Schwimmen, schwamm, geschwommen

Lebenslang Albträume im Pool
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Ich schwimme jetzt jeden Tag eine halbe Stunde, das ist einfacher als Runden zählen. Und dabei fällt mir doch tatsächlich mal wieder ein, dass ich den Freischwimmer, also das Zertifikat, also das runde Stück Stoff mit der einen Welle, das dann später auf meinen Mädchenbadeanzug draufgenäht wurde, unrechtmäßig erworben habe, weil ich da, wo das Kamener Schwimmbad flach wurde, auf dem Boden langgelaufen bin. Wie die blauen Kacheln sich unter den Füßen angefühlt haben, weiß ich noch wie heute, das ist ja Über-Ich-mäßig schon ein bisschen daneben.

Der Bademeister hatte Besseres zu tun als am Beckenrand mein Heldenstück zu beobachten. Er verkrümelte sich in sein Kabuff und kam mir nicht auf die Schliche. Jahrelang habe ich gemutmaßt, gar keine viertel Stunde durchzuhalten und demnach auch keinen Freischwimmer zu besitzen. Das sind solche Sachen wie das Mathe-Abi, von dem du zig Mal, vorzugsweise in Stresssituationen, träumst, irgendjemand würde es dir wegen Betrugsversuch nachträglich aberkennen. Aber ich habe mein Abi und den Freischwimmer und auch sonst noch einiges. Schließlich schwimme ich jetzt schon mehr als dreißig Minuten hier rum – Lizenz zum Fahrtenschwimmer, zwei Wellen! – und du denkst viel öfter über das nach, was nicht oder nicht so glatt geklappt hat, als darüber, wofür du dich übelst krumm gelegt hast, bis es endlich von Erfolg gekrönt wird … solche Ratgeberweisheiten erspare ich mir heute, bei dreißig Grad unter der Sonne, auch nicht.

14:21 18.06.2017
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Geschrieben von

C. Juliane Vieregge

Autorin von 2 Romanen, Kurzgeschichten und einem Essay über Leidenschaft (Die Perle in der Auster). Germanistik, ev. Theologie u. Kunstgeschichte.
C. Juliane Vieregge

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