Fundstücke 17: "Tu deine patriotische Pflicht!"

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Beginnen wir heute einmal zur Abwechslung nicht mit Polen, sondern mit Russland. Dort mussten Staatsdiener ihr Gehalt sowie das ihrer Ehepartner offen legen – und dabei kamen bemerkenswerte Zahlen heraus: Ehefrauen von Ministern u.ä. verdienen teilweise 10 Mal so viel wie ihre Männer. Vielleicht sind ja auch vor diesem Hintergrund (frustrierte Männer) Plakate entstanden, auf denen eine Mutter mit drei Kindern den Satz “Tu deine patriotische Pflicht” illustriert. (tschuldigung)

Was man aber bei den doch erstaunlich anmutenden Zahlen nicht vergessen darf, ist, dass für die “normalen” Frauen die Aufstiegschancen weiterhin mager sind, wie fast überall sonst auch, hier nur geprägt von orthodoxer Renaissance noch ein bisschen stärker.

Machen wir weiter mit Geldangelegenheiten. Der Mitgründer des Micro-Paydienstes flattr, Peter Sunde, gab der Taz ein bemerkenswertes, grammatisch von der Redaktion nicht geglättetes, Interview. Darin erläutert er die Grundidee, die hinter dem Projekt steht:

“Wir müssen lernen, dass wir keine Preisschilder an einen Inhalt heften können. (...) Man muss ihnen (den Lesern) die Chance geben, selbst zu entscheiden, wofür und wieviel sie bezahlen wollen.”

Wichtig ist in dem Zusammenhang, dass der Leser als gleichwertige Person behandelt wird, der nicht von der Redaktion irgendwie irgendwo “da unten” ist, sondern eben anwesend und mitdenkend.

Geld, zum Dritten. So mancheR unkt, nun würden ab dem ersten Mai die Polen kommen, jetzt, wo ihr Arbeitsstatus in anderen EU-Ländern zunehmend legalisiert wird. Einmal anders gefragt: Warum sollten sie? Eher fahren die Deutschen nach Polen, um Leute zu suchen.

“Seit einiger Zeit suchen nun auch private Arbeitsagenturen und Headhunter aus Deutschland und Österreich den polnischen Arbeitsmarkt nach Fachkräften ab. Doch das Interesse hält sich in Grenzen. Löhne und Gehälter in den beiden Ländern sind längst nicht mehr so attraktiv wie vor sieben Jahren, als die Arbeitslosenrate in Polen bei knapp 20 Prozent und das Durchschnittseinkommen unter 1.000 Euro lag.“

Nocheinmal Polen, diesmal historisch. Während des zweiten Weltkrieges gab es in Warschau, was die wenigsten wissen, zwei Aufstände, nicht nur den Warschauer Aufstand 1944. Der erste ist der Warschauer Ghettoaufstand 19. April 1943, angeführt u.a. von Marek Edelmann. Dieser jährte sich somit vor 10 Tagen.






“Der Aufstand im Warschauer Ghetto (...) dauerte nur ein paar Wochen. Während der Aktion Reinhardt (systematische Ermordung der polnischen Juden), während der von H. Himmler angeordneten endgültigen Auflösung des Ghettos. Bei Ankunft der deutschen Einheiten eröffneten die Widerstandskämpfer (getragen wurde der Aufstand von der Jüdischen Kampforganisation ŻOB und dem Jüdischen Militärverband ŻZW), gerade mal ein paar Hundert, das Feuer. Sie hielten es knapp einen Monat aus, schlecht bewaffnet, lieferten dem Gegner erbitterte, blutige Kämpfe. Ihre Stärke waren nicht ihre Waffen, sondern ihr Überlebenswille, mit dem sie versuchten ihr Leben, ihre Familien und ihre Würde zu verteidigen.”

Einige Kämpfer des Ghettos haben überlebt und später auch beim Warschauer Aufstand mitgewirkt. Ich empfehle bei einem Besuch im Warschau das zugehörige Multimedia-Museum, in dem man ausgeschlafen erscheinen sollte, da man dort sonst droht geschirrmachert zu werden.

Und nun, wo es dem Ende entgegengeht, finde ich gerade noch einen Link, der etwas bestätigt, was ich so im Zusammenhang mit dem Russland-Blog nicht formulieren wollte, weil ich es bis dahin nicht so allgemein auch für Deutschland belegen konnte:

Gehalt und Herkunft:

“Noch größer ist der Unterschied zwischen deutschen und nicht-deutschen Männern, nämlich knapp 38 Prozent. Interessant: Auch der Unterschied zwischen deutschen und nicht-deutschen Frauen ist noch größer als der allseits diskutierte Gender-Pay-Gap, nämlich knapp 25 Prozent. Das heißt, für die Ungleichheit beim Einkommen spielt die Herkunft eine weitaus größere Rolle als das Geschlecht, allerdings ist die Ungleichheit unter Männern noch einmal sehr viel größer als die Ungleichheit unter Frauen.”

Damit und mit dem Photo der Woche wünsche ich euch ein wunderschönes Wochenende!

Die nächsten Fundstücke wie auch die letzten bekommt ihr vom charmanten merdeister.

13:04 29.04.2011
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
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