WikiLeaks - US-Armee tötete Zivilisten (Medienecho, Part II)

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18. (17 Uhr, 06.05.) Wow, das ZDF hat seit ca. einer Stunde auch endlich was. Für meinen Geschmack zu aufmerksamkeitsheischend für einen öffentlich rechtlichen Sender.

Ich frage mich nur, was das ZDF missverstanden hat, dass sie als Bildquelle reuters angeben. Die sind doch nicht tatsächlich diesen Umweg gegangen, um an Informationen zu kommen...?

ZDF-Suche - Ohne Worte: http://lh4.ggpht.com/_jZ-QH6olEIY/S7tXPCgMavI/AAAAAAAAA88/S6Mlqbs41R8/s512/Screenshot2010_04_06_17_45_04.jpg

19. (17.35) Fefe meldete sich übrigens vor ca.13 Stunden noch einmal zu Wort, ich kann nur nicken.

  • [l] Übrigens, Punkt am Rande: ihr habt ja hoffentlich alle das Wikileaks-Video gesehen. Nun stellt euch mal vor, wir hätten Jugendschutz-Internetzensur. Viel jugendgefährdender als zerfetzte Leichen auf Snuff-Videos geht ja wohl kaum. Das wäre schneller weg als ihr Tagesschau sagen könnt!

    Oder stellt euch mal vor, das wären deutsche Soldaten, die da wild Leute umballern würden, und unsere Regierung hätte eine Zensurinfrastruktur am Start.

20. Wieso kann das ZDF nicht so etwas bringen, wie die taz bereits heute morgen um halb 10? Erst Hintergrundinformationen zu WikiLeaks, dann zu dem Vorfall. Sauber strukturiert.

"Auf WikiLeaks.org steht vieles, was eigentlich niemand wissen darf: Geheimdienstdokumente oder Studien, die von Regierungen in Auftrag gegeben wurden, zu unbequemen Ergebnissen kamen und in den Giftschrank verbannt worden sind. Immer wieder findet sich in den inneren Zirkeln von ökonomischer und politischer Macht jemand, den moralische Bedenken dazu antreiben, der Öffentlichkeit diese Informationen nicht länger vorzuenthalten. Als Plattfom für diese so genannten undichten Stellen wurde die spendenfinanzierte Webseite von Bürgerrechtlern, Journalisten und Internetaktivisten gegründet."

21. Der Spiegel brachte vor ca. 3 Stunden ebenfalls einen Artikel heraus (danke an Alien für den Hinweis.) Klasse Artikel, gut zusammengefasst, auch, wenn Ulrike Putz scheinbar nur das kurze Video gesehen hat.

Der Artikel bei der FAZ (hier danke an leeelah für den Link) kam mir direkt seltsam bekannt vor:

http://lh6.ggpht.com/_jZ-QH6olEIY/S7tb3zrrMrI/AAAAAAAAA9E/XEuFmk_cEk0/Screenshot2010_04_06_18_05_32.jpg

Mit apn bedeutet wohl, dass zumindest der erste Absatz komplett gleich ist, weiter habe ich gerade noch nicht gelesen, ich hasse es wortgleichen Kram noch einmal durchzukauen.

Die Frage ist jetzt nur, wo ich es heute schonmal gelesen habe. Eine google-Suche bringt auf die Schnelle nicht weiter, inzwischen haben alle diesen Artikel: Stern, yahoo, weiß der Teufel. Mir wäre das als Qualitätsmedium oder auch ohne "Qualität" davor ja peinlich.

Warum eigentlich "Bildmaterial: youtube.com"? Arbeitet Assange auch für den google-Konzern oder saß google mit im Helikopter?

22. Sogar Sat.1 bringt den apn-Artikel, die ARD hat um ca. 18.30 Uhr am 06.04. noch immer nichts.

[Korrektur um 20:05] Die ARD hat seit 18.07 Uhr ein Video online. Danke an reeracc für den Hinweis. Die interne Suchfunktion der ARD lässt also zu wünschen übrig - wieder was gelernt...

Meine Kopfhörer streiken gerade, ich schreibe, wenn ich noch was zu sagen habe, noch etwas, wenn ich das Problem behoben habe :)

23. sueddeutsche.de wartet mit einem kurzen Kommentar sowie einem sehr guten, kritischen Artikel auf. Hier der letzte Absatz:

Selbst der Versuch, Wikileaks zu kriminalisieren, indem man die Publizierung jener Videos als Gefahr für die nationale Sicherheit abstempelte, scheint vergeblich: Das Portal hat ein weiteres geheimes Video angekündigt, auf dem ein tödlicher Angriff auf Zivilisten in Afghanistan zu sehen sein soll.

