WikiLeaks - Spekulationen über geheimnisvolles Video haben ein Ende

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Wikileaks, über das Steffen Kraft mehrfach berichtete, hat vor ca. 2 Stunden ein US-Miltärvideo aus dem Jahre 2007 veröffentlicht.






Im Folgenden habe ich den Begleittext übersetzt und ein paar Fotos samt meinen Kommentaren eingefügt. Danach habe ich eine umfassende Medienlese vorgenommen. Da ich eine unprofessionelle Übersetzerin bin, verzeihe man mir evtl. Holprigkeiten.

WikiLeaks veröffentlicht hiermit ein als solches verifiziertes US-Militärvideo, das das wahllose Abschlachten von mehr als einem Dutzend Menschen - darunter zwei Reuters-Mitarbeiter - im irakischen Vorort New Baghad zeigt.

http://collateralmurder.com/file/photos/Saeed_og_Namir.jpg

Die beiden getöteten Reuters-Mitarbeiter: Saeed Chmagh, 40 und Namir Noor-Eldeen, 22

Reuters versuchte auf Basis des Freedom of Information Act [Anmerkung: Recht eines jeden US-Bürgers, Dokumente der Regierung zu erlangen] Zugriff auf das Video zu bekommen. Diese Bemühungen begannen bereits kurz nach dem Angriff, blieben jedoch ohne Erfolg. Das von der Schußseite eines Apache-Helikopter gedrehte Video zeigt deutlich die in keinster Weise provozierte Erschießung eines verletzten Reuters-Mitarbeiters sowie der Personen, die versuchten ihn zu retten. Zwei Kinder, die an der Rettungsaktion beteiligt waren [sie saßen mit im Auto] wurden ebenfalls schwer verletzt.

http://collateralmurder.com/file/stills/Still_41.jpg

Nach Ende der Schießerei fährt ein Minivan vor, der versucht Saeed Chmagh abzutransportieren. Ohne jede Veranlassung wird wieder geschossen.

http://collateralmurder.com/file/stills/thumbs/Still_58.jpg

Nachdem das Auto bereits eine zeitlang extrem unter Beschuss steht, wird noch einmal durch die Windschutzscheibe gefeuert, hinter der die Kinder sitzen. Sie werden schwer verletzt und nicht, wie zuvor beschlossen, in einem US-Militärkrankenhaus, sondern auf Anordnung eines höheren Offiziers in einem wesentlich schlechter ausgerüsteten irakischen Krankenhaus behandelt.

Das Militär gab keinen Kommentar dazu ab, wie die Reuters-Mitarbeiter getötet wurden und behauptete, dass sie nicht wüssten, unter welchen Umständen die Kinder verletzt worden seien.

Nach den Anfragen von Reuters wurde der Vorfall untersucht. Das US-Militär kam zu dem Ergebnis, dass die Handlungen der Soldaten sich im Rahmen der Gesetzeslage für bewaffnete Konflikte sowie deren besonderen, situationsbedingten "Angriffsregeln" bewegten.

http://collateralmurder.com/file/stills/Still_22.jpg

Namir Noor-Eldeen läuft um sein Leben.

Folgerichtig veröffentlichte WikiLeaks die (unter Verschluss gehaltenen) Angriffsregelungen für 2006, 2007 und 2008, die damit die Gesetzeslage vor, während und nach den Tötungen abdecken.

WikiLeaks bringt hiermit sowohl das 38minütige Originalvideo [siehe oben] als auch eine kürzere Version heraus, der eine Eingangsanalyse vorangestellt ist. Untertitel wurden beiden Versionen auf Grundlage der Funkübertragungen hinzugefügt.

http://collateralmurder.com/file/photos/afstoumyndin.jpg

WikiLeaks gelangte durch mehrere Whistleblower des Militärs sowohl an das Video als auch an andere, dieses bestätigende, Dokumente.

WikiLeaks unternimmt große Anstrengungen um die Authentizität der erhaltenen Informationen sicher zu stellen. Wir analysierten die Informationen über diesen Vorfall auf Grundlage einer Vielzahl von Quellenmaterial. Wir sprachen mit Zeugen und Journalisten, die direkt an dem Vorfall beteiligt waren.

WikiLeaks möchte sicher stellen, dass alle geleakten ("durchgesickerten") Informationen die Aufmerksamkeit erhalten, die sie verdienen. In diesem speziellen Fall waren einige getötete Personen Journalisten, die einfach ihren Job machten: Sie riskierten ihr Leben mit dem Ziel über den Krieg zu berichten. Der Irak ist ein sehr gefährlicher Platz für Journalisten. Im Zeitraum zwischen 2003 und 2009 wurden 139 von ihnen während der Arbeit getötet.

