Fundstücke 7/11: Strahlende Zukunft

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Zwar habe ich auch diese Woche wieder ganz viele tolle Sachen, dennoch werde ich mich heute etwas kürzer fassen müssen, weil ich nicht sicher bin, ob ich diesmal das Glück haben werde auf meiner Zugfahrt von Ost nach West eine so wundervolle Internetverbindung zu haben, dass sie auch die Freitagsseite schneller als innerhalb einer halben Stunde laden kann.

Polen. Etwas, was ich vor zwei Wochen verpasst habe, muss unbedingt nachgetragen werden: Während der Castor gegen eine vormalige Vereinbarung radioaktiven Müll in der deutsch-polnischen Grenzregion “zwischenlagert” und daher eine binationale Protestkultur entstandt, beschloss Polen in die Atomkraft einzusteigen. Nochmal, weil ich es nicht fassen kann: Es gab vorher in Polen keine Atomkraftwerke. Das Land wäre ideal geeignet, als Vorreiter langsam komplett auf erneuerbare Energien umzustellen, denn momentan werden 90% des Stroms aus Kohlekraftwerken gewonnen, die weg müssen:

Offiziell wird dieser Schritt nämlich auch damit begründet, dass man EU-Richtlinien zur Reduktion des CO2 Ausstoßes umsetzen müsste. Ich habe ehrlich gesagt eher den Verdacht, dass es hier vielmehr um die ebenfalls erwähnte Unabhängigkeit von den russischen Ölreserven geht.

Vielleicht erinnert sich noch jemand daran, dass ich letzte Woche über eine Umfrage berichtete, die (ausgerechnet!) Polen ein sinkendes Vertrauen in die katholische Kirche attestierte. Kaczynski (Opposition) scheint das nicht mitbekommen zu haben, jedenfalls verurteilt er es scharf, dass die Regierung bisher das Programm ignoriert, dass die Kirche quasi als Hausaufgabe für die polnische EU-Ratspräsidentschaft im nächsten Halbjahr aufgegeben hat.

[Randbemerkung: auch, wenn der Großteil der Politikwissenschaften von einem zumeist vollkommen säkularisierten Europa ausgeht; die Religion spielt nicht nur in Polen öfter noch mit. Wen es interessiert, hier Buchempfehlung, das Kapitel, auf das man durch diesen Link direkt stößt handelt Frankreich und Deutschland ab und warum es den beiden Ländern durch ihre Einstellung zur Religion so schwer fällt mit dem Islam klar zu kommen.]

Noch eine vordergründig witzige Meldung zur Religion: Ein Abgeordneter fordert jüdische Symbole im polnischen Parlament.

Wie ich bereits berichtete, wird der Afghanistankrieg von der Mehrheit der Polen inzwischen nicht mehr unterstützt. Solche Berichte von sich an Zivilisten rächenden Soldaten, dürften wohl dazu beitragen.

Sagt Ihnen das “Weimarer Dreieck”, der französisch-deutsch-polnischer Gesprächskreis, noch etwas? Nun, ehrlich gesagt habe ich davon auch das erste Mal gehört, als ich vor drei Jahren beschloss an der Viadrina an der polnischen Grenze studieren zu wollen. Es ist auch so gut wie tot; das soll sich jetzt ändern: vor wenigen Wochen spürte man das hier schon, als der polnische und der deutsche Außenminister Vorträge zur deutsch-polnischen Freundschaft an meiner Universität hielten; mit dem Treffen der jeweiligen Regierungschefs war die Nachricht sogar kurz in den großen Medien zu finden. Komorowski scheint da sehr engagiert zu sein, ich bin gespannt, ob und was daraus wird.

Kommen wir einmal weg von Polen, hin zum Netz: Mark Surman, der Geschäftsführer der Mozilla Foundation gab der taz ein Interview über das Potential der eigenen Marke und des Netzes generell:

“Die große Errungenschaft des Netzes ist es, ein Kommunikationsmittel für Leute zu sein, die sonst kein Gehör finden. Das Internet bringt in gewisser Weise den Kollektivismus voran. Aber in einem Sinne, der quer durch das verläuft, was wir früher als links und rechts bezeichnet haben. Unternehmen, die man als konservativ bezeichnet hätte, machen sich heute kollektive Arbeitsstrategien zu eigen, etwa beim Crowdsourcing. Ob etwas im Netz offen oder geschlossen ist, das ist interessant, denn da werden unterschiedliche Zugänge zur Verfügung gestellt, die unterschiedliche politische Narrative erzeugen. “

Noch eine Nachricht zu der Bahn, in die ich jetzt gleich steigen muss, weshalb ich dieses Blog ersteinmal beende (wird aber noch ergänzt): Wie die DB Gerichte manipuliert.

Diese Woche schließe ich mich mal mit meinen Fotos dem Mainstream an: klick und klick.

(Und wer jetzt enttäuscht ist, bekommt dafür von mir ein wunderschönes Video über Komplexität. Deutsche Untertitel sind verfügbar.)

Die nächsten Fundstücke kommen genau wie die letzten wie immer von merdeister.

13:27 18.02.2011
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