Das Leben in den Zeiten der Corona, Woche 45

Das etwas andere Logbuch Tag 309 ist Wartetag.
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Warten auf “Godot” erlebe ich in seiner X-ten Fortsetzung an meinem Lohnarbeitsplatz 1. Das andere Warten, das auf den Dienstag, wiegt schwerer. Denn dann wird es wieder Neuigkeiten aus der Willy-Brandt-Straße geben. Die Königin mit ihren 16 Landesfürsten soll diesmal sogar im Fernsehen zu sehen sein, wenn sie Ihre Videoaudienz abhält. Zur avisierten Zeit, wir haben in unserem Schulungsraum extra einen großen Monitor aufgestellt, sieht man Bilder vom Schnee vor dem Kanzleramt, durch den verlorene Touristen schleichen und Politiker, die gerade in den Palast hineinmarschieren, aus 50 Meter Sicherheitsabstand. Man sieht adrette Sprecherinnen, teilweise sogar zwei zugleich, in kleinen Fensterausschnitten, als wären Studios aus aller Welt zusammengeschaltet, und darunter läuft ein News-Channel-Ticker, in dem vermeintliche Meinungen des kleinen Mannes und der kleinen Frau zu lesen sind. Die erste, noch vielversprechende, aber nichtssagende Schaltung geht in einen Sitzungssaal, in dem Merkel mit irgendwelchen nicht erkennbaren Personen herumsteht. Nach einigen Minuten schalten wir den Ton weg, nach einer Stunde das Gerät völlig aus. “Live” ist etwas anderes, das hier bleibt bei einem leeren Versprechen. Insofern konsequent, weil es derzeit ja sowieso keine Versprechen gibt. Wenigstens können Politiker, die nichts versprechen, auch nicht lügen. Wahrscheinlich läuft hier ein Langzeitversuch mit dem Titel “Wie lange kann man den Bürger noch hinhalten”. Da mir unsere Entscheider und deren unzählige Verwalter in den Behörden vorkommen wie Marionetten, die an den giftigen Fäden des Covid-Kreuzes hängen, und die profitierenden Industrien gerne weiterhin im Hintergrund ihre eigenen Fäden spinnen, benenne ich Nicht-Menschen zu den Protagonisten des Dramas, das gerade auf der Weltbühne gespielt wird.

Protagonist Nr. 1: Der Impfstoff (alias Der Pate) Die Claims werden abgesteckt, wer zu spät kommt hat verloren. Auf der Bühne erscheinen in loser Abfolge unterschiedliche neue Präparate, doch von ihrer Existenz hört man oft erst dann, wenn sie nicht in ausreichender Menge verfügbar sind. Ihre Hersteller und Botenjungen haben offensichtlich gute Deals mit den unterschiedlichen Regierungen und der EU gemacht, die wiederum eine weltweit faire Verteilung ablehnen. Wie diese Deals aussehen, darüber lässt man den Steuerzahler im Unklaren. Ebenso wird abgelehnt, dass Protagonist Nr. 1 reproduziert wird, indem weitere Hersteller ihn in Lizenz multiplizieren. Der Schutzpatron aller Erfindungen heißt “Das Patent”. Aus “Don Corleone” wird “Don Corona”. Dass im Kapitalismus nicht gerne geteilt wird, ist ein Grundprinzip, und dass Verknappung den Preis hochtreibt, lernt man schon in der Schule.

England und Israel liegen beim Impfen jetzt vorne – haben die bessere Kontakte zur Mafia als wir? Immerhin setzen wir die Bundeswehr in Bewegung, um das Impfen in Seniorenheimen zu sichern. Jetzt wäre für externe Feinde ein guter Zeitpunkt, um einzumarschieren. Doch was gäbe es bei uns Wertvolles zu holen, wenn nicht einmal genügend Impfstoff vorhanden ist?

Unschön ist vor allem, dass Präparate an Menschen (z. B. in Lateinamerika) getestet werden, die dann nicht an der Verteilung partizipieren dürfen. Dass andererseits Mitarbeiter von Impfstoffherstellern, die doch eigentlich an der Quelle sitzen sollten, noch nicht immer geimpft sind, lässt die Schieflage noch absurder erscheinen. Übertragen auf die Mafia: Arme Menschen ernten den Mohn, an geheimen Orten werden die Opiate zusammengebraut, die Banden bringen es in Umlauf, die Bosse kassieren und die staatlichen Organe drücken gegen Beteiligung beide Augen zu. Den eigenen Kindern gibt man das Zeug auf keinen Fall und das ganze Prozedere wird so konspirativ gehandhabt, dass bei zudem noch verknappten Liefermengen die Preise dann gar kein Thema mehr sind. Wer schon am Faden hängt, den kann man ruhig noch etwas zappeln lassen.

