Cassandra
05.04.2010 | 19:26 148

WikiLeaks - Spekulationen über geheimnisvolles Video haben ein Ende

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Cassandra

Wikileaks, über das Steffen Kraft mehrfach berichtete, hat vor ca. 2 Stunden ein US-Miltärvideo aus dem Jahre 2007 veröffentlicht.






Im Folgenden habe ich den Begleittext übersetzt und ein paar Fotos samt meinen Kommentaren eingefügt. Danach habe ich eine umfassende Medienlese vorgenommen. Da ich eine unprofessionelle Übersetzerin bin, verzeihe man mir evtl. Holprigkeiten.

WikiLeaks veröffentlicht hiermit ein als solches verifiziertes US-Militärvideo, das das wahllose Abschlachten von mehr als einem Dutzend Menschen - darunter zwei Reuters-Mitarbeiter - im irakischen Vorort New Baghad zeigt.

http://collateralmurder.com/file/photos/Saeed_og_Namir.jpg

Die beiden getöteten Reuters-Mitarbeiter: Saeed Chmagh, 40 und Namir Noor-Eldeen, 22

Reuters versuchte auf Basis des Freedom of Information Act [Anmerkung: Recht eines jeden US-Bürgers, Dokumente der Regierung zu erlangen] Zugriff auf das Video zu bekommen. Diese Bemühungen begannen bereits kurz nach dem Angriff, blieben jedoch ohne Erfolg. Das von der Schußseite eines Apache-Helikopter gedrehte Video zeigt deutlich die in keinster Weise provozierte Erschießung eines verletzten Reuters-Mitarbeiters sowie der Personen, die versuchten ihn zu retten. Zwei Kinder, die an der Rettungsaktion beteiligt waren [sie saßen mit im Auto] wurden ebenfalls schwer verletzt.

http://collateralmurder.com/file/stills/Still_41.jpg

Nach Ende der Schießerei fährt ein Minivan vor, der versucht Saeed Chmagh abzutransportieren. Ohne jede Veranlassung wird wieder geschossen.

http://collateralmurder.com/file/stills/thumbs/Still_58.jpg

Nachdem das Auto bereits eine zeitlang extrem unter Beschuss steht, wird noch einmal durch die Windschutzscheibe gefeuert, hinter der die Kinder sitzen. Sie werden schwer verletzt und nicht, wie zuvor beschlossen, in einem US-Militärkrankenhaus, sondern auf Anordnung eines höheren Offiziers in einem wesentlich schlechter ausgerüsteten irakischen Krankenhaus behandelt.

Das Militär gab keinen Kommentar dazu ab, wie die Reuters-Mitarbeiter getötet wurden und behauptete, dass sie nicht wüssten, unter welchen Umständen die Kinder verletzt worden seien.

Nach den Anfragen von Reuters wurde der Vorfall untersucht. Das US-Militär kam zu dem Ergebnis, dass die Handlungen der Soldaten sich im Rahmen der Gesetzeslage für bewaffnete Konflikte sowie deren besonderen, situationsbedingten "Angriffsregeln" bewegten.

http://collateralmurder.com/file/stills/Still_22.jpg

Namir Noor-Eldeen läuft um sein Leben.

Folgerichtig veröffentlichte WikiLeaks die (unter Verschluss gehaltenen) Angriffsregelungen für 2006, 2007 und 2008, die damit die Gesetzeslage vor, während und nach den Tötungen abdecken.

WikiLeaks bringt hiermit sowohl das 38minütige Originalvideo [siehe oben] als auch eine kürzere Version heraus, der eine Eingangsanalyse vorangestellt ist. Untertitel wurden beiden Versionen auf Grundlage der Funkübertragungen hinzugefügt.

http://collateralmurder.com/file/photos/afstoumyndin.jpg

WikiLeaks gelangte durch mehrere Whistleblower des Militärs sowohl an das Video als auch an andere, dieses bestätigende, Dokumente.

WikiLeaks unternimmt große Anstrengungen um die Authentizität der erhaltenen Informationen sicher zu stellen. Wir analysierten die Informationen über diesen Vorfall auf Grundlage einer Vielzahl von Quellenmaterial. Wir sprachen mit Zeugen und Journalisten, die direkt an dem Vorfall beteiligt waren.

WikiLeaks möchte sicher stellen, dass alle geleakten ("durchgesickerten") Informationen die Aufmerksamkeit erhalten, die sie verdienen. In diesem speziellen Fall waren einige getötete Personen Journalisten, die einfach ihren Job machten: Sie riskierten ihr Leben mit dem Ziel über den Krieg zu berichten. Der Irak ist ein sehr gefährlicher Platz für Journalisten. Im Zeitraum zwischen 2003 und 2009 wurden 139 von ihnen während der Arbeit getötet.

Nach Ende der Aktion fahren Panzer des US-Militärs vor. Einer überfährt dabei eine Leiche. Einige Insassen des Helikopters empfinden dies hörbar als amüsant.

http://collateralmurder.com/file/stills/Still_74.jpg

Zitat:

18:29 Ich glaube, sie sind gerade über einen Körper gefahren

18:31 Hey hey!

18:32 Yeah!

Auch nachdem die verantwortlichen Soldaten nach Ende des Angriffs bemerken, dass sie auch Kinder getroffen haben, ändert sich die vollkommen ungerührte Stimmung nicht, denn:

Zitat: "Es ist ihre Schuld, wenn sie ihre Kinder zum Kampf mitbringen."

Es ist schon gruselig, diese Szenen aus der Position der Soldaten heraus mitzuerleben. Ich für meinen Teil frage mich, wie man seelisch überhaupt in der Lage sein kann, ständig ungeduldig Schießbefehle zu fordern und auszuführen, immer wieder drängte sich mir der Gedanke auf, dass die Soldaten wie die Spieler eines Computerspiels agieren. Als hätte ihr Tun keinerlei Folgen.

Umso weniger kann ich nachvollziehen, wie man danach auch noch darüber lachen oder einfach so über die Verletzungen/Tötungen der Unschuldigen (Kinder) hinweg gehen kann als sei nichts geschehen.

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Nachtrag 1: Bei Markus Beckedahl auf netzpolitik.org gibt Blubb Folgendes zu bedenken:



Das Video ist schon brisant und es ist gut, dass sie es veröffentlicht haben, aber ehrlich gesagt fehlen mir bei der Plattform “Collateral murder” und auch beim Video selbst die Objektivität.

Ich verstehe, dass sie die Brisanz des Videos ausnutzen wollen um Spenden zu sammeln, aber ich schätze Wikileaks als neutralen Veröffentlicher solcher Dokumente, ich möchte nicht, dass sie Einschätzungen vornehmen. Insbesondere solche Bezeichnungen wie “slaying” oder “Murder” in die Veröffentlichung mit reinzunehmen macht jede Objektivität zunichte.

Noch mal, um nicht falsch verstanden zu werden: Das Video sehe ich genau so kritisch wie alle anderen und es ist gut, dass es veröffentlicht wurde, aber die Präsentation geht meiner Meinung nach so nicht. Orwell-Zitate und eigene Meinungen von Wikileaks gehören da nicht rein. Da soll sich jeder eine eigene Meinung bilden.

Nachtrag 2: Es gibt ein deutsches Transkript des Videos hier.

Nachtrag 3:http://lh4.ggpht.com/_jZ-QH6olEIY/S7pXKlGrrCI/AAAAAAAAA8c/L4WiU8_FrKg/Screenshot2010_04_05_23_24_41.jpg

Anke Domscheit bringt bei ihren Anstrengungen, wikileaks auf twitter zum "trending topic" zu machen auch die Nachricht, dass das US-Militär die Echtheit des Videos nun bestätigt hat.

Nachtrag 4: Fefe schreibt um ca. 23.30 Uhr:

  • [l] Also so langsam gehen mir die gutartigen Entschuldigungen dafür aus, wieso die Presse das Wikileaks-Video so weitgehend ignoriert. Die BBC hat was, aber CNN berichtet lieber über Ipads, ABC News findet Tiger Woods und Dennis Hopper wichtiger, nicht mal NPR hat was. New York Times? Washington Post? Nichts.
  • Bei uns sieht es auch nicht viel besser aus. Das ehemalige Nachrichtenmagazin? Die Tagesschau? Nichts. Ausgerechnet das Handelsblatt hat was. WTF?! Für die Frankfurter Rundschau hat es sich gelohnt, da ist das sofort auf Platz 1 der meistgelesenen Meldungen gelandet.
  • Was für eine armselige Presselandschaft wir doch haben auf dieser Welt. Eine Schande.
  • Update: der Guardian hat auch was. Die üblichen Verdächtigen :-)
  • Update: Geht mal zu MSNBC und sucht nach wikileaks, dann geht zurück und sucht nach Tiger Woods. WTF?!
  • Update: AP hat was, bemüht sich aber sichtlich, Wikileaks nicht zu erwähnen (tun es aber doch am Ende). WTF?!?!? Ich kann ja gar nicht verstehen, wieso Reuters nichts hat. Die sind doch nun direkt betroffen!
  • Update: Ich kann mir keine deutlichere Symbolik vorstellen als diesen Screenshot von reddit.com gerade. Da sieht man mal, welche Meldung die Leute für wichtig halten und wo sie sich informieren. Die Medien haben ja wohl mal vollumfänglich versagt gerade, das geht ja gar nicht.
  • Update: MSNBC hat jetzt doch was.

Nachtrag 5: a) Annika Kremer von gulli:news hat ihre Arbeit ein bisschen ordentlicher gemacht als ich und einen Artikel geschrieben, der einen umfassenden Überblick bietet. Kleiner Auszug:

"Überschrieben ist das Video mit dem Titel "Collateral Murder", einer Zusammensetzung der Begriffe "Collateral Damage" (englisch für "Kollateralschaden", ein militärischer Begriff für irrtümlich getötete Zivilisten) und "Murder", also Mord. Und diese Bezeichnung ist auf keinen Fall falsch."

b) Ebenfalls, bereits gestern bei gulli:news gefunden, gehört nicht bindend zum Thema, ist aber allgemein zu wikileaks interessant: Hausdurchsuchung nach Verlinken auf die Whistleblower-Seite.

Nachtrag 6: PaperBite klärte mich gerade (0:39, 06.04.) darüber auf, dass Julian Assange offensichtlich den selben Vergleich gezogen hat wie ich. Ich suche noch die Quelle, froh darüber, dass ich nicht die einzige bin, die meinte, in einem Computerspiel zu sitzen.