Nach Ende der Aktion fahren Panzer des US-Militärs vor. Einer überfährt dabei eine Leiche. Einige Insassen des Helikopters empfinden dies hörbar als amüsant.

http://collateralmurder.com/file/stills/Still_74.jpg

Zitat:

18:29 Ich glaube, sie sind gerade über einen Körper gefahren

18:31 Hey hey!

18:32 Yeah!

Auch nachdem die verantwortlichen Soldaten nach Ende des Angriffs bemerken, dass sie auch Kinder getroffen haben, ändert sich die vollkommen ungerührte Stimmung nicht, denn:

Zitat: "Es ist ihre Schuld, wenn sie ihre Kinder zum Kampf mitbringen."

Es ist schon gruselig, diese Szenen aus der Position der Soldaten heraus mitzuerleben. Ich für meinen Teil frage mich, wie man seelisch überhaupt in der Lage sein kann, ständig ungeduldig Schießbefehle zu fordern und auszuführen, immer wieder drängte sich mir der Gedanke auf, dass die Soldaten wie die Spieler eines Computerspiels agieren. Als hätte ihr Tun keinerlei Folgen.

Umso weniger kann ich nachvollziehen, wie man danach auch noch darüber lachen oder einfach so über die Verletzungen/Tötungen der Unschuldigen (Kinder) hinweg gehen kann als sei nichts geschehen.

---------

Nachtrag 1: Bei Markus Beckedahl auf netzpolitik.org gibt Blubb Folgendes zu bedenken:



Das Video ist schon brisant und es ist gut, dass sie es veröffentlicht haben, aber ehrlich gesagt fehlen mir bei der Plattform “Collateral murder” und auch beim Video selbst die Objektivität.

Ich verstehe, dass sie die Brisanz des Videos ausnutzen wollen um Spenden zu sammeln, aber ich schätze Wikileaks als neutralen Veröffentlicher solcher Dokumente, ich möchte nicht, dass sie Einschätzungen vornehmen. Insbesondere solche Bezeichnungen wie “slaying” oder “Murder” in die Veröffentlichung mit reinzunehmen macht jede Objektivität zunichte.

Noch mal, um nicht falsch verstanden zu werden: Das Video sehe ich genau so kritisch wie alle anderen und es ist gut, dass es veröffentlicht wurde, aber die Präsentation geht meiner Meinung nach so nicht. Orwell-Zitate und eigene Meinungen von Wikileaks gehören da nicht rein. Da soll sich jeder eine eigene Meinung bilden.

Nachtrag 2: Es gibt ein deutsches Transkript des Videos hier.

Nachtrag 3:http://lh4.ggpht.com/_jZ-QH6olEIY/S7pXKlGrrCI/AAAAAAAAA8c/L4WiU8_FrKg/Screenshot2010_04_05_23_24_41.jpg

Anke Domscheit bringt bei ihren Anstrengungen, wikileaks auf twitter zum "trending topic" zu machen auch die Nachricht, dass das US-Militär die Echtheit des Videos nun bestätigt hat.

Nachtrag 4: Fefe schreibt um ca. 23.30 Uhr:

  • [l] Also so langsam gehen mir die gutartigen Entschuldigungen dafür aus, wieso die Presse das Wikileaks-Video so weitgehend ignoriert. Die BBC hat was, aber CNN berichtet lieber über Ipads, ABC News findet Tiger Woods und Dennis Hopper wichtiger, nicht mal NPR hat was. New York Times? Washington Post? Nichts.
  • Bei uns sieht es auch nicht viel besser aus. Das ehemalige Nachrichtenmagazin? Die Tagesschau? Nichts. Ausgerechnet das Handelsblatt hat was. WTF?! Für die Frankfurter Rundschau hat es sich gelohnt, da ist das sofort auf Platz 1 der meistgelesenen Meldungen gelandet.
  • Was für eine armselige Presselandschaft wir doch haben auf dieser Welt. Eine Schande.
  • Update: der Guardian hat auch was. Die üblichen Verdächtigen :-)
  • Update: Geht mal zu MSNBC und sucht nach wikileaks, dann geht zurück und sucht nach Tiger Woods. WTF?!
  • Update: AP hat was, bemüht sich aber sichtlich, Wikileaks nicht zu erwähnen (tun es aber doch am Ende). WTF?!?!? Ich kann ja gar nicht verstehen, wieso Reuters nichts hat. Die sind doch nun direkt betroffen!
  • Update: Ich kann mir keine deutlichere Symbolik vorstellen als diesen Screenshot von reddit.com gerade. Da sieht man mal, welche Meldung die Leute für wichtig halten und wo sie sich informieren. Die Medien haben ja wohl mal vollumfänglich versagt gerade, das geht ja gar nicht.
  • Update: MSNBC hat jetzt doch was.

