Read & Meet mit Sven Regener - Langfassung

Gespräch Bei Chips und Bier, Rotwein und Weintrauben einfach mal mit Sven Regener über sein neues Buch reden. So die Idee. Also Füße hoch - hier kommt die Langfassung
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Angele: Man sagt immer die Beschäftigung mit Literatur im Netz findet nicht statt.

Regener: Wer sagt denn das?

Angele: Habe ich gerade wieder gelesen. Außer Amazon gäbe es im Netz eigentlich nichts mehr, das ist so die Meinung.

Regener: Wenn man das so empfindet, dann stimmt das natürlich auch wieder. Wenn man das denkt, dann hat man zumindest nichts gefunden, was einen interessiert. Die Wahrheit liegt im Auge des Betrachters. Im Netz ist ja immer irgendwas.

Angele: Verfolgen Sie wie Ihre Bücher im Netz diskutiert werden?

Regener: Nein, ich verfolge überhaupt nicht, wie meine Bücher diskutiert werden. Ich lese auch Rezension in Zeitungen nicht. Das Einzige, was ich mache, ist, ich lese die Interviews, die ich gebe, noch mal nach, um sie zu autorisieren.

Angele: Das hat der Verlag mir schon gesagt: Vorsicht, Regener liest jedes Wort.

Regener: Ja, anders als bei der Musik ist das bei der Literatur ja auch vielmehr ein Minenfeld, da muss man schon aufpassen. Gerade bei einem Buch, wie das jetzt hier über Raver und so Kram. Viele Leute wollen ja hören, dass ich sage, die sind ja doof und so. Aber darum geht es gar nicht. Dann sagt man was dazu. Über Rave und Techno. Und wenn man nicht totales plattes Denken macht, ist es immer schwierig in Interviews, wenn man die verschriftlicht. Wie ich rede, kann man das nicht aufschreiben. Also muss man es bearbeiten. Da bin ich auch durchaus streng, ich bin ja nicht bescheuert, wenn ich nicht aufpasse, kriege ich hinterher die Prügel. Oder die Leute wundern sich oder ich sehe da einfach Sachen, die man mir in den Mund legt. Was die meisten Leute nicht beachten ist ja, dass das Schriftliche mehr Gewicht als das Mündliche hat. Wenn ich mit jemandem rede, habe ich noch jede Menge Subtext. Gestik, Mimik, Tonfall. Darum sind die Leute schriftlich ja mit diesen ganzen Emoticons zugange, weil sie das ohne nicht hinkriegen.

Angele: Es geht auch z. B. mit „in Klammern: lacht“.

Regener: Aber das ist ja richtig peinlich. „In Klammern: lacht“, ist richtig doof, weil: Was heißt ‚lachen‘ in diesem Fall? Erfreutes Lachen, höhnisches Lachen, Lachen über den eigenen Witz, beschwichtigendes Lachen, aggressives Lachen? Das könnte jeder von uns deuten, wenn wir miteinander reden und einer lacht, aber wenn in Klammern „lacht“ steht, dann kann man das nicht deuten. Deshalb sind sich die meisten Leute der Bedeutung schriftlicher Sachen nicht bewusst. Das größte Elend kommt ja, wenn Leute, die es nicht gewohnt sind, z. B. jemand anderem eine negative Mail schreiben, dann kommt eine Hassmail an, weil sie auf eine Weise negativ sind und verletzend werden, die sie vielleicht gar nicht wollen, es sieht aber gelesen viel schlimmer aus, als wenn sie es gesagt hätten.

Calvani: Aber auch das lässt sich doch vertextlichen.

Regener: Ja, das lässt sich auch vertextlichen, deshalb sage ich, man muss ganz genau hingucken. Und man muss es auch können. Einen Freund oder einen Verwandten schriftlich zu kritisieren, weil er nicht zu Tante Ernas Hochzeit gekommen ist, ist was ganz anderes als am Telefon zu ihm zu sagen: „Hör mal, da hätteste aber echt mal vorbeikommen können!“ Dieselbe Sache, geschrieben statt gesagt, hat ein anderes Gewicht, weil das Negative immer stärker ist.

Calvani: Das stimmt schon, aber man muss einfach nur ein anderes Mittel dafür einsetzen um die gleiche Atmosphäre in einem Text zu erzeugen.

Regner: Ganz genau, darum muss der Journalist das Interview auch bearbeiten und wenn er es nicht tut, ist es unlesbar und wenn er es tut, gibt es auch die Möglichkeit für Missverständnisse. Darum bin ich der, der Interviews ganz genau liest.

Angele: Also wir sagen jetzt ein für alle Mal: In dem Buch steht nichts Schlechtes über Raver. Und wer etwas anderes behauptet, hat’s einfach nicht gelesen. Wenn man das jetzt so voransetzt…

Regener: Das Interessante ist ja, dass die Leute glauben, dass es in der Literatur ganz oft darum geht, Urteile zu fällen. Das ist ganz falsch, sondern man erzählt ja von den Dingen. Ich mag’s eigentlich nicht, wenn ich merke, dass der Erzähler, der Autor eines literarischen Werks versucht, mich zu manipulieren und sozusagen von vornherein eine bestimmte Haltung einnimmt, weil es dann langweilig wird. Wenn ich weiß, das ist ein Arsch und der wird immer ein Arsch in diesem Buch bleiben, dann verliere ich das Interesse. Das heißt im Grunde genommen, dass hier (in seinem Buch) gar nicht gewertet wird. Es wird nur mit einer gewissen Liebe mit diesen Leuten umgegangen. Trotzdem kann man die natürlich auch für totale Trottel halten, wenn man das will. Ich habe das gemerkt bei einer Figur wie Frank Lehmann, dass die Leute sagten: Dieser Taugenichts! Was ich nie so gesehen habe, weil das ein schwer arbeitender Mann ist. Was soll das? Warum haben die Leute keinen Respekt davor? Ich habe schon einen ziemlichen Laberflash, stelle ich gerade fest.

Angele: Laberflash ist gut, der findet sich auch bei Reinald Goetz, der auf eine ähnliche Weise über Rave geschrieben hat, indem er die Leute labern lässt, aber das gar nicht wertet, sondern das ist im Grunde genommen eine Form der Erzählung ist.

Regener: Das ist ein wunderbares Buch, aber es ist ein ganz anderes Buch.

Angele: Das funktioniert auf eine gewisse Weise ganz ähnlich. Sie haben einen ähnlichen Gegenstand und es ist auch da der Versuch, das nicht zu bewerten – und wenn, dann positiv.

Regener: Sagen wir mal so: Wenn man z. B. Wolfgang Nöth kennt, weil man früher eben auch viele Jahre in München gespielt hat und das auch von der anderen Seite kennt und Zugang dazu hat, dann kann man das z. B. auch noch mal ganz anders deuten. Ich glaube aber, dass Rave wirklich ein Buch über Rave ist, deshalb heißt es ja auch so, das ist ein ganz anderer Ansatz. Magical Mystery ist ja kein Buch über Rave.

Angele: Nein, das ist ein Buch über ein Lebensgefühl.