"Ju­li­an Assan­ge von Wi­ki­leaks ver­gleicht das Ver­hal­ten der Pi­lo­ten mit Com­pu­ter­spie­lern, denen mensch­li­ches Leben nichts zähle:

>>Ihr Ziel war es in die­sem Com­pu­ter­spiel die Höchst­punkt­zahl zu er­rei­chen.<<

Be­reits in der Ver­gan­gen­heit wurde deut­lich, daß die Ame­ri­ka­ner im Irak keine Rück­sicht auf Zi­vi­lis­ten neh­men. Der ita­lie­ni­sche Sen­der RAI strahl­te 2005 den Bei­trag »Fal­lu­jah, The Hi­d­den Mas­sa­c­re« aus, der über den Ein­satz von Wei­ßem Phos­phor bei der Of­fen­si­ve in Fal­lud­scha im No­vem­ber 2004 be­rich­te­te. Wohn­ge­bie­te, in denen feind­li­che Kämp­fer ver­mu­tet wur­den, sind flä­chen­de­ckend mit dem Ma­te­ri­al bom­ba­diert wor­den, das sich durch die Klei­dung frißt und Men­schen bei le­ben­di­gen Leib ver­bren­nen läßt. Damit ver­stie­ßen die USA gegen in­ter­na­tio­na­le Ab­kom­men, die diese Waffe äch­ten."

Nachtrag 7: AlJazeera spricht mit Julian Assange über das Massaker. Letzterer erzählt außerdem von einem Journalisten der Washington Post, der in einem Buch über den Vorfall berichtete - ohne, dass er es bis jetzt hätte beweisen können.






Nachtrag 8: Durch Zufall bemerkt, sonst hätte ich es vergessen, obwohl ich der Meldung eben schon einmal in den Kommentaren von netzpolitik.org über den Weg gelaufen war.

http://lh5.ggpht.com/_jZ-QH6olEIY/S7psfeF9XeI/AAAAAAAAA8k/AQxs9YVMbEc/Screenshot2010_04_06_01_01_33.jpg

b) Der Zähler hängt. Angeblich sollen erst 303 Leute das Video gesehen haben - exakt die selbe Zahl, die ich bereits heute Nachmittag um halb sechs dort gesehen habe. Damit hat sich auch erledigt, was ich wissen wollte: Ob der Film bereits zu den meistgesehenen Videos dieser Woche zählt.

Nachtrag 9: Fefe updated um 2:15, 06.04.


Nachtrag 10: Die New York Times haben jetzt (3:23, 06.04.) ebenfalls (endlich) einen Artikel online. Ich übersetze den mE für neue Informationen relevanten Teil.

Das amerikanische Militär in Baghdad untersuchte [2008] den Vorfall und schloss mit dem Ergebniss, dass die beteiligten Einheiten nicht wissen konnten, dass Reuters- Angestellte in der Gruppe waren. Daraus resultierend folgten keine weiteren Konsequenzen.

Spät am Montagabend gab das US-Zentralkommando, das die Kriege in Irak und Afghanistan überwacht, einen redigierten Bericht heraus, der mehr Details preisgab.

Der Bericht enthielt Bilder von denen gesagt wird, dass auf ihnen Maschinengewehre und Granaten zu sehen seien, die neben den Toten gefunden wurden. Er enthielt außerdem die Aussage, dass die Reuters-Journalisten "keine Anstrengung unternahmen, um ihren Status als Mitglied der Presse oder der Medien deutlich sichtbar zu machen. Ihr familiäres Verhalten gegenüber und ihre Nähe zu den bewaffneten Rebellen und ihre verstohlenen Versuche die verbündeten Bodentruppen zu fotographieren, ließ sie für die sie tötenden Apache-Piloten als feindliche Kämpfer erscheinen."

http://lh5.ggpht.com/_jZ-QH6olEIY/S7qXfc2hMTI/AAAAAAAAA8s/oIN3G6oJaE4/Screenshot2010_04_06_04_07_07.jpg

Entweder, ich habe falsch übersetzt, oder dem twitterer von wikileaks ist das selbe aufgefallen wie mir: Die Photographen waren weder verstohlen unterwegs, noch machten sie Bilder von Menschen, die irgendetwas mit Kämpfen zu tun hatten - ganz davon abgesehen, dass in dem Video - jedenfalls für mein ungeschultes Auge - keinerlei bewaffnete Personen zu sehen sind.

Hinzu kommt, dass der Artikel doch ein wenig spekulativ ist, an einigen Stellen. Aber dazu später mehr, ich muss erstmal schlafen.

Nachtrag 11: Foxnews berichtet, dass die damals geltenden Angriffregelungen noch immer aktuell sind.

Nachtrag 12: "Wir nennen das entweder ein internes US-Kriegsverbrechen, ein Kriegsverbrechen im Sinne der Genfer Konventionen oder wir sagen, dass ein Problem mit den Angriffsregeln zu bestehen scheint oder einfach mit den Personen, die innerhalb des Militärs für die Ausführung verantwortlich sind." (J.Assange)

The AlyonaShow von Russia Today interviewte Julian Assange nun schon zum wiederholten Male in wenigen Wochen. Dies ist auch das (oder zumindest eines) der Interviews, in denen vom Krieg als einem "Computerspiel" gesprochen wird, sehr sehenswert, vielleicht das sehenswerteste nach den Originalaufnahmen.






Er geht hier mehr oder weniger auch auf das Problem ein, das wie erwähnt auf netzpolitik.org kritisiert wurde: WikiLeaks scheint eine neue Publicity-Strategie zu haben: Die Wertschätzung der Aufmerksamkeit hat einen neuen Stellenwert eingenommen, höhere Priorität erlangt. In der Folge interpretiert Assange die Veröffentlichungen - gedankliches Vorkauen. Es ist eben auch einfacher, eine leicht polemisierte Version der Neuigkeiten zusammengefasst den Nachrichtenagenturen in den Rachen zu schieben als zu erwarten, dass die auch noch selbst lesen (in dem Falle: sehen), denken, sortieren, zusammenfassen. Wie man sieht ist selbst das noch eine unheimliche Arbeit; die großen Namen berichteten erst Stunden später, obwohl jeder seit Wochen wusste, dass eine Pressekonferenz am Montag Mittag stattfinden sollte.

- guten Morgen. oder Mittag. Die folgenden Ergänzungen erstanden um/nach 13 Uhr am 06.04. -

Nachtrag 13: Aktuelles Material zu den Folgen des Angriffs - Die damals verletzten Kinder berichten






Kristin Hraffnson, ein isländischer Journalist und Künstler, stellte bei der Erstellung dieses Video in Baghdad fest, dass die Helikopter jetzt, im April 2010, noch immer kreisen.

Er interviewte die Kinder, die ihren Vater Saleh Matasher Tomal verloren als der auf dem Weg die Kinder zur Schule zu bringen seinen Minivan anhielt, um dem schwer verwundeten Reuters-Angestellten zu helfen.

http://www.collateralmurder.org/file/imgiraq/mini_van.jpg

Der zerstörte Minivan der Familie, mit dem der Vater ein Familienunternehmen aufgebaut hatte und den Unterhalt bestritt.

http://www.collateralmurder.org/file/imgiraq/Sayad-and-Doaha.jpg

Sayad und Doaha während des Interviews 3 Jahre nach dem Tod ihres Vaters. Die beiden leiden noch immer an ihren Verletzungen; Unterstützung durch das US-Militär bekamen sie nicht - geschweige denn, dass man die Kosten für die Behandlung übernommen hätte.

Nachtrag 14: Das ganze Video wurde auf youtube innerhalb von 22 Stunden 161.000 Mal gesehen, die gekürzte Version 1,2 Millionen Mal.

Nachtrag 15: (danke an Juliano in den Kommentaren) MSNBC diskutiert






Julian Assange (WikiLeaks) bejaht die Frage, ob das Whistleblower Netzwerk noch ähnliche Videos habe. Konkret spricht er über einen Vorfall in Afghanistan letzten Mai, bei dem 97 Leute getötet wurden. Im Vorfeld der gestrigen Veröffentlichung wurde öffentlich spekuliert, dass sie dieses Video herausgeben wollten. Assange sagt, dass sie auch das Material hierfür zur Verfügung stehen haben, jedoch die Analyse noch nicht abgeschlossen ist. Erst danach wird es veröffentlicht werden.

http://lh4.ggpht.com/_jZ-QH6olEIY/S7tE9isCV3I/AAAAAAAAA80/sAsPOhkK5gw/Screenshot2010_04_06_16_27_22.jpg

Gesammelt für die Bearbeitungskosten des Afghanistanvideos (u.a.) wird hier. Persönlich ist mir zum wiederholten Male Julian Assanges ruhiger Ton sehr symathisch aufgefallen. Sowohl in der deutschen, viel mehr aber in der amerikanischen Berichterstattung herrscht oft eine grässliche Unruhe, einer unterbricht den anderen, die Moderatoren sprechen hektisch, haken bei der kleinsten Pause direkt ein. Das passiert auch bei ihm, aber sie lassen ihn im Endeffekt, wie auch hier wieder, ausnahmslos ausreden.

Weiterhin kommt Brett McGurk zu Wort, ein Politstratege (hauptsächlich Irak und Afghanistan), der während dem Zeitraum, in dem der Vorfall liegt, im Irak war und mit an der Kriegsstrategie arbeitete. Er wiederholt mehrfach, wie tragisch dies alles sei, weil es gegen die eigene/n Strategie/Ziele arbeite; jedoch müsse man bedenken, dass das hier gezeigte Gebiet eines der gefährlichsten im Irak sei. Es würden auch ab und an Helikopter abgeschossen. In die (mentale) Situation, wie sie hier gezeigt wurde, könnte jeder einfache Soldat verwickelt werden. Er betrachtet die Tötung der Zivilisten es mehr als tragisches, aber notwendiges Schicksal.

Aus seiner Sicht ist dies wohl alles legitim, weil er Krieg ansich als etwas "Normales" betrachtet und vollkommen unemotional an die Sache herangeht. Der Krieg als Schachspiel: Soll der König überleben, müssen eben ein paar Bauern fallen.

Tony Schaffer, ein Geheimdienstmitarbeiter, meint, dass von dem, was er gesehen hat, die Angriffsregeln klar verletzt wurden. Oberste Regeln: So wenig Waffen wie möglich, bei erster Gelegenheit Gefangene machen und befragen.

Glen Greenwald von salon.com (das waren mit die ersten, die gestern berichteten) meint, was wir gesehen hätten sei normal - aber genau darüber müsse man nachdenken: In der muslimischen Welt sieht man jeden Tag diese Videos, bei uns kennt man sie so gut wie gar nicht. Die Auswirkungen auf die allgemeine Moral dürften enorm sein.

