„Ich möchte die CDU zur modernsten und digitalsten Volkspartei machen“

Sprechstunde Laut dem CDU-Generalsekretär Mario Czaja dürften sich die Fehler aus der Flüchtlingswelle von 2015 nicht wiederholen.
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Mario Czaja hat große Visionen für Marzahn-Hellersdorf: Konkret will der CDU-Politiker dazu beitragen, dass der Bezirk im Berliner Osten zu einem Standort für saubere Technologien wird. Das sagte er am 06. April zur morgendlichen Stunde bei der bwg sitzungswoche Sprechstunde in der „Ständigen Vertretung“ in Berlin. „Marzahn-Hellersdorf hat enorme Möglichkeiten, dass sich hier viele Unternehmen ansiedeln“, so Czaja. Dabei betont er, dass der Bezirk mit rund 300 Hektar das größte zusammenhängende Industrie- und Gewerbegebiet habe – eine Fläche, die damit größer sei als Tegel und Tempelhof zusammen. Jedoch fehle es noch schlicht an Arbeitsplätzen.

Seine besondere Verbindung zu dem Bezirk zeigt sich in seinem Lebenslauf. Geboren und aufgewachsen ist Czaja 1975 in Mahlsdorf. 1995 beendete er das Gymnasium mit Mittlerer Reife, absolvierte anschließend eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann bei der Nürnberger Versicherung. „Das waren sehr stürmische Jahre für mich“, sagte Czaja. Während seiner Tätigkeit bei der Unternehmensgruppe Gegenbauer studierte er von 2006 bis 2010 berufsbegleitend Betriebswirtschaftslehre an der Technischen Hochschule Wildau.

Bereits 1993 begann Czaja sich politisch zu engagieren, zunächst als Mitglied der Bezirksverordnetenversammlung von Hellersdorf. 1999 wurde er erstmals im Wahlkreis Kaulsdorf-Mahlsdorf direkt in das Berliner Abgeordnetenhaus gewählt, dem er bis 2021 ohne Unterbrechungen angehörte. Auf die Frage, was ihn damals politisierte, antwortete Czaja, dass es 1989 nichts Normaleres als die Wiedervereinigung Deutschlands gab. „Für mich war es unnormal, dass Westberlin im DDR-Atlas nur ein grauer Fleck war“, sagte Czaja. „Westberlin war für mich eine nicht erklärbare Situation. Wie kann man da wohnen und nicht rauskommen? Warum darf ich da nicht hin?“ Deshalb habe er früh angefangen, sich in der Jungen Union zu engagieren.

1992 hat er eine Junge Union in Marzahn-Hellersdorf gegründet und kam schnell auch in den Vorstand der CDU. Seit 2006 ist er parlamentarischer Geschäftsführer der CDU. Im Januar 2022 wurde er zum Generalsekretär gewählt. Von 2011 bis 2016 war er unter anderem Gesundheitssenator und trug 2015 bei der Flüchtlingswelle die Verantwortung für das Landesamtes für Flüchtlingsangelegenheiten (LAGESO). „Das war die größte Herausforderung meiner Amtszeit“, sagte Czaja.

Die damaligen Fehler sollten laut Czaja nicht wiederholt werden. Dass Turnhallen zur Unterbringung der syrischen Flüchtlinge genutzt werden mussten, sei „bittere Notwendigkeit“ gewesen. „Wir haben die Dinge nicht groß genug gedacht“, räumt er weiter ein. Deshalb sei er umso dankbar, dass er gemeinsam mit Katja Kipping (Die Linke) und Franziska Giffey (SPD) erörtern konnte, welche Schlüsse man aus den Erfahrungen von damals zieht. Dabei betonte er positiv, dass alle im Senat an einem Strang ziehen. Außerdem sei er froh, dass er als Präsident des Berliner Landesverbandes des Deutschen Roten Kreuzes dazu beitragen konnte, dass sich diese Fehler nicht weiderholen. „Stattdessen haben wir mit Tegel ein Ankunftszentrum geschaffen und damit aus den Fehlern meiner Amtszeit gelernt“, sagte Czaja.

Unterdessen sprach Czaja auch über seine Visionen für die CDU Deutschland „Ich möchte gerne, dass die CDU wieder modernste Volkspartei Europas wird“, sagte er. Bürger sollen bei der Partei mitarbeiten können, auch wenn sie nicht zwingend Mitglieder der CDU sind. Projektbezogen sollen die Bürger mit eingebunden werden. Weiter sollen digitale Instrumente genutzt werden, sodass Entscheidungen schneller und besser vorbereitet werden können. „Ich möchte die CDU zur modernsten und digitalsten Volkspartei machen“, so Czaja.

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bwg sitzungswoche Sprechstunde ist eine Veranstaltung vonsitzungswoche– dem unabhängigen Netzwerk für Politik, Wirtschaft und Medien und derberliner wirtschaftsgespräche e.v., in Kooperation mit Ständige Vertretung Berlin, StäV Konzept- und Lizenzbüro, der Wöllhaf Gruppe, dem OSI-Club, Landau Media und dem Studio Schiffbauerdamm.

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Geschrieben von

Charlotte Bauer

Freie Journalistin in Berlin. Berichtet für die meko factory über Veranstaltungen.
Charlotte Bauer

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