Der religiöse Säugling.

Circumcision: wer in seinen Rechten beschnitten wird.
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"Der Mensch wird frei geboren, und überall ist er in Banden. Mancher hält sich für den Herrn seiner Mitmenschen und ist trotzdem mehr Sklave als sie." Jean-Jacques Rousseau

Es geht in der Debatte um die religiös motivierte Circumcision an Säuglingen nicht um ein Abwägen zwischen zwei Grundrechten (Artikel 2 Recht auf körperliche Unversehrtheit versus Religionsfreiheit). Denn ein gesetzliches Verbot wäre keine Einschränkung der Religionsfreiheit, sondern viel mehr als Bekräftigung zu verstehen sich seine Religion, seinen Atheismus und/oder seine Weltanschauung frei und möglichst unabhängig von seinen Eltern zu wählen.

Wenn ein mündiger Bürger sich als Jude oder Moslem fühlt wird ihm auch weiterhin nichts im Weg stehen sich beschneiden zu lassen. Seine freie Entscheidung darf allerdings nicht verwechselt werden mit der Beschneidung eines Säuglings. Man könnte sich folgendes Szenario vorstellen: während einer Operation unter Vollnarkose führt ein religiöser Operateur eine Circumcision ohne Einwilligung an einem erwachsenen Patienten durch.

Welche Parallelen sind zu erkennen?

1. Sowohl der Säugling wie auch der Patient haben dem Eingriff nicht zu gestimmt, es wird über ihren Kopf über ihren Körper entschieden. Das ganze ist unabhängig vom Alter.

2. Der Säugling und der Patient werden zum Gegenstand der Religion eines anderen Menschen.

Wenn also das Argument der Religionsfreiheit in das Feld geworfen wird, darf doch bitte daran erinnert werden, dass ein Säugling per se noch keiner Religion angehört nur weil er das Kind religiöser Eltern ist und in Zukunft wahrscheinlich einer perfekten religiösen Indoktrination unterworfen sein wird (die ihm später vielleicht auch die geistige Fähigkeit nimmt zu erkennen, dass die an ihm durchgeführte Circumcision eine Verletzung gegen seine körperliche und geistige Unversehrtheit war). Natürlich dürfen die Eltern auch weiterhin religiöse Riten ausführen aber ein Kind ist eindeutig kein Ritualgegenstand und kein Gegenstand sich zu seiner eigenen Religion zu bekennen und auch nicht der Besitz der Eltern. Nur weil man einer Religion zugehört muss man noch lange nicht annehmen, dass das eigene Kind dieser Religion ebenfalls angehört - das Kind in diesem Glauben zu erziehen ist geistiger Kahlschlag. Das Verbot spricht sich deswegen nicht nur für die körperliche Unversehrtheit aus, gegen das Hinnehmen von gesundheitlichen Risiken bei medizinisch nicht induzierten Eingriffen sondern auch für die spätere geistige Unversehrtheit des Kindes zu wissen frei geboren worden zu sein.

Also nur aus falschen Respekt, feiger Konfliktvermeidung oder im Gedenken an früheren geschichtliche Ereignisse in einem säkularisierten Land religiöse Riten an Säuglingen erlauben?

14:07 17.07.2012
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Cameiro

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