Regener: Ja, aber auch das Lebensgefühl ist verknüpft mit Rave. Hier haben wir ein Buch über einen Verrückten, über einen Ex-Verrückten, der einen Sprung in der Schüssel hat und versucht, wieder zurück ins Leben zu kommen, und der nach dem nächstbesten Strohhalm greift, was jetzt nun ausgerechnet dieser ist, weil sich kein anderer bietet. Und das ist natürlich ein anderer Ansatz, die Rave-Geschichte wird dabei en passant erzählt. „Neue Vahr Süd“ ist auch kein Buch über die Bundeswehr, obwohl es zu großen Teilen in der Bundeswehr spielt.

Calvani: Ich hatte auch das Gefühl, dass die Kulisse eigentlich austauschbar ist. Aber was mich wahnsinnig interessiert an der Stelle, ist, was Sie für ein Verhältnis zu den Figuren haben. Im Großen und Ganzen gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man sieht seine Figuren als Gegenüber oder man sieht sie von innen. Wissen Sie, was ich meine?

Regener: Ja.

Calvani: Um die abstrakte Frage nach Ihrem Verhältnis zu den Figuren zu konkretisieren, frage ich mal ganz plakativ: Nervt Sie Ferdis Gelaber manchmal?

Regener: Nein überhaupt nicht, ich habe da Freude dran. Das macht mich einfach glücklich.

Calvani: Also nehmen Sie Ferdi als Gegenüber wahr?

Regener: Weder noch. In dem Moment sehe ich mich als Ferdi. Grundsätzlich muss man natürlich sagen, dass bei den Romanen, die ich bis jetzt geschrieben habe, die Perspektive sehr klar ist. Ich springe nicht von Person zu Person. Im Lehmann-Roman erfährt man nur das, was man von Lehmann erfährt und seine Gedanken. Man sieht auch nur das, was er sieht. Man weiß nie mehr als er. Das heißt, ich bin da ganz dicht an ihm dran. Deshalb erfährt man alles, was man mit seinen Augen sieht. Trotzdem würde ich nicht sagen, dass ich in dem Moment mit ihm identisch werde. Mein Verhältnis zu diesen Leuten ist eine sehr, sehr tiefe Liebe. Karl Schmidt erzählt in der Ich-Form, was noch mal was anderes ist. Die meiste Zeit bin ich in ihm drin, aber bei den Dialogen muss ich natürlich hin- und herspringen. Ich muss doch versuchen, die Position von dieser Rosa z. B. auf so einer seltsamen Tour, wo sie von Anja mal abgesehen als einzige Frau mit solchen Freaks unterwegs ist und sich auch gleichzeitig als junge Künstlerin nicht sonderlich ernst genommen fühlt, weil sie so einen Kratzbomben-Nachwuchs-Act sein soll, und auch noch Musik machen soll, auf die sie eigentlich keinen Bock hat, die aber in diesem Moment gefragt ist, ich muss doch versuchen, diese Position einzunehmen. Wenn man also diese Frau was sagen lässt, dann muss man sich schon überlegen, wie die drauf ist. In dem Moment versucht man die Welt mit ihren Augen zu sehen. Es ist also ein sprunghaftes Verhältnis zu diesen Figuren. Das merkt man auch daran, dass die Leute wie im richtigen Leben auch teilweise in den Hintergrund treten und lange nicht vorkommen, weil Karl Schmidt sich mit ihnen nicht beschäftigt hat. Manche Leute sind so mitgefahren, die sind so durchgerauscht.

Calvani: Zu den Dialogen und dem Verhältnis der Figuren untereinander interessiert mich das Gespräch zwischen Ferdi und Karl, in dem Ferdi sagt, dass er irgendwas schaffen möchte, was bleibt. Karl relativiert und sagt: Es bleibt immer irgendwas, du willst in Wirklichkeit bestimmen, was bleibt. Was sehr auf den Punkt ausgedrückt ist. Welche Position ist Ihnen näher?

Regener: Ich bin allen Positionen nah.

Calvani: Allen?!

Regener: Allen! Es ist, wie wenn man sich aufspaltet in zwanzig Persönlichkeiten. Alle haben auf eine Weise Recht und natürlich auch Unrecht.

Calvani: Ich bin als Leserin sehr viel parteiischer.

Regener: Das finde ich völlig in Ordnung, das ist genau der entscheidende Punkt. Als Leser hat man dieses Recht, das ist überhaupt kein Problem, das ist sogar gut. Das ist ein Ausdruck dafür, dass das Buch funktioniert. Wenn man merkt, den mag ich und den nicht, dann haben diese Figuren ihre eigenen Charaktere. Das finde ich toll. Da stehe ich drauf.

Calvani: Und Sie haben das überhaupt nicht? Sie mögen jeden gleich?

Regener: Ich liebe sie alle ganz besonders. Ich liebe sie nicht alle gleich. Alle gleich klingt so: Die sind alle irgendwie okay. Nein, ich liebe sie alle ganz besonders, weil man Liebe nicht quantifizieren kann. Wobei ich sagen muss, es gibt Leute denen bin ich näher.

Calvani: Also doch!

Regener: Das heißt aber nicht, dass ich sie mehr oder weniger liebe, ich bin ihnen näher. Es ist im Grunde genommen wie im Film, da gibt Hauptrollen, Nebenrollen, Kleindarsteller und da gibt es Statisten.

Calvani: Na klar, aber auch beim Film sind mir manchmal die kleinen Rollen näher als die großen.

Regener: Ja, aber die Liebe kann sich ganz stark auf solche Nebenrollen bringen. Deshalb sage ich, manche sind mir näher, das heißt aber nicht, dass ich sie mehr liebe.

Calvani: Ich will Figuren auch überhaupt nicht abwerten, es braucht ja auch Figuren, an denen ich mich als Leserin reiben kann.

Regener: Es gibt natürlich auch Leute, die sind totale Arschlöcher. Dieser Dave z. B. Da wird schon ziemlich deutlich, dass die anderen den alle nicht mögen.

Calvani: Aber Sie lieben ihn trotzdem?

Regener: Weil ich nicht richte. Dave ist natürlich ein totaler Spießer, das ist ein Kleingartenspießer, wie er im Buche steht. Jede Firma hat so einen, der ist total gut dafür, die Rechnungen rechtzeitig nachzuprüfen. Die halten in der Regel auf eine ganz komische Art den Laden zusammen, sind aber – nicht immer aber oft - ganz furchtbare Leute. Er ist der Partypuper und sie wollen ihn weg haben. Aber trotzdem liebe ich ihn natürlich. Was wäre denn dieses Buch ohne ihn? Es ist doch total toll, dass Karl Schmidt mit der Zeit mitbekommt, dass er wahrscheinlich diesen Job nur bekommen hat, was aber nie ausgesprochen wird, weil die Anderen einfach keinen Bock haben, Dave dabei zu haben. Das wäre eigentlich natürlicherweise Daves Job gewesen: immer nüchtern bleiben, Auto fahren und noch nüchtern aufzulegen. So ein Typ ist das. Der hätte ab und an mal eine Kopfschmerztablette genommen. Das ist doch toll, dass es so eine Figur gibt. Man braucht die doch alle. Ich lasse Ferdi über Dave richten. Ferdi hasst ihn und zwar mehr als alle anderen. Raimund sieht noch Daves Sinn, aber Ferdi hasst ihn. Ich lasse Ferdi auf Dave los, ich muss mich darum nicht kümmern.