Nachtrag 16: (mittlerweile 16:35, 06.04.) Als ich gerade den fundraising-tweet (siehe Nachtrag 15) sah fiel mir noch ein gutes Podcast zum Thema ein, dass ich vor ungefähr einer Woche fand. U.a. zur finanziellen Situation von wikileaks spricht auf Küchenradio.org Daniel Schmitt, der auch dem Freitag ein Interview gab.

Nachtrag 17: The New York Times berichten von den Reaktionen der Familie des getöteten Photographen. Im Folgenden übersetze ich wieder einen Auszug:

"Endlich wurde Wahrheit bekannt und ich bin glücklich, dass Gott die Wahrheit enthüllte.", sagte Noor Eldeen, der Vater des mit 22 Jahren getöteten Fotografen. "Wenn solch ein Ereignis in Amerika passieren würde, selbst wenn nur ein Tier auf diese Art und Weise getötet würde, was täten sie dann?"

"Meine Frage an die USA ist, wie hochspezialisierte amerikanische Piloten mit all ihren High-Tech-Informationen nicht eine Kamera von einem Raketenwerfer unterscheiden konnten", wird Namirs Bruder, Nabeel Noor Eldeen (Archäologieprofessor an der Mosul Universität), zitiert.

Ich bin am Ende der 300.000 Zeichen. Hier geht es weiter zu Teil II.

    Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

    Kommentare (148)

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    carl-gibson 05.04.2010 | 22:34

    Nachtrag: Ich bin erschüttert.
    So funktioniert Krieg.
    "Kollateralschäden" werden bewusst hingenommen.

    Die Logik des Krieges: Vernichten, ohne Skrupel, ohne Rücksicht auf Kinder oder Pressevertreter. Ein Verdacht ( das Haus ist unbewohnt) reicht aus, um es mit drei Raketen zu vernichten, mit allem was in ihm ist, über bewaffnete" feindliche Kämpfer" hinaus.

    Als ich vor Tagen einen Beitrag unter "Kollateralschaden" hier einstellte, ging ich noch von unbeabsichtigten Zivilopfern aus. Diese Dokumentation spricht eine andere Sprache. Sie klagt an - die elektronische Kriegsführung hat ihren Reiz , der zu Beginn des Golfkriegs (Kuweit-Befreiung) über die Fernseh-Bildschirme propagiert wurde, hiermit endgültig verloren. CG

    whatwemakeit 05.04.2010 | 23:35

    In der Tat ein Video mit erschreckendem Inhalt. Bemerkenswert finde ich insbesondere, wie der Krieg für die Soldaten im Hubschrauber entmenschlicht worden ist. Das Amüsement, das aus ihren Worten herauszuhören ist, klingt wie bei einem erfolgreichen Computerspieler.

    Ich bin wirklich gespannt auf die Reaktion in den US-Medien. Für eine Zeitung wie die "Washington Post" müsste es eine Frage der Ehre sein, der Sache auf den Grund zu gehen, nachdem sie - wie aus dem Video eindeutig hervorgeht - von Angehörigen des Militärs belogen wurde. Gleiches sollte für die Nachrichtenagentur Reuters gelten, deren Mitarbeiter erschossen wurden, ohne dass die Forderung einer Untersuchung von den Streitkräften erfüllt worden wäre. Bisher habe ich von beiden Medien noch nichts dazu gelesen (auch wenn die US-Medien das Thema teilweise schon aufgegriffen haben).

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    carl-gibson 05.04.2010 | 23:46

    Vielen Dank für die Übersetzung, Cassandra bzw. für das Zitieren besonders zynischer Passagen:

    "Auch nachdem die verantwortlichen Soldaten nach Ende des Angriffs bemerken, dass sie auch Kinder getroffen haben, ändert sich die vollkommen ungerührte Stimmung nicht, denn:

    Zitat: "Es ist ihre Schuld, wenn sie ihre Kinder zum Kampf mitbringen."

    Es ist schon gruselig, diese Szenen aus der Position der "Täter" heraus mitzuerleben. Ich für für meinen Teil frage mich, wie man seelisch überhaupt in der Lage sein kann, ständig ungeduldig Schießbefehle zu fordern und auszuführen, immer wieder drängte sich mir der Gedanke auf, dass die Soldaten wie die Spieler eines Computerspiels agieren. Als hätte ihr Tun keinerlei Folgen."
    Zitat Ende.

    Richtig ist: Kinder wurde nicht in die Schlacht gebracht, sondern sie waren im Rahmen einer "Bergung" anwesend.
    Das Erleben des Tötungshandwerks ist nichts für schwache Nerven; mein Puls sprang an ... und es schlug mir auf den Darm.
    In Afghanistan wird es nicht viel anders sein, wenn auf Verdacht hin gehandelt wird.
    CG

    poor on ruhr 05.04.2010 | 23:59

    @Cassandra
    Danke für diese bedrückende Aufklärung. Sie macht das verbrecherische Gesicht des Krieges deutlich.
    Die Tötungen der Unschuldigen sind Morde wie Du es durch Deinen Blog auf allen Respekt verdienende Weise klar gemacht hast.
    Jenseits aller Ästhetisierung der Gewalt im Fernsehen vermittelt dieser Blog eine Ahnung vom wahren Gesicht des Krieges, obwol mir klar ist, dass sich dieses Leid, die tödliche Verzweiflung, das Entsetzen in den Augen von Kindern und unschuldigen Erwachsenen sicherlich nicht von mir durch die Betrachtung dieses Videos aus der Distanz erfassbar ist.
    Das mit dem Lachen über ihre Verbrechen ist für mich auch nicht nachvollzehbar. Krieg ist Scheiße! Krieg sollte immer vermieden werden. Wenn die Waffen sprechen hat die Menschlichkeit immer ihre schlimmste Niederlage erlitten.
    Der Blog bewegt und berührt mich sehr.
    Ich danke Dir für diese Art der Bildung eines kriegverabscheuenden Bewußtseins , die sich nicht in der Tagesschau oder durch die Lektüre der Bild-Zeitung erwerben lässt.
    Meinen allergrößten Respekt vor Deinem meisterhaften Blog.

    Eine etwas andere Sicht der Dinge, die man da bekommt und die ich nicht mehr missen möchte, so sehr ich den Krieg auch schon vorher verabscheut habe.
    Dein Blog macht klar, dass es eben kein Spiel sondern allerblutigstes Verbrechen ist.

    Herzliche Grüße

    ruhrot

    Cassandra 06.04.2010 | 00:05

    Stimmt. Mir ist das eigentlich alles schon wieder zu viel, mir reicht es eigentlich schon, wenn ich davon höre. Ich denke aber, dass es vielen Menschen anders geht: Man realisiert erst, was Bomben, Gewehre usw bedeuten, wenn man selbst "anwesend" war. In dem Sinne hoffe ich, dass vielleicht wenigstens die öffentlich-rechtlichen Sender einen längeren Teil des Videos ausstrahlen.

    Ich weiß nicht mehr, wann und in welchem Zusammenhang es war, aber ich meine, es hing mit dem Kunduz-Fall zusammen, da hörte ich einen ranghohen Militär davon sprechen, dass sie meist auch gar nicht sehen könnten, ob jemand bewaffnet sei, er legte das sehr schön dar. Mir kommt es seit dem so vor, als seien "Treffer" ein reiner Glücksfall.
    Warum man jedoch auf einen Wagen schießt, der ganz offensichtlich gekommen ist, um einen Verletzten abzutransportieren - das ist einfach sinnlos, außer, man will einfach so viele Menschen wie möglich töten.

    Es scheint ja normal zu sein, einen kleinen Menschenauflauf von ca.10 Leuten schon als so bedrohlich zu empfinden, dass man bereits, bevor man meint die erste Waffe ausgemacht zu haben, nach einem Schießbefehl schreit. Und die, die das hier tun klingen...wie Bluthunde auf der Jagd, denen bereits der Sabber aus dem Maul läuft.

    Cassandra 06.04.2010 | 00:10

    Ja, ich denke auch, dass viele kaputt sind - aber diese hier sind einfach unheimlich. Für mich hört es sich so an, als wollten sie nichts anderes als schießen.

    Aber ich kann die Situation natürlich nicht authentisch einschätzen. Vermutlich ist man so vollkommen von der Angst zerfressen, steht dauernd unter Spannung, weil man weiß, dass jede noch so harmlos aussehende Person ein Attentäter sein könnte, dass man froh ist, diese Spannung durch schießen freizugeben und gleichzeitig so viele Gefahren wie möglich zu entfernen. Dass das auch Menschen sind, darf man in dieser Position wahrscheinlich nicht einmal denken um sich selbst zu schützen, gleichzeitig verliert man jegliches Gefühl dafür, was man da eigentlich zerstört.

    Cassandra 06.04.2010 | 00:30

    Hallo rr,

    du hast vollkommen recht. Krieg ist einfach abscheulich und ich glaube, man kann sich einfach sehr wenig darunter vorstellen, wenn man diese Situation nicht kennt.
    Es ist wichtig, dass WikiLeaks diese Arbeit macht und uns immer wieder verdeutlicht, was hinter den täglich auf uns einprasselnden Nachrichten steckt. Ich reiche dein Lob an mich also weiter, wenn du erlaubst...

    Liebe Grüße an dich.

    Avatar
    carl-gibson 06.04.2010 | 00:38

    Das Video zeigt auch, wie gefährlich Journalisten (Kriegsberichterstatter) leben, wenn sie ihre Arbeit tun, um die Öffentlichkeit zu informieren.

    Vergessern wir nicht: Es sind unsere Kollegen, die dort ihr Leben ließen, um der Wahrheit zum Durchbruch zu verhelfen.

    Es waren keine Abenteurer, sondern mutige Demokraten, die den demokratischen Spielregeln auch im Krieg vertrauten.

    Sie verdienen unsere Solidarität - und die Aufklärung a posteriori in ihrem Sinn!
    Carl Gibson

    Cassandra 06.04.2010 | 00:47

    Bei Markus Beckedahl auf netzpolitik.org [ungültiger link] gibt Blubb Folgendes zu bedenken:



    Das Video ist schon brisant und es ist gut, dass sie es veröffentlicht haben, aber ehrlich gesagt fehlen mir bei der Plattform “Collateral murder” und auch beim Video selbst die Objektivität.

    Ich verstehe, dass sie die Brisanz des Videos ausnutzen wollen um Spenden zu sammeln, aber ich schätze Wikileaks als neutralen Veröffentlicher solcher Dokumente, ich möchte nicht, dass sie Einschätzungen vornehmen. Insbesondere solche Bezeichnungen wie “slaying” oder “Murder” in die Veröffentlichung mit reinzunehmen macht jede Objektivität zunichte.

