RE: Was tun mit der Ukraine? | 16.05.2022 | 14:35

"Bandera ist für die Verbrechen, die OUN-Bund UPA während seiner Internierung in Berlinund Sachsenhausen verübten, nur indirekt ver-antwortlich,"

Grzegorz-Rossolinski-Liebe und seine Schriften sind mir bekannt und ich habe vor längerer Zeit einiges dazu in einem anderen Blog geschrieben und verlinkt. Grzegorz-Rossolinski-Liebe kommt zu dem Ergebnis, dass Bandera aus dem Ausland die Aktionen gesteuert hat und als ”Providnyk” oder "Vozhd'” (Führer) der nach dem Führerprinzip aufgebauten OUN-B verantwortlich war, wenn auch "nur" indirekt.

Grzegorz-Rossolinski-Liebe stellt fest dass Bandera zusammen mit Stećko, Shukhevych und Lenkavs’kyi, das Manifest ”Struggle and Activities” verfasst hat, in welchem in detaillierten Handlungsanweisungen ”der Untergrund” instruiert wird, wie ”nach dem Beginn des deutschen Überfalls auf die SU” mit Juden, Polen, Sowjets und ukrainischen Oppositionellen zu verfahren sei. Es sind keine schriftlichen Befehle Banderas an seine Truppe erhalten, aber es wäre weltfremd, anzunehmen, dass der Providnyk der Organisation von seinen Untergebenen nicht konsultiert wurde.

So hat Stećko geschrieben, dass Bandera ganz bewußt zwar außerhalb ukrainischen Gebiets, aber in der Nähe der früheren deutsch-sowjetischen Grenze blieb um die Aktionen der Einsatzgruppen mit der Hilfe von Kurieren zu koordinieren. Nach dem 22. Juni hielt Stećko mittels Telegrammen den Kontakt zum Providnyk. Stećko’s Telegramme sind in den Archiven, Banderas Antworten sind leider verschwunden.

Auch dass es Antisemitismus und Pogrome in der Sowjetunion wie in (fast) allen Ländern (bis auf die islamische Welt) gegeben hat, ist mir bekannt, aber dass Antisemiten dort Denkmäler errichtet, Briefmarken gedruckt und Plätze benannt werden, sie zu Nationalhelden ausgerufen werden, ist mir nicht bekannt. Aber das heißt nicht, dass das nicht der Fall ist. Ich habe nur darüber noch nichts gelesen.

>> Und dass ein Außenminister sich über Hitlers jüdisches Blut äußerte, sagt auch etwas aus über eine verdeckte antisemitische Grundströmung. <<

Für diese ekelhaften Äußerungen hat sich Putin persönlich entschuldigt.

>> Was ist ein Präsident wert, der in früheren Jahren mal einen gewissem Pinochet goutiert hat, an dessen Händen auch viel Blut klebt. <<

Ich kenne die Äußerung und ja, ganz schlimm, da haben Sie vollkommen recht. Der Mann ist ein autoritärer Herrscher, ganz ohne Frage. Ich bin kein Fan von Putin, und in mancher Beziehung würde Russland ohne die Oligarchenclique und ihren Chef bestimmt besser dastehen. Das gibt dem Westen aber noch lange nicht das Recht, das Nachbarland zur Speerspitze für den Umsturz und die Zerstückelung Russlands aufzubauen, damit der "freie Markt" endlich die Plünderung der Schätze fortsetzen kann, die Putin seinerzeit gestoppt hatte.

>> Was ist eine Regierung wert, die angeblich eine nazistische Bedrohung ausschalten will und anderswo rechtsextreme Bewegungen anderswo in Westeuropa gern unterstützt. Frau Le Pen schuldet ihm noch Geld. <<

Da könnten Sie selber draufkommen. Seit Putin erkannt hat, dass Russland ausgeschlossen und antagonisiert werden soll, schon vor 2005, hat er nichts unversucht gelassen, dieFront der Gegner Russlands zu spalten. Da ist ihm jedes Mittel recht. Wäre es ihm besser gelungen, hätten wir jetzt nicht diesen Krieg.