Calvani: Ich fand, dass der Roman sehr viel Tiefe hat ohne Schwere. Das hat mich überrascht. Sie haben einen ziemlich sinnlichen Stil. So essen die Figuren Suppe zusammen und jeder weiß ja, wie man Suppe ist, aber Sie beschreiben wie die Nudeln wie ein Vorhang aus der Suppe gezogen werden. Oder wie der Partysaal, der im Auflösen begriffen ist, langsam nach allen Seiten ausblutet. Das Buch zu lesen, war für mich ein bisschen wie Chili-Schokolade essen. Der Geschmack geht auf, es ist ein bisschen Süße dabei, es ist ein bisschen Schärfe dabei. Und dann gab es eine Stelle, an der ich auf Pappe gebissen habe: als Karl und Rosa sich das erste Mal küssen. Den Kuss enthalten Sie mir als Leserin vor und schreiben einfach nur: „Und dann küssten wir uns.“

Goedzak: Gut so!

Calvani: Du bist noch nicht dran! Ich hätte gerne gewusst, was das für ein Kuss war. Warum haben sie den Kuss ausgelassen?

Regener: Weil – und das ist ganz wichtig – ich die Perspektive der Ich-Erzählung so gerne mag, weil man da noch mal einen zusätzlichen Filter hat. Ich bin ja nicht gerne der allwissende Erzähler. Das muss ja auch realistisch sein, was Karl wie erzählt. Es gibt ja wahrscheinlich noch ganz andere Dinge, die er gar nicht aufs Tapet bringt. Er hat sicher noch Dinge erlebt und gesehen, man erfährt ja, wie zornig er zurück schaut auf seine Mutter und die Leute, da müssen noch Sachen passiert sein, von denen er einfach nicht erzählt. Ich habe immer gedacht, dass er einer ist, der selbst in diesem Redeschwall, in dem er die Geschichte erzählt, etwas Kontrolliertes hat. Diese ganzen starken Wörter, die er gebraucht, diese starken Formulierungen wie ,,der arme Willi“ darin liegt auch eine Verteidigung, dass er bestimmte Sachen einfach nicht erzählt. So jemand würde, wenn er davon erzählt, dass sie sich da geküsst haben, nicht erzählen: „Und ich schob ihr meine Zunge rein“ und der ganze Kram, das würde er nicht tun.

Calvani: Man muss ja auch nicht immer gleich so deutlich werden und kann trotzdem etwas darüber aussagen, was passiert.

Regener: Ich glaube, dass das total klar ist, was passiert.

Calvani: Was schon, aber wie.

Regener: Doch. Ich kenne die beiden Personen an dem Punkt schon. Ich habe sie vor Augen. Über hunderte von Seiten bin ich mit denen zusammen und ich kann mir selbst als Leser vorstellen, wie so ein Kuss zwischen den beiden aussieht. Wenn ich das zu dem Zeitpunkt in dem Buch nicht kann, dann hat der Roman versagt. Ich bin ja auch kein großer Freund von Sexszenen im Film und in Büchern.

Calvani: Sexszenen muss ich auch nicht immer haben.

Regener: Machen wir uns nichts vor, auch ein Kuss ist eine sexuelle Handlung. Es ist ja nicht so, dass dabei Sex nicht involviert wäre. Wenn ich mich richtig erinnere, fahren die beiden auch danach zusammen ins Hotel, wo sie, schätze ich mal, nicht zusammen fernsehen.

Calvani: Es gibt ziemlich am Ende des Buches fast noch mal den gleichen Satz, da heißt es dann: „Und dann küsste sie mich.“

Regener: Das ist genau das, was ich meine. So würde Karl Schmidt uns das erzählen.

Calvani: Ich würde da nachfragen. Sie nicht?

Regener: Ja, aber es gibt in diesem Buch keinen, der nachfragt. Ich verstehe, dass man sagt: Das fehlt mir. Das tut mir dann leid, aber wenn man sich das nicht vorstellen kann, dann nützt einem auch die Beschreibung nichts.

Calvani: Mit dieser Argumentation kann man alles platt machen. Da kann ich auch sagen: Ich weiß doch auch, wie man eine Suppe isst, ich weiß auch, wie eine Kaffeemaschine klingt.

Regener: Nein, das ist was anderes. Es geht hier um etwas Spezielles, es geht um eine Art von Suppen, mit denen Karl Schmidt keine Erfahrung hat. Das ergibt einen Sinn, sonst fände ich es auch eitel, seitenweise Suppe essen zu beschreiben, als jemand, der so eine Geschichte erzählt.

Calvani: Sie bringen den ganzen Roman in sehr kompakte Bilder und an dieser Stelle kommt gar nichts.

Regener: Sorry! Es gibt eine schöne Szene in diesem Johnny-Cash-Film, wo June Carter sagt: „Es tut mir leid, dass ich Sie enttäuscht habe.“ Das möchte ich hier auch sagen: Es tut mir leid, dass ich Sie enttäuscht habe.

Calvani: Das ist ja, so habe ich es jedenfalls verstanden, ein Entwicklungsroman. Zu Beginn hat Karl überhaupt niemanden, dem er sich so verantwortlich fühlt, dass er mit ihm oder ihr bespricht, was er jetzt vorhat. Und am Ende gibt es Rosa, mit der er über seine Zukunft spricht, nämlich was sie davon hält, wenn er nach Berlin zieht.

Regener: Er fragt sie nicht, was sie davon hält, sondern er fragt sie, ob das ein Problem wäre. Das ist typisch Karl Schmidt. Er fragt nicht: Was hältst du davon? Er will nicht ihre Meinung wissen, er fragt, ob es ein Problem wäre. Und das sind zwei ganz verschiedene Dinge. Wenn man nach einer Meinung fragt, will man, dass der Andere urteilt. Das ist eine Sache. Oder ich sage: Wäre das für dich ein Problem? Das ist eine ganz andere Sache. Im Grunde genommen fragt er: Würdest du es so verstehen, dass ich dir auf die Pelle rücke, wenn ich nach Berlin ziehe?

Calvani: Das ist der gleiche Punkt. Er könnte schließlich auch denken: Ist mir doch egal, ob sie denkt, dass ich ihr auf die Pelle rücken will. Er setzt sich ja auch darüber hinweg, was seine Mutter und was Werner denken. Ich will damit sagen: Ich sehe darin eine Entwicklung der Figur, habe ich Sie da falsch verstanden?

Regener: Das ist auf jeden Fall so, aber da wäre ich jetzt gar nicht drauf gekommen.

Calvani: Da sehen Sie mal, wie plastisch die Figuren für mich sind!

