RE: Was tun mit der Ukraine? | 15.05.2022 | 09:27

>> Ist Ihre Antwort nicht ein typischer Fall von Whataboutism? Was spricht aus Ihrer Sicht dagegen? <<

Erstens hantiere ich nicht mit solchen Holzhammer Argumenten und zweitens gehe ich in meinem Kommentar genau auf die Vorwürfe ein, die den Russen gemacht werden. Den Russen wird vorgeworfen, sie würden die Ukraine zu Unrecht des Nazismus beschuldigen. Ich weise nach, dass es sehr wohl Tendenzen in der heutigen Ukraine gibt, ein Nationalbewußtsein auf einer faschistisch-nazistischen Vergangenheit, mit offen russenfeindlicher Attitude aufzubauen. Warum? Mangels besserer Identifikationsfiguren? Ein Armutszeugnis!

RE: Wahldebakel und Haltung zum Ukraine-Krieg: Was erlauben Scholz? | 15.05.2022 | 09:14

>> eine NATO-Mitgliedschaft eines Landes mit kriegerischem Geschehen an den eigenen Grenzen (die de facto bestand) ohnehin nicht in Frage kommt, gemäß der Statuten zu einer möglichen Aufnahme. <<

In den Statuten - dem NATO-Vertrag - steht nichts dazu, aber es war bisher die allgemein geübte Praxis...man will ja keinen Krieg heiraten...

RE: Wahldebakel und Haltung zum Ukraine-Krieg: Was erlauben Scholz? | 15.05.2022 | 09:09

>> Sind Sie auch mit dem russischen Thinktank und den systematischen Versuchen Russlands an einer Destabilisierung des Westens vertraut, oder meinen Sie, es bestünden eher einseitige Destabilsierungsversuche? <<

Nein, das bin ich nicht. Aber ich gestehe selbstverständlich zu, dass Putin, seit er erkannt hat, dass der Westen Russland nicht in seinen Kreis eingemeinden will, also spätestens seit 2008, wahrscheinlich schon früher, begonnen hat, Zwietracht im Westen zu säen und nichts unversucht gelassen hat, einen Spaltpilz in EU und NATO hineinzutragen, z.B. durch Förderung autokratischer Tendenzen etc.

RE: Wahldebakel und Haltung zum Ukraine-Krieg: Was erlauben Scholz? | 15.05.2022 | 08:59

>> Damit kommt man wieder auf die Frage zurück, ob ein Land das Recht dazu hat, für/über ein anderes zu entscheiden. Kennen Sie Magdas Artikel: Was tun mit der Ukraine? <<

Magdas Artikel habe ich gelesen und bin entsetzt. Ich habe dort auch bereits Stellung genommen.

Nein, natürlich hat Russland kein "Recht" diesen Krieg zu führen. Deswegen ist es ja ein völkerrechtswidriger Krieg. Ich bin auch dafür, ihn als solchen zu verurteilen so wie man das z.B. mit dem vom Hegemon aus Übersee mit seiner Koalition der Willigen geführten völkerrechtswidrigen Krieg im Irak gmacht hat. Er wird aber ganz anders behandelt, obwohl er, meiner Meinung nach, aus sehr viel mehr Grund geführt wird.

>> Es ist ja nicht das erste mal, dass das System Putin öfter das Gegenteil von dem macht, was es sagt. Oder etwas tut und dies dann leugnet und das m.E. sogar recht dreist. <<

Helfen Sie mir, ich weiß nicht, auf was Sie anspielen: Lügen und Tricksereien?

RE: Wahldebakel und Haltung zum Ukraine-Krieg: Was erlauben Scholz? | 15.05.2022 | 08:44

>> Aber weder die Ukraine, noch Georgien sind Mitglied der NATO, ich hörte von Scholz, dass so eine Ausbreitung während der Amtszeit von Herrn Putin nicht bevorstünde und von etlichen Kommentatoren, dass eine NATO-Mitgliedschaft eines Landes mit kriegerischem Geschehen an den eigenen Grenzen (die de facto bestand) ohnehin nicht in Frage kommt, gemäß der Statuten zu einer möglichen Aufnahme. <<

Vollmommen richtig.

Als Deutschland und Frankreich 2008 verhinderten, dass Ukraine & Georgien in die NATO aufgenommen wurden, wurde ab 2010 auf die Auswechselung der russlandfreundlichen Regierung in Kiev hingearbeitet...2014 mit Erfolg.

Dann nahm Russland die Krim und der Krieg im Donbass begann.

Jetzt wurde es ernst, NATO-Aufnahme war jetzt unmöglich, weil Länder mit offenen Grenzkonflikten nicht aufgenommen werden können - so war bisher die Politik der NATO.