Keine der von Putin unterstützten Parteien in Europa greift auf offen nazistische Vergangenheit zurück. Das ist das, was ich so unfassbar finde: Hat man in der Ukraine keine anderen Helden / Idole, auf denen man einen halbwegs verträglichen Patriotismus aufbauen könnte? Muß man sich auf die "Helden" stürzen, die mit Hitler zusammen gegen die SU marschiert sind und ihren Russen/Polen/Judenhaß in Pogromen auslebten? Und auch da hat Putin offenbar nicht unrecht: Bereits Rosa Luxemburg war der Ansicht, dass:

"Der ukrainische Nationalismus war...eine einfache Schrulle, eine Fatzkerei von ein paar Dutzend kleinbürgerlichen Intelligenzlern, ohne die geringsten Wurzeln in den wirtschaftlichen, politischen oder geistigen Verhältnissen des Landes, ohne jegliche historische Tradition, da die Ukraine niemals eine Nation oder einen Staat gebildet hatte..." Ihr "Nationalismus" ist ein "Windei" und aus diesem ...Windei schlüpfen heute die Neonazis und Ultras, bauen mit den Denkmälern für die Schlächter der OUN-B und UPA, mangels allgemeinverträglicher Alternativen, ihren giftigen Nationalismus auf.

Hat der Hegemon aus Übersee nicht bereits in den Nachkriegsjahren mit den übelsten Mordbrennern der UPA zusmmengearbeitet, sie aufgebaut, sie mit Fallschirmen in der Ukraine abgeworfen und sie gegen die SU einen Guerillakrieg führen lassen?

Warum sind unsere Politiker - nicht nur die US-Amerikaner - nicht ein bißchen sorgfältiger bei der Wahl der Figuren, denen sie die Hände schütteln? Steinmeier, McCain etc. haben seinerzeit jedem Neonazi, der ihnen die Hand hinstreckte, diese kräftig geschüttelt. Muß Moskau da nicht den Eindruck erhalten dass diese "Politiker" damals deswegen unterstützt wurden, w-e-i-l sie stramm gegen Moskau eingestellt waren?

Der gesamte ukrainische Ultranationalismus - ich möchte nicht von Nazismus sprechen, auch wenn es Elemente im Land gibt, die nazistisch sind und von den Verantwortlichen nicht bekämpft werden - ist auf Russenfeindschaft aufgebaut. Und die USA & UK nutzen das schamlos für ihre Interessen und hetzen die beiden Völker gegen einander.

Wie wirkt es auf die Menschen in Russland, wenn der Schlachtruf der ukrainischen Nazi-Kollaborateure, der "Moskowiter"-Jäger - und erst sie machten diesen Schlachtruf populär - zum offiziellen Gruß in Armee und Bevölkerung gemacht wird?

Ich sage nicht, dass "Slava Ukraini!" übersetzt "Sieg Heil" heißt, aber so wie die Massen in Nazi-Deutschland "Sieg Heil" brüllend ihrem Führer zujubelten, so wurde "Slava Ukraini!" zum "Schlachtruf" von OUN-B und UPA und würde deswegen, so wie "Sieg Heil" in Deutschland, geächtet, wenn sich die Menschen von diesen Verbrechern distanzieren würden. Dass sie das nicht tun, sondern ihnen im Gegenteil Verehrung entgegenbringen, das ist der Grund, warum Moskau / Putin von Nazismus in der Ukraine spricht.

In dieser Hinsicht hat er damit nicht ganz unrecht. Ich habe oben einige abscheuliche Sätze dieser Verbrecher zitiert. Die Ukraine stellt sich ohne Not in die Tradition dieser Russen/Polen/Judenmörder und erklärt sich dadurch zum Feind der Russen.

So lange sie sich davon nicht deutlich distanzieren, haben sie meine Symphatie nicht, auch wenn ich nicht "für" den Krieg bin, den Putin in ihr Land getragen hat.

RE: Wahldebakel und Haltung zum Ukraine-Krieg: Was erlauben Scholz? | 16.05.2022 | 10:17

>> Weil alle so viel Brimborium um den "Dr." machen (mir ganz unbegreiflich) <<

Unbegreiflich? Das kann ich Ihnen erklären: Sie sind der erste, der es offenbar nötig hatte, sein Alias mit seinem Dr. aufzuwerten, quasi als Charakterkrücke. Und es dazu nötig hat mit unnachahmlicher Arroganz und borniertem besserwisserischem Gehabe seine in den MSM aufgeschnappte NATO-Propaganda breitzutreten.