Regener: So was freut mich! Weil man dann merkt, dass Leute sich auf diese Welt einlassen und Sachen noch ganz anders sehen und ganz anders beurteilen als man selbst. Ich hatte das bei Herr Lehmann, wo bei der Verfilmung Boje und Haußmann ganz klar der Meinung waren, dass Karl Schmidt verrückt wird, weil er Angst vor der Ausstellung in Charlottenburg hat, Angst zu versagen. Das spielt auch eine Rolle, aber ich habe das so eindeutig nie gesehen. Ich habe an diesem Roman jetzt so viel Spaß gehabt, weil Karl Schmidt selbst nicht weiß, warum ihm das passiert ist. Nach und nach holt er die alten Sachen raus und überlegt, ob es das war oder das, das war auch scheiße… alles kommt so hoch. Als ob man darin herumfühlt und das kann man 500 Seiten lang machen und am Ende muss man eigentlich keine klare Antwort darauf geben. Vielleicht besteht die Entwicklung darin, dass er sich das am Ende nicht mehr fragt, dass er seinen Frieden damit gemacht hat. Dass er seinen Frieden gemacht hat mit seiner Mutter und mit Werner. Der Zorn ist am Ende weg.

Calvani: Meine Theorie zu dieser Entwicklung ist, dass Karl so viel Selbstvertrauen gewonnen hat, weil er sich mit der Tour in die Höhle des Löwen gewagt hat. Er hat sich all diesen Situationen ausgesetzt und ist standhaft geblieben.

Regener: Ja, das hat ihm geholfen. Vor allem hat ihm aber auch geholfen, wie die Typen konkret drauf waren. Denn es ist ja nicht so, dass er jetzt einfach nur Rave gemacht hat. Im Grunde genommen hat er vorher Mauken-Betreuung gemacht. Was ihm vielleicht sehr, sehr hilft, und das spricht für diese anderen Leute, dass die überhaupt nicht darüber nachdenken, dass sie ihm nicht vertrauen können, weil er mal einen Dachschaden hatte, sondern sie sagen: Das ist doch einer von uns! Die kommen gar nicht auf die Idee, ihn als Freak zu sehen, jedenfalls nicht mehr als sich selbst.

Calvani: Ich habe ihn auch nicht als Freak gesehen.

Regener: Das ist er aber auf eine Weise. Er hat ja wirklich ein Problem. Das war ja keine Einbildung.

Calvani: Er hat eine Prägung, ja, wie jeder andere Mensch auch.

Regener: Sorry, aber wenn Leute einmal so was erlebt haben, Leute, die einmal irre waren, sind andere Leute. Das ist nicht mehr dasselbe. Wie auch bei Leuten, die einmal richtig süchtig waren, ich meine jetzt süchtig nach harten Sachen.

Calvani: Sie meinen, das sei nicht vergleichbar mit anderen Prägungen? Einer schweren Depression oder einem Nahtoderlebnis?

Regener: Vergleichen kann man alles, aber es ist nicht dasselbe. Das ist ganz wichtig. In der Literatur geht es nicht darum, zwischen allen Dingen das Gemeinsame zu finden, sondern das Besondere zu finden. Das ist ganz wichtig, sonst schieben wir Pappkameraden durchs Buch. Für Karl ist das die ganz große Kränkung in seinem Leben. Und danach ist für ihn nichts mehr, wie es vorher war. Er kann jetzt vielleicht ein anderes Leben anfangen, aber er wird sich nie wieder sicher sein. Das macht ihn zu einem Freak, aber nicht für diese Leute. Die sagen, du bist vielleicht ein Freak, aber fuck it, mit Freaks kommen wir klar. Darum sind diese Leute so großartig, weil sie etwas Leichtes haben, weil diese Leichtigkeit keine Oberflächlichkeit ist, sondern weil sie ein Lebensstil ist – völlig abgekoppelten vom Rave, bei ihnen ist das ein Lebensstil. Dabei sein ist alles.

Goedzak: Ich habe mal ein bisschen umdisponiert, weil ich an Eure Stil-Diskussion anknüpfen möchte. Du hast gesagt, Calvani, es ist ein sinnlicher Stil bis auf die „pappige“ Stelle mit dem Kuss.

Calvani: Sehr kompakt und bildlich.

Goedzak: Mich hat das auch fasziniert. Im Grunde hat genau das mir am Buch am meisten gefallen, wie das, was passiert, was geschieht, was man als Leser sehen kann, gesagt wird, formuliert, ausgedrückt wird. Ich möchte behaupten, „sinnlich“ ist gar nicht die richtige Bezeichnung für den Stil, weil er einfach schreibökonomisch recht karg ist. Ich habe überlegt, woran liegt das, dass man in jeder einzelnen Szene, in jeder Handlung, die vor sich geht, jedem Geschehen, das passiert, soviel sieht, als würde man es erleben oder als Film sehen, obwohl die Sprache eher lapidar ist.

Calvani: Sie ist sehr kompakt, aber sinnlich.

Goedzak: Ja, Du meinst sicher das Gleiche. Es liegt daran, dass einfach nur die Handlung hingestellt wird. Es wird nichts beschrieben, sondern erzählt. Ich habe irgendwann zählen wollen, wie viele Adjektive vorkommen. Ich habe fast keine gefunden. Es ist ganz wenig Beschreibung, aber ganz viel Erzählen von Geschehen. Und da reicht es mir dann auch, dass, wenn sich zwei küssen, dies nur mit „Sie küssen sich“ dargestellt wird.

Regener: Freut mich, dass ich Sie nicht enttäuscht habe! Ich hab natürlich darüber viel nachgedacht. Bei jedem neuen Buch muss man sich überlegen, wie weit man geht. Die sind alle ein bisschen anders. Ist ja nicht so, dass ich das immer genau gleich mache. Ich glaube, dass das eine grundsätzliche Entscheidung ist, und je konsequenter man das durchzieht, desto wirksamer ist das. Wenn man anfängt, über so ein Buch nachzudenken, trifft man ja viele Entscheidungen. Man überlegt sich, aus welcher Perspektive ist es geschrieben, wie ist derjenige sprachlich so drauf, wie sehr er sich selber stilisiert, wie sehr er versucht, sich selber in ein bestimmtes Licht zu rücken, wie ehrlich er zu sich selber ist, aber auch im Erzählen von sich selbst. Aber eben auch in der Beschreibung der Dinge. Und letztendlich ist es so, und das ist vielleicht auch der Vorteil der Ich-Erzählung, dass von Anfang an deutlich wird, dass dieser Typ sich nicht lange damit aufhält, seinen Eisbecher „Monteverdi“ zu beschreiben. Offensichtlich ist der groß genug, um sich dahinter zu verstecken. Das ist ja echt fantastisch in so einer Eisdiele! Die Leute bestellen wirklich soooolche Eisbecher! Noch Ananas oben drauf und ’n Schirmchen, wie in „Die nackte Kanone“ dieser eine Drink. Aber die sehen wirklich alle so aus! Haben alle Farben der Welt und Liköre und so Kram. Und dann muss Karl einfach nur sagen, ich hab mich nicht hinter dem Eisbecher versteckt, wie ich das bei Werner getan hätte, dann kann man sich schon vorstellen, was das für ein unglaubliches Teil ist. Manchmal reicht das. Und ich glaube, dass es darauf ankommt, dass man sich als Leser am Anfang daran gewöhnt, dass man sich den ganzen Scheiß denken muss. Dass man keine Beschreibung von Ferdi bekommt. Hat der Haare auf dem Kopf, hat er keine, hat er lange oder kurze? Man weiß es nicht. Irgendwann ist mal die Rede von langen, dünnen Haaren. Ich hab mir den immer mit langen dünnen Haaren vorgestellt. Raimund Schultes fehlende Haarpracht in der Eingangsszene wird nicht beschrieben, ist uninteressant. Naja, er ist ja auch kahl und Karl Schmidt bemerkt einfach nur, dass er ihn an den Haaren nicht erkannt hätte, weil die Koskserfrisur aus den Achtzigern eben weg war. Wenn ich zu jemandem sage: Du, gestern hat mich fast ein Auto überfahren, als ich über die Bundesallee ging, dann sag ich auch nicht, das war ein roter Golf aus den achtziger Jahren, so eine alte Klapperkiste, nein, nur: Da hat mich fast ein Auto überfahren! Und da hat jeder sofort ein Bild! Und Gottseidank bin ich nur nass geworden, weil der Arsch durch eine Pfütze gefahren ist. Aber nicht: Braune Pfütze, Hundekot drin aufgelöst – das versteht sich ja in Berlin, in Westberlin jedenfalls, fast von selber, dass da Hundekot mit drin ist.

