Sonnencreme und leere Flaschen

Obamania Den amerikanischen Präsidenten erwartet in Berlin diesmal alles andere als ein euphorischer Empfang
Sonnencreme und leere Flaschen

Foto: der Freitag

In mehreren Reihen stehen die Eisengitter, in regelmäßigen Abständen hängen Polizisten wie nasse Säcke über den Gittern. Die Sonne brennt und selbst im Schatten rinnt den Uniformierten der Schweiß von der Stirn. Unter den Linden reiht sich Polizeibus an Polizeibus, die Motoren laufen, drinnen kühlt die Klimaanlage diejenigen, die nicht über den Absperrgittern hängen müssen.

Obama kommt und rund um das Brandenburger Tor herrscht Ausnahmezustand. 8.000 Polizisten sind im Einsatz, um den Besuch des Präsidenten zu sichern. Das Gelände ist weiträumig abgesperrt. „Wie komme ich denn zum Potsdamer Platz?“, fragt eine ältere Amerikanerin, einen verschwitzen Polizisten. Acht Kilometer müsse sie laufen, wie lang, wisse er auch nicht, er sei nicht von hier, antwortet der genervt. Während Berliner das Gebiet meiden, irren viele Touristen verwirrt herum. Touristenführer stehen Spalier und versuchen Kunden für ihre Touren zu bekommen. Die sind heute kürzer, Brandenburger Tor und Reichstag fallen weg – günstiger wird’s trotzdem nicht.

An einem der Eingänge wartet eine Schulklasse aus Hessen. Die Schülerinnen und Schüler sitzen träge auf dem Boden. Eigentlich hatte die Lehrerin eine Führung durch Madame Tussaud gebucht. Das Wachsfigurenkabinett aber liegt innerhalb des Sperrgebiets. „Nichts zu machen“, sagt die Polizei. Die Schülerinnen und Schüler freuen sich. Statt ins Museum geht’s heute in den Zoo. „Da könnt ihr chillen“, sagt die Lehrerin.

Rein dürfen nur die etwa 4500 geladenen Gäste. Die müssen aber schon vier Stunden vorher kommen, für die Sicherheitschecks. Dann heißt es warten. Und das bei über 30 Grad im Schatten. In der Schlange vor dem Sicherheitscheck stehen vor allem junge Menschen, das Wetter verjüngt Obamas Anhängerschaft. Es riecht nach Sonnencreme.

Julius hat eine Einladung über seine Schule bekommen. Er ist alleine hier. Obama findet er gut, und die Prism-Affäre ändert daran nichts. „Mir war sowieso klar, dass wir überwacht werden“, sagt er. Wer dummes Zeug poste, sei selber Schuld. So wie Julius denken viele in der Schlange zu Obama. Aber Begeisterung sieht anders aus. Bei Obamas letztem Berlin-Besuch im Sommer 2008 strömten 200.000 Menschen zur Siegessäule und feierten ihn. Von dieser Euphorie ist heute nichts mehr zu spüren. Die Stimmung ist gedrückt, und das liegt sicher nicht nur an der Hitze. Viel Realismus ist zu hören, und ein bisschen desillusioniert klingt eine Amerikanistik-Studentin: „Obama kann nicht alles umsetzen, was er vor hatte, aber er ist immerhin besser als die Alternativen.“

Vorne an den Sicherheitsschleusen müssen die Besucher alles abgeben, nur Ausweis und Einladung sind erlaubt. Neben dem Eingang türmen sich die zurückgelassenen Wasserflaschen. Ein Flaschensammler stopft sie hastig in seine Tüten: „Für mich ist das ein großer Tag“ sagt er. Wenigstens er klingt euphorisch.

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