Geld regiert die Welt. Aber wer regiert das Geld?

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Der Volkswirtschaftsprofessor Bernd Senf weiss wo's brennt! Die Ungleichheit unter den Menschen wird erzeugt und aufrecht erhalten durch unser Zinssystem.
Nicht nur, dass es diametral dem Gedanken der Nachhaltigkeit wiederspricht, da die Endlichkeit der Ressourcen unserer Erde durch die stetige Forderung neuer Wachstumszuwächse konterkariert wird. Die Schuld, die durch Zinsen in die Welt kommt, lässt nur einen kurzsichtigen Blick zu, unter Auslassung der lebensrelevanten Parameter. Das System als ganzes betrachtet ist also ständig im Minus und irgendwer muss das Nachsehen haben, nur will niemand zu den Verlierern gehören. Der dadurch ausgelöste Stress ist bei Licht betrachtet eigentlich ein Sklavensystem, wird aber als Wachstumsmotor euphemisiert.
Die Realität wird so faktisch ausgeblendet – mehrheitlich leben die Menschen schlicht in einem geldbezogenen Wahn und vergessen dabei das, was uns zu Menschen macht: das Mensch sein unter Menschen.
Statt dessen tolerieren wir diesen Raubzug durch die Taschen der Bürger und der Volkswirtschaften. Die Mechanismen sind legalisiert und den meisten unbewusst. "VWL und Finanzen?" – "Das ist ja so kompliziert, trocken und doof." Das uns das nichts angehen soll, ist, nach Bernd Senf, kein Zufall, denn die Lehre von der Volkswirtschaft kennt die Begrenztheit der uns zur Verfügung stehenden Resourcen nur als preissteigernden Faktor und Umweltbelange werden gänzlich vernachlässigt. Sie dient als mathematische Verschleierung eines unmenschlichen Systems der Bereicherung.

Obwohl es einigen dämmert – viele Menschen wollen teilhaben am Wohlstand und der Macht. Sie orientieren sich nach 'oben'. In dieser Ausrichtung erleben sie ihren Wohlstand subjektiv als relative Armut und neiden den Armen die, durch das solidarische System finanzierte, Sozialhilfe. Wo vergessen wird, dass auch Verlierer entstehen, wenn es Gewinner gibt, steht die Aufkündigung der Solidargemeinschaft unmittelbar bevor.

Das System der Profiteure hat uns gekauft. Damit wir mitspielen und den Konsum aufrecht erhalten, bekommen wir auch was ab und lassen dafür den humanistischen Ballast fallen.
Aber die echten Profite werden ganz 'oben' gemacht. Die Häufung von massiven Finanzkrisen und die zeitgleichen, enormen Gewinnzuwächse der obersten Einkommensklasse sind kein Zufall oder das Versagen Einzelner. Es gab selten so viele Anhaltspunkte für die Ausplünderung der Volkswirtschaften.

Und da ist auch keine Verschwörung am Werk. Ausser man wollte den Finanzakteuren kollektiv das Böse unterstellen. Es ist aber einfacher, wirksamer weil in der Motivation triebhaft angelegt – und damit schon wieder menschlich. Mit der Einführung der Zinsen und des Bankwesens ist die Gier systematisch verselbstständigt worden. Der Zins ist die unsichtbare Waffe im Kampf um Profite. Gewinne machen nur die 'Waffenfabrikanten' im übertragenen Sinne. Wieder mal der Teufel und der dickste Haufen.

"Das geht mich nix an. Ich habe keine Schulden." Denkste. Auch diejenigen ohne Kredite zahlen mit jedem Euro etwa 30% Kreditzinsabtrag der Gesamtverschuldung.
Das fatale Geheimnis dahinter ist der Mechanismus der Geldschöpfung durch Kredite und die damit einhergehende Staatsverschuldung. Weltweit – hier, wie in den Ländern des Südens – bedeutet sie eine kollektive Versklavung unter das Joch der Banken und Profiteure, die es zu ihrem Profit steuern. Dort wo Menschen leben, muss immer wieder investiert werden und das geht mit Krediten, an denen in diesem System nur Banken verdienen. Selbst wenn ein Land seine Schulden nicht mehr 'bedienen' kann, verdienen die Grossfinanziers eben durch gepfändete Sachwerte und Lizenzen zur Ausbeutung von Bodenschätzen oder 'helfen beim Wiederaufbau' durch Kreditvergabe.

Bitter, aber wahr: so gut und sinnvoll ein bedingungsloses Grundeinkommen ist, bei der Bewältigung dieses Themas hilft es nicht. Weder dem Individuum, noch dem Gemeinwesen. Denn wo Finanzströme ohne echten Ausgleich in nur eine Richtung fließen, wird ein Grundeinkommen – so bedingungslos es gedacht sein mag – aus finanziellen 'Sachzwängen', wie der exponentiell wachsenden Staatsverschuldung, sukzessive Kürzungen unterworfen sein und letztlich doch den Arbeitszwang á la CDU- und FDP-Bürgergeld bedeuten.

Wenn wir das Zinssystem weiter bedienen, können wir uns den ganzen Rest humanistischen Engagements, die Kultur-, Sozial- und Entwicklungshilfearbeit perspektivisch eigentlich ganz sparen! Und dahin wird die Welt derzeit ja auch von den Lakaien der Finanziers, den regierenden Politikern, den Lobbyisten und Industriellen sukzessive gelenkt. Zulasten der Selbstbestimmung und letztlich der Bewegungsfreiheit im realen und gedanklichen Raum.

Bewegen wir uns! Das Kredit- und Zinssystem gehört abgeschafft und durch volkswirtschaftlich verträglichere Mechanismen ersetzt. Konzepte und Ideen sind vorhanden und harren ihrer Umsetzung, wie die Übertragung der Geldschöpfung aus privatwirtschaftlicher in die öffentliche Hand (Monetative) oder Modelle zum Vollgeld. "Geht nicht!" – "Gibt's nicht!" Oder um mit Daniel Häni zu sprechen "Es geht ganz gut, was alles nicht geht."

00:44 25.03.2010
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

chehops

wie steuert mensch einen lecken kahn aus einem strudel? wie wollen wir leben? und wovon bestreiten wir unsere existenz, wenn uns stück für stück die erwerbsarbeitsplätze ausgehen? lassen wir die bankster weiter die profite machen? und sagt mir wer bescheid wenn wir losschlagen?!
Schreiber 0 Leser 0
Avatar

Kommentare 4