Germanys next Top-Model oder the next #MeToo?

#MeToo Wie ersthaft wird die gesellschaftliche Debatte um sexuelle Gewalt tatsächlich geführt?
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Heidi Klum in schwarzem Abendkleid. Wie viele prominente Frauen erschien sie so bei den diesjährigen Golden Globe Awards in Los Angeles. Dies war eine medienwirksame Protest-Aktion, um ein Zeichen gegen sexuelle Gewalt im Showbusiness zu setzen und sich mit der #MeToo-Bewegung zu solidarisieren. Doch ist dieses Statement ausgerechnet von Heidi Klum angebracht? Der Hashtag #MeToo ist Auslöser einer öffentlichen Diskussion, in dessen Zentrum die Berichte einer Reihe vornehmlich prominenter Frauen stehen, die über Erfahrungen sexueller Gewalt – vor allem – durch Männer in Machtpositionen berichten. Seit Oktober 2017 gibt es weltweit unter #MeToo in den sozialen Netzwerken immer wieder neue skandalöse Berichte und Enthüllungen von Schauspielerinnen, Models, Politikerinnen und – mittlerweile auch – jede Menge Berichte nicht prominenter Frauen, die das breite gesellschaftliche Ausmaß dieser Übergriffe deutlich machen.

Fraglich ist, wie tief die Debatte tatsächlich geführt wird und ob es Heidi Klum mit ihrem Statement tatsächlich ernst meint. Zweifel kamen mir auf, als ich im Vorabendprogramm die Vorschau für die nächste Folge von „Germanys Next Top Model“ auf Pro 7 sah.

Überrascht und schockiert sah ich dort diese jungen Teenagerinnen, die von einer Model-Karriere träumen und in der nächsten Folge einiges schlucken sollen: Denn nun ist Schluss mit träumen, das Motto lautet: mach dich nackig oder Heidi hat kein Foto für Dich. Also quälen sich diese jungen Frauen, sie wissen die Regeln sind hart und es gibt keine andere Chance weiterzukommen. Hin- und hergerissen zwischen Scharm und ihrem Karriere-Traum brechen Tränen aus ihnen heraus, weil sie erpresst werden etwas zu tun, was sie nicht wollen. Doch in dem Vorschau-Spot wird das Happy-End auch schon vorweg genommen: Wer sich zusammenreißt und professionell sein will, wird am Ende des Tages auch „oben ohne“ gute Mine machen und schöne Posen hinbekommen. Es ist eine Frage der Selbstbeherrschung, es ist eine Prüfung. Und dann wird Heidi Klum eingeblendet und verrät den Zuschauern, dass es noch nie in einer Staffel „so schnell so heiß“ wurde! Ziel ist Einschaltquote. Und sicher zieht das so manchen perversen Mann an, der genau das „heiß“ findet und sich daran aufgeilen möchte, wie sich 18-Jährige unter Tränen mit sich selbst ringend, letztlich doch nackig machen. Widerlich! Abstoßend! Und das schlimmste daran ist: Unter den Zuschauern geht kein lautes Geschrei los: Wie kann man so etwas zeigen?

Statt dessen gibt es jede Menge kleine Mädchen unter den Fans des Formats, die diese Massage inhalieren werden: wenn du deinen beruflichen Traum verwirklichen willst, dann musst du hart sein und dich eben auch ab und zu nackig machen, wenn es von dir verlangt wird. Diese Mädchen könnten die zukünftigen Autorinnen von #MeToo sein, denn solange eine solche Sendung gesellschaftsfähig ist, wird es auch weiter mächtige Männer geben, die Frauen vergewaltigen und Frauen, die sich unmächtig fühlen, sich nicht wehren und lange schweigen werden.

20:42 13.02.2018
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