    Noch mal, um nicht falsch verstanden zu werden: Das Video sehe ich genau so kritisch wie alle anderen und es ist gut, dass es veröffentlicht wurde, aber die Präsentation geht meiner Meinung nach so nicht. Orwell-Zitate und eigene Meinungen von Wikileaks gehören da nicht rein. Da soll sich jeder eine eigene Meinung bilden.

    Avatar
    carl-gibson 06.04.2010 | 00:51

    Das Video ist eine Mustervorführung, wie Krieg funktioniert.

    Wir erinnern uns: Beim Einmarsch der Kuweit-Befreier in den Irak wurde uns die groteske Faszination Bombardierung von Bagdag und Vernichtung der Irak-Truppen des Saddam Hussein in den Bunkern des Wüstensands abstrakt aus der Luft schmackhaft gemacht.
    Wer rebellierte dagegen?

    Die Medien berichteten - über Zerstörung, etc.
    Dann ( im richtigen Irak-Krieg und vor allem danach bis heute) kamen täglich Meldungen über dutzende Zivilopfer im Irak ... daran hat man sich inzwischen gewöhnt!
    Da sind keine Meldungen mehr, vielmehr Alltag.

    Trotzdem verweist dieses Video auf Afghanistan und auf das, was noch auf die deutschen Soldaten künftig zukommt.
    Carl Gibson

    Alien59 06.04.2010 | 07:54

    Dann erst mal Dank an Cassandra für die umfangreiche Arbeit. Vor allem auch für das Einstellen des Textes, da mein Laptop, bzw. die Verbindung, das Abspielen von Videos bestreikt (falls jemand mir Dummy erklären kann, wie man die yt-Videos downloaded, per PN, wäre ich sehr dankbar).

    Die Assoziation zu Computerspielen ist anscheinend zwingend - sie war das erste, was mir auch einfiel. Ob dazu beiträgt, dass ja heutzuteage in der Ausbildung viel mit Computersimulationen gearbeitet wird? Verringert das das Gefühl, auf wirkliche Menschen zu schießen? Oder liegt es an der entmenschlichenden Rhetorik - im Vietnamkrieg waren die Gegener oft einfach "Gooks" - heute redet man in manchen amerikanischen Kreisen über "Ragheads".
    Krieg verroht - und es beginnt mit der Sprache.

    Schlimmer aber die versuchte Unterdrückung solcher Geschehnisse - und das lange Schweigen der Presse über wikileaks. Bis jetzt, 5.50 deutscher Zeit, hat der Spiegel online nichts. Dafür einen Artikel über Vietnam-Veteranen (mehr Selbstmorde nach Heimkehr als Gefallene), den auch das deutsche Verteidigungsministerium mal lesen sollte.

    Auch über den Fall in Israel, der ebenfalls mit whistleblowing zu tun hat, schweigt die deutsche Presse bisland weitgehend - ich hatte gestern darüber gebloggt, ist wohl etwas untergegangen:
    www.freitag.de/community/blogs/alien59/kollateralschaeden#comment-102142

    Auch diese Kollegen sollte man nicht totschweigen lassen.

    Avatar
    hibou 06.04.2010 | 11:44

    bitte kommentiert mal fleissig, damit nicht nur die (un)glaeubigen an erster stelle der blogliste stehen :-))

    ich fang mal an damit: auf einem dorf nahe kars (ostanatolien) wurde einer frau von ehemann und schwager die nase abgeschnitten, als sie zu den gendarmen lief, wurde sie dort von einem der sauberen bullen vergewaltigt. was meine ich damit? es muss unbedingt schluss sein damit, was menschen menschen antun, und zwar überall

    Avatar
    Ehemaliger Nutzer 06.04.2010 | 12:00

    Unsere freien, unabhängigen und niemandem verpflichteten Qualitätsmedien brauchen kein Propagandaministerium mit einer Sprachregelung.
    Nicht zu diesem Thema, aber dennoch passend:

    Spiegel-Online
    Fallschirmjäger klagten vor Einsatz über Ausbildungsmängel

    Zeit-Online
    Fallschirmjäger klagten über Mängel bei der Ausbildung

    SZ-Online
    Soldaten klagen über mangelnde Ausbildung

    Zum Thema berichten von deutschen Zeitungen mit größerer Reichweite nur Frankfurter Rundschau und Handelsblatt.

    Alle deutschsprachigen Nachrichten zu wikileaks:
    tinyurl.com/ylp8dj4

    Sarah Rudolph 06.04.2010 | 12:26

    Das sehe ich prinzipiell genauso.
    Es ist gut und wichtig, dass dieses Video publiziert wird und Öffentlichkeit findet.
    Aber Wikileaks als Plattform sollte Plattform bleiben und nicht bewerten und kommentieren, denn ihre Glaubwürdigkeit er- und behalten sie nur durch Unabhängigkeit.
    Dass das Bewerten und Kommentieren durch die "klassischen" Medien, die das jetzt zu leisten hätten, ausbleibt - Wow, das zeigt schmerzhaft was hier falschläuft.

    Sarah Rudolph 06.04.2010 | 12:31

    Ich glaube wir sind uns da ziemlich einig.
    Meine Vermutung ist, dass du alles Menschliche, jede Regung, jede Erinnerung daran, dass das Menschen sind, kaltstellen und ausschalten musst, sonst wirst du verrückt oder hast keine Möglichkeit zu überleben. Dieser dauernde Druck, diese Panik und Bedrohung ist doch sonst gar nicht auszuhalten.
    Aber wenn du das ausschaltest, dann machst du was kaputt in dir.
    Welche Möglichkeit hast du? Verrückt werden oder verrückt werden oder sterben?
    Das ist so grausam.

    Avatar
    carl-gibson 06.04.2010 | 13:15

    Über die Verrohung der Sprache wird eine Verrohung (Vereinfachung) des Denkens und ein Ausschalten der Gefühle im Training gezielt anerzogen.
    So werden Menschen zu Killermaschinen geformt.
    Diese üben dann nur noch ihr Handwerk aus.
    Erst schießen, dann etwa nachdenken!
    (Und die Interpretaion nachreichen - Selbst schuld!)

    Die Paradigmen dazu ( Rambo, Terminator etc.) laufen in den Kinos und im Fernsehen und schaffen so Akzeptanz für die Realität.
    Carl Gibson

    tgirl23 06.04.2010 | 14:09

    Es handelt sich hier offensichtlich um einen beabsichtigten Strategiewechsel auf Seiten von Wikileaks. Man beachte, daß nach wie vor alles Quellenmaterial komplett zur Verfügung gestellt wurde. Es war jedoch in der Vergangenheit leider oft der Fall, daß auf Wikileaks veröffentlichtes Material trotz entsprechender Brisanz kein Echo in den Medien gefunden hat. Es handelt sich mithin um den Versuch, nicht nur die Originalquelle zu veröffentlichen, sondern auch gleich die Hintergrundgeschichte dazu mitzuliefern.

    mh 06.04.2010 | 15:28

    "Ich für meinen Teil frage mich, wie man seelisch überhaupt in der Lage sein kann, ständig ungeduldig Schießbefehle zu fordern und auszuführen, immer wieder drängte sich mir der Gedanke auf, dass die Soldaten wie die Spieler eines Computerspiels agieren. Als hätte ihr Tun keinerlei Folgen.

    Umso weniger kann ich nachvollziehen, wie man danach auch noch darüber lachen oder einfach so über die Verletzungen/Tötungen der Unschuldigen (Kinder) hinweg gehen kann als sei nichts geschehen."

    ich glaube nicht, dass wir hier die wahren gesichter der soldaten sahen sonddern lediglich das, was soldaten tun und wie sie es tun müssen, um überhaupt funktionieren zu können. im krieg.

    nach dem krieg... befinden sich nicht umsonst viele in psychologischer betreuung oder sind geistig weg vom schuss.

    mfg
    mh

    Fritz Teich 06.04.2010 | 15:28

    Ja, mit Einschraenkungen vielleicht, denn den Kosovokrieg fand ich richtig und zwar mit allen Konsequenzen einschliesslich saemtlicher besetzten Bruecken usw, ausgenommen die Bombardierung der Chinesischen Botschaft. Ich reg mich nur auf, wenn mit Begriffen wie "Verbrechen" usw jongliert wird, denn das ist genau diese "bastard" Sprache. Die meisten Dinge, die wir mit Saucen uebergiessen, sind schon als solche schlimm genug. Getretener Quark wird breit nicht stark. Auch an der sogenannten rechtsradikalen Gewalt ist vor allem die Gewalt uebel uswppp..

    Cassandra 06.04.2010 | 15:33

    Danke. Ich schau mir das jetzt gleich an, ich komme mittlerweile mit den Materialien nicht mehr hinterher :)

    Eigentlich wollte ich auch noch die "Rules of Engagement"-pdfs auswerten, das oben unter 2007 verlinkte enthält eine interessante Graphik. Vielleicht hat jemand anderes Lust, sich das vorzuknöpfen...?

    Ich sehe gerade, du hast auch genauer dazu gearbeitet, ich arbeite es oben in die Nachträge ein, ja?

    Boomel 06.04.2010 | 15:55

    das war 3 uhr morgens , genau gearbeitet hab ich sicher nicht. Das pdf Nr. 6 ist das interessanteste , die Zeugenaussagen der Soldaten. Zählt man da die angeblich gemeldeten Waffen zusammen war da ne Armee und keine Zivilisten unterwegs, außerdem ist der Verbleib der RPG´s und der AK ungewiss...

    Auch der Umgang mit den 2 Schwerverletzten (nicht Kindern) ist mir zweifelhaft, einem verwehrte man Wasser weil er eine Bauchwunde hatte, das kann schon so passen aber ich fürchte da waren die Bodeneinheiten ebenso brutal wie die Apache Besatzung.

    poor on ruhr 06.04.2010 | 16:08

    Halllo Fritz Teich,

    mir ging es doch nur um eine Beschreibung des Krieges.
    Die sehe ich nach wie vorn in einer Community als legitim an.
    Ihre Einstufung als Sauce kann ich einfach nicht nachvollziehen.
    Ich möchte diese Diskussion auch nicht mehr vertiefen.
    Ich habe meine Meinung klar gemacht, das Krieg für mich ein allerblutigstes Verbrechen ist und bleibe dabei!!!
    Sprache muss die Dinge beim Namen benennen dürfen.
    Wenn sie das als "bastard"-Sprache ansehen sagt das nichts über meine Sprache aus und Sie haben nicht mich angesprochen, womit ich auch nicht antworten kann und will.
    Die Dinge als solche sind sicherlich schlimm genug, aber auch das Schlimme muss beschrieben werden, um genauer klar zu machen, worum es geht.
    Wenn Sie das nicht wollen, akzeptiere ich das, aber ich werde den Kreig so beschreiben und geißeln wie ich es für richtig halte.

