Olympiasportler brauchen Seelsorge

Sport Hinter den Kulissen der Olympia kommen Sportler durchaus an ihre Grenzen, Hilfe muss hier möglichst schnell geleistet werden.
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Priester Mirco leitet seit einem Monat in Tokio die deutschsprachige Gemeinde St. Michael. Vor Ort hat er während der Olympischen Spiele für deutsche Sportlerinnen und Sportler bei der Seelsorge geholfen.

Wenn in Tokio Mirco auf der Straße unterwegs ist, dann bemerkt er, dass er in diesem Land als ein Fremder wahrgenommen wird. Er meint auch, dass zahlreiche Einheimische eventuell der Ansicht sind, er sei in der Stadt lediglich aufgrund der Olympischen Spiele anwesend. Der 43-jährige Priester sagt, dass die Menschen in Tokio sehr freundlich und offen seien, ihm weiter helfen würden, wenn er eine Straße oder einen Bahnsteig suche. Allerdings sei ebenso der höfliche sowie bestimmte Abstand spürbar, den wegen der immer noch anhaltenden Corona-Pandemie zahlreiche Japaner halten.

Seinen Wechsel nach Tokio von Gelsenkirchen hatte die Pandemie etwas verzögert und er erhielt gleich nach der Anreise eine besondere Aufgabe. Mirco Q. erklärt, dass die deutschen Seelsorger für Olympia nicht einreisen durften. Vor Ort hätte ein evangelisches Ehepaar und er ausgeholfen. Der Priester kann vom Balkon seiner Wohnung aus das Olympiastadion sehen und er konnte von dort aus von der Eröffnungsfeier das große Feuerwerk verfolgen.

Zu den Olympiasportlern und dem sportlichen Großevent war mehr Nähe nicht möglich, da die Sportler das Olympiadorf nicht verlassen durften und die Seelsorger dort nicht rein durften. Mirco Q. sagt, dass nur ein Notfallseelsorger dort erscheinen durfte, zum Beispiel bei dem plötzlichen Tod einer Person, was natürlich ein absoluter Extremfall sei, welchen keiner erleben wolle. Auf Abstand versuchte der Priester, die Seelsorge so gut wie möglich zu leisten und per Videobotschaft stellte er sich allen deutschen Sportlern persönlich vor und er war über zahlreiche Kanäle wie Messengerdienste, Mail oder Videochat erreichbar.

Mit den Sportlern schaltete er sich dann per Videokonferenz zusammen und sprach mit ihnen über das, was sie bewegte. Mirco Q. sagt, dass einige Sportler sich bei ihm meldeten, um innerhalb der Wettkämpfe von ihren Enttäuschungen und Hoffnungen zu erzählen. Andere hätten ihn darum gebeten, in der Kirche vor ihrem großen Moment eine Fürbitte zu sprechen oder eine Kerze anzuzünden. Für zahlreiche Sportler war die Isolation eine weitere Herausforderung gewesen, sie waren traurig darüber, dass sie das Dorf zu keinem Zeitpunkt verlassen durften. Sonst war für einige Sportler gerade vor Ort der persönliche Besuch von einer Kirche innerhalb der Wettkampfroutine ein wichtiger Anziehungs- und Ankerpunkt. Schon nach den ersten Tagen hat Mirco Q. festgestellt, dass auf jeden Fall ein Bedarf nach solchen Gesprächen vorlag, auch wenn es erneut ein „Faith Centre“ in diesem Jahr im olympischen Dorf gab. In der Kirche von St. Michael brannte während der ganzen Olympischen Spiele sowie Paralympischen Spiele eine große Kerze, welche Mirco Q. angezündet hatte. Er sagt, dass das ein Zeichen gewesen sei, dass sie als eine Gemeinde und er als Pfarrer für die Sportler da seien, obgleich diese nicht zu ihnen kommen konnten.

23:24 17.08.2021
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Geschrieben von

Catarina Preusche

Seit 2016 Krankenschwester, wohnhaft in Hagen, Deutschland.
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