RE: Wahldebakel und Haltung zum Ukraine-Krieg: Was erlauben Scholz? | 16.05.2022 | 08:12

>> K. Costner hat darüber eine gute Dokumentation gemacht <<

Vielen Dank für den Hinweis...war doch tatsächlich an mir vorbeigegangen.

RE: Die Ruhe vor dem Sturm? | 16.05.2022 | 07:57

>> ...einer von der siegreichen ukrainischen Band hat tatsächlich auf offener Bühne Slava Ukraini! <<

Also, mir war das bis vor kurzem nicht bewußt, dass dieses ukrainische "Sieg Heil" sich bereits so in der Masse durchgesetzt hat. Dann wird natürlich auch klar, warum nur so wenige die offen rechtsradikal-nazistischen Parteien wählen müssen: Ein gewisser, auf der Wiederbelebung alter Bräuche aus der Nazizeit und alter Nazi-Kollaborateure als "Nationalhelden" aufbauender Ultranationalismus scheint sich in der breiten Masse etabliert zu haben, ist salonfähig und in allen, bis auf den mittlerweile verbotenen Parteien, verbreitet. Das heißt, man kann sowieso nur Parteien wählen, die sich das ukrainische "Sieg Heil" auf die Fahnen geheftet haben.

Und unsere Medien schließen die Augen, denn es muß ja der Krieg gegen die Russen gewonnen werden. Für mich werfen diese Entwicklungen in der Ukraine ein neues Licht auf die als unsnnig beurteilten Vorwürfe Moskaus, in der Ukraine enstünde ein Nazismus oder habe sich bereits etabliert.

Es fällt offenbar keinem mehr auf, in welche Tradition man sich da stellt. Nur Israel beobachtet das aufmerksam und bemerkt ganz genau, was für Denkmäler da gebaut werden in der Ukraine, welche Straßenumbenennungen vorgenommen werden, welche Parolen gebrüllt werden.

RE: Wahldebakel und Haltung zum Ukraine-Krieg: Was erlauben Scholz? | 16.05.2022 | 07:08

>> Na gut, dann ist jetzt Schluß. Ist auch für mich eine Erleichterung, für Ihre aufgeblasene Arroganz. <<

Also, Sie haben eine bewundernswerte Geduld mit diesem Dr.K bewiesen. Ich habe mich sehr darüber gewundert. Vielen Dank für Ihre Kommentare. Nein, er hatte das mal dem @Flegel erklärt in einem anderen Blog...nix promoviert, viel heiße Luft.

RE: Julian Nida-Rümelin: „Die Vision für nach dem Krieg fehlt“ | 16.05.2022 | 06:53

>> Taktische Atomwaffen werden unterschätzt. Sie haben die Sprengkraft einer Hiroshima-Bombe mit radioaktiven fallout und Strahlenbelastung. <<

Taktische Atomwaffen dürfen nicht unterschätzt werden Aber zum Vergleich:

Little Boy = Hiroshima Bombe = 13 kt = 13 Kilotonnen TNT = 13.000 t TNT; 1 t = 1.000 kg

Taktische Atomwaffen fangen bei 0,01 bis 0,02 kt TNT an und gehen bis 5 kt TNT.

Die größten A-Bomben haben 50.000 - 100.000 kt TNT Sprengkraft.

RE: Was tun mit der Ukraine? | 15.05.2022 | 15:01

Achtung Holodomor-Falle. Der Holodomor ist tatsächlich nicht nur wegen der Kollektivierung entstanden. Wegen der nationalistischen und widerspenstigen Ukraine hat Stalin tatsächlich, das ist geschichtsfest, Anordnungen erlassen, die speziell für die Ukraine durchgeführt wurden, weshalb die Totenraten in der Ukraine ungleich höher lagen als in den vergleichbaren Agrargebieten Russlands. Selbst in den dicht von Ukrainern besiedelten Gebieten Russlands wurde dafür gesorgt, dass der mehr menschen starben.

Da haben die Ukrainer tatsächlich einen berechtigten Zorn / Haß gegen Stalin. Das jetzt aber in einen Russenhaß umzumünzen ist Blödsinn, denn Russland hat anschließend die Ukraine zum reichsten und entwickelsten Gebiet innerhalb der SU aufgebaut.