Nachtrag 5: a) Annika Kremer von gulli:news hat ihre Arbeit ein bisschen ordentlicher gemacht als ich und einen Artikel geschrieben, der einen umfassenden Überblick bietet. Kleiner Auszug:

"Überschrieben ist das Video mit dem Titel "Collateral Murder", einer Zusammensetzung der Begriffe "Collateral Damage" (englisch für "Kollateralschaden", ein militärischer Begriff für irrtümlich getötete Zivilisten) und "Murder", also Mord. Und diese Bezeichnung ist auf keinen Fall falsch."

b) Ebenfalls, bereits gestern bei gulli:news gefunden, gehört nicht bindend zum Thema, ist aber allgemein zu wikileaks interessant: Hausdurchsuchung nach Verlinken auf die Whistleblower-Seite.

Nachtrag 6: PaperBite klärte mich gerade (0:39, 06.04.) darüber auf, dass Julian Assange offensichtlich den selben Vergleich gezogen hat wie ich. Ich suche noch die Quelle, froh darüber, dass ich nicht die einzige bin, die meinte, in einem Computerspiel zu sitzen.

"Ju­li­an Assan­ge von Wi­ki­leaks ver­gleicht das Ver­hal­ten der Pi­lo­ten mit Com­pu­ter­spie­lern, denen mensch­li­ches Leben nichts zähle:

>>Ihr Ziel war es in die­sem Com­pu­ter­spiel die Höchst­punkt­zahl zu er­rei­chen.<<

Be­reits in der Ver­gan­gen­heit wurde deut­lich, daß die Ame­ri­ka­ner im Irak keine Rück­sicht auf Zi­vi­lis­ten neh­men. Der ita­lie­ni­sche Sen­der RAI strahl­te 2005 den Bei­trag »Fal­lu­jah, The Hi­d­den Mas­sa­c­re« aus, der über den Ein­satz von Wei­ßem Phos­phor bei der Of­fen­si­ve in Fal­lud­scha im No­vem­ber 2004 be­rich­te­te. Wohn­ge­bie­te, in denen feind­li­che Kämp­fer ver­mu­tet wur­den, sind flä­chen­de­ckend mit dem Ma­te­ri­al bom­ba­diert wor­den, das sich durch die Klei­dung frißt und Men­schen bei le­ben­di­gen Leib ver­bren­nen läßt. Damit ver­stie­ßen die USA gegen in­ter­na­tio­na­le Ab­kom­men, die diese Waffe äch­ten."

Nachtrag 7: AlJazeera spricht mit Julian Assange über das Massaker. Letzterer erzählt außerdem von einem Journalisten der Washington Post, der in einem Buch über den Vorfall berichtete - ohne, dass er es bis jetzt hätte beweisen können.






Nachtrag 8: Durch Zufall bemerkt, sonst hätte ich es vergessen, obwohl ich der Meldung eben schon einmal in den Kommentaren von netzpolitik.org über den Weg gelaufen war.

http://lh5.ggpht.com/_jZ-QH6olEIY/S7psfeF9XeI/AAAAAAAAA8k/AQxs9YVMbEc/Screenshot2010_04_06_01_01_33.jpg

b) Der Zähler hängt. Angeblich sollen erst 303 Leute das Video gesehen haben - exakt die selbe Zahl, die ich bereits heute Nachmittag um halb sechs dort gesehen habe. Damit hat sich auch erledigt, was ich wissen wollte: Ob der Film bereits zu den meistgesehenen Videos dieser Woche zählt.

Nachtrag 9: Fefe updated um 2:15, 06.04.


Nachtrag 10: Die New York Times haben jetzt (3:23, 06.04.) ebenfalls (endlich) einen Artikel online. Ich übersetze den mE für neue Informationen relevanten Teil.

Das amerikanische Militär in Baghdad untersuchte [2008] den Vorfall und schloss mit dem Ergebniss, dass die beteiligten Einheiten nicht wissen konnten, dass Reuters- Angestellte in der Gruppe waren. Daraus resultierend folgten keine weiteren Konsequenzen.

Spät am Montagabend gab das US-Zentralkommando, das die Kriege in Irak und Afghanistan überwacht, einen redigierten Bericht heraus, der mehr Details preisgab.

