Mehr männliche Profis im Esport

Frauenquote Mit dem IEM findet in Polen (Katowice) eines der Höhepunkte im Esport-Jahr statt, allerdings wurde dieser Sportbereich von Frauen eher gemieden in der Vergangenheit.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Die 24 besten Teams im Bereich „Counter-Strike“ der Welt messen sich auf der großen Bühne der Arena (Spodek). Das Preisgeld beträgt eine Million US-Dollar. Es ist noch relativ offen, wer sich den Titel sichern wird. Gute Aussichten hat der Vorjahressieger Natus Vincere, doch diese müssen sich noch gegen die Dänen Astralis behaupten. Das Team Vitality sehen andere Experten vorne. Nur eines ist sicher: Am Ende wird die Siegprämie unter Jungs aufgeteilt – so, wie das im Esport immer ist.

Nicht nur bei dem Spiel „Counter Strike“ ist das so, sondern ebenfalls in anderen großen Titeln wie zum Beispiel „League of Legends“ oder „Dota 2“, sodass in der Weltspitze nur Männer spielen. Das müsste jedoch gar nicht so sein. Im Vergleich zu vielen klassischen Sportarten trennt der Esport nicht zwischen Wettbewerben, wo nur Männer oder nur Frauen zugelassen sind. Es gibt keine Vorgabe, dass Teams vollständig männliche Mitglieder haben, wie es in der Szene üblich ist. Diese könnten ebenso vollständig mit Frauen oder gemischt besetzt sein. Schließlich spielt im Esport der Theorie nach das Geschlecht keine Rolle. In der Praxis zeigt sich trotzdem, dass es immer noch eine Seltenheit im Esport ist, dass es weibliche Spieler an die Spitze schaffen.

Neben dem Turnier im Bereich „Counter-Strike“ gibt es noch einen Wettbewerb im Spiel „Starcraft 2“. Dieses Event wird in einer kleineren Nebenhalle ausgeführt, wo Sasha „Scarlett“ Hostyn, eine Kanadierin, antritt. Seit Jahren tritt sie oftmals als einzige weibliche Teilnehmerin mit Erfolg gegen die männlichen Teilnehmer der Szene an. Für Li „Liooon“ Xiaomeng, eine Chinesin, gilt das auch. Sie ist sogar im digitalen Kartenspiel Hearthstone amtierende Weltmeisterin. Bislang bleiben die beiden erfolgreichen Spielerinnen im Esport allerdings eher Ausnahmen. Auffällig ist: Beide haben es in Einzeldisziplinen zu Erfolg gebracht. Größere Wettbewerbe hingegen werden alle in Teams ausgespielt und darin wird weiterhin vergeblich nach Esportlerinnen gesucht.

Der Anteil von Spielerinnen ist in den letzten Jahren zwar beständig gestiegen und inzwischen sind es fast 50 Prozent innerhalb der Gesamtspielerschaft. Von dieser Entwicklung macht sich im professionellen Gaming-Bereich jedoch wenig bemerkbar. Teilweise ist dieser Umstand zurückzuführen auf Sozialisationsprozesse. Schließlich werden Mädchen und Frauen traditionell mehr zu kompetitivem und kooperativem Verhalten motiviert. Gerade in den Spiele-Vorlieben spiegelt sich das wider. Unter Gamerinnen bevorzugt lediglich ein verschwindend geringer Anteil (Ego-)Shooter und Sportspiele. Deshalb fallen gleich zwei der beliebtesten Esport-Genres weg. Die Professionalisierung innerhalb des Esports sollte weiter vorangetrieben werden und als eine sportliche Bewegung sollten klare Ziele gesetzt werden. Dadurch kann die Zukunft von dieser neuen Industrie Schritt für Schritt gebaut werden.

00:02 17.08.2021
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Charlotte P. Kraus

Echte Niendorfer Dirn
Charlotte P. Kraus

Kommentare