24. Die ZEIT hat auch einen wunderbaren Artikel, direkt als ersten auf der Startseite - nur leider viel zu kurz. Er hätte entweder einer Verlängerung bedurft oder aber in zwei geteilt werden müssen - denn zwei Drittel des Textes behandeln die aktuellen Vorfälle in Afghanistan (u.a. zwei Schwangere und eine 18jährige tot, die Vorgehensweise scheint die gleiche gewesen sein; nur diesmal ohne Helikopter). Das letzte Drittel geht viel zu kurz auf wikileaks ein, quasi im Vorbeischlendern als Bestätigung des vorangegangenen Falles.

Besäße der Fall keinerlei Aktualität, wäre dagegen ja nichts einzuwenden, im Gegenteil. Aber auch die Zeit scheint noch nicht verstanden zu haben, welch hochkarätigen, kostenlosen Informanten sie gewinnen könnte, wenn sie ein wenig Werbung für WikiLeaks machte. Je mehr Menschen die Organisation kennen, desto mehr können spenden, desto besser kann gearbeitet werden.

25. (20:22 Uhr) Noch einmal zu dem ARD -Video (s.22.): Das ist doch wohl ein Witz, oder? Da hätten sie es auch direkt sein lassen können. 35 Sekunden heiße Luft. wikileaks ist nicht mehr als eine "Internetseite", US-Medien "gehen davon aus", dass das Video echt sei, obwohl das der Stand von gestern Nachmittag ist. Spätestens seit heute Vormittag , eigentlich aber schon seit BreakingNews die Nachricht vor 21 (!!) Stunden twitterte, ist klar, dass das Militär die Echtheit bestätigte.

26. Zwei Twitter Screenshot von kurz vor 21 Uhr

http://lh5.ggpht.com/_jZ-QH6olEIY/S7uFIUaQ7BI/AAAAAAAAA9Q/pYCYVxy3EzI/Screenshot2010_04_06_21_00_36.jpg

http://lh4.ggpht.com/_jZ-QH6olEIY/S7uFIMlwFkI/AAAAAAAAA9M/Bzt9W23L0gQ/Screenshot2010_04_06_20_46_44.jpg

27. ARD, Klappe die Dritte: Nun (kurz nach 21 Uhr) gibt es einen guten Bericht hier.

28. Hier und hier ein wenig schwarzer Foto-Humor (mal wieder via Fefe s.19))...

29. "Heute schon gekotzt?"

SubjektivObjektiv hat scheinbar die Kommentare unter dem Video gelesen (was ich mir nicht angetan habe, Asche auf mein Haupt) und dies hier gefunden:

"We didnt ask these fools to knock down the twin towers. Ya, Iraq had nothing to do with 9-11, but the bottom line is we invaded them to send a message to other countries."

"Wir haben diese Idioten nicht darum gebeten die Zwillingstürme einzustampfen. Klar, der Irak hat nichts mit 9/11 zu tun, aber die Quintessenz des ganzen ist doch, dass wir angriffen, um anderen Ländern die Botschaft rüberzubringen."

30. Telepolis fügt den Vorfall in einen größeren Rahmen ein:

Über den Einzelfall hinaus zeigt das Video das Grundübel des Krieges im Irak: die vermeintliche Bedrohung, auf die mit aller Waffengewalt, die zur Verfügung steht, reagiert wird, gnadenlos. Dass die Gruppe von Männern, die, wie auf den ersten Bildern zu sehen ist, in Zivil und in lockerer Gangart eine Straße queren, eine Bedrohung darstellen, erschließt sich nämlich nicht so eindeutig, wie es der Funkverkehr der Hubschrauberbesatzung ohne jeden Anflug von Zweifel konstatiert und eine tödlichen Abfolge in Gang setzt: "Individuals with Weapons"..."Request permission to engage"... "Lets shoot" - die vermeintliche Schusswaffe, die der "fucking prick", der Reutersfotograf, an der Schulter hängen hat, ist eine Kamera, wie sich später herausstellt. Hätte man dies früher erkennen können? Und hätte das den Ablauf verändert? (Einzufügen wäre an dieser Stelle, dass bei den Männern, die weiter hinten auftauchen, ebenso nicht klar ersichtlich ist, was sie in den Händen halten, der Verdacht, dass es Waffen sein könnten, ist aber gegeben.)