Der Bericht enthielt Bilder von denen gesagt wird, dass auf ihnen Maschinengewehre und Granaten zu sehen seien, die neben den Toten gefunden wurden. Er enthielt außerdem die Aussage, dass die Reuters-Journalisten "keine Anstrengung unternahmen, um ihren Status als Mitglied der Presse oder der Medien deutlich sichtbar zu machen. Ihr familiäres Verhalten gegenüber und ihre Nähe zu den bewaffneten Rebellen und ihre verstohlenen Versuche die verbündeten Bodentruppen zu fotographieren, ließ sie für die sie tötenden Apache-Piloten als feindliche Kämpfer erscheinen."

http://lh5.ggpht.com/_jZ-QH6olEIY/S7qXfc2hMTI/AAAAAAAAA8s/oIN3G6oJaE4/Screenshot2010_04_06_04_07_07.jpg

Entweder, ich habe falsch übersetzt, oder dem twitterer von wikileaks ist das selbe aufgefallen wie mir: Die Photographen waren weder verstohlen unterwegs, noch machten sie Bilder von Menschen, die irgendetwas mit Kämpfen zu tun hatten - ganz davon abgesehen, dass in dem Video - jedenfalls für mein ungeschultes Auge - keinerlei bewaffnete Personen zu sehen sind.

Hinzu kommt, dass der Artikel doch ein wenig spekulativ ist, an einigen Stellen. Aber dazu später mehr, ich muss erstmal schlafen.

Nachtrag 11: Foxnews berichtet, dass die damals geltenden Angriffregelungen noch immer aktuell sind.

Nachtrag 12: "Wir nennen das entweder ein internes US-Kriegsverbrechen, ein Kriegsverbrechen im Sinne der Genfer Konventionen oder wir sagen, dass ein Problem mit den Angriffsregeln zu bestehen scheint oder einfach mit den Personen, die innerhalb des Militärs für die Ausführung verantwortlich sind." (J.Assange)

The AlyonaShow von Russia Today interviewte Julian Assange nun schon zum wiederholten Male in wenigen Wochen. Dies ist auch das (oder zumindest eines) der Interviews, in denen vom Krieg als einem "Computerspiel" gesprochen wird, sehr sehenswert, vielleicht das sehenswerteste nach den Originalaufnahmen.






Er geht hier mehr oder weniger auch auf das Problem ein, das wie erwähnt auf netzpolitik.org kritisiert wurde: WikiLeaks scheint eine neue Publicity-Strategie zu haben: Die Wertschätzung der Aufmerksamkeit hat einen neuen Stellenwert eingenommen, höhere Priorität erlangt. In der Folge interpretiert Assange die Veröffentlichungen - gedankliches Vorkauen. Es ist eben auch einfacher, eine leicht polemisierte Version der Neuigkeiten zusammengefasst den Nachrichtenagenturen in den Rachen zu schieben als zu erwarten, dass die auch noch selbst lesen (in dem Falle: sehen), denken, sortieren, zusammenfassen. Wie man sieht ist selbst das noch eine unheimliche Arbeit; die großen Namen berichteten erst Stunden später, obwohl jeder seit Wochen wusste, dass eine Pressekonferenz am Montag Mittag stattfinden sollte.

- guten Morgen. oder Mittag. Die folgenden Ergänzungen erstanden um/nach 13 Uhr am 06.04. -

Nachtrag 13: Aktuelles Material zu den Folgen des Angriffs - Die damals verletzten Kinder berichten






Kristin Hraffnson, ein isländischer Journalist und Künstler, stellte bei der Erstellung dieses Video in Baghdad fest, dass die Helikopter jetzt, im April 2010, noch immer kreisen.

Er interviewte die Kinder, die ihren Vater Saleh Matasher Tomal verloren als der auf dem Weg die Kinder zur Schule zu bringen seinen Minivan anhielt, um dem schwer verwundeten Reuters-Angestellten zu helfen.

http://www.collateralmurder.org/file/imgiraq/mini_van.jpg

Der zerstörte Minivan der Familie, mit dem der Vater ein Familienunternehmen aufgebaut hatte und den Unterhalt bestritt.

http://www.collateralmurder.org/file/imgiraq/Sayad-and-Doaha.jpg

Sayad und Doaha während des Interviews 3 Jahre nach dem Tod ihres Vaters. Die beiden leiden noch immer an ihren Verletzungen; Unterstützung durch das US-Militär bekamen sie nicht - geschweige denn, dass man die Kosten für die Behandlung übernommen hätte.

Nachtrag 14: Das ganze Video wurde auf youtube innerhalb von 22 Stunden 161.000 Mal gesehen, die gekürzte Version 1,2 Millionen Mal.