    Mit vorzüglicher Hochachtung

    ruhrrot

    Cassandra 06.04.2010 | 16:09

    Hallo tgirl23, Strategiewechsel: da sind wir d'accord. Ob das "richtig" ist, darüber muss ich noch nachdenken. Natürlich hast du recht, das habe ich meine ich selbst so geschrieben: Das Medienecho ist noch immer beschämend gering, obwohl nun sogar die Vorarbeit geleistet wurde. Die einzigen, die wirklich anerkennend von WikiLeaks sprechen, sind AlJazeera. Ansonsten wird die Quelle immer mehr oder weniger schnell abgekanzelt.

    Cassandra 06.04.2010 | 17:00

    An einer anderen Stelle (ich gebe zu, es wird inzwischen etwas unübersichtlich, ich habe aber fest vor, noch eine Zusammenfassung samt eigener Meinung zu schreiben) erwähnte ich Folgendes:

    Aber ich kann die Situation natürlich nicht authentisch einschätzen. Vermutlich ist man so vollkommen von der Angst zerfressen, steht dauernd unter Spannung, weil man weiß, dass jede noch so harmlos aussehende Person ein Attentäter sein könnte, dass man froh ist, diese Spannung durch schießen freizugeben und gleichzeitig so viele Gefahren wie möglich zu entfernen. Dass das auch Menschen sind, darf man in dieser Position wahrscheinlich nicht einmal denken um sich selbst zu schützen, gleichzeitig verliert man jegliches Gefühl dafür, was man da eigentlich zerstört.

    Fritz Teich 06.04.2010 | 21:50

    Mit "bvastard" Sprache war eine Sprache gemeint, die Leute zu Feinden erklaert. Und zur Frage, ob das hier nur Krieg, oder ein Kriegsverbrechen gewesen ist:

    www.lawofwar.org/Protected%20Persons.htm#Civilians

    Zielgerichtet auf Zivilisten zu schiessen ist verboten, haben sie aber nicht gemacht. Sie haben gedacht, es waeren bewaffnete Feinde, die sie nach irgendwelchen Field Manuals offenbar erschiessen duerfen, wenn sie eine Waffe in der Hand haben.

    Cassandra 06.04.2010 | 22:58

    Wie oben erwähnt - und auch in dem msnbc-video ausgeführt - besagen die sog. Rules of Engagement, dass oberste Priorität ist, so wenig Waffen wie möglich zu benutzen und möglichst schnell Gefangene zu machen, zumal bei Verletzten. Ich werde das noch genauer ausführen, wenn ich die entsprechenden Dokumente im Wortlaut gelesen habe.

    Außerdem ist doch gerade der Punkt: Warum glaubten sie denn (angeblich), dass es sich hier um Terroristen handelte? Hast du gesehen, wie schnell und ausdauernd ein Schießbefehl gefordert wurde? Hast du in der Nähe des verletzten eine Waffe gesehen? Stellte der vorfahrende Van eine akkute Bedrohung dar?

    Selbst mehrere Offiziere bestätigen, dass die Gesetze nicht eingehalten wurden.

    Und: Selbst wenn doch: Wer sagt, dass das bitte richtig ist?

    Fritz Teich 06.04.2010 | 23:24

    Du bist mir voellig willkommen, frag weiter. Aber die Typen da bilden sich schlimmstenfalls ein, dass Nikons Waffen sind. Die Methode ist eben zu grob, wie vieles, vielleicht einschliesslich des Gebotes, Behindertenparkplaetze wie Feuerwehrausfahrten immer freizuhalten. Sowas kann man nur verhindern, wenn man in Staedten keinen Krieg betreibt und schon gar nicht vom Helikopter aus. Fuer einen richtigen Strassenkampf sind sie zu feige. Eigentlich gehts um Feigheit gegen Schutz von Zivilisten und dann kommt das Schutz der eigenen Soldaten Argument. Dann gehts eben doch um Recht zum Krieg gegen Recht im Krieg, das eine ist von dem anderen nicht zu trennen trotz vieler Vorurteile, wie hier aber der IGH.

    poor on ruhr 07.04.2010 | 12:22

    Lieber Fritz Teich,

    rein sachlich sind wir da sicher meilenweit auseinander.

    Ich sehe in den dokumentierten Bildern eine Ermordung von unbewaffneten Zuivilisten.

    Ich gebe aber zu, mich auch aufgeregt zu haben, aber wie sollte man das denn bei solchen Bildern auch nicht sein?

    Ich bin Dir trotzdem dankbar, dass Du bei Deiner Antwort nicht auf so eine persönliche Schiene gekommen bist.

    Ich habe sie ja auch zu vermeiden versucht. Es gibt Dinge, die auch schön mal härter diskutiert werden müssen, aber mir ging es bei meinen Kommentaren wirklich nicht um mein Ego oder um irgend welche Machtspielchen mit geschätzten Bloggern aus der Community, wie Du schon richtig bemerkt hast, ist es einfach ehrliche Entrüstung, nicht mehr und nicht weniger.

    Ich kann auch nicht verstehen, wo Du denn da die bewaffneten Feinde gesehen haben willst?

    Ich habe auf dem Video jedenfalls keine Waffen bei den Zivilisten gesehen.

    Gut, gut, ich habe dich Dich schon verstanden, wenn ich genauer lese, dass Du einen Irrtum ansprichst. Na ja.

    Mir ist dieses Grauen sehr nahe gegangen. Dir sicherlich auch.

    Man sieht Menschen auf dem Video und ein paar Sekunden später sind sie erschossen. Das ist so schrecklich und erschütternd!

    Ich möchte wirklich keinen eskalierenden Streit mit Dir und will daher auf Begriffe verzichten, von denen ich verstanden habe, dass Du dich darüber aufregst, obwohl ich sie nach wie vor für richtig halte.

    Es ist doch klar, dass wir beide gegen den Krieg gegen sind und in sachlichen Fragen unterschiedliche Standpunkte haben.

    Mir fällt es aber sehr schwer angesichts des dokumentierten Grauens und der dokumentierten Verzweiflung sachlich zu bleiben.

    Es kann sein ,dass ich mir das nur einbilde, diese Dinge des Tötens beim Namen zu nennen, aber ich wollte es wenigstens versuchen.

    Was ist denn die Alternative?

    Den Krieg als Krieg zu bezeichnen?

    Von Kolleteralschäden sprechen?

    Für mich ist diese Sprache eine verharmlosende Sprache, die den Krieg bei seiner Darstellung in den Massenmedien salonfähig halten soll.

    -Das kann doch auch nicht der Sinn der Sache sein.

    Ich fühle mich da wirklich als nichts Besonderes, ich bin wirklich entrüstet und habe das versucht mit meinen Mitteln zu umreissen.

    Ist das denn nicht legitim?

    Mir sind das schon wieder viel zu viele "ich"-s . wo es doch um die Entrüstung über den Krieg geht.

    Ich weiss aber nicht, wie ich meine Position anders deutlich machen kann.

    Egal wie wir uns in der Community hier uns auch streiten, sollten wir das aber immer in so einer Art machen wie Freunde das tun, ob wir nun welche sind oder nicht.

    Wirklich von Herzen kommende und ernstgemeinte liebe Grüße

    ruhrot
    Wenn ich hier mmerken würde, dass es hier mir nur um ein Ego geht, würde ich meine Blogs und Kommentare sofort einstellen. Das sehe ich aber nicht.

    Herzliche Grüße

    ruhrot

    Avatar
    Ehemaliger Nutzer 07.04.2010 | 12:51

    Hi Cassandra,
    dein gründlich zusammengestellter Artikel macht umso deutlicher, welcher Gehirnwäsche wir durch die offiziellen Nachrichten "unterzogen" werden.
    Es macht mir klar, dass diese Nachrichten, die an ein Millionenpublikum vor den Mattscheiben ausgesendet werden, eine kosmetisch aufbereitete Seifenoper sind.
    Erschreckend. Danke.

    gweberbv 07.04.2010 | 13:17

    @ruhrrot

    "Ich habe auf dem Video jedenfalls keine Waffen bei den Zivilisten gesehen."

    Schau dir das 39 Minuten lange Video ab ca. Minute 2. Vorher ist die Kamera auf die beiden Journalisten gerichtet, die dann unten hinter einem Gebäude verschwinden. Dann schwenkt die Kamera nach oben, zu den ihnen folgenden Personen. Und davon tragen mindestens zwei nach unten gerichtete, längliche Gegenstände an Haltegurten.

    Avatar
    magnus-goeller 08.04.2010 | 19:10

    Ich finde den Blogbeitrag sehr nützlich und wichtig.

    Allerdings wundere ich mich schon, wie es dazu kommt, dass das Hinmorden einiger Leute auf einmal alle so entsetzt, wo doch längst bekannt ist, dass der Irak-Krieg (laut Weltenheiland Obama "a war of choice") mehrere hunderttausend (manche meinen gar eine Million) Todesopfer gefordert hat.

    Und an Organe wie die Washington Post oder die NYT zu appellieren, das ist, mit Verlaub, nachgerade lächerlich naiv, waren diese es doch wesentlich, die Amerika und "die Koalition der Willigen" in diesen Krieg ganz wissentlich hineinlogen.

    So gesehen korrigiere ich mich: Das sind Schafsmedien in dem Sinne, dass ihnen eben nur Schafe Glauben schenken; andersherum, als Kriegstreiber, aber Wolfsmedien.

    Um nicht nur auf den Amerikanern herumzuhacken, will ich noch daran erinnern, wie Angela Merkel seinerzeit dazu stand, die gesamte Springer-Presse, die FAZ, der britische Economist und fast der ganze restliche Mist, der sich "freie Presse" nennt.

    Und so ist es, bis auf seltene Ausnahmen, auch jetzt, CDUCSUFDPSPDGRÜNE stehen, mitsamt den ihnen nahestehenden Presse- und Rundfunkorganen in Treue fest gegen das deutsche Volk für die deutsche Kriegsbeteiligung in Afghanistan, und immer noch wählen die Schafe jene Blockflöten, zahlen brav an die GEZ, kaufen den Schafsmistschund, der an den Kiosken aushängt.

    Da erscheint mir so ein "Leak" geradezu wie ein Ablenkungsmanöver, ein Ventil, durch das mal ein paar Tage etwas heiße Luft entströmen darf, damit das Morden ungestört weitergehen kann (und das Lügen, siehe die erfundene Stadt Mardschah in Afghanistan).