Goedzak: Es doch in solchen englischen creativ-writing-Empfehlungen den Spruch: „Show, don’t tell!“

Regener: Ja, umgekehrt ist ja auch so, dass man dort auch lernt, wie man Dinge beschreibt, wie man die Adjektive setzt und so. Das Problem ist, ich bin auch als Leser bei sowas immer defizitär gewesen. Zum Beispiel Dashiell Hammett, den ich sehr liebe, der sehr lakonisch ist, aber dessen Beschreibung der Leute, eng zusammenstehender Augen und so, mir überhaupt nichts bringt, um mir diesen Typen vorzustellen, weniger, als wenn er das gar nicht machen würde. Denn da denke ich immer gleich an jemanden, der so ähnlich aussieht, wie mein Onkel Paul oder so. Den setze ich dann selber da ein.

Goedzak: Aus dem, was die Figuren tun, wie sie handeln, daraus entsteht ja auch ein Bild von ihnen.

Regener: Genau. Und wie sie reden zum Beispiel.

Goedzak: Mich haben Sie am Anfang schon damit gekriegt, dass ich lesen konnte, wie Karl als Hausmeister in dem Kinderheim agiert. Wie er Stühle repariert oder mit dem – wie heißt das Ding, das Klo-Ding?

Regener: Pümpel.

Goedzak: Mit dem Pümpel rumläuft und spontan die Installation vor dem Sekretariat arrangiert und meint, der Pümpel wäre dabei etwas...

Regener: ...too much, ja.

Goedzak: Oder dann diese Szene mit dem Jungen, der ausbüxen will, und der Alligatorenfütterung. Kleine, eigentlich banale Handlungen, die man miterlebt und die auch die Figuren lebendig werden lassen. – Muss man als Autor der Typ für diesen Stil sein oder ist das ein ausgeklügelter, durchkonstruierter Stil?

Regener: Das ist auch Lebenserfahrung. Ich hab mal als Hilfshausmeister in einem Kinderheim in Lüneburg gearbeitet, als Zivildienstleistender. Ich war erst beim Bund, hab dann verweigert, und hab dann noch ein dreiviertel Jahr Zivildienst leisten müssen in einem Kinderkurheim, das es nicht mehr gibt. Was gut ist, denn nun kann mich da auch keiner mehr doof finden, weil er meint, er sei gemeint oder so. Die Kinderheimszenen im Roman sind diesem Heim nachempfunden, die Erfahrung kommt da her. Die Alligatoren zum Beispiel gab es da auch und ich musste sie füttern. Auch diese beiden kleinen Affen und der Tiertherapeut, der die Affen kastriert, damit sie vor den Kindern keinen Sex haben können, das gab es wirklich, so einen Scheiß kann man sich ja gar nicht ausdenken. Die Welt hält ja unglaublich viele Dinge bereit. Es hilft also, dass ich so viel Quatsch erlebt hab.

Goedzak: Zu einer anderen stilistischen Frage: Sie haben vorhin im Gespräch erwähnt, dass Sie Ihre Interviews autorisieren, weil Sie der Meinung sind, dass das Gespräch schwer in Schriftsprache umgesetzt werden kann. Wenn man in Ihr Buch schaut, liest man lange Dialoge, es wird unglaublich viel gelabert. Die Redeweise der Frau Dr. Selge ist ein schönes Beispiel dafür, wie man eben doch individuell besondere wörtliche Rede in Schriftsprache umsetzen kann.

Regener: Ja, aber das ist eben ausgedacht und komponiert, da ist das nochmal anders. Also, wenn Olivier Messiaen eine Oper über Franz von Assisi macht, die sechs Stunden dauert, und davon allein zwei Stunden nur Vogelstimmen imitiert werden, dann ist schon klar, dass er ziemlich besessen ist von Vögeln. Und es ist auch klar, dass es was anderes ist, wenn ich jetzt die Amseln vom Tonband einspiele, oder ob ich sie von einer Oboe oder so darstellen lasse. Natürlich überlegt er sich dann ganz genau, wie er dann die Amseln macht. Das hat zwar sein Vorbild in der Natur, aber es ist nicht dasselbe. Bei einem Streit über einen Interviewtext kriegt man dann gesagt: Genauso hast Du das aber gesagt! - Ja, aber Du hast da vorne einen Halbsatz weggelassen! Ich aber kann mir solche Dialoge ausdenken, weil ich so ein Freak bin, der den ganzen Tag mit sich selber redet oder besser: streitet.

Goedzak: Es gibt offensichtlich auch im Schriftlichen etwas Nonverbales, irgendeine Art von Gestik.

Regener: Ja, das gibt’s, und das darzustellen braucht man auch keine Emoticons. Es muss möglich sein, ohne sie auskommen.

Goedzak: Anfangen wollte ich eigentlich mit einer ganz, ganz originellen Frage, die sich mir beim Lesen sehr bald aufdrängte, nämlich: Ist das ein Schelmenroman?! Dann aber kamen mir einige Rezensionen unter, und was sehe ich: Alle Leute fragen das oder behaupten, es wäre ein Schelmenroman. Und ich habe wirklich geglaubt, das Wort Schelmenroman kennt heute kaum noch jemand.

Regener: He, wenn wir schon beim Freitag sitzen: Peter Paul Zahl, Die Glücklichen, ein Schelmenroman! Stand sogar auf dem Cover.

Goedzak: Gut, dann stieß ich auf den Text von Leander Haussmann über Herr Lehmann, im Spiegel 2001...

Regener: Der hat damit angefangen, der Schelm!!