Nachtrag 15: (danke an Juliano in den Kommentaren) MSNBC diskutiert






Julian Assange (WikiLeaks) bejaht die Frage, ob das Whistleblower Netzwerk noch ähnliche Videos habe. Konkret spricht er über einen Vorfall in Afghanistan letzten Mai, bei dem 97 Leute getötet wurden. Im Vorfeld der gestrigen Veröffentlichung wurde öffentlich spekuliert, dass sie dieses Video herausgeben wollten. Assange sagt, dass sie auch das Material hierfür zur Verfügung stehen haben, jedoch die Analyse noch nicht abgeschlossen ist. Erst danach wird es veröffentlicht werden.

http://lh4.ggpht.com/_jZ-QH6olEIY/S7tE9isCV3I/AAAAAAAAA80/sAsPOhkK5gw/Screenshot2010_04_06_16_27_22.jpg

Gesammelt für die Bearbeitungskosten des Afghanistanvideos (u.a.) wird hier. Persönlich ist mir zum wiederholten Male Julian Assanges ruhiger Ton sehr symathisch aufgefallen. Sowohl in der deutschen, viel mehr aber in der amerikanischen Berichterstattung herrscht oft eine grässliche Unruhe, einer unterbricht den anderen, die Moderatoren sprechen hektisch, haken bei der kleinsten Pause direkt ein. Das passiert auch bei ihm, aber sie lassen ihn im Endeffekt, wie auch hier wieder, ausnahmslos ausreden.

Weiterhin kommt Brett McGurk zu Wort, ein Politstratege (hauptsächlich Irak und Afghanistan), der während dem Zeitraum, in dem der Vorfall liegt, im Irak war und mit an der Kriegsstrategie arbeitete. Er wiederholt mehrfach, wie tragisch dies alles sei, weil es gegen die eigene/n Strategie/Ziele arbeite; jedoch müsse man bedenken, dass das hier gezeigte Gebiet eines der gefährlichsten im Irak sei. Es würden auch ab und an Helikopter abgeschossen. In die (mentale) Situation, wie sie hier gezeigt wurde, könnte jeder einfache Soldat verwickelt werden. Er betrachtet die Tötung der Zivilisten es mehr als tragisches, aber notwendiges Schicksal.

Aus seiner Sicht ist dies wohl alles legitim, weil er Krieg ansich als etwas "Normales" betrachtet und vollkommen unemotional an die Sache herangeht. Der Krieg als Schachspiel: Soll der König überleben, müssen eben ein paar Bauern fallen.

Tony Schaffer, ein Geheimdienstmitarbeiter, meint, dass von dem, was er gesehen hat, die Angriffsregeln klar verletzt wurden. Oberste Regeln: So wenig Waffen wie möglich, bei erster Gelegenheit Gefangene machen und befragen.

Glen Greenwald von salon.com (das waren mit die ersten, die gestern berichteten) meint, was wir gesehen hätten sei normal - aber genau darüber müsse man nachdenken: In der muslimischen Welt sieht man jeden Tag diese Videos, bei uns kennt man sie so gut wie gar nicht. Die Auswirkungen auf die allgemeine Moral dürften enorm sein.

Nachtrag 16: (mittlerweile 16:35, 06.04.) Als ich gerade den fundraising-tweet (siehe Nachtrag 15) sah fiel mir noch ein gutes Podcast zum Thema ein, dass ich vor ungefähr einer Woche fand. U.a. zur finanziellen Situation von wikileaks spricht auf Küchenradio.org Daniel Schmitt, der auch dem Freitag ein Interview gab.

Nachtrag 17: The New York Times berichten von den Reaktionen der Familie des getöteten Photographen. Im Folgenden übersetze ich wieder einen Auszug:

"Endlich wurde Wahrheit bekannt und ich bin glücklich, dass Gott die Wahrheit enthüllte.", sagte Noor Eldeen, der Vater des mit 22 Jahren getöteten Fotografen. "Wenn solch ein Ereignis in Amerika passieren würde, selbst wenn nur ein Tier auf diese Art und Weise getötet würde, was täten sie dann?"

"Meine Frage an die USA ist, wie hochspezialisierte amerikanische Piloten mit all ihren High-Tech-Informationen nicht eine Kamera von einem Raketenwerfer unterscheiden konnten", wird Namirs Bruder, Nabeel Noor Eldeen (Archäologieprofessor an der Mosul Universität), zitiert.

Ich bin am Ende der 300.000 Zeichen. Hier geht es weiter zu Teil II.

    19:26 05.04.2010
    Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
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