Ein Wolf im Schafspelz

Klimaleugner Der Aufmacher "Die Wiesen sterben" im Freitag 16/2019 ist ein klassisches Trojanisches Pferd.
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Der Autor Michael Miersch schreibt manches Erwägenswerte über die ökologischen Missstände auf unseren Wiesen und Weiden; aber sein eigentliches Anliegen schmuggelt er dabei diskret auf diesen Freitag-Titel: Klimaschutz in Deutschland hätte „einen kaum messbaren Einfluss aufs globale Klima“. Dieser Satz, ein Lieblings-„Argument“ der Klimaleugner-Szene, ist unsäglich. Wenn das Land mit den sechstmeisten Emissionen (und einem weit überdurchschnittlichen pro-Kopf-Ausstoß, plus einem gigantischen historischen Emissions-'Rucksack') „keinen messbaren Einfluss hat“, dann gilt das für die 200 Länder auf den Plätzen dahinter natürlich erst recht. Es gilt für die Schifffahrt und für die Luftfahrt, usw. Wenn man die Verantwortung hinreichend portioniert, verschwindet sie. Die Folge: Klimaschutz kann überhaupt nicht betrieben werden, denn man kann immer mit dem Finger auf andere zeigen. Das Ergebnis dieses Taschenspielertricks könnte sein, dass Deutschland am Ende dieses Jahrhunderts schon deshalb keine Wiesen mehr hat, weil es dann ein Steppenklima aufweist.

Wer so etwas schreibt: wer wiederholt von der „unendlich teuren Energiewende“ schwadroniert, „die am Weltklima nichts ändert“ – bei so jemandem würde man sich nicht wundern, wenn er ein Lobbyist für die fossilen Energiekonzerne ist. Und wirklich wird Miersch ganz offen als Vertreter der „Deutschen Wildtier Stiftung“ vorgestellt, die man mit Fug und Recht als Vorfeldorganisation von RWE bezeichnen kann. Deren „Alleinvorstand“ Fritz Vahrenholt ist nicht nur durch seine Tätigkeit für die Konzerne Shell und eben RWE bekannt, sondern auch als Verfasser des pseudowissenschaftlichen Buches „Die kalte Sonne“, das den anthropogenen Klimawandel leugnet und, obwohl längst widerlegt, immer noch eine Art Bibel der deutschen Klimaleugnerszene darstellt. Die Wildtier-Stiftung verfolgt zwar tatsächlich einige Artenschutz-Projekte, aber ihr eigentliches Anliegen ist die Verhinderung des Ausbaus Erneuerbarer Energien, insbesondere der Windkraft – ganz im Einklang mit dem objektiven Interesse von RWE am Weiterbetrieb abgeschriebener Fossilkraftwerke.

Dass Miersch sich in diesen scheinheiligen Diskurs einschreibt, ist nicht überraschend. Als Ex-Führungskraft bei der „Achse des Guten“, felsenfester Atlantiker und Ultraliberaler ist er bei der „Wildtier Stiftung“ an der richtigen Adresse angelangt, um seine ideologische Agenda umzusetzen.

Ich kritisiere nicht, dass der Freitag einem solchen Menschen Raum auf seinen Seiten einräumt – am besten geschähe dies in Form eines Interviews, das Gelegenheit zum kritischen Gespräch bietet. Aber ihn unter der Behauptung, ein „ökologisches Desaster“ anzuprangern, einen getarnten Angriff auf den Klimaschutz fahren zu lassen, und dies auch noch als Aufmacher auf der Titelseite zu präsentieren – das hat im Jahre 2019 schon etwas äußerst Verstörendes. Um Erläuterung wird gebeten!

00:01 22.04.2019
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Geschrieben von

calico jack

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