Also begannen USA im Verein mit Kanada und UK die Ukraine zu behandeln, als sei sie in der NATO:

Es wurde vom Pentagon eine Studie beim Thinktank "RAND" in Auftrag gegeben. Diese Studie mit Ratschlägen zur Destabilisierung Russlands trägt den Namen:

Overextending and Unbalancing Russia

Dann ging man systematisch vor:

- gemeinsame Manöver

- Training und Aufrüstung ukrainischen Truppen (inclusive Nazi-Bataillone) innerhalb der Ukraine und in Trainingslagern in USA durch Spezialeinheiten und logistische Hilfe bei den Angriffen auf die aufständischen Gebiete (14.000 Tote, mehrheitlich Russischstämmige)

- Ausrüstung ukrainischer Einheiten mit NATO Ausrüstung, Integration in NATO-Strukturen.

- Aufbau von NATO oder eben USA-UK Basen:

- Marinebasis Ochakiv

- Weitere NATO / USA-UK Basen, die er selbst aufgebaut habe, wie ex-Präsident Poroschenko im Heute-Journal irgendwann im März/April in einem Interview prahlte.

- Aufklärungsflüge von US-Militärflugzeugen an der Grenze Ukraine / Russland bis fast auf in den russisches Luftraum hinein.

- Unterstützung von Selenski in der Bekanntgabe des Dekrets, dass die Krim zurückgeholt werden solle - mit allen Mitteln.

- Systematisches Hintertreiben der Umsetzung von Minsk 2. Das war ein eklatanter Verstoß Verstoß gegen das Völkerrecht, denn Minsk 2 war vom Sicherheitsrat beschlossen und hätte damit umgesetzt werden müssen. Minsk 2, implementiert, hätte das Ende der zentral gesteuerten Ukraine bedeutet, mit weitgehender Autonomie für russisch-sprachige Regionen - praktisch die Umwandlung der Ukraine in einen Bundesstaat mit Veto für die Regionen. Schließlich wurden auch Deutschland und Frankreich dazu gebracht, Kiev dabei zu unterstützen, Minsk 2 nicht durchzuführen. Das war im Dezember 2021, als Russland bereits die Truppen aufbaute.

- Zurückweisung sämtlicher Gesprächsangebote und Sicherheitesgarantien für Russland im Januar 2022.

- Und als Russland immer noch nicht einmarschieren wollte, und Washington sich der Lächerlichkeit preisgegeben sah, weil immer neue Einmarschtermine ergebnislos verstrichen, da wurde durch Verdoppelung / Verdreifachung des Beschusses der aufständischen Regionen der Einmarsch praktisch erzwungen, denn Russlands Militärführung mußte davon ausgehen, dass dieser intensive Beschuß die Vorbereitung für den Einmarsch der ukrainischen, (amerikanisch geführten) Truppen und der Beginn der "Befreiung" der aufständischen Gebiete war.

Das ist alles im Internet gut recherchierbar.

Wie auch immer Putin sich verkalkuliert haben mag, die USA / UK haben nichts unversucht gelassen, ihn zu diesem Schritt zu nötigen. Nach dem Motto: Du willst Weltmacht sein...guck, wir machen einfach und werden weitermachen, werden die Ukraine zu einem de Fakto NATO-Staat machen...versuch uns daran zu hindern.

RE: Die Ruhe vor dem Sturm? | 15.05.2022 | 08:31

??? Die Sache mit der hinausgemobbten Sängerin?

RE: Die Ruhe vor dem Sturm? | 15.05.2022 | 06:55

>> Das war bereits ein Charakteristikum des "Euro-Maidan. <<

Das macht es nicht besser...;-)

RE: Was tun mit der Ukraine? | 15.05.2022 | 06:45

>> ...Plätze und Strassen nach ihm und anderen Schlächtern benennt...<<

Am 1. Juni 2017 beschloss der Kiewer Stadtrat, den Watutin-Prospekt, benannt nach dem Armeegeneral der Roten Armee Nikolai Fjodorowitsch Watutin, in Schuchewytsch-Prospekt umzubenennen. Watutin wurde 1944 durch einen Überfall der von Schuchewytsch befehligten Ukrainischen Aufstandsarmee (UPA) getötet.

Zitat Roman Shukhevytsch, im UIA (UPA) Handbuch:

"The OUN shall obliterate anyone who has acknowledged Soviet rule. Not intimidated, but instead eliminated. We must not be afraid to be condemned for being cruel. If half Ukraine's population of 40 million dies, I don't see any problem with that."