    Was unseren sauberen, gegelten Verteidigungsbaron anlangt, so erlaube ich mir hier noch als strukturell erläuternde Ergänzung den folgenden Link zur Arbeit meiner geschätzten ZeitGeist-Kollegin Friederike Beck einzustellen:

    zeitgeist-online.de/exklusivonline/dossiers-und-analysen/230-das-guttenberg-dossier-teil-1.html

    Cassandra 08.04.2010 | 19:36

    Stimmt, die Medien in den USA sind damals liebend gern auf den Zug aufgesprungen.
    Aber es gehört auch ein Erkenntnisprozess dazu, zu bemerken, dass die sich selbst als unabhängig und kritisch verkaufenden Medien dies eben öfter gerade nicht sind. Wenn man sich so gut wie gar nicht mit Politik beschäftigt, wie soll man es dann auch durchschauen?

    Natürlich sollte ansich jeder wissen, was Krieg bedeutet - und es wurde auch schon die Gefahr angemahnt, dass dies hier zu sehr als Einzelfall aufgefasst wird. Was hältst du denn von der Theorie, die CIA habe WikiLeaks selbst gegründet?

    Die Dinge, die dein Link beschreibt, habe ich damals auch auf den Nachdenkseiten gelesen. Wirklich erstaunlich find ich's nicht...

    Avatar
    magnus-goeller 08.04.2010 | 20:24

    Liebe Cassandra,

    "wirklich erstaunlich" ist für den Kenner natürlich nicht, was Friederike da beschreibt, aber eben nur für den; der Unbedarfte mag sich doch einmal am Kopfe kratzen und bezüglich der Zusammenhänge mit dem Selberdenken anfangen...

    Die Theorie, dass die CIA WikiLeaks selbst gegründet habe, halte ich wenigstens mal nicht für irrwitzig; ich habe mich mit diesem Laden allerdings noch zu wenig beschäftigt, um mehr sagen zu können.

    Typisch ist jedenfalls, dass man die eigene Gegnerschaft am besten selbst züchtet, um sie so stets unter Kontrolle halten zu können; insofern passte WikiLeaks bestens ins Schema (es gibt in den USA auch so einen 9/11-Undichweißnichtwas-Krakeeler, der mir unter 90% Echtes exakt die 10% Lüge zu mischen scheint, die Menschen in die Irre führen sollen...klassische Methode...).

    Dass diese scheinbare Wundertüte WikiLeaks ein "Fake" sein könne, war jedenfalls das Erste, was mir durch den Kopf ging, als ich davon hörte; wenn Du Näheres dazu weißt bzw. Hinweise darauf vorliegen, so interessierte mich das - vielleicht auch andere Leser hier - sehr.

    Grüße

    MG

    Cassandra 10.04.2010 | 00:06

    An den Beginn des Irak-Kriegs erinnere ich mich nur noch auszugsweise. Ich bin noch ein Küken :)

    Ich habe als damals 13jährige noch geglaubt, die Politsendungen der ARD und des ZDF seien superkritisch - weil ich als Vergleichsmaterial nur die Regionalzeitung hatte (sprich: eine kuriose Sammlung dpa-Nachrichten); unser Internet war so lahm, dass ich nicht einmal versucht habe, darüber etwas zu erfahren. Was mir also in Erinnerung geblieben ist, ist ein tiefer Zwiespalt. Man hörte, welche Gräueltaten Saddam Hussein zu verantworten hatte; aber es wurde auch immer wieder berichtet, die Amerikaner seien nur auf Öl aus.

    Ich bin mal wieder dabei, das Wort Dilemma zu schreiben, wird wohl noch zu meinem Liebling:

    Wie und wie viel müssen die Medien berichten? Wann schaltet der "Ottonormalbürger" weg oder hat sich an die immer gleichen Meldungen gewöhnt? Warum ist es ihm vergleichsweise egal?

    S.Heinel 10.04.2010 | 00:08

    Ein paar unsortierte Gedanken:

    - Als ich das erste Mal die 3 Teile der Zusammenfassung durchging, musste ich mich am Ende fragen, was eigentlich schlimmer ist:
    Die Tötung von Zivilisten unter falschen Annahmen oder die "schleppende Berichterstattung" der Leit- und Mainstream-Medien über diesen Hergang?

    - In jedem Bericht der das Video analysierte, wurde besonders herausgestellt, dass auch 2 Reporter von Reuters und 2 Kinder zu den Opfern/verletzten gehörten. Die Fragen hierzu, die sich mir aufdrängten:
    Wäre es Wikileaks zugespielt worden, hätte Wikileaks sich die Mühe gemacht, hätte es die Presse als so brisant empfunden, wenn dort "nur" die Tötung von Zivilisten gezeigt worden wäre?
    Wie sähe die öffentliche Meinung aus, wenn die Getöteten keine Zivilisten sondern Soldaten/Aufständische gewesen wären?
    Die Zivilisten sind unschuldige Opfer. Hätten es Aufständische/Soldaten verdient gehabt getötet zu werden?

    - Es gibt ähnliche Videos, durch das amerikanische Militär veröffentlicht, die "im Prinzip" exakt das Gleiche zeigen, außer, dass "angeblich" Soldaten/Aufständische getötet werden, anstatt wie im vorliegenden Fall Zivilisten. www.youtube.com/user/MNFIRAQ ist der Youtube-Kanal der Multi-National Force - Iraq. Verschiedene dieser Videos zeigen wie "Insurgents" getötet werden, dabei ist ebenso nicht ersichtlich unter welchen Umständen die Helikopterbesatzung und beteiligte Einheiten zu der Einschätzung kamen dass es sich bei den Gebäuden um Waffenlagern, bei den Personen um Soldaten/Aufständische handelten und nicht auch um Wohnhäuser oder Zivilisten.
    Ist das jetzt an die Öffentlichkeit gelangte Video also nur so brisant, weil es über wikileak an die Öffentlichkeit gelangte, weil darin Kinder verletzt werden, weil unter den Zivilisten auch Reporter sind?

    - Das Wikileaks die Quelle nicht preisgeben kann ist verständlich, dass der Zeitpunkt geheimgehalten wird an dem wikileaks das Video erhalten hat ebenso.
    Zur Quelle: Wenn sie Zugang zu solch brisantem Material hat, dann muss ganz bewußt dieses Video gewählt worden sein. Wikileaks habe noch andere Videos aus Irak und Afghanistan zugespielt bekommen, sei mit der Analyse aber noch beschäftigt. Heißt für mich aber auch, dass das jetzt gezeigte Video eben wegen der Kinder und der Reporter das medienwirksamste war. Was aber wollte die Quelle mit der Veröffentlichung bezwecken? Warum jetzt zu diesem Zeitpunkt und nicht als Reuters das Material anfragte? Wikileaks gibt es schließlich schon seit 2006.
    Naiv könnte man annehmen, dass die Quelle Gerechtigkeit wollte, oder die schießwütige US Army ein weiteres Mal bloß stellen, vor Allem da diese seit dem letzten Jahr versucht ihr Image mit eigenem Videomaterial aufzupolieren (Saubere Tötung von Taliban in Afghanistan: www.youtube.com/watch?v=nU4tsbXs6pA)
    Die Empörung - so haben bereits einige Kommentatoren hier festgestellt bleibt aber aus. Jedenfalls die Empörung in den westlichen Medien. Wenn allerdings die arabischen Medien dieses Video ernsthaft verwerten dürfte dort die Empörung über die Vorgehensweise der US Armee deutlich höhere Wellen schlagen. Hinzu kommt noch die Meldung dieser Tage über Truppen in Afghanistan die Zivilisten (schwangere Frauen) umbrachten und dies zu vertuschen suchten.
    Wenn sich also die Stimmungslage im Irak und in Afghanistan radikalisiert und verschlechtert (falls das noch möglich ist) und die Angriffe der Aufständigen, die Bombenanschläge und Selbstmordattentate zunehmen, könnte die amerikanische Regierung die Truppen ein weiteres Mal nicht abziehen, da sie ein destabilisiertes, nicht kontrollierbares Land zurücklassen würde. Also wird das Mandat verlängert. Aber was, wenn genau das das Ziel der Quelle war?

    - Die Empörung bleibt schließlich aus, weil wir das, was dort in diesem Video zu sehen ist schon seit langer Zeit wissen, dass es dort so zugeht. Oder haben wir diese Bilder schon wieder verdrängt www.youtube.com/watch?v=ULOmEGUOBDM ? oder diese Berichte www.tagesschau.de/multimedia/video/video348260.html
    Und so flackert jetzt auch bei diesem Video der für totgeglaubte Nerv kurzzeitig auf, aber anstatt den faulen Zahn der die Ursache ist endlich zu ziehen, werfen wir uns nur wieder eine Schmerztablette und ertränken das Geschehen in analytischer Zerpflückung.
    Die Rules of Engagement werden diskutiert
    Das Verhalten der Soldaten wird diskutiert
    Die Rolle von wikileaks wird diskutiert
    Die Rolle der mainstream-medien wird diskutiert
    Es ist wichtig, dass 2 Kinder verletzt wurden
    Es ist wichtig, dass Reporter unter den Opfern sind
    Es ist sogar wichtig, dass das Ganze durch eine 30mm-Bordkanone und Hellfire-Raketen aus einem Apache-Hubschrauber passierte.
    Die Familien der Kinder und die Kinder werden vor die Kamera gezerrt
    Die Familien der Reporter ebenso
    Es ist wichtig, dass die betroffene Nachrichtenagentur Reuters erst 7 Stunden nach Veröffentlichung des Videos darüber berichtete.

    Und am Ende der Analyse, der Zerpflückung und Zerstückelung und Verdetailierung, sind sich alle einig, dass die Kausa brutaltsmöglich aufgearbeitet werden und wir können vor dem zu Bett gehen beruhigt eine letzte Schmerztablette einwerfen und das dumpfe Pochen das bleibt ignorieren.
    Wie hießen eigentlich die anderen getöteten Zivilisten? Hatten sie Familie, Kinder? Oder müssen wir für die Medien den Begriff von Collateral Civilists formen? Menschen 2. Klasse, die nur als Zahl auftauchen, weil sie weder Kind, noch Reporter waren?

    - Die Empörung bleibt aber auch aus, weil es zu alltäglich ist, dass so etwas passiert. der Vergleich mit den 60ern und Vietnam passt da ganz gut. Ich war zwar damals noch nicht geboren, aber ich bin mir fast sicher, dass dieses Bild das um die Welt ging, eines der wenigen waren, die tatsächlich die Schrecken des Krieges so durchdringend zeigten. Es war eine Bombe die einschlug und Wirkung zeigte, weil die Menschheit noch nicht im multimedialen Informationszeitalter angekommen war.
    Heute geht das nicht mehr so einfach, da wir täglich mit Nachrichten aus aller Welt über Unglücke, Kriege, Konflikte und den allgegenwärtigen Kampf gegen den Terror überflutet werde und schon lange weichgespült wurden.

