Deutsche Industrie ist "Underperformer"

EU Wirtschaft Von Mai bis Juni 2021 haben Lieferengpässe und Materialknappheit die Produktion von der deutschen Industrie sinken lassen.
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Die Bilanz des ersten Halbjahres fällt jedoch trotz eines Rückgangs um 1,3 Prozent positiv aus: Von Januar bis Juni lag die Herstellung im verarbeitenden Gewerbe laut dem Statistischen Bundesamt im Vergleich zu dem ersten Halbjahr 2020 um 6,8 Prozent über der damaligen Bilanz, da das letzte Jahr 2020 stark von der Corona-Pandemie geprägt war.

Seit Jahresbeginn war das derzeitige Minus im Juni schon das dritte Minus in Folge und sogar insgesamt schon das fünfte. Es hatte lediglich im März ein Wachstum gegeben. Der Rückgang hatte von April auf Mai 0,8 Prozent betragen. Analysten hatten für Juni in der Produktion eigentlich mit einer Erholung gerechnet. Die Industrieproduktion lag im Vergleich zu Juni 2020 im laufenden Jahr 2021 um ganze 5,1 Prozent höher. Allerdings hatten Analysten auch hier insgesamt im Schnitt mit einem stärkeren Zuwachs gerechnet.

Hierzu teilte das Bundeswirtschaftsministerium mit, dass insbesondere in der Automobilindustrie Versorgungsengpässe bei Halbleitern maßgeblich für den Rückgang gewesen seien. Nach wie vor bereite das noch immer Probleme. Zudem sei das Baugewerbe aufgrund einer Bauholz-Knappheit ausgebremst worden. Nach Einschätzung des Ministeriums könnte die Bauholz-Knappheit bald überwunden sein.

Das Ministerium resümiert, dass insgesamt der Ausblick für die Industriekonjunktur aufgrund einer immer noch hohen Nachfrage etwas verhalten optimistisch bleibe. Von den Unternehmen werden ebenfalls die Exportaussichten nach wie vor positiv eingeschätzt. Thomas G., der VP-Bank-Chefvolkswirt, kommentierte, dass auch im Juni die Industrie die PS nicht auf die Straße bekomme. Zwar seien die Auftragsbücher gut gefüllt, doch davon könne die Industrie nicht vollständig profitieren. Dass sich zumindest im vierten Quartal 2021 die Situation etwas entspanne, bestehe Hoffnung. Falls der Materialfluss erneut ins Laufen käme, könne die Industrieproduktion endlich ihre Scharte auswetzen.

Im Grunde sind in den Industriebetrieben die Auftragsbücher gut gefüllt. Die Bestellungen legten allein im Juni im Vergleich zum Vormonat um 4,1 Prozent so stark zu wie in den letzten zehn Monaten nicht mehr. Aufgrund der Engpässe von wichtigen Vorprodukten wie zum Beispiel Mikrochips können diese jedoch vielfach nicht ausgeführt werden. Hierzu fand das Ifo-Institut heraus, dass nahezu zwei Drittel der Unternehmen innerhalb der ganzen Industrie angeben, dass Engpässe ihnen zu schaffen machten.

22:05 18.08.2021
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Geschrieben von

Charlotte P. Kraus

Echte Niendorfer Dirn
Charlotte P. Kraus

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