Fundstücke 3/11

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Beginnen wir – das wird bei mir zur Modeerscheinung (Untertitel der Bilder getrost ignorierbar) – mit Nachrichten von unseren polnischen Nachbarn. Vor zwei Wochen wies ich darauf hin, dass Russland seinen Abschlussbericht zur Katastrophe von Smolensk herausgegeben und die Schuld den polnischen Passagieren zugewiesen habe. Nun holt Polen zum Gegenschlag aus. Man wird den Eindruck nicht los, es handele sich hier nicht um ein tatsächlich geschehenes Ereignis sondern um den Streit zweier Drehbuchautoren, wie ihre Geschichte nun enden soll.

Es fehlt nur noch, dass in nächster Zeit jemand einen Zusammenhang zwischen der Katastrophe und dem sinkenden Vertrauen der Polen in die katholische Kirche herstellt.

Ein absolutes Lese-Muss diese Woche ist das Verfassungsblog von Max Steinbels. Der berichtet von einer Veranstaltung, die nicht nur empört an der Oberfläche des ungarischen Mediengesetzes kratzt, sondern zeigt, dass momentan die gesamte ungarische Verfassung in Gefahr ist abgeschafft zu werden. Warum uns das als Bürger der EU alle angeht.

Günter Gaus erklärt im “Blättchen”, warum er kein Demokrat mehr ist:

“Über Wilhelm II. hieß es: „Majestät braucht Sonne“, mit welcher Begründung dem Kaiser gewisse Kenntnisse von politischen Fehlentwicklungen vorenthalten wurden. Heute soll das souveräne Wahlvolk unterhalten werden; geübte Wahlkampfanimateure haben daraus die Lehre gezogen: Zerstreut es. Das Funktionieren einer Demokratie aber gründet sich auf die Bereitschaft des Souveräns, sich gelegentlich beim Gewinnen von Einsichten in das politische Tun und Lassen und dessen Konsequenzen anzustrengen.”

Da sieht man es mal wieder, die Jugend ist politikverdrossen. Ach nein, der Satz war irgendwie unpassend. Machen wir ihn passend, mit Herrn von Lucke von den Blättern für deutsche und internationale Politik. Der erzählt im WDR (man muss ein, zwei Minuten vorspulen), dass wir jungen Leute von heute schlicht keine Zeit mehr haben (Stichwort: Bachelor, Jobsuche) zu protestieren. Nunja. Ich würde es weniger auf den Zeitfaktor, als tatsächlich auf den von ihm ebenfalls genannten Druck schieben, möglichst gut zu werden und allein auf einen ertragreichen Job als höchstes aller Lebensziele hin zu streben.

Die Frage, die sich mir aber gerade im Zusammenhang mit diesen beiden Kommentaren stellt: Wieso immer nur die Jugend? Handelt es sich hier nicht um gesamtgesellschaftliche Probleme, die alle etwas angehen? Wieso meint man anscheinend ab einem gewissen Alter, man habe seinen Pflichtteil nun getan und müsse nun die anderen ranlassen? Zusammen wäre man doch stärker.

Vor allem, wenn man sich anschaut, welches schöne Projekt die EU momentan antreibt, um vor allem linksgerichteten Massenprotest mehr oder weniger legal zu verhindern.

Genug geschimpft, neues Thema. Dass Datenschützer und google nicht die besten Freunde sind, kann man sich denken. Immer wieder sorgt zwischen den beiden Parteien google analytics, das z.B. auch der Freitag für die Erhebung von User-Statistiken benutzt, für Dissenz.

“Google stellt die Software kostenlos zur Verfügung. Wird sie eingesetzt, werden die erhobenen Nutzerdaten einschließlich der sogenannten IP-Adresse an Google-Server in Amerika übertragen und dort verarbeitet.”

Man könne dem zwar theoretisch widersprechen, so der Artikel, praktisch halte sich google jedoch nicht wirklich an die Zusage, IP-Adressen zu kürzen und damit die Identität der User zu verbergen.

Zum 20-jährigen Bestehen des Landes Brandenburg gab es im letzten Herbst eine Filmreihe, die sich jeweils 10 Minuten mit verschiedenen Menschen beschäftigte. Als ich die Videos aufnahm, hat mich eine Sequenz besonders mitgenommen (Fiktion mit realem Hintergrund). Das harte Lachen eines Mädels, das verurteilt wurde bei einem “Singen gegen Rechts”-Projekt mitzumachen, hat mich bis in den Schlaf verfolgt.

Ein etwas positiverer Film : Ein Kreativer hat einfach die Kinoleinwand auf den Mond verlegt.

Aber während an anderer Stelle die Übermacht der neuen Medien und die immer größere Schnelligkeit propagiert wird, gibt es, wie immer, auch einen sanften Trend in die andere Richtung. Vinyl als Symbol.

“Alles Nostalgie oder Psychoakustik? Mag sein. Aber möglicherweise gibt es Zwischentöne, die sich in Nullen und Einsen nicht ausdrücken lassen.”

Das Foto der Woche kommt diesmal aus Tschernobyl. Eigentlich möchte ich es aber nicht bei dem einen belassen und verweise daher auf die gesamte Reihe: Chernobyl Today.

Zu den Fundstücken der letzen Woche von merdeister geht es hier entlang. Er wird uns auch nächste Woche wieder mit einer neuen Ausgabe beglücken.

12:54 21.01.2011
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Kommentare 10

Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community
Avatar