"The Bolsheviks' advances are forcing us to step up the liquidation of Poles to their full extinction. Villages with solely Polish populations are to be burned down. In villages with mixed nationalities only Poles are to be wiped out. Jews and Gypsies are to face the same treatment: full annihilation without remorse."

2010 wurde, vom damaligen PräsidentenWiktor Juschtschenko veranlasst, eine Gedenktafel für Jaroslaw Stezko an einem Privatgebäude in der Zeppelinstraße 67 angebracht.

Yaroslav Stetsko / K.C. Berkhoff / M. Carynnyk 1941 über das Verhalten der OUN gegenüber Deutschen und Juden:

"Moscow and Jews are Ukraine's greatest enemies and bearers of the corrupting Bolshevik international ideas. Although I consider Moscow, which in fact held Ukraine in captivity, and not the Jews, to be the main and decisive enemy, I nonetheless fully appreciate the undeniably harmful and hostile role of the Jews, who are helping Moscow to enslave Ukraine. I therefore support the destruction of the Jews and the expediency of bringing German methods of exterminating Jews to Ukraine, barring their assimilation and the like."

Und Ihre echauffiert Euch darüber, dass Russen auf den Gedanken kommen, in der Ukraine entstünde eine Art Nazismus?

RE: Was tun mit der Ukraine? | 15.05.2022 | 06:12

Ich habe den Text gelesen und auch ich bin entsetzt, halte das aber für das durchgeknallte Geschreibsel eines überreizten Hirns in Zeiten des Krieges.

Allerdings verstehe ich die Wut, die Russen angesichts der Tatsache haben müssen, dass viele Ukrainer den antipolnisch, antisemitisch, antirussischen, faschistischen Abschnitt ihrer Geschichte zum Vehikel iher Selbstfindung erkoren haben.

Wer die Tradition des Russen/Juden/Polenschlachtens zum nationalen Mythos verklärt, wer Bandera Statuen errichtet, Plätze und Strassen nach ihm und anderen Schlächtern benennt, die Nazi Kollaboration von OUN-B und UPA samt ihrer Hauptakteure exkulpiert, ihren Wahlspruch "Slava Ukraini", das Äquivalent zum deutschen "Sieg Heil" zum offiziellen Gruß restauriert, und sich gleichzeitig von einer NATO bis an die Zähne bewaffnen läßt, der fordert heraus, dass Russen sich von einem solchen Nachbarland bedroht fühlen und diese Bedrohung ausschalten wollen.

RE: Wahldebakel und Haltung zum Ukraine-Krieg: Was erlauben Scholz? | 15.05.2022 | 02:08

>> So möchte Russland es gerne darstellen, ja. <<

Diese Aussage ist nachprüfbar falsch. Es ist eine Tatasache, dass Russland seit Jahren, fast seit Jahrzehnten darauf hingewiesen hat, dass es eine Ausbreitung der NATO auf Ukraine / Georgien als "existentielle Bedrohung" betrachtet. Das ist Diplomatensprech für den "casus belli". Viele haben das verstanden und gewarnt. Es wurde ignoriert. Die Tatsache, dass Putin kurz vor dem Einmarsch - taktisch - gelogen hat, ändert daran nichts.

>> Warum hat Russland dann die Ukraine angegriffen und mit welchem Ziel? Was meinen Sie? <<

Das habe ich bereits mehrmals geschrieben. Ich glaube, dass es das Kriegsziel Russlands ist, die Ukraine in einen Zustand zu versetzen, in der sie vom Standpunkt Russlands aus keine "existentielle Bedrohung" für Russland mehr darstellt. Das ist auf verschiedene Art möglich: Verträge über Neutralität, etc. Autonomie für Gebiete A-B-C, Entmilitarisierung, da ist vieles denkbar.

>> Wovon gehen Sie aus? Warum meint Putin, schamlos lügen zu können, was ist sein Motiv? <<

Moment, er hat mit seiner Lüge zum Schluß nur den Angriffszeitpunkt verschleiert, das war eine Kriegslist. Vorher hat er deutlich gesagt, dass Russland sich militärisch technische Antworten vorbehält, d.h. Krieg zu führen bereit ist.

Wenn man in der Geborgenheit einer bürgerlichen Existenz lebt, mit Krankenkasse, Rentenanspruch etc. braucht man Murphys Gesetz nicht unbedingt zu beachten. Führen Sie Krieg oder leben Sie in einer den Naturgewalten ausgesetzten Umwelt, sollten Sie dieses Gesetz streng beachten, denn das wird ihre Überlebenschancen tatsächlich steigern. Denken Sie nur, mit welcher Sorgfalt ein Fallschirm gepackt wird oder ein