Liebe Greta

Klimakonferenz Ein Brief an die bedeutendste Influencerin der Welt.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

auch in dieser Woche überschlagen sich die Medien mit Berichten über eine Lobby, die mit deinem Namen gute Geschäfte macht.

Die Aktiengesellschaft "We don't have time" um den Unternehmer Ingmar Rentzhog habe dich zur "Galionsfigur" für ein neues Plattform-Business gemacht. Dabei distanziertest du dich bereits im Februar von "We don't have time." Auch Mitstreiter und Helfer für deinen Segeltrip über den Atlantik stehen unter Beschuss. "Steuerparadies", "Millionär" und "PR" lauten die alarmierenden Schlagwörter.

Während viele Journalistinnen und Journalisten dieses Skandälchen wiederkäuen, hast du längst erkannt, dass nur der Weg über ein Netzwerk mit potenten Multiplikatorinnen und Multiplikatoren zum Ziel führen wird.
Es stimmt, Unternehmen profitieren davon, dich für ihre Zwecke einzuspannen. Doch ist dieser Umstand so fundamental, wenn er dem Erhalt des Planeten dient? Ja, der Kapitalismus ist dafür verantwortlich den Planeten zerstört zu haben. Wenn nun aber einige marktwirtschaftliche Akteure auftreten, die umgedacht haben und es anders anpacken, sich deinem Ziel glaubwürdig anschließen wollen – Ist das so verkehrt?

Nail it!

Unternehmerinnen und Unternehmer sind zwar mitverantwortlich für den Klimawandel, aber sie arbeiten auch effizienter als Regierungen. Warum also solltest du nicht die Großkapitalisten der Welt dafür einspannen, den Planeten zu retten? Auf Trump kannst du nicht bauen, das ist klar. Doch vielleicht kannst du Amazon-Chef Jeff Bezos, Tim Cook von Apple oder den CEO von SAP Bill McDermott rekrutieren. In einem offenem Brief bekannten sich die größten Unternehmenslenker der USA zu einer nachhaltigeren Zukunft der Wirtschaft. Zweihundert Big Bosses unterzeichneten die Erklärung, in der sie versprechen ihre "Verantwortung für Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten und die gesamte Gesellschaft" wahrzunehmen. Konkret bekannten sich die Unterzeichner dazu vom Prinzip der Gewinnmaximierung und der Erhöhung der Eigenkapitalrendite abzurücken. Das ist deine Chance sie festzunageln. Wie ernst ist es den Unternehmern mit der Verantwortung für die Gesellschaft? Fordere Bezos und Co auf, ihren Worten Taten folgen zu lassen und Big Spender zu werden.

Der Börsenspezialist Rentzhog war nicht der Richtige an deiner Seite. Aber er hat – viel früher als andere – das ökonomische Potenzial deiner ökologischen Bewegung fixiert und erfolgreich multipliziert. Du hast früh erkannt, dass du Menschen an deiner Seite brauchst, die weiterdenken, die wissen wie man Aufmerksamkeit in den Medien bekommt, die wissen wie man an Investoren herantritt, und vor allem solche, die Bedenkenträger mit Expertise zum Umdenken bewegen. Dieses Netzwerk wird deinen größten Zweiflern den Wind aus den Segeln nehmen: Denen, die den Einklang von Ökologie und Ökonomie fordern. Halte den Kurs! Finde und binde positive und innovative Mitstreiter!

We don't have time – for Skrupel

Ist eine gute Sache auch dann noch gut, wenn sie von Menschen gemacht wird, denen das Image anhaftet die gute Sache für eine schlechte Sache auszunutzen? Die simple Antwort lautet: Eine Sache ist gut, wenn sie gut ist, und eine gute Sache wird besser, wenn sie besser gemacht wird.

Die Kritik an den Geschäftspraktiken deiner Unterstützer mag angebracht sein. Deplatziert ist sie, wenn mit ihr dein Name und deine Forderungen vermengt werden. Natürlich sind dir nur integre Förderer zu wünschen. Glaubwürdig sind die Unternehmer an deiner Seite, die die Gewinne, die sie unter der Prämisse "Verantwortung für die Gesellschaft" einfahren, reinvestieren. Wer Geld unter dem Label "Nachhaltigkeit" verdient, soll es auch für Nachhaltigkeit ausgeben. Lass dir also nicht einreden, du würdest die gute Sache verkaufen! Es ist egal, ob du über den Atlantik fliegst oder segelst: Halte dich weiter fern von fragwürdigen Charakteren und undurchsichtigen Geschäften, aber nutz die Macht der ökonomischen Schwergewichte, die sich dir anschließen wollen. Beute Kapitalisten aus.

Du hast schon so viel mehr bewegt als viele kritische Journalisten, Politiker und Unternehmer in den letzten dreißig Jahren. Du hast eine Generation politisiert, von der viele glaubten sie sei bloß narzisstisch. Du beweist, dass Anders-Sein die Welt verändert. Du beweist, dass ein Handicap kein Nachteil ist sondern Trumpf. In Amerika empfangen dich beim UN-Klimagipfel und der Weltklimakonferenz die Game Changer des Jahrzehnts. Du bist schon heute eine von ihnen. Du musst nicht alles richtig machen. Mach weiter so wie bisher und rette den Planeten mit den Stärksten.

19:52 27.08.2019
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Carola Tunk

Schreiber 0 Leser 0
Avatar

Kommentare