Protagonist Nr. 2: Die Maske (alias Opium fürs Volk) Im Frühjahr, als die ersten Privatpersonen schon Mund-Nase-Bedeckungen nähten, war das Tragen von Masken noch nicht Pflicht. Von offizieller Seite aus wurde ihr keine besondere Bedeutung beigemessen. Kein Wunder, konnte die Industrie damit doch mangels profitabler Produktpalette noch kein Geld machen. Und Privatinitiative wird gerade jetzt in Deutschland gar nicht gerne gesehen. Wohin kämen wir denn auch, wenn jeder sich so schützen würde, wie er möchte? Pure Anarchie! Stattdessen erklärte Mutti Merkel in den ersten Corona-Monaten gerne zum X-ten Male, wie man sich richtig die Hände wäscht, und Lehrer erklärten es zum XX-ten Male ihren Schülern. In der Integrationsarbeit haben wir es dann XXX-mal erklärt.

Aus Versäumnissen wurde gelernt, das neue Dekret lautet “FFP2-Maske”. Denn die relevanten Unternehmen haben nachgelegt und die Dinger sind zumindest halbwegs verfügbar. Wenn man schnell und findig genug ist. Natürlich gehören Lieferengpässe dennoch zum kalkulierten Spiel, das Begehren soll ja nicht nur geweckt, sondern auch gesteigert werden. Dem Aussehen nach hat auch die Mutter des Kaffeefilters, Melitta, fleißig mitproduziert. Wer die teuren FFP-2-Masken nicht bekommt, soll wenigstens die blauen Läppchen kaufen, die an den Seiten so neckisch auffächern. Dass diese Masken nicht nur ins Geld gehen, obwohl sie nur unerheblich mehr Schutz vor Viren als gut sitzende selbstgenähte bieten sollen, interessiert Verfasser dieser Maskerade scheinbar überhaupt nicht. Beide Fabrikate sind Wegwerfprodukte mit unterirdischer Öko-Bilanz. Doch wie alle anderen Parteien haben auch die Grünen mittlerweile jeglicheOppositionstätigkeit eingestellt.

Protagonist Nr. 3: Der Lockdown (in einer Doppelrolle alias Die Hure und Das Alibi) Der arme Lockdown muss seinen Arsch für alles hinhalten, wird alleine als Begriff schon dehnbar und nach Gutdünken benutzt. Nur mit dem Unterschied, dass alle so tun, als gingen sie nicht zu Prostituierten, während Callboy Lockdown vorgeblich von allen frequentiert wird. Kein Problem, Lockdown lässt sich mit geöffneten Bussen, Bahnen und Bäckereien ja auch lässig aushalten. Und mit zumindest für “Notfälle” geöffneten Kindergärten und Schulen, während die Eltern der “Notfälle” munter weiter arbeiten gehen müssen. Der geöffnete Zeitschriften- und Tabakladen um die Ecke kommt mir zugegebenermaßen ebenso entgegen wie die Pizzeria davor, bei der man auch weiterhin einen kleinen Plausch zum Kaffee halten kann. Lockdown ist nicht gut für Frisöre, aber Politiker fühlen sich offensichtlich besser mit ihm. Auch, wenn “Lockdown” faktisch nicht viel mehr als ein neues Modewort ist. Ein Modewort, das genau genommen ein Gefüge beschreibt, das wiederum ungefähr so dicht ist wie ein Schweizer Käse. Am besten fühlen sich natürlich die Fußballer, die eigentlich auf nichts Existenzielles verzichten müssen.

Irgendwie muss der Lockdown wohl wichtig für das Gemeinwohl, den sozialen Frieden und den Fortbestand unseres Systems sein. Auch wenn er lediglich als Alibi fungiert.