Goedzak: Ja, der sagte als erster, das ist ein Schelmenroman, Herr Lehmann ist ein Simplizissimus, und sein Dreißigjähriger Krieg ist der Alltag. Ich finde, das stimmt! Auch in der Süddeutschen vor ein paar Tagen wird das wieder über Magical Mystery behauptet. Ich muss gestehen, ich mag Schelmenromane, ich lese die Klassiker und suche immer neue, finde aber selten einen. Ich habe also Ihr neues Buch als Schelmenroman gelesen. Nun ist natürlich die Frage, ob denn Karl Schmidt wirklich so ist, ist er ein tumber Tor, ist er ein Lazarillo von Tormes oder dergleichen?

Regener: Nee, das glaube ich eben gerade nicht. Aber das ist die Frage, ob das dann deswegen kein Schelmenroman sein kann. Vielleicht, vielleicht auch nicht. Ich kenne mich mit den Bedingungen für diesen Begriff nicht so aus. Nein, er ist nicht tumb! Das merkt man daran, als Beispiel, er hat zusammen mit Ferdi und Raimund bei „Glitterschnitter“ gespielt, das war ihre Band in den frühen Achtzigern, lange bevor es auch nur Acid House und das alles gab. Die haben so Avantgarde-Rock-Quatsch gemacht mit Kreissägen und allem Scheiß. Das hat Spaß gemacht, d.h., er kennt diese Leute, er ist Fleisch von deren Fleisch, er ist nicht der Typ, der da hin kommt und das noch nie gesehen hat. Das erste Mal, wo er eigentlich anfängt sich zu wundern, wo ihm ein Licht aufgeht, ist bei diesem Riesen-Rave, „Springtime“, ein bisschen der Mayday in Dortmund nachempfunden, wo er plötzlich sieht, was diese Dödel für ein Riesending auf die Beine gestellt haben. Wenn man das sinnlich erfährt, dass Leute, mit denen man früher die Band „Glitterschnitter“ machte, mit denen man, was weiß ich, im XY auftrat, plötzlich Millionen Platten verkaufen und so eine Halle füllen. Und wie ihm plötzlich aufgeht, was da passiert ist, ihn das aber auch nicht vom Hocker reißt – er ist nicht der Doofie, der von außen kommt, das ist er nicht, aber er ist auf eine Weise ein Schelm, weil er eben doch Außenseiter ist. Der Simplizissimus ist jemand, der eigentlich nie die Absicht hatte, in so eine Armee zu gehen. Er geriet zu den Schweden und zu den kaiserlichen Truppen, weiß nicht, was das soll, aber versucht durchzukommen. Und ich glaube, diese Außenseiterposition ist hier wichtig. Dass der Schelm jemand ist, der eine ganz andere Agenda vertritt als die anderen. Während die alle nur versuchen, diese komische Magical Mystery-Idee von Raimund und Ferdi zu überleben und irgendwie damit klarzukommen, hat das für Karl eine ganz andere Bedeutung. Das ist vielleicht der Schelmaspekt, dass er doch einfach Außenseiter ist, dass er andere Ziele verfolgt. Dem Simplizissimus ist das ja auch scheißegal, was mit dem schwedischen Heer wird. Er ist da dummerweise reingeraten und sieht zu, dass er da heil wieder rauskommt. Auch das wiederum ist keine richtige Parallele, weil Karl Schmidt es ja nicht egal ist, was aus Ferdi, Raimund und ihrer komischen Sause da wird. Er will ja auch, dass sie sich wohlfühlen, dass es toll wird, dass sie ihren Apfelwein trinken können, dass sie nicht zusammenklappen zwischendurch.

Goedzak: Der tumbe Tor, die Tumbheit ist ohnehin oft eine Maske oder ein Kostüm, ein Narrenkostüm.

Regener: Ja, aber die benutzt er nicht mal. Karl ist ja zunächst ein Objekt, ein betreutes Objekt. Er ist das Objekt von sozialpädagogischer und therapeutischer Arbeit. Das muss er wahrscheinlich lange Zeit auch sein. Dass er dann seinen Frieden damit macht, dass das so war, kann erst in dem Moment kommen, als er sich aus dieser Position befreit. Und das ist sein Weg. Altona, das ist ein Sackbahnhof. Die Züge stehen immer schon da. Da entscheidet er sich, nicht in den nach Uelzen, sondern den nach Berlin einzusteigen. Weil, Uelzen bedeutet lückenlose Betreuung, Sport, festes Programm. Berlin bedeutet, er muss selber rausfinden, wie er leben will und wie das hinzukriegen ist, zum ersten Mal wieder nach fünf Jahren. Ist das ein Schelm? Eigentlich nicht, eigentlich hat er sich ja mehr vorgenommen als zu überleben. Aber im Grunde genommen doch, denn dieses Außenseiterding ist das wichtigste beim Schelm, dass jemand an etwas teilnimmt, zu dem er eigentlich nicht dazugehört, und dann guckt, was ist denn hier los? Insofern finde ich das ganz plausibel.

Angele: Und was ihn auch zum Schelm macht, ist eine gewissen Form von Reinheit. Er ist eigentlich ein reiner Mensch. Er hat Abgründe, auf jeden Fall, aber er ist ja kein böser, er ist ein guter Mensch in einem ganz elementaren Sinn. Er will, dass es auch den anderen gut geht.

Regener: Ja, viel mehr als Frank Lehmann!

Angele: Er ist kein Intellektueller, ein Ferdi ist er nicht, er könnte sich nicht mit Canetti eine Meinung über das bilden, was abläuft. Das fand ich wunderbar, diese eingebaute Passage über Canettis Theorie der Masse, die, wenn sie nicht mehr wächst, zusammenbricht. Das stimmt, das ist Rave auf den Punkt gebracht.

Calvani: Das fand ich auch.

Regener: Das ist ein lesenswertes Buch!

Angele: Karl Schmidt hat etwas Anderes, etwas Anrührendes. Deshalb denke ich auch, dass die Kussszene so sein muss, weil sie etwas absolut Unverdorbenes hat. Und Karl Schmidt ist auch unverdorben.

Calvani: Es gibt doch auch unverdorbene Küsse!

Angele: Nein. Ja, natürlich, aber das ergibt schon Sinn.

Regener: Wenn er als Erzähler jemand wäre, der davon erzählt, dass er diese Frau geküsst hat und anfangen würde, das im Detail zu beschreiben, dann wäre er nicht der, der er ist.

Calvani: Wenn ich sage, das ist ein sinnliches Buch, heißt das: Meine Sinne werden angesprochen. Das bedeutet nicht, dass es ellenlange Beschreibungen gibt, sondern dass die Sprache meine Sinne anspricht, und in dieser kompakten Bild- und Lautschrift hätte ich auch gerne über diesen Kuss gelesen. Meinetwegen nur ein Geschmack.

Regener: Tut mir leid, dass ich Sie enttäuscht habe!

Goedzak: Neuauflage!

Calvani: Nein, ihr seid ja einhellig der Meinung, dass die Szene so sein muss. Aber mich hätte interessiert, wie eine Kussszene in so einem kompakten, sinnlichen Stil ausgesehen hätte. Pardon!