(...)Auch hier erhebt ein Monster des "gerechten Irakkrieges" sein gräßliches Haupt: die Vertuschung wahrer Umstände, der Wille mit aller Macht am offiziellen Zerrbild festzuhalten. Was sich schon in der Vorbereitung auf den Waffengang im Irak zeigte, wird hier in Details noch einmal durchdekliniert. Etwa an der Art, wie amerikanische Geheimdienste in diesem Fall versuchten, mit massiven Drohungen gegenüber WikiLeaks die Veröffentlichung des brisanten Dokuments zu verhindern.

31. salon.com (siehe mein erstes Blog, msnbc-Video [Nachtrag 15]) hat einen Artikel, der die Fehler in der NYTimes und dem Weekly Standard aufdeckt und zeigt, wie Unwahrheiten in der Presse gestreut werden. Übersetzung wird leicht Schachtelsatz-mäßig, um den genauen Sinn beizubehalten:

Elisabeth Bumiller von den New York Times impliziert stark, das WikiLeaks nicht das gesamte Video herausbrachte, sondern selektiv editierte:

Reuters hatte sich lange um die Herausgabe des Videos bemüht. Es besteht aus 38 Minuten schwarz-weiß Luftaufnahmen und Gesprächen zwischen den beiden Apache-Piloten während sie das Feuer auf Personen in einer Straße in Bagdad eröffnen.

Während einer Pressekonferenz im National Press Club sagte WikiLeaks, dass es das Video von Whistleblowern innerhalb des Militärs erhalten und gesehen hatten, nachdem sie es geschafft hatten den Verschlüsselungscode zu knacken. WikiLeaks kürzte das Video auf 17 Minuten.

Das brachte Bill Roggio von The Weekly Standard dazu, auszurufen: "Wikileaks zensiert 21 Minuten des Bagdad-Angriff-Videos". Dann fügte er anschuldigend hinzu:

Ein New York Times-Artikel bestätigt tatsächlich, dass das Video geschnitten wurde. Das Band enthält noch weitere 21 Minuten (...).

Warum also gab WikiLeaks nicht das ganze Band heraus? WikiLeaks rühmt sich dafür, vollständige, verifizierte Dokumente freizugeben. Daher ist es seltsam, dass sie entschieden haben lediglich einen ausgewählten Part des Bands zu zeigen.

Das US-Militär behauptet, dass eine Einheit in der Nähe unter Beschuss stand. Tatsächlich sagte die AR 15-6 (Untersuchungseinheit des Vorfalls), dass "ungefähr einen Block entfernt" auf eine US-Einheit gefeuert worden sei bevor die Helikopter begannen auf irakische Kämpfer zu schießen, während diese sich versammelten.

WikiLeaks sollte das gesamte Band - und nicht nur selektiv ausgewählte Portionen - veröffentlichen und diese Kontroverse damit beenden.


32. Chriguh wies mich via twitter (übrigens nicht nur auf das ausführlichere ARD-Video sondern auch) auf einen Artikel in standard.at hin. Hier findet sich eine wortwörtliche Übersetzung von Julian Assanges Statement, dass ich im vorherigen Blog zusammenfasste.

Dass echte Militante eher nicht so gemächlich durch die Straßen Bagdads spazieren, wenn ein US-Apache-Kampfhubschrauber über ihren Köpfen kreist, war für die US-Soldaten kein Grund, an der Richtigkeit ihrer Annahmen zu zweifeln. Wikileaks-Direktor Julian Assange: "Das Verhalten der Piloten ist wie in einem Computerspiel. Als Saeed (der Chauffeuer, Anm.) am Boden liegt und nichts mehr tun kann, war ihre Reaktion: komm schon, wir wollen dich töten, greif zu einer Waffe. Es scheint, als dachten sie nur an ihren Spielstand."

33. Spreeblick meint, dass es normal ist, dass die Soldaten sich wie in einem Computer-Spiel verhalten.

Eingeschworen darauf, dass es sich bei den Menschen dort unten um ihre Feinde handelt, schweben sie über dem Geschehen. Wen sie beschießen, sehen sie nur auf einem Bildschirm. Gesichter kann man darauf nicht erkennen, die Personen am Boden sind aus dieser Perspektive genauso virtuell und anonym wie gegnerische Avatare in einem Videospiel. Dabei bleibt es unverzeihlich, aber natürlich gewollt, dass diese jungen Amerikaner ihre Situation nicht durchschauen, sondern genau so annehmen.

