaliger Nutzer 27.05.2013 | 17:59

Da es Deutschland bald nicht mehr geben wird,--seit Ende WK II kein souveräner Staat mehr :Zitat W.Schäuble auf dem European Banking Kongress 2012-- und die Verdünnung der Deutschen durch Einwanderung sehr erwünscht ist(Jürgen Trittin), habe ich viel Verständnis dafür, dass es Menschen gibt, die trotzdem deutsch sein und in Clubs unter sich sein wollen ohne dass ständig Aussenstehende meinen mitreden zu müssen.

Warum denn nicht? Gegen Trachtenvereine hat man doch auch nichts.

Ich selber bin übrigens 50 % arisch(mit Ahnentafel) und 50 % ausländisch.

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Ehemaliger Nutzer 28.05.2013 | 11:03

Ich find den Artikel auch unausgewogen. Auch wenn es ein Skandal ist, dass so ein Antrag überhaupt eingebracht wird, die Darstellung Burschenschaften als solche seien eine Brutstätte rechtsextremer Gesinnung, Austritte aus dem Dachverband erfolgten nur aus Kalkül und es gäbe keine liberalen Verbindungen, ist unzutreffend.

Hier gibt es eine rechts-ideologische Burschenschaft, deren Mitglieder haben bei den anderen Burschenschaften Hausverbot. Ich wohne neben einer tatsächlich liberalen Burschenschaft, die ausdrücklich u. a. Asiaten und Afrikaner willkommen heißt.

Aus deren Selbstverständniserklärung: Menschen, die Patriotismus und Nationalismus nicht auseinander halten können, sind bei uns fehl am Platz.

Es wurde ein neuer Dachverband (neue deutsche Burschenschaft, Neue DB) gegründet, dem bereits 22 Burschenschaften angehören, um sich nachdrücklich von allen rechten Tendenzen zu distanzieren.

Aus deren Selbsverständnis: Die Werte der burschenschaftlichen Bewegung lassen keinen Raum für Rassismus!

Man kann viel über Burschenschaften als solche sagen, ich finde es schade, dass nur die allerwenigsten Frauen aufnehmen. Aber man kann auch bedenken, dass Burschenschaften vielen HartzIV-Kindern überhaupt erst ermöglichen in Städten wie München oder Erlangen, wo die Mieten sehr hoch sind, zu studieren.

miauxx 29.05.2013 | 00:10

"Ich finde, dass ich mit dem was ich über die sachlich unhaltbaren Blonde-Haare-Sätze der Autorin schreibe, richtig liege, diese aber mit recht pauschal vorgebrachten Vorwürfen gegen die Burschenschaften eher falsch liegt. (...)

"dass es "gemischte Burschenschaften" und sogar Damenverbindungen gibt, erfahren wir in dem Text, dass angeblich alle Mitglieder der Burschenschaften blond sind und einen Seitenscheitel haben. Das ist nicht nur abwegig falsch, es insinuiert auch, dass blonde Haare etwas schlechtes sind."

Wie kann man nur so eine Energie darauf verwenden, sich um die blonden Haare, auf die ein "schlechtes" Licht fallen könnte, zu sorgen sowie, dass über Burschenschaften falsch informiert werde, wo man doch bitteschön auch die "Damenverbindungen" erwähnen sollte??!!

Die Autorin zitiert weiß Gott genug Bedenkliches aus den Reihen der "Studentenvereinigungen", wie Sie sie so harmlos benennen. Dass es Ihnen dagegen einzig darum geht, dass "phänotypisch" und "rassistisch" verfahren werde, weil "blond" zu etwas Schlechtem werde - was Ihre exklusive Lesart ist -, ist ein merkwürdiger Fokus.

Sie übersehen, ich unterstelle, bewusst, dass es seitens des Dachverbandes DB sehr eindeutige Formulierungen gibt, die an "Rassereinheit" gemahnen. Kritik an der Kritik der Autorin, auf die Sie sich zurückziehen, ist in Ordnung. Aber dann machen Sie doch Vorschläge! Wenn die Autorin verkürzt und pointierend unterstellt, man stelle sich seitens der DB den "blond Gescheitelten" vor, so kann sie sich damit immerhin an dessen Äußerungen anlehnen, die eben auf ein sattsam bekanntes Rassenbild abheben. Der so bedeutungsschwanger formulierte Vorwurf Ihrerseits, es sei "sachlich falsch", dass alle Burschen blond seien ist eine Binse, die keiner Erwähnung bedarf und in diesem Zusammenhang nur lächerlich!

Ich glaube, Sie üben nur einmal wieder Ihre Rolle in der FC als Dissident gegen den "bolschewistischen Meinungsmainstream". Geben Sie's zu: Sie warten nur darauf, wieder mal "Nazi" genannt zu werden ..