    - Und auch die Computerspiele, mit denen das Video hier so diffus verglichen wurde, sind nichts anders als ein Medium zur Konformitäts-Schaffung. Die Teenager, Studenten und jungen Erwachsenen die diese Spiele als esport (www.esl.eu/de/) auf ihren Konsolen und PC spielen, sind natürlich keineswegs die kleinen Monster die irgendeines schönen Tages Amok laufen, wie gerne und oft seit dem Release von Counterstrike 1999 behauptet wird. Nein, sie sind weichgespült. Für sie findet der Krieg als Computerspiel in realistischer Grafik und Echtzeit statt. Und wer will da dann noch unterscheiden können zwischen dem einen Monitor und dem anderen Monitor. Im schlimmsten Fall läuft das "wikileak" Video im Splitscreen auf dem Bildschirm des TV während man auf der anderen Hälfte per Konsole zockt und sich dann nur kurz wundert, ob man gerade in der richtigen Hälfte reagiert.
    Call of Duty Modern Warfare 2 - oder auch Call of Duty 6 ist ein solches Spiel. ": Bereits nach den ersten fünf Verkaufstagen zählte man acht Millionen Spieler." (tinyurl.com/ybufyuv) 8 Milionen Menschen haben also schon Mal einen Apache geflogen und feindliche Ziele ausgeschaltet. Und das ist nur eines von vielen Spielen.
    Müssen wir uns wirklich wundern wenn diese 8 Millionen + X Spieler bei einem solchen Vdeo nur müde mit den Schultern zucken, sich eine Packung Chips aufreißen und die Mission Death from Above laden? www.youtube.com/watch?v=lkuPOd4MoiI (genaugenommen handelt es sich hierbei um ein AC-130 Gunship und keinen Apache, aber das macht genaugenommen auch keinen Unterschied) Als Experiment für hartgesottene die keinen flauen Magen bekamen als sie das Wikileaks - Video sahen, empfehle ich den Spiel-Mitschnitt und das wikileaks-video oder das Video des Afghanistan-Einsatzes parallel in 2 "Tabs" zu laden und dann wahlweise bei einem den Ton abzuschalten und das andere (mit Ton) im Hintergrund laufen zu lassen. Gespenstisch oder?

    Übrigens gehen die Entwickler mittlerweile einen Schritt vor ... bzw. zurück aus der virtuellen Welt in die Realwelt. Mit dem Halo 3 Legendary Version - Pack bekommt man einen Helm (tinyurl.com/y7yweq6) bei CAll of Duty Modern Warfare 2 in der Prestige Edition ein Nachtsichtgerät (tinyurl.com/yg8g2x9)

    Alien59 10.04.2010 | 10:34

    Danke für gut gestellte Fragen.
    Ich denke schon, man hat dieses Video genommen, weil man weiß, dass es die Öffentlichkeit MEHR interessieren wird, wenn Journalisten der westlichen Presse getötet werden, als wenn es "nur" Einheimische oder gar Aufständische trifft, die sind ja "selbst schuld" und nicht so wichtig. (Sorry, die böse Ironie muss hier sein).

    Und ja, bei einer Veröffentlichung in arabischen Sendern würde die Gewichtung durchaus anders aussehen können. Auch die Reaktionen. Allerdings, wundern würde das hier niemanden. Dass auf Zivilisten, auf Unbewaffnete und Kinder geschossen wird, ist hier nur zu gut bekannt.

    Avatar
    magnus-goeller 10.04.2010 | 15:29

    @ SiebzehnterJuni

    Lieber SJ, ich meine, da stimmt überhaupt nichts nicht bei Ihnen; ich versuche auch (um mich mal als Maßstab zu nehmen), mich nicht von Einzelmeldungen emotional überrollen zu lassen, denn angesichts des hunderttausendfachen Grauens lenken diese uns eher vom Wesentlichen ab (ich versuchte, das schon weiter oben dazulegen).

    Deshalb war ich auch auf Carl Gibson so stinksauer, als er seinen eigenen Gesprächsfaden, selbst auf mehrfache deutliche Kritik von meiner Seite hin, quasi glatt selbst abbrach, als wäre er sechzehn oder zwölf, einfach unter Hinweis auf diese Seite hier.

    Wenn wir jede Nüchternheit verlieren, damit jede ernsthafte Schaffensfähigkeit, gar als die, welche ihr Sensorium wohl eher nicht, wie oben von S.Heinel trefflich beschrieben, bereits am Bildschirm abgegeben haben, kann man auch uns über den Monitor und durch die Bildzeitung scheuchen, wie man's gerade mag.

    Da ich keinem US-Soldaten im Irak den Karabiner aus der Hand schlagen kann, liegt meine (unsere?) Aufgabe doch darin, solchem Gemetzel an der "Heimatfront" die Grundlage zu entziehen; nur dort kann ich derzeit (vielleicht, aber immerhin vielleicht!) nach wenigstens dem Motto "steter Tropfen höhlt den Stein" tatsächlich etwas bewirken.

    Und da, Freunde Herta Müllers oder auch nicht, CDUCSUSPDFDPGRÜNE-Wähler oder auch nicht, sollten wir eben alle gegen die Kriegstreiberei zusammenstehen.

    Da sind sich wahrscheinlich fast alle hier einig; vielleicht springe ich auch doch noch über meinen Schatten und stelle hier neben meinem eigenen einmal einen Blog ein, ob der größeren Reichweite, dazu aufrufend, soherum mal alles andere nicht zu vergessen, aber im Sinne der wichtigsten gemeinsamen Sache, des Friedens, zurückzustellen.

    Eine "nationale Front" gegen den Krieg in Afghanistan, von ganz "Links" bis ganz "Rechts", vorm Reichstag zu Berlin zu Hunderttausenden friedlich demonstrierend, die könnte etwas bewegen; die Bilder gingen, egal was dpa oder Reuters gerade gerne sehen und weitergeben möchten, mindestens einmal um die ganze Welt.

    Die Zeit dafür ist reif!

    goedzak 10.04.2010 | 15:43

    @SiebzehnterJuni
    Ein bisschen Emotionslosigkeit an der richtigen Stelle kann vor allem bei der nüchternen Beurteilung von Fraternisierungsangeboten hilfreich sein, zum Beispiel wenn Göller kommt und seine 'IchkennekeineParteienmehr'-Wirmüssenallezusammenstehen-Sprüche ablässt. Volksgemeinschaft, "'nationale Front' gegen den Krieg in Afghanistan, von ganz 'Links' bis ganz 'Rechts'", weeßte?

    Der Typ merkt manchmal gar nicht, wenn ihm die Maske verrutscht.

    Avatar
    magnus-goeller 10.04.2010 | 17:17

    @ goedzak

    Im Gegensatz zu Ihnen muss ich keine Maske tragen.

    Dass Sie hinwiederum im Sinne der amerikanischen Geostrategie á la Brzezinski hier agieren, merkt jeder, der Ihre Einlassungen, zumal wenn Sie mir, wie üblich, nachstellen, aufmerksam liest.

    "Nationale Front" habe ich ganz bewusst und provokatorisch hier hingeschrieben, denn das trifft die Sache exakt, wenn ein Volk, unabhängig von anderen Differenzen, für den Frieden zusammensteht, aufsteht.

    Wenn Sie dabei nicht mittun wollen, werden die Hunderttausende Sie wohl kaum vermissen; ich selbst kenne noch nicht einmal Ihr wahres Gesicht, vermöchte dies daher selbst beim besten Willen nicht.

    Ein Freund, der Ihren Küchenblog las, sagte mir, der sei durchaus köstlich gewesen; Sie können also wohl auch Konstruktives leisten, anstatt nur Ihr Ressentiment wider mich auszuleben, regelhaft mit "Gölli" und anderen versuchten Herabsetzungen gespickt, jenseits dessen, was Netiquette gebeut; als Ihr "Blogstalkerchen", das über diesen Ehrentitel gut lachen kann: machen Sie das, was Menschen Freude schenkt.

    Wenn Sie sich mein Gesicht einfach nicht merken, müssen Sie sich nicht einmal darüber ärgern, wenn Sie auf derselben Demo zu finden sein sollten wie ich, aber ich wage zu bezweifeln, dass sie eine solche überhaupt wollten, s. o.

    Cassandra 10.04.2010 | 21:18

    Vielen Dank dafür. Auch das ist der Punkt, den ich mit "Tunnelblick" meinte: Wenn ich einmal begeistert bin bzw. nur noch das Detail aber nicht mehr den Gesamtüberblick wahrnehme, tendiere ich dazu, die kritischen Punkte zu übersehen.

    Nur eine Anmerkung: Die Gesamtbevölkerung sowohl in den USA als auch hier dürfte noch nicht wirklich etwas von WikiLeaks mitbekommen haben; eine Aufmerksamkeitskampagne (das es das auch ist, steht für mich ebenfalls außer Frage) ist ergo notwendig, wenn die Arbeit Sinn machen und vor allem weiter liquide bleiben soll.

    Es ist wohl eher die Minderheit, die sich wirklich damit auseinander setzt, was "Verbreitung der Demokratie in bösen, terroristischen, unmodernen Ländern" wirklich bedeutet. Es wissen mE eben nicht alle, was im Irak/Afghanistan passiert, können sich unter 10,20 oder 100 Toten nichts vorstellen. Insofern könnte dies eine drastische Verschärfung der Werbetätigkeiten sein, die auf Beispiele zur Verständnisbesserung setzt. :)

    Darf ich deine Punkte einarbeiten?

    Cassandra 10.04.2010 | 21:21

    @Magnus Göller
    Deshalb war ich auch auf Carl Gibson so stinksauer, als er seinen eigenen Gesprächsfaden, selbst auf mehrfache deutliche Kritik von meiner Seite hin, quasi glatt selbst abbrach, als wäre er sechzehn oder zwölf, einfach unter Hinweis auf diese Seite hier.

    Wo, was ist da denn passiert? Ich habe mich ja nunmehr seit fast einer Woche nur hier aufgehalten - würde mich aber schon interessieren.

    Cassandra 10.04.2010 | 21:34

    Noch eins, Magnus Göller, das Stirnrunzeln von Goedzak teile ich. "Nationale Front" ist kein Begriff, den ich für meinen Teil freiwillig in den Mund nehmen würde - die geschichtliche Belastung ist dir bewusst, trotzdem benutzt du's? Versteh ich nicht, mit der Bitte um Erläuterung.

    Sämtliche andere Differenzen möchte ich gerne aus dem Blog heraushalten, ob es um in der Vergangenheit geäußerte Dinge oder die Nutzung eines Nicknames geht.