Zwar dachte auch ich direkt an ein Computerspiel, und die Soldaten scheinen sich tatsächlich so zu verhalten. Natürlich ist auch der Bezug umso kleiner, je mehr Technik zwischen den Menschen ist. Trotzdem weiß jeder, dass da unten Menschen laufen - nur je nach Hintergrund und Erfahrungen der einzelnen Soldaten werden diese gewiss unterschiedlich darauf reagieren. Sie sind nicht vollkommen durch die "Propaganda" der Regierung oder des Militärs "ferngesteuert" und merken nichts mehr. Nur ein Unterschied:

Menschen, die vollkommen realisiert haben, was sie da tun müssten und die unter Toden leiden werden sich wohl kaum für die Army melden. Alle anderen versuchen eben irgendwie mit der Situation klar zu kommen, wenn sie dieser plötzlich mit aller Wucht ausgesetzt sind.

Ich möchte nicht entschuldigen. Aber wer weiß, was die Soldaten, die wir in dem Video hören, schon für (lebensgefährliche) Situationen durchgemacht haben. Und wie sehr sie selbst später darunter leiden. Wer kennt nicht diese Situation, in der man anfängt zu lachen, obwohl es eigentlich gar nichts zu lachen gibt...

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34. Anthony schreibt in seinem Blog "A Look Inside" einen Insider-Bericht eines ehemaligen Soldaten. Dabei kritisiert er WikiLeaks für ungenaues Arbeiten bzw. absichtliches Verschweigen wichtiger Details. Es folgt eine Übersetzung einiger Auszüge.


"Direkt zu Beginn werde ich deutlich: Ich unterstütze WikiLeaks in ihren Bemühungen, die Regierungsgeschäfte transparent zu machen. Die Regierung verspricht dies, versagt aber immer wieder. Nachdem ich dies gesagt habe, muss ich anfügen, dass ich einige Probleme mit der Präsentation des Videos “Collateral Murder” habe.

Denjenigen, die nichts über meinen Hintergrund wissen, sei gesagt, dass ich eine relativ lange Zeit (eine zurückhaltende Schätzung ergibt ca. 4500 Stunden) mit der Analyse von Luft-Filmaufnahmen aus dem Irak zubrachte. Ich bin mir sicher, dass man meine Stimme in einigen Funkübertragungen mit verschiedenen Militär-Luftfahrzeugen hören kann, weil ich sie während meinen 24 Monaten im Irak öfter zur Unterstützung der Bodentruppen herbeigerufen habe als ich auch nur annähernd schätzen kann. Ich brauche keine Rückversicherungen um die Präsenz eines RPG7 oder AK-variant-Gewehrs zu bestimmen, auf keinen Fall jedoch von einer so tief fliegenden Maschine wie Apache-Helikopter (selbst nachdem das Video auf eine Dimension reduziert wurde, in der es so gut wie nutzlos ist). (...)

Wenn man Quellenmaterial als ein Hauptbeweisstück präsentiert, ist es höchst unverantwortlich, Variablen, die nicht darin auftauchen, nicht kenntlich zu machen. Wenn man sogar die Zeit hat, bestimmte Dinge n besagten Quellen besonders zu unterstreichen, kann man auch sicher stellen, dass alle Schlüsselelemente die Aufmerksamkeit des Zuschauers bekommen.

WikiLeaks versäumte es, diese Dinge mit dem Video zu tun, weil sie die Position und die Bewegungen des ermordeten Reporter und Fotografen betonend deren Begleitung vollkommen ignorieren. Außerdem ist bis zu dem Auftauchen der Bodentruppen nicht klar, wo exakt sich diese im Verhältnis zu "Crazyhorse 18" befanden. Ich kann das aufgrund meines Hintergrunds wahrscheinlich ziemlich gut einschätzen. Aber ich gehe davon aus, dass das selbe nicht von der großen Mehrheit der WikiLeaks-Zielgruppe gesagt werden kann.

Zwischen 3:13 und 3:30 ist mir - als einem ehemaligen Infanterie-Unteroffizier und Fotograf - ziemlich klar, dass die beiden Männer in der Mitte des von der Helikopter-Kamera eingefassten Sichtfensters eine Fotografenausrüstung tragen. Das ist ebenfalls von WikiLeaks erkannt, aber von der Crew der "Crazyhorse 18" misidentifiziert worden.

Um 3:39 tragen die Männer, die nun mittig zu sehen sind, Waffen. Derjenige links hat ein AK variant, der andere, der mittig steht, ein RPG. Das RGP ist sogar in dem verkleinerten, niedrig aufgelösten Video zwischen 3:40 und 3:45 klar und deutlich zu sehen, als der es tragende Mann es erst entgegen des Uhrzeigersins und dann zurück in die Richtung des Apache-Helikopters dreht. Dies alles passiert ohne jegliche Anmerkung von WikiLeaks - und das ist absolut inakzeptabel.