Dass Hausarrest Gewalt gegen Frauen eher befördert, während Prostitution sie durch Verlagerung sexueller Bedürfnisse auch mildern kann, bildet im großen Ganzen nur ein Nebengeräusch. Problematischer ist der Umstand, dass ethisch konsequente Großfamilien keine Prostituierten brauchen und bei ihnen der Lockdown gar nicht erst in die gute Stube kommt. Damit wird er einfach ausgehebelt. Jugendliche brauchen auch (noch) keine Prostitution, auch sie hebeln nach Aussage gesicherter Quellen den Lockdown aus. Am Horizont baut sich schon der nächste Missbrauch des Lockdown-Prinzips auf: Wenn die 80-jährigen wieder in Kinos und Restaurants dürfen, herrscht für die ungeimpften Jüngeren in diesen Etablissements weiterhin Lockdown. Sie dürfen nicht mal zum Golfspielen nach Neuseeland. Gründe gibt es also genug, sich ganz schnell impfen zu lassen. Und da schließt sich der Kreis: Egal, ob Huren, Drogen, Gastronomie, Showgeschäft oder Sport – am Ende landet die Kohle immer bei irgendeiner Mafia. Pharmaindustrie, Sicherheitsprodukte oder digitaler Corona-Schutz per App – langfristig lässt sich mit dem “ältesten Gewerbe der Welt” am solidesten verdienen. Da weiß man wenigstens, was man hat.

Protagonist Nr. 4: Die Mutation (alias Das Alien) Als wären die anderen Protagonisten nicht schon angsteinfößend genug, kommen jetzt die ganz Bösen, die in erster Linie deshalb böse sind, weil wir sie nicht kennen und keine Gegenmittel gegen sie haben. Bezeichnend für Aliens ist ja auch, dass sie aus einer anderen Welt kommen, vor der wir uns fürchten. Deshalb muss eine Mutation auch aus Afrika kommen, das hat propagandatechnisch mit Aids ja auch gut funktioniert. Und seitdem England nicht mehr EU-Partner ist, darf eine Mutation jetzt auch “die englische” genannt werden. Bei uns im Lande gibt es maximal die nach Meinung einiger Verschwörungstheoretiker AFD-verursachte sächsische Mutation. Doch was wäre, wenn es plötzlich eine “Kanzleramtsmutation” gäbe, oder eine “Fußball-Bundesliga-Mutation”?

Unser geordnetes Weltbild wäre in seinen Grundfesten erschüttern, also weg mit solchen Fantasien! In jedem Fall kein Fantasieszenario ist die Erkenntnis, dass Mutationen immer dort entstehen, wo wir die Hilfeleistung unterlassen. Wenn der Impfstoff also weiterhin den reichen Nationen vorbehalten bleibt, werden die Virusvariationen in den armen Krisenregionen wilde Kapriolen schlagen und mit noch größerer Wucht zurückschlagen. Auch oder gerade gegen uns. Solange wir also die einseitig profitierende Globalisierung weitertreiben, werden wir permanent mit neuen Virusvarianten leben müssen. Und gegen deren Aggressivität dürften sich die Außerirdischen aus “Mars Attacks” wie harmlose Kaugummiautomaten-Aliens ausnehmen.

Protagonist Nr. 5: Der Inzidenzwert (alias Der Feuermelder) Er ist von allen Darstellern der zuverlässigste. Andererseits aber auch der langweiligste. Denn er kann nur anzeigen, was auch wirklich da ist, und gibt im Unterschied zu einigen Kollegen auf der Bühne nicht vor mehr zu sein, als er wirklich ist. Der Inzidenzwert verkörpert den rationalen Part in dieser Inszenierung und lässt die emotionalen Kollegen erst so richtig glänzen. Er ist der Tannert neben dem Schimanski, die Sculli neben dem Moulder oder der Entwhistle neben dem Townshend. Man könnte auch sagen: der unsichtbare Videoschiedsrichter im Kölner Keller, der dem live involvierten Schiedsrichter auf dem Platz vorgibt, wie der zu entscheiden hat. Doch auch er kann Feuer nur anzeigen, wo es lichterloh brennt. Schwel- und Kabelbrände oder geduldige Lunten, die an geheimen Orten wie sozialen Brennpunkten und geheimen Jugendtreffpunkten lodern, kann auch er nicht erkennen. Wie und wo getestet wird, kann er nicht vorgeben und seine Meldungen kommen systembedingt meistens so spät, dass wir dann reagieren wie ein aufgeschreckter Hühnerhaufen. Der Haken an der Sache ist: Brandstifter bleiben gerne unerkannt. Der Erfolg des Feuermelders, oder im Idealfall seine Entbehrlichkeit, sollte eigentlich vom Verantwortungsgefühl und der Kooperationsbereitschaft aller Menschen getragen werden. Leider beherrschen wir traditionell bedingt besser die Autorität und das Denunziantentum.