    Avatar
    magnus-goeller 10.04.2010 | 22:07

    Liebe Cassandra,

    soeben bin ich noch zum Lidl getappert, um das Restnotwendige fürs Wochenende zu besorgen und las an der Kasse wartend, auf dem Gesicht der BILD die folgende (in-)offizielle Kriegserklärung als Supergroßzeile:

    "Kanzlerin verneigt sich vor unseren Gefallenen"

    Vielleicht kannst Du diesen Aspekt ja auch noch mit einbauen, ich werde ihn auf meinem Blog mit Sicherheit aufgreifen.

    Grüße, MG

    Avatar
    magnus-goeller 10.04.2010 | 22:25

    @ Cassandra
    Zu "nationale Front"

    Ja, das sollte aufwecken, Linke zumal, meinetwegen auch ärgern; aber wie sollte es denn heißen, wenn ein Volk gegen Krieg Front macht?

    "Nationale Volksbefreiungsfront"? (So etwa hieß es auf Spanisch, als ich 1985 in Nicaragua war)

    "Nationaler Widerstand"?

    Mag Dir auch nicht gefallen, auf Deutsch übersetzt sind Dir wahrscheinlich plötzlich selbst die "Nicas" zu "rechts".

    Das ist das mit den Scheuklappen, was goedzak wider mich und die ganze Sache zu nutzen sucht; andernfalls wäre er/sie diesbezüglich im Sinne der Sache dabei.

    Ich bin mit jedem besseren, vernünftigen Namen einverstanden, den Du dieser Sache gibst.

    Vielleicht weiß goedzak ja einen?

    Cassandra 11.04.2010 | 05:22

    Du machst mich jetzt nicht im Ernst dafür verantwortlich, dass du dich entscheidest, die Worte eines anderen so zu bewerten, dass du sie für klagewürdig hältst?

    Alles, was ich versuche, ist in diesem Blog beim Thema zu bleiben. Und das ist weder die "Nationale Front" (DDR), die "front national" (Frankreich) oder brennende Autos in Berlin, ob sie nun von Autonomen angezündet wurden oder nicht, dass kann bei annalist ausführlich diskutiert werden. Hier nicht. Ich hege nicht die Absicht in dieser Auseinandersetzung Partei zu ergreifen: Das ist nicht das Thema, tragt es also woanders aus. WikiLeaks in diese abstruse Diskussion auch noch (mE gegen mich gerichtet) einzubinden empfinde ich als höchst unhöflich mir gegenüber.

    Nochmal klar und deutlich: Mir ist egal, wer "Recht" hat. Ich will Ruhe, wenn es nur noch darum geht, persönliche Differenzen auszutragen.

    Was hier abläuft ist der reinste Kindergarten. Und du erwartest doch wohl nicht im Ernst, dass um drei Uhr an einem Sonntag Morgen irgendwer vom Com-Management aus dem Bett springt, um Kommentare zu editieren?

    Mir sind "links" und "rechts", Definitionen zu diesen beiden Begriffen und sonstige Kategorisierungen dabei ziemlich schnuppe. Für mich gilt allein, dass man sich gegenseitig respektiert und nicht dauernd mit der Keule droht.

    So. Gute Nacht. Ich hoffe noch immer auf eine entspannte, vernünftige Lösung.

    der Freitag 11.04.2010 | 12:27

    Liebe Nutzer,

    bitte kommen Sie dem Wunsch der Autorin nach und kommentieren Sie sachbezogen.

    Persönliche Auseinandersetzungen, Unterstellungen und Provokationen werden von uns gelöscht. Ebenfalls ist hier nicht der Ort um Konflikte aus anderen Threads auszutragen.
    Weitere Verstöße gegen diese Bitten führen zum Ausschluss aus der Diskussion.

    Herzliche Grüße
    Ihr Freitag-Community-Team

    Cassandra 11.04.2010 | 19:19

    Die Definitionshoheit zum Thema "Randale" hat in dieser Community übrigens der werte merdeister. Er klärt Sie bestimmt gerne auf.

    Das wusste ich noch nicht, erkläre mich aber vollstens einverstanden.

    Ich: Ich hüpf gleich vor Freude aus dem Fenster :)

    http://farm5.static.flickr.com/4071/4462953248_88a6b86501.jpg
    [Leider nicht selbstgemacht, nur selbst gefunden :)]

    Vielen lieben Dank auch an den Freitag für die Sonntags-Schicht...

    S.Heinel 11.04.2010 | 20:48

    Einige interessante Artikel aus der Washington Post:

    Jeff Stein erinnert an die Tötung Unschuldiger in My Lai - Vietnam Krieg das "mißglückte Coverup" und zieht Parallelen zur Tötung der Zivilisten im Irak und in Afghanistan.

    blog.washingtonpost.com/spy-talk/2010/04/pentagon_should_come_clean_on.html

    Auf einen Absatz möchte ich dort besonders hinweisen:

    "The fact is, there’s not much new in it. The Washington Post’s David Finkel fully reported on the incident in his 2009 book, The Good Soldiers, complete with a transcript of the pilots’ sickening dialogue."

    David Finkel ist übrigens der "Washington Post Reporter" den Assange im Video unter Nachtrag 7 erwähnt (ab etwa 3:20)

    Ein Video scheint in der multimedialen Welt mehr Eindruck zu hinterlassen als das geschriebene Wort, denn David Finkel widmet diesem im Video gezeigten Zwischenfall ein ganzes Kapitel, das am 15. September 2009 als Auszug in der Washington Post erschien:
    tinyurl.com/y6tfzc6

    Ein weiterer Auszug findet sich hier: tinyurl.com/y4tmh3b vom 6.4. als Reaktion auf die Veröffentlichung des Videos.

    Und als Letztes gibt es hier noch ein Transkript eines Chats mit David Finkel und Lesern der Washington Post: tinyurl.com/y3l4kgm

    Avatar
    magnus-goeller 12.04.2010 | 02:27

    Liebe Freitag-Redaktion,

    wenn ich das gerade richtig gesehen habe, wurde sowohl der Beitrag von SiebzenhnterJuni, dem ich eine Klagedrohung entgegenhielt, als auch diese meine Einlassung dazu gelöscht.

    Das halte ich für eine kluge, salomonische Lösung.

    Danke.

    MfG

    MG

    P.S.: Tut mir leid, Cassandra, dass ich Dir diese Unbilden bereitete. Du wirst jetzt wahrscheinlich nicht mehr sonderlich viel von mir halten, aber damit kann ich leben. Für den Freitag ist es jedoch sicher besser, wenn keine Gewaltaufrufe auf dessen Seiten eingestellt werden bzw. solche dann baldestmöglich von dort verschwinden.

    weinsztein 12.04.2010 | 02:56

    Liebe Tessa,

    herzlichen Dank dafür, dass Sie Herrn Göllers ultimative Klageandrohungen und weitere seiner Ablenkungsversuche vom Thema dieses guten blogs gelöscht haben. Das war hilfreich auch für die Außenwirkung des Freitag bei twitter, facebook und sonstwo.

    Dass damit meine Kommentierungen zu Herrn Göllers Einlassungen und zu seinen politischen Haltungen ebenfalls verschwanden, verstehe ich gut.

    Solche redaktionellen Eingriffe belegen Ihr Verantwortungsbewusstsein für das Anliegen des Freitag und seiner Community, das es zu schützen gilt.

    Weiter so und öfter so!

    Herzliche Grüße
    weinsztein

    Cassandra 12.04.2010 | 03:39

    Magnus Göller, solange es keine weiteren Ausschweifungen in diese Richtung gibt, habe keinen Grund deine (evtl.) weiteren Kommentare schon im Vorhinein zu bewerten.
    Dass editiert wurde halte ich ebenfalls in diesem Falle für die beste Lösung.

    Schön, dann ist ja jetzt friedefreuedeeierkuchen und alle haben sich lieb...

    Zu meinem Grundlagen Blog, an dem ich momentan arbeite: Der wird höchstwahrscheinlich ebenfalls wieder in mehrere Teile aufgeteilt werden müssen, meine Planung steht noch etwas auf wackligen Beinen - ich grabe mich gerade noch einmal durch alle Materialien, die ich irgendwie wegen einer relevanten Information in Erinnerung habe, sammle, dann folgt eine Struktur. Spätestens zur Veröffentlichung des Afghanistan-Videos bin ich durch...

    Scherz beiseite. Ich weiß es noch nicht. Aber ich bemühe mich darum.

    Avatar
    sachichma 12.04.2010 | 13:01

    @ Casandra, es ist doch immer wieder schön wenn sich der Nebel etwas lichtet, aber nur eben etwas. Trotzdem ist es gut das Du dieses Thema an diesem einen Beispiel hier in der FC so erfolgreich aufgegriffen hast! Die Liste könnte etwas lang werden wenn ich hier weitere Beispiele aufzählen würde. Also well done!

    Hier ist das Update (Gesamtübersicht) über die Veröffentlichungen zu diesem Thema: tiny.cc/8wqe0

    @ Carl Gibson: FYI: für "Expats" war es von der Agentur verboten in die Stadt zu gehen, mit der Telelinse auf dem Hoteldach war das Äusserste. Hauptsache war, das was die "Stringer" brachten wurde dann politisch korrekt "gefeeded". Das ist heute auch so in A

    anstonsten stimme ich mit "SiebzehnterJuni" vollkommen überein:
    "Wenn wir jede Nüchternheit verlieren ... kann man auch uns über den Monitor und durch die Bildzeitung scheuchen, wie man's gerade mag."

    Avatar
    magnus-goeller 13.04.2010 | 02:56

    @ Cassandra

    Ich las vorhin, die Bilderberger wollten sich im Juni in Spanien treffen: bis dahin hast Du ja noch ein wenig Zeit.

    Und sollte das Zitat nicht viel taugen, ist es ja doch noch umso wichtiger, dass es mir zuzuschreiben ist.

    Wenn Du mal ein paar fragwürdige Dinge bezüglich der sogenannten deutschen Rechten erfahren willst, habe ich Hinweise für Dich.

    Manche findest Du, wenn Du etwas gräbst, auf meinem Blog, Genaueres gebe ich Dir bei Interesse privat zur Recherche weiter, Du scheinst es ja ernst zu meinen.

    Grüße

    MG

    Alien59 17.04.2010 | 09:54

    Als Nachtrag kleckert der Spiegel mit einem Interview mit Daniel Schmitt.
    www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,689377,00.html

    Schmitts Aussagen fand ich teils interessant, bei der Story über die in Kenia erschossenen musste ich reichlich schlucken - und verstehe nicht, dass er meint, sie würden im Zweifelsfalle die wikileaks-Mitarbeiter bekannt geben.

    Könnte man noch lange drüber reden.
    Auf das angekündigte Afghanistan-Video bin ich gespannt.