RE: Was tun mit der Ukraine? | 15.05.2022 | 14:51

Und wenn Rosa sagt:

>> Aus diesem Windei krochen in Brest die deutschen Bajonette.... <

womit sie auf den Frieden von Brest Litowsk anspielt, in dem ja Deutschland zum ersten Mal in der Geschichte eine ukrainische Nation durch den Vertragsabschluß in ihrer Existenz anerkannte. Interessanterweise in den Grenzen, die Lenin ihr später gab.

Also, aus Rosas Windei krochen dann in den 30 Jahren die Nazi Kollaborateure um die SU mit den Deutschen zu überfallen und aus dem gleichen Windei schlüpfen heute die Neonazis und Ultras und bauen die Denkmäler für die Schlächter der OUN-B und UPA und weil es in der Ukraine eben keine staatlich-gechichtlichen Traditionen gibt, haben die nix anderes als diese Faschisten, auf die sie ihren kranken Nationalismus aufbauen können.

RE: Was tun mit der Ukraine? | 15.05.2022 | 14:38

Jetzt sagt er:

Würden Sie jetzt schlussfolgern, dass Putin gegen die "Konterrevolution" kämpft, die er heute nur mit einem anderen Begriff bezeichnet: Nazismus?

Denken Sie, dass Rosa Luxemburg Putins Krieg gutheißen würde?

Und was meinen Sie: Gibt es denn keinen großrussischen Nationalismus, und ist der weniger reaktionär oder vielleicht sogar gar nicht reaktionär? Klären Sie mich bitte auf.

Und das sind Ablenkungsfragen, es ging um seine Kritik an Putins Analyse zur Ukrainischen Staatlichkeit und die ist, wenn man Rosa's expertise betrachtet korrekt. Punkt.

Die Ausführungen Putins, so argumentierte ja Jäger und ich auch, beabsichtigten nicht, irgendeine Aktion -Annexion oder so - zu rechtfertigen sondern waren ganz allgemein auf die Geschichte der beiden Staaten bezogen und wollten wenn überhaupt nur darlegen, dass eine Nähe der Ukraine zu Russland und seiner in Jahrhunderten gewachsenen Staatlichkeit exitierte, die jetzt von außen befördert, zerbrochen werden soll.

Natürlich würde Rosa keinen Krieg gutheißen und die Frage nach dem russischen Nationalismus stellt sich in diesem Zusammenhang auch nicht, zumal Putin ja bekannt dafür ist, dass er auf der ethnischen Ebene kein Chauvinist ist, und die Völker "seines" Reichs nicht in Ober- und Untermenschen aufteilt.

RE: Was tun mit der Ukraine? | 15.05.2022 | 14:26

>> Was hätten sie an meiner Stelle geantwortet? <<

Da er so tut, als sei er rationalen Argumenten zugänglich würde ich ihm genau das vorhalten dass er beklagt dass Putin anmaßend über die Ukraine urteilt:

Dr. K:

>> Man muss verstehen, dass die Ukraine im Grunde nie eine gefestigte Tradition einer eigenen authentischen Staatlichkeit hatte.' (Zitat Putin; etwas später heißt es bei ihm: 'Eine stabile Staatlichkeit ist in der Ukraine bis heute (!) nicht entstanden'.) Da erheben sich natürlich Fragen: Was ist eine 'gefestigte Tradition'? Was ist eine 'eigene authentische Staatlichkeit'? Wer darf darüber bestimmen, was all das ist? Es hat für mich den deutlichen Anschein, als ob Putin selbst sich für den maßgeblichen Entscheider in all diesen Fragen hält, als legitimen Vollstrecker der 'wahren' Geschichte. Wie viele autoritäre Herrscher vor, aber auch neben ihm scheint er sich als von der Vorsehung bestellter Rächer historischer Verbrechen zu sehen."

Offenbar hat Putin da nur ähnliche Ansichten zur Staatlichkeit der Ukraine geäußert wie Rosa L. So falsch kann er nicht liegen, da haben Sie schon richtig und logisch argumentiert, immerhin lebte sie in der Zeit des aufkeimenden NAtionalismus der Ukraine und unter Stalin und besonders nach '45 konnte sich dort ja nicht mehr viel weiterentwickeln.