Angele: Das Beste an diesem Buch ist ja die Sprache, die wahnsinnig schwer auf einen Begriff zu bringen ist. Es ist ein Gelaber, das aber gleichzeitig Wahrheiten transportiert. Nehmen wir z. B. diesen Ausspruch: „kontaktstoned“. Das ist so ein Laberzeug und gleichzeitig ist damit eine Wahrheit über diese ganze Sozietät ausgesprochen. Und nach 10 Mal, denkt man, wenn man es hört: Ich kann es nicht mehr hören. Das ist Jargon, der gleichzeitig analytisch ist. Es gibt einige dieser Ausdrücke, die auf den Punkt bringen, was eigentlich abgeht. Das ist für mich das Bemerkenswerte an dem Buch.

Regener: Die Leute singen ihr Lied, sie singen von sich selbst. Sie sagen: „Hallo, hier bin ich! Ich bin nicht scheißegal! Ich habe auch was! Ich bin Schöpfi! Und ich sage dir eins: Ich habe mich damals nicht ‚Frankie, der Waldspecht‘ genannt, weil ich ein Idiot war, sondern weil ich die Sachen aus dem Wald echt liebe. Wie diese Pilze, deshalb will ich die Suppe mit Pilzen!“ Ich liebe das!

Angele: Ja. Und gleichzeitig ist es auch bescheuert! ‚Frankie, der Waldspecht‘ ist auch bescheuert.

Regener: Ich finde, das ist ein herrliches Pseudonym für einen DJ!

Angele: Es ist auf den Punkt gebracht, lakonischer und aussagekräftiger kann man es nicht sagen. Z. B. auch: ‚Bummbumm‘. Es ist das Bescheuertste, was es gibt, und gleichzeitig ist es der Kern der Sache.

Regener: Man muss sich mal überlegen, da kommen 20.000 Leute in so einer Halle zusammen, weil jemand ‚Bummbumm-Musik‘ macht und ihnen das Freude macht. Das ist nicht irgendein Scheiß, das ist eine ganz große Tat. Und es gibt nur ganz wenige im Moment in der Kunst – und die Kunst beeinflusst unser gesellschaftliches Leben sehr stark – bei denen so was möglich ist. Die Leute haben da etwas zustande gebracht, was man nur ganz selten hinkriegt. Deshalb ist Karl Schmidts Perspektive als jemand, der das verpasst hat, so angenehm. Weil er das so erzählen kann, dass man das ganz nackt erzählt bekommt. Ich freue mich immer, wenn Leute sagen, dass sie verwirrt waren oder nicht gedacht hätten, dass ... Ich verstehe einerseits gar nicht, warum dieses ganze Rave-Ding eine so große Bedeutung haben konnte und auch ein so großes Medienecho erzeugen konnte, aber letztendlich wie alles in der Kunst auch so unglaublich viel Ablehnung erfahren hat. Die meisten Leute sind immer dagegen, wenn man zwei, drei Prozent der Leute hat, die dafür sind, sind das in Deutschland 2,4 Millionen Menschen. Das ist dann viel. Dann ist man schon sehr, sehr erfolgreich. Aber wichtig ist, dass der Grundrespekt für so etwas wie Techno durch die Kunst, durch so einen Roman, durch das individuelle Erleben des Helden wieder distanziert gesehen wird und Glanz bekommt, eine Aura bekommt. Jetzt bin ich doch wieder bei Walter Benjamin gelandet.

Angele: Walter Benjamin würde sagen und das muss ich auch sagen, so sehr ich Sympathie habe für diesen Gedanken, den ich sehr gut erläutert finde: Das Großartige ist, dass diese Leute Karl nicht bewerten. Sie lassen ihn gelten, könnte man sagen. Auf der einen Seite. Auf der anderen Seite – ich sag’s jetzt mal ungeschützt – sind die Leute, so intellektuell bin ich dann doch, mir zu unterkomplex. Es würde mich nicht befriedigen, diese Tour so zu machen, wenn ich nicht selbst Karl Schmidt wäre, der damit etwas verbindet.

Regener: Der Einzige, von dessen Komplexität wir etwas wissen, das ist Karl Schmidt, das ist völlig klar.

Angele: Er verbindet noch etwas Anderes mit dieser Tour. Für ihn ist das Entwicklung, Bestätigung. Es passiert mit ihm etwas, das mehr ist als nur Rave. Insofern würde ich auch sagen, es ist kein Roman über Rave, er erzählt eben aus der Zeit, auch sehr präzise über Rave.

Goedzak: Ich habe mir über die Handlungszeit des Romans zum ersten Mal Gedanken gemacht, als es um Tipp Ex ging.

Angele: In solchen kleinen Sachen werden eine ganze Zeit festgehalten. Insofern es für die Zeit prägend war, ist es auch ein Roman über Rave.

Regener: Es ist auch ein Rave-Roman.

Angele: Ja. Aber, das hat mich schon bei Goetz genervt, vielleicht ist es auch ein bisschen Attitüde, man macht sich dümmer, als man ist.

Regener: Da ist zwar was dran, aber das ist ein anderer Punkt.

Angele: Jedenfalls gibt es so einen Punkt, an dem ich denke, dass mir Frank Lehmann näher steht als Karl Schmidt, weil Lehmann auf eine verkorkste Art über sich selbst nachdenkt. Eins nämlich macht Karl Schmidt komischerweise nicht, er reflektiert nicht in einem konventionellen Sinn über sich selbst.

Goedzak: Das habe ich aber als angenehm empfunden.

Angele: Ja, das ist eben das torenhafte, dieses Reine, was ihn zu diesem Schelm macht. Er ist diesem Sinne für mich eine Identifikationsfigur, aber Lehmann ist mir näher. Es gibt eine Bedingung unter der ich das alles ertragen würde und das sind: Drogen, Drogen, Drogen. Dazu ist mir aufgefallen. Ecstasy spielt eine geringe Rolle. Wir haben ja vorhin schon diskutiert, dass Koks in Bier mir unbekannt ist. Macht man das so?

Regener: Das muss man nicht machen. Alles wird gemacht.

Angele: Was ist der Effekt davon?

Regener: Wahrscheinlich bleibt man länger wach. Ich kenne jemanden, der diesen Witz immer gemacht hat, ich glaube, er war wahr. Der hat wirklich Koks ins Bier gebröselt. Das kann man ja machen.

Angele: Was passiert dann?

Regener: Kokain hat mehrere Wirkungen.

Angele: Ist mir bekannt, ja.

Regener: Eine euphorisierende und auch eine anästhesierende. Und man kann es oral einnehmen, über die Schleimhäute einnehmen, man kann es auch spritzen. Mit Bier ist es eine orale Einnahme.

Angele: Mit Bier wird es aber verdünnt.

Regener: Wo ist das Problem? Das heißt ja nur, dass es gestreckt ist.

Angele: Ich dachte, bei Koks ist das Problem, dass die Wirkung nicht so lange anhält.

Regener: Ab einem bestimmten Punkt weiß man überhaupt nicht mehr, was wie wirkt. Das ist ja gar nicht wichtig. Das ist ja kein Fachberatungsbuch.

Angele: Ja, doch, wenn das erzählt wird, dann will man das wissen.

