Wider die Berlusconisierung der deutschen Politik

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Eines vorweg: Silvio Berlusconi ist als Staatszersetzer ein ganz anderes Kaliber als Guido Westerwelle. Gegen ihn, dem man höchste kriminelle Energie und völlige Skrupellosigkeit absolut zutraut, wirkt Westerwelle wie ein biederer Kleinganove. Und während Berlusconi auf eigene Rechnung arbeitet, ist Westerwelle ja nur der Büttel seiner Parteispender.

Trotzdem hilft ein Blick über die Alpen um einige Parallelen zur derzeitigen politischen Situation in Deutschland aufzuzeigen, denn in Italien ist die Zerschlagung des Staates durch eine skrupellose und mafiadurchsetzte Geld- und Wirtschaftselite bereits weiter fortgeschritten. Viele Grundpfeiler des öffentlichen Lebens sind bereits kaputt gespart. Universitäten und Schulen sind marode, während das Privatfernsehen Belusconischer Prägung die letzten Reste von Bildung langsam zersetzt. Westerwelles Hinweis auf ‚spätrömische Dekadenz’ war also insofern zielführend, als dass man in Rom gut studieren kann, wohin der Raubbau am Gemeinwesen auch in Berlin führen wird.

Das Beispiel Italien lehrt aber vor allem einiges über das Versagen des linken Flügels, das hier die ‚Berlusconisierung der Politik’ genannt werden soll: nur die Zerstrittenheit der Linken und der daraus folgende Verzicht auf eine reale Machtperspektive ermöglicht es, dass rechte Staatszersetzter in Regierungsämter gespült werden und dort ihr zerstörerisches Werk entfalten können. Das linke Lager hat auch in Deutschland so lange eine Mitverantwortung für die Misere, bis es die beleidigte und selbstzerfleischende Nabelschau aufgibt und endlich wieder Machtpolitik betreibt. Selbst das geneigte Publikum ist die entwürdigenden Schauspiele aus Hessen, Thüringen und dem Saarland leid und schaut angewidert nach NRW, wo trotz bester Umfrageergebnisse die Macht schon wieder verweigert wird. Wären wir nicht alle betroffen, könnte man hämisch sagen: wer so agiert, hat Westerwelle verdient.

07:41 12.02.2010
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Geschrieben von

Ceterumcenseo

Kritisches Querdenken heisst manchmal auch daneben liegen...
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