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Ehemaliger Nutzer 29.05.2013 | 23:43

Nein, es ist genau umgekehrt. Die Burschenschaftskritiker bedienen sich der Nazisprache. "Ariernachweis" - das ist weder vom Wording noch vom Inhalt das, was die Burschenschaft beschäftigt. Man diskutiert dort, was "deutsch" heißt. Wo man es biologistisch denkt, ist es in der Tat ein Unding. Den "Chinesen" nicht aufzunehmen ist schlechthin gaga. Nur - was will man eigentlich? Darüber hat sich der ganze Verband gerade zerlegt. Und zwar in die wie ich finde richtige Richtung. Die kulturalistische. Und die ist fließend, dynamisch. Alles andere ist in etwa so lächerlich wie die Sprachschützer, die glauben, Sprache könne "stabil" sein. Das heißt aber nicht, dass ich "Berichterstattungen", die so tun, als handle es sich bei der deutschen Burschenschaft (einer sehr vielschichtigen Welt, von anderen Korporationen ganz zu schweigen) um eine Naziorganisation, in der man davon träumt, in der Ukraine jüdische Mädchen zu schlachten. Das ist schlechthin lächerlich. Und, die Einschläge kommen näher, Medien, die lieber weltanschauliche Zerrbilder zeichnen, anstatt auch nur im Ansatz objektiv zu berichten, erleben Stück für Stück die Konsequenzen. Es ist ungesund, Traditionen und überhaupt Geschichte mit Maßstäben ex post messen zu wollen. Und es mit Journalismus zu verwechseln führt dazu, dass man irgendwann den Axel Springer Verlag beneidet, der mit Schweinejournalismus wenigstens Geld verdient.

Georg von Grote 29.05.2013 | 23:58

Ich bin ja nun durchaus mit Verbindungen nicht ganz unvertraut. Gehörte bei uns quasi zur Familientradition. Ich hatte insoweit Glück, dass mein Vater sich schon geweigert hat und ich insoweit damals schon genug kritisches Bewußtsein mit auf den Weg bekommen habe. Meine Cousins waren da anders gestrickt und ließen sich ihren traditionellen Schmiss in die Visage setzen.

Mich würde mal interessieren, worin Sie heutzutage noch eine Daseinsberechtigung in Burschenschaften und Studentenverbindungen sehen, ausser einer überholten Tradition und den dort existierenden Seilschaften.

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Ehemaliger Nutzer 30.05.2013 | 00:18

Dieselbe wie Gesangsvereine. Nahezu keine. Dass heißt aber nicht, dass in einer pluralen Gesellschaft Bürger A darüber zu bestimmen hätte, was Bürger B in seiner Freizeit tut. Und ihn als Nazi beschimpft, weil er es nicht versteht. Man kann den Menschen auch mitteilen, dass man das Mensurengemetzel nicht mag, ohne so zu tun, als wäre es historisch ein Bestandteil von Hitlers Außenpolitik. Es kommt woanders her.

Dass das Weltbild 19. Jahrhundert an Bedeutung verliert (übrigens ganz von alleine, und auch nicht bei den Burschenschaften, heißt nicht, dass man Moralität für sich in Anspruch nehmen kann, indem man diesen Dingen arrogant den Todesstoß versetzen will. Und im Namen von Toleranz zweimal nicht.

Wenigstens haben Sie genug Horizont am Start um nicht in das billigste Nazigeschrei nicht einzustimmen oder gar Baseballschlägerangriffe direkt oder indirekt gutzuheißen.

Und wenn man sich schon am Networking stört (wird das nicht allenthalben gefordert?), dann sehe man sich lieber mal die Corps an. Die sind in der deutschen Wirtschaft weit, weit besser vernetzt als die Burschen mit ihrer Altheidelbergromantik.

miauxx 30.05.2013 | 18:29

Ich finde, Sie suchen trotzdem über Gebühr das Haar in der Suppe. Der DB mag nicht vom "Ariernachweis" sprechen - doch ist das, was er in die Waagschale werfen wollte denn in der Sache so weit davon entfernt? Natürlich werden biologistische Erwägungen herangezogen. Der "Chinese" aus dem Beispiel hat schließlich einen dt. Pass, wuchs hier auf. "Chinese" ist er für den DB und ähnlich Denkende eben aufgrund äußerer Merkmale und was eben noch als nicht adäquat für einen "deutschen Burschen" angesehen werden mag. Einen (bekannten) Vorfall des versuchten Ausschlusses gab es auch schon bezüglich eines dunkelhäutigen Burschenschaftlers. Wenn Sie nun von "gaga" hinsichtlich biologistischer Begründungen sprechen, ist das wiederum reichlich verharmlosend.

Und: Die Autorin mag für Burschenschaften generell nichts übrig haben - hat aber trotzdem markiert, dass nicht alle so denken oder verfahren wollen. Es treten ja auch welche aus dem DB aus. Vielleicht sind das die, die noch am ehesten Ihrem Idealbild libertärer Gemeinschaften "im Geiste von 1848" entsprechen ... das sei mal dahingestellt ... Ich denke, dass es eben nur ein Ideal ist und eine retrospektive Verklärung.

Wie gesagt: Unsere Autorin hier mag vielleicht nicht den besten Text, mit der Tendenz zur Zuspitzung und Verallgemeinerung, geschrieben haben. Bezüglich des Materials für ihre Kritik am DB ist die Autorin aber deutlich besser ausgestattet als Sie mit Ihren Vorwürfen ("Stürmerstil") gegen sie.