Regener: Das ist doch das einzige Mal, wo Koks überhaupt erwähnt wird. Außer bei der einen Geschichte von Schöpfi, in der einer einem anderen Koks mit dem Strohhalm in die Nase bläst. Was man auch nicht vergessen darf: Die Wirkung ist von Person zu Person unterschiedlich. Das ist kein Buch über Drogen.

Angele: Nein, aber es gehört zum Rave dazu.

Regener: Ja, und die sind da ja auch die ganze Zeit virulent unterwegs. Die ganze Zeit ist klar, dass die anderen Drogen nehmen. Aber Karls Haltung ist die: Ich will das nicht wissen. Er erzählt nur davon, was die Anderen dann so reden. Er selbst hat damit ja auch gar nichts zu tun. Die sind da ja auch nicht unterwegs als verlängerter Arm des Philosophischen Quartetts. Die sind unterwegs, weil sie DJs sind und auflegen sollen. Die sind normalerweise immer ganz alleine unterwegs. Vielleicht zu zweit wie Holger und Basti, aber die haben sich auch nicht mehr viel zu sagen, weil sie sich alles schon mal gesagt haben. Das ist der Unterschied zu Rock’n Roll Touren, die sind zum ersten Mal in dieser Form unterwegs. Mit so vielen Leuten. Und in diesem Moment haben sie auch etwas Unterkomplexes und das sollte auch so sein. Ferdi ist der Typ, der sich über ganz viele Sachen Gedanken macht, er ist – wie über ihn gesagt wird - obenrum, Reimund ist untenrum. Ferdi redet auch darüber, wie es ’68 war. Darüber, dass das Bild über ’68 viel bunter ist, als es in Wirklichkeit war. Er zieht daraus auch Schlüsse. Ich kenne verdammt viele Leute aus Ferdis Generation, die nicht meine ist, bei denen es für diese Schlüsse nie gereicht hat. Aber diese Leute haben kein Problem damit zu sagen: Wir machen hier Techno und dabei kommt es darauf an, dass es ordentlich was auf die Zwölf gibt. Das sind Leute, die sind 1:1 unterwegs und darum sind sie für Karl Schmidt gut.

Angele: Ja, das habe ich alles begriffen.

Regener: Es geht nicht ums Begreifen, wir sind doch hier um zu reden. Ich habe mal ein Buch mit Germar Grimsen gemacht, auf dem hinten drauf nur steht: Was wollen wir? Nichts. Reden. Ein starker Satz.

Angele: Reden wir noch über Meine Jahre mit Hamburg Heiner!

Regener: Auf jeden Fall!

Angele: Für mich ist das das beste Buch.

Regener: Das ist übrigens das meistverkaufte Blog-Buch überhaupt.

Angele: Das weiß ich nicht, aber es hat eine Wahnsinnsqualität. Das soll jetzt das Bloggen nicht abwerten, aber es ist ja doch oft so, dass das Bloggen nicht über den Tag hinaus gedacht ist. Dieses Buch auch nicht, aber trotzdem funktioniert es, sogar noch in Buchform.

Calvani: Warum denn?

Angele: Das ist schwierig. Es ist geistreich, gut, das sind viele Blogs. Es besteht aus kleinen literarischen Subformen, ich glaube das ist das Entscheidende. Ich wünsche mir oft, dass Blogs ein größeres Bewusstsein für kleine literarische Spielformen hätten. Das ist hier sehr, sehr gut gemacht. Es ist sehr viel Zeitgeschichte, man liest es im Grunde heute schon als Zeitdokument. Und es ist sehr, sehr witzig.

Regener: Was diese Blogs von den denen, die man in der Regel kennt unterscheidet, ist, dass sie alle terminiert waren. Es gibt keinen Blog, der länger als vier Wochen geführt wurde. Das heißt, ich wusste von vornherein, dass es irgendwann vorbei ist wie bei einem klassischen Logbuch. Das war die Idee. Und es sind natürlich rein fiktive Geschichten. Nichts darin stammt aus der Wirklichkeit.

Goedzak: Was wäre gewesen, wenn nun ein Verleger gekommen wäre und hätte Sie angehalten, ein reines Tagebuch zu schreiben, das nicht online veröffentlicht wird?

Regener: Das hätte ich nicht gemacht.

Goedzak: Es ging also ganz bewusst um das Medium Internet?

Regener: Auf jeden Fall! Der erste Blogger überhaupt bei Spiegel Online war ich. Das muss man sich mal vorstellen. Und die fingen an, das umzuschreiben. Da meinte ich: „Was ist denn mit euch los?!“ Ich hatte auch Bilder geschickt und dann haben die eigene Bildunterschriften eingefügt. Und ich wieder: „Seid ihr völlig irre, oder was? Das geht nicht! Das ist mein Blog! Finger weg!“

Calvani: Und? Hat Spiegel Online sich darauf eingelassen?

Regener: Ja, klar! Ich musste das immer dem Chef vom Dienst schicken, weil das ja meist nachts reingesetzt wurde. Und der Chef vom Dienst meinte: „Wir machen, was wir immer machen, wir schreiben das um.“ „ Nee, nee“, habe ich gemeint. Es gab ganz selten die Möglichkeit, dass man das selbst eintragen konnte. Bei der taz z. B. war das so. Dort konnte ich das selber hochladen.

Angele: Aber Sie haben die Kommentare nicht gelesen?

Regener: Ich kann das nicht, ich will das nicht. Es macht mich traurig, es schüchtert mich ein. Nicht nur Negatives, überhaupt alles. Ich glaube daran, dass man Kunst von hier nach dort schickt.

Angele: Die ideelle Idee ist doch, dass sich mit Kommentaren ein Blog weiter kommunizieren lässt.

Regener: Ich sehe Kommentare unter Blogs genauso wie Kritiken in Zeitungen. Die richten sich nicht an den Autor, sondern an die anderen Leser. Der Kritiker, der ein Buch rezensiert, richtet sich nicht an den Autor, beim Autor ist Hopfen und Malz verloren. Der Autor hat das Buch herausgebracht in der besten aller Welten, weil er das Buch genau so richtig fand. Warum sollte er seine Meinung ändern? Würde jemand Vincent van Gogh ernst nehmen, wenn ich käme und sagen würde: „Diese blöden Sonnenblumen, das nervt doch irgendwie, Mann! Mach die doch mal ein bisschen weniger gelb!“ Und er würde antworten: „Ja, wenn du meinst, Sven…“ So einen Künstler würde kein Schwein ernst nehmen! Der Künstler ist für Kritik unempfänglich, das erwarte ich von ihm. Die Kritik richtet sich an den Leser, den Zuschauer, den Konzertgänger.

Angele: Ich finde, dass Bloggen dort spannend wird, wo es in den Dialog mündet.

Regener: Falsch! Bloggen ist dann spannend, wenn es spannend ist. Ganz einfach. Das übrige ist vielleicht für Journalisten toll, aber für einen Künstler ist das Quatsch.

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Nächstes Mal: Read & Meet mit Jakob Augstein, kay.kloetzer, Goedzak und Calvani

Vielen Dank an Sven Regener, Dr. Michael Angele und Goedzak
18:55 15.10.2013
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Calvani

Die Wahrheit ist immer nur ein Teil der Wirklichkeit
Calvani

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