Das Leben in den Zeiten der Corona; AC 2.10

Das Logbuch geht weiter: Leben auf der Teststrecke
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Zehn Tage lang stehen Hörtextaufnahmen auf dem Programm. Meine Schwester traut sich nach langer, zum Teil selbstverordneter Lockdown-Zeit aus ihrem Kietz nach Hannover, zumal sie auch unsere Mutter nicht mehr länger auf einen Besuch warten lassen will. Ihr Rucksack ist prall gefüllt mit Texten aus den letzten fünf Jahren, die wir zu Hörstücken, teils mit musikalischen Elementen, weiterproduzieren. Den Irrsinn der Pandemie streift sie dabei nur in einem Dialog zweier Personen, andere Themen sind ihr wichtiger. Sie ist als Autorin unter anderem auf einer Website vertreten, auf der nur zwei Vorschaubilder entfernt die Dokumentation “Corona – Auf der Suche nach der Wahrheit” des österreichischen Senders “Sevus TV” empfohlen wird. Wer sucht, wird hier fündig: https://kultur-zentner.de/

90 Minuten lang kommen in dem überaus professionell gestalteten Film Mediziner und Wissenschaftler zu Wort, von denen unsere deutschen Politiker noch nichts gehört haben dürften. Die bleiben weiterhin lieber unter sich und nutzten die verfügbaren Medienkanäle für eine Informationsstrategie, die selbst bei einigen meiner überdurchschnittlich gebildeten Bekannten mittlerweile mentale Langzeit- und im schlimmsten Falle Folgeschäden hinterlassen hat. Deshalb beschließe ich, dass Thema “Pandemie” aus möglichst vielen Konversationen herauszuhalten.

Statt einer ideellen Betrachtung möchte ich diese Woche eine wirtschaftliche anstellen, da die Pandemie äußerst einträgliche Einnahmequellen erschlossen hat. Der Umgang mit Patenten und Lizenzen für Impfstoffe scheint noch nicht abschließend geklärt zu sein – die Herstellung von FFP2-Masken und Tests hingegen ist fest in chinesischer Hand. Zuerst hat uns das “Reich der Mitte” das fiese Virus eingebrockt, und als Dank dafür lassen wir die dortige Industrie mit Wegwerfprodukten aus widerstandsfähigen Kunststoffen jetzt Milliarden verdienen. Der Cityscout hat einen Feldversuch unternommen: Konnte er die auf der Straße herumliegenden Masken erster Generation noch gut mit seinem Taschenflammenwerfer unschädlich machen, steigen von den neuen FFP2-Monstern gerade mal sparsame Rauchfädchen auf, weil wenigstens die Trageriemchen ein wenig kokeln. Doch die Maske in ihrer Gänze bleibt unversehrt. Wie sinnlos Tests sein können, erlebe ich ebenfalls diese Woche: In der Apotheke negativ getestet, kommt ein Neuer in unser Camp, um am nächsten Vormittag zur gleichen Zeit die Verdachtsdiagnose eines soeben konsultierten Arztes für sein Nichterscheinen an diesem Tag (und wahrscheinlich die folgenden zwei Wochen) verantwortlich zu machen. Genosse Pjotr nimmt die Information scheinbar ohne Argwohn hin. Ich hingegen frage mich, wieso der Teilnehmer, - frisch getestet - gleich am nächsten Morgen einen weiteren Test machen lässt. Wird unser Leben nun zur Teststrecke? Auch unbeantwortet bleibt die Frage, wie man mit zwei Tests pro Woche (in “Direktkontaktberufen” von höchster Stelle angeordnet) eine Testabdeckung über sieben Tage hinbekommt, wenn jeder Test eine verbindliche Gültigkeit von nur 24 Stunden hat (am Anfang galten noch 48 Stunden). Auch die linientreue Genossin Stefanowa weiß keine Antwort – auch wenn sie nicht Mathematik studiert hat, ist ihr die Problemstellung durchaus bewusst. Ihre alte russische Kader-Schule funktioniert gerade jetzt besonders gut: Während Deutsche immer nörgeln und meckern, um schlussendlich doch das zu tun, was ihnen gesagt wird, ertragen Russen die Sinnlosigkeit der Bürokratie mit einem schulterzuckenden “Das-ist-zwar-nicht-gut-so-aber-so-ist-es-halt-und funktionieren-tut-es-auch-anders-nicht-also-machen-wir-es-so-und-hoffen-dass-es-gutgeht”. “Die Hoffnung stirbt zuletzt” ist ein Wunsch, den Regierung und Medien seit über einem Jahr an den Bürger weiterreichen. Dass nach den Gesetzen der Natur immer gestorben wird, ob wir wollen oder nicht, passt nicht ins Konzept.

19:00 26.05.2021
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