Milliardäre erobern das All

Weltall Die Kommerzialisierung des Weltalls hat begonnen, die Pioniere sind die Milliardäre unserer Zeit.
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Mittlerweile ist Jeff Bezos ganz oben angekommen. Der Gründer von Amazon ist auf der Welt der reichste Mann. Zudem ist er seit kurzer Zeit einer von insgesamt 587 Menschen, welche die Erde vom All aus gesehen haben. Der US-Amerikaner hat mit Blue Origin, seiner Raketenfirma, auf diesen Moment 20 Jahre hingearbeitet. Dafür hat Bezos Milliarden aus seinem Privatvermögen ausgegeben. Der Flug dauert am Ende keine elf Minuten. Jeff Bezos und die drei Begleiter verbrachten lediglich dreieinhalb Minuten in der Schwerelosigkeit. Mit Sicherheit war die Aussicht einmalig.

Doch war das all die Mühe wert? Es fällt auf den ersten Blick einfach, zu verneinen. Der Flug von Bezos hat für zahlreiche Zuschauer wohl wie ein Egotrip eines Superreichen gewirkt, welcher sich um die Probleme der Welt nicht weiter schert. Beim britischen Milliardär Richard Branson war es ähnlich, der schon einige Tage davor mit seinem Unternehmen Virgin Galactic ins All flog.

In erster Linie geht es Branson darum, in der Zukunft mit Touristen Geld zu verdienen. Doch Jeff Bezos hat einen anderen Plan. Der Menschheit möchte er eine zweite Heimat bringen: Er möchte den Menschen die Weiten des Alls bieten, wo es für bewohnte Raumstationen unendlich viel Platz gäbe. Befürworter von der Idee sagen, dass in solchen Weltraumstädten ein geradezu paradiesisches Leben möglich sei, mit einem Güterkreislauf, worin jedes Atom recycelt werde und perfektes Wetter vorhanden wäre.

Fast wirkt das alles größenwahnsinnig, ähnlich wie aus einem abgedrehten Science-Fiction-Film. Auch wirft das ethische Fragen auf. Weshalb sollte all das Geld, das für solche Projekte nötig wird, nicht auf der Welt investiert werden? Aus welchem Grund sollte der Mensch Risiken eingehen für eine spekulative, ferne Zukunft, wenn das Jetzt lebenswerter sein kann? Zwar erfordert die Antwort Fantasie, doch dadurch wird diese nicht weniger verständlich: Schließlich können sich solche Projekte am Ende auszahlen. Sicherlich, in heutiger Zeit ist es sündhaft teuer, in das Weltall Menschen zu bringen. Sofern dieser Umstand eines Tages jedoch anders aussehen könnte, würden sich dadurch der Menschheit Möglichkeiten eröffnen, welche sie eventuell noch braucht.

Vielleicht ist die Erde der Ort, an dem sich die Spezies Mensch entwickelt hat. Die Menschen können auf der Erde ohne technische Hilfsmittel frei atmen, Getreide anbauen, aus Flüssen trinken und die Atmosphäre schützt vor der Strahlung aus dem All. Die Erde ist jedoch nicht unzerstörbar. Ein Atomkrieg macht die Welt eventuell irgendwann unbewohnbar. Oder es prallt ein riesiger Asteroid auf die Erde und die Zivilisation wird in die Steinzeit zurückgeworfen. In heutiger Zeit mag all das weit weg erscheinen. Spätestens seit dem Corona-Virus ist aber eindeutig, dass es sich lohnt, sich auf eher unwahrscheinliche Ereignisse zur Sicherheit vorzubereiten. Besonders dann, wenn diese Ereignisse dramatische Folgen aufweisen würden.

00:56 17.08.2021
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Geschrieben von

Catarina Preusche

Seit 2016 Krankenschwester, wohnhaft in Hagen, Deutschland.
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