RE: Papa braucht Mama | 22.05.2017 | 17:49

Beim vorletzten Absatz des Textes schwindet meit Mitleid auch ein wenig, denn wenn es sich Menschen nach einem langen Arbeitsleben leisten können, Fotos von itanlienischen Seen bei FB zu posten, oder so unglaublichen 'Luxus' wie Wein, na dann: schön für sie! Wieso bekrittelt man sowas?

Schön, dass die Antwort darauf gleich im darauffolgenden letzten Absatz erfolgt. Und es ist (sorry: mal wieder) jemand aus der Ökonomie, der hier entweder keinen Schimmer hat von realen Machtverhältnissen und Kausalitäten durcheinander bringt, oder einfach nur Müll erzählt. Die "Älteren haben die Jüngeren reingelegt?" Das ist genau die Sozialneidsrhetorik, mit der man Menschen aufwiegelt und von den eigentlichen Verursachern (Arbeitgeber und Politik) ablenkt.

Haben 'die Alten' etwa gefordert: "Bezahlt die jüngeren Generationen viel schlechter als uns! Wenn auch Dreißigjährige Urlaub an italienischen Seen machen können, macht uns unser Wohlstand keinen Spaß!"?

Nein. Arbeitgeber, in allen möglichen Branchen, in Europa und den USA, wollen im Großen und Ganzen keine Löhne mehr zahlen, die den Menschen eine solide Existenz ermöglichen. Und das immer gerne mit dem Verweiß auf den angeblich gefährdeten wirtschaftlichen Erfolg und die gnadenlose Konkurrenz aus Fernost. Und sie lachen sich schlapp, wenn ein Ökonom behauptet, der Konflikt verlaufe zwischen jung und alt.

RE: Talkshows - Einseitig und verzerrend | 27.03.2017 | 17:32

Die Kritik stimmt durchaus.

Ich bin mir aber extrem unsicher, ob ich von diesen Formaten des öffentlich-rechtlichen Fernsehens wirklich mehr Sendungen über soziale Themen sehen möchte. Schon die gängige Auswahl an Gästen hält mich selten länger als 15 Minuten vor dem Gerät.

Es tut mir leid, es klingt nach 08/15-Kritik über Politiker, aber pardon: Was das übliche Personal von Großer Koalition, Grüne und Linke so zu sagen hat, finde ich meistens himmelschreiend unoriginell und austauschbar.

Wo sind Politologen, Sozialwissenschaftler und kritische Ökonomen? Wo sind die intelligenten, streitbaren Publizisten? Außer Christoph Butterwegge und (deutlich seltener) Stefan Selke kann ich mich an niemanden erinnern, der in so einem Format mal andere, auch nur annähernd originelle Einblicke und Aspekte bei bestimmten Themen bieten könnte. (Henfried Münkler zählt nicht, der ist nicht sonderlich originell.)

Gerade Sozialwissenschaftler müssten/sollten viel präsenter sein, denn sozioligische Erkenntnisse brauchen wir zur Zeit mehr denn je. Es wird doch immer, "in Zeiten von Donald Trump", über die Geringschätzung des Intellektuellen und der Universitäten geredet. Gerade ARD und ZDF, die dank Haushaltsabgabe über ein exzellentes Finanzpolster verfügen, könnten hier mit gutem Beispiel vorangehen. Aber nein, Unbequeme wie Maxim Biller halten sie ja nicht mal im Literarischen Quartett lange aus.

Und davon abgesehen bräuchte man, häufiger als zur Zeit üblich, auch mal Themen, die nicht (tages-)aktuell, aber dafür gesellschaftlich akut sind. Aber wie gesagt: Ich sehe dafür zur Zeit bei Plaßberg/Will/Illner/Maischberger keine geeignete Plattform.

RE: Kettensägenmassaker | 03.12.2016 | 18:07

Einem Fremden einfach mal so zu sagen, er lesen "rassistischen Dreck", so wie die taz-Leserin in dem Beispiel, ist - in diesem Kontext - keine politische Äußerung. Da gebe ich dem Herrn Baron schon recht. Es ist einfach nur eine furchtbar bevormundende, naseweise Attitüde, die ich aus meinen Unitagen leider sehr gut kenne. Glaubt die Dame eigentlich, ihr Gegenüber hätte nichts im Kopf und müsse von intellgenten Menschen erst mal belehrt werden? An guten Tagen hätte ich vermutlich geantwortet: "Danke, aber lesen und denken kann ich selber."