Carolina Schwarz
Ausgabe 0817 | 23.02.2017 | 06:00

Absurd und gefährlich

Homosexualität „Umpoltherapien“ werden in Deutschland noch immer praktiziert, mit teils gefährlichen Folgen. Wann werden sie endlich verboten?

Absurd und gefährlich

Verborgene Therapieauswüchse: Von Dämonenaustreibungen bis zur Psychotherapie

Foto: Sarah Rice/Getty Images

Homosexualität ist keine Krankheit. Und kann deswegen auch nicht „geheilt“ werden. Da sind sich die Bundesregierung und die Weltgesundheitsorganisation einig. Seit 1990 ist Homosexualität aus dem Diagnosekatalog gestrichen. Trotzdem gibt es noch immer Vereine in Deutschland, die Pseudotherapien anbieten, um Menschen von ihrer Homosexualität zu „heilen“. Allgemeinmediziner aus strenggläubigen christlichen Kreisen wollen homosexuelle Menschen umpolen – von schwul zu hetero. Das ist nicht nur absurd, sondern auch gefährlich. Depressionen, Isolationen und erhöhte Suizidalität lassen sich bei den „Patienten“ feststellen.

Die Grünen haben Anfang des Monats eine Anfrage bezüglich der sogenannten Konversionstherapien an die Bundesregierung gestellt. Sie fragen nach einem Verbot der Pseudotherapien für Minderjährige. Zudem möchten sie wissen, ob der Regierung Informationen vorliegen, ob bestimmte Diagnosen missbraucht werden, um diese Therapien von der gesetzlichen Krankenversicherung abzurechnen. Dass Krankenkassen teilweise für diese widerlegten Therapien bezahlen, hat eine zweiteilige Reportage des NDR vor vier Jahren gezeigt.

Schon damals hatten die Grünen eine Anfrage gestellt und einen Gesetzesentwurf eingebracht, der jedoch von der schwarz-gelben Regierung abgelehnt wurde. Sie sahen keine Notwendigkeit, gegen die vermeintlichen Umpolungstherapien vorzugehen. Die Behandlungen reichen von Dämonenaustreibungen über homöopathische Medikamente bis hin zu Psychotherapie und finden meist im Verborgenen statt. Gerade deswegen soll mit der Anfrage das Thema in die Öffentlichkeit gebracht werden. In einem ersten Schritt sollte geprüft werden, in welchem Ausmaß solche Therapien in Deutschland angeboten werden. Im zweiten Schritt sollten sie verboten werden und strafrechtliche Folgen aufweisen.

Woanders ist man da schon weiter: Malta hat als erstes europäisches Land Konversionstherapien komplett verboten. Im Rainbow-Ranking, das jährlich alle europäischen Länder auf ihre LGBTIQ-Freundlichkeit hin untersucht, liegt Malta deshalb auch auf dem ersten Platz. Solange in Deutschland derartige Therapien noch straffrei angeboten werden, ist die Vorstellung von Homosexualität als Krankheit weiter am Leben. Vorurteile werden aufrechterhalten und sexuelle Minderheiten diskriminiert. Damit hat Deutschland auch seinen Platz 16 im Rainbow-Ranking verdient.

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 08/17.