Von 4:08 bis 4:18 misidentifiziert "Crazyhorse 18" ein weiteres Mal einen Mann, der aussieht als habe er ein Teleobjektiv bei sich, als jemanden, der ein RPG ausrichtet. Die tatsächliche Sachlage ist keinesfalls gefährlich, aber der hier angenommene Fall repräsentiert eine der Haupt-Gefahrenlagen, der ein Luftfahrzeug als auch die verbündeten Bodeneinheiten ausgesetzt sein können. Das ist der Moment, als die Entscheidung anzugreifen aus einem Fehler heraus fiel. (...)"

Im Weiteren betont er, dass der Angriff des Vans tatsächlich grundlos geschah, dass er es jedoch genauso schlimm fände, grundlos zu schießen wie sehenden Auges wichtige Details zu verschweigen, die die Situation relativieren.

Ich stimme vollkommen mit ihm überein, dass WikiLeaks auf keinen Fall aus Marketing-Strategien bestimmte Dinge verschweigen darf. Ich werde mir das Video noch einmal anschauen, auch, wenn ich von Militärstrategie nicht die leiseste Ahnung habe.

Hier offenbart sich wieder ein Dilemma als auch der Grund für mein vorher in Form von Kommentaren im ersten Teil geäußertes Unbehagen Deutungen gegenüber. Einerseits "lenkt" WkiLeaks damit; wenn wahr ist, was ich hier übersetzt habe, ist das nicht korrekt. Andererseits: Ist es einem Laien möglich ohne Kommentare zu erkennen, was wo wie wann genau vor sich geht? Ist er nicht immer auf Experten angewiesen, damit er nichts missdeutet?

Aber wie auch immer, es bestätigt im Gesamten mal wieder meine Meinung: Beendet diese ganzen irrsinnigen Kriege, in denen man nichts lernt als zu misstrauen und dass man besser den anderen tötet, bevor man selbst einen Kopf kürzer gemacht wird. Fehler machen alle, und schwups ist jemand "aus Versehen" tot. Ach wie schade. Kann man das nicht bitte direkt sein lassen?

35. Russia Today empfindet die miese Berichterstattung innerhalb der ersten 24 Stunden ebenfalls als eine Zumutung.

Während der WikiLeaks Pressekonferenz waren laut der Korrespondentin Christine Frazao auch die großen Medienhäuser vertreten. Aber Russia Today geht davon aus, dass sich eine Story wie Tiger Woods besser verkauft, weil sie die klassischen Themen Geld und Sex beinhaltet. Verteidigt werde dieser Schritt von den meisten Medien damit, dass man dem Publikum und vor allem den betroffenen Familien diese Bilder nicht zumuten wolle. In Wahrheit hätten die meisten Journalisten aber einfach Angst davor, ihre Lizenz zu verlieren, falls Beschwerden bei der FCC eingingen.






36. Fritz Teich merkt in den Kommentaren des ersten Blogs an:

Man sollte bei alledem nicht vergessen, dass sowas andauernd passiert. Die Wikileaks Filmchen duerfen nicht von der Normalitaet von Drohnenangriffen auf das falsche Haus zur falschen Zeit und Faellen wie Kundus ablenken, ganz abgesehen von der Feinderklaerung, warum erschiessen sie Taliban?

37. Mein erster Lacher nach dem Aufstehen heute (07.04.) war folgende Überschrift von salon.com:

Military can't find its copy of Iraq killing video

After being pressed to release its version of the WikiLeaks clip, U.S. CENTCOM says it can't locate the footage

http://lh4.ggpht.com/_jZ-QH6olEIY/S71rekNAxZI/AAAAAAAAA9s/TmB5YRQbgwk/Screenshot2010_04_08_07_34_15.jpg

In dem AP-Artikel berichten Pauline Jelinek und Anne Flaherty über einen weiteren peinlichen Zwischenfall für das Militär: Dieses gab zwar nach Öffentlichwerden des Videos neue Dokumente, aber nicht ihre Version des Filmes heraus. Auf Nachfrage stellte sich heraus, dass man es selbst trotz angestrengter Nachforschungen nicht finden [sic] und somit auch seine Echtheit nicht 100%ig öffentlich bestätigen könne - dazu müsse man sowohl Bild- als auch Tonmaterial zuvor abgleichen.

So wie es aussieht, brauche ich einen Teil III.

17:28 06.04.2010
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gerhardhm | Community
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