Von der Bühne zurück ins Parkett der Fakten: Liegt der Inzidenzwert für sieben Tage unter 50 Neuinfektionen, dürfen wir fast einschränkungsfrei leben. Liegt er darüber, versetzen wir uns stufenweise in den Alarmzustand. In den vergangenen Monaten hat sich in vielen Bildungseinrichtungen des Landes ein merkwürdiges Ritual entwickelt: Als erste Tageshandlung, sozusagen als verbindender Akt zwischen Lehrern und Schülern, wird der aktuell erreichte Inzidenzwert in großen Ziffern an die Tafel geschrieben. Mit Komma. Im Entwicklungsstadium dieses Rituals sitzen alle Schüler ohne Mund-Nase-Schutz im Klassenraum, dem Lehrer ist das Tragen desselben freigestellt. So kann man, ohne Einhaltung jeglicher Distanzregeln, zusehen, wie die Zahl täglich steigt. Und dann ist man ganz erschüttert, dass mit dieser Kaninchen-vor-der-Schlange-Taktik der Wert zuerst auf 60 und dann exponentiell auf über 200 springt. Als wäre die Magie der 50 (immerhin Infizierten!) nicht schon beunruhigend genug, erreicht sie mit dem Anhängen von drei Nullen einen traurigen Höhepunkt. Denn genau diese Marke erreicht die Mortalität in Deutschland diese Woche. Einem Kreuzworträtsel entnehme ich, dass “BPR” die Abkürzung für Bundespräsident ist. “Bundespfarrer” würde aktuell besser passen. Denn kaum ist die bedrückende Zahl von 50.000 Corona-Opfern erreicht, meldet sich der Prediger aus dem Schloss Bellevue zu Wort. Warum ihm jemand “unendlich fehlt”, den er gar nicht kennen gelernt hat, erschließt sich mir ebenso wenig, wie der Sinn einer Kerze, die nun ins Fenster gestellt werden soll. Kerzen ins Fenster stellte man früher beispielsweise, um den Bergleuten in stockdunkler Nacht heimzuleuchten, nachdem die schon den ganzen Tag keinen Sonnenstrahl hatten sehen können. Also für Menschen, die sich für das Wohl der Allgemeinheit aufrieben. Und da fallen mir im Moment ganz andere ein. Zum Beispiel das Krankenhauspersonal, das lange Zeit nicht getestet wurde, um verfügbar zu bleiben. Höchstem Risiko ausgesetzte Menschen, die völlig überarbeitet sind und Psychopharmaka gegen Übermüdung und Angstzustände nehmen. Nun ist ein ganzes Krankenhaus in Quarantäne geraten, auch das war leider abzusehen. Und wer stellt eigentlich Kerzen für das Kita-Personal auf, das im Ansteckungs-Ranking locker zum Pflegepersonal aufgeschlossen hat, weil es den ganzen Tag unmaskierte Kinder am Hals hat, die nicht mal die eigenen sind? Über das Business-Netzwerk “Linkedin” kam neulich von einer Personalvermittlung eine Stellenangebotsliste für Erzieher. Sind hinter denen nun schon die Headhunter her? Sind Erzieher jetzt gefragter als Manager oder IT-Leute? Scheinbar. Wieso können die Kids eigentlich nicht einfach zuhause bleiben und lernen, sich sinnvoll selbst zu beschäftigen? Stimmt, dazu bräuchten sie ja erstmal Eltern, die ihnen das vormachen können.

By the way: Auch ich gehöre zu denen, die noch immer in den Präsenzunterricht genötigt werden. Obwohl die erforderliche Technik für das “Home-Schooling” vorhanden ist. Auch das ist ein völlig überflüssiges Risiko. Also was soll diese ganze geheuchelte Anteilnahme aus Berlin, wenn es an allen Ecken und Enden an praktizierter Anteilnahme hapert?

So dummschwätzerisch, wie sich diese ganze Politiker- und Funktionärsblase gerade präsentiert, könnte sie auch mal etwas Sinnvolles tun, indem sie selbst in Bildungsstätten, Kitas und anderen Sozialeinrichtungen aushilft. Die ganz Mutigen, sowie die studierten Mediziner aus ihren Reihen dürfen natürlich auch im Krankenhaus mitmachen. Herrn Steinmeier kann ich mir auch gut in einer kirchlichen Corona-Seelsorge-Station vorstellen. Dann, das verspreche ich hoch und heilig, zünde auch ich eine Kerze an – für ihn und seine heldenhaften Parteigenossen.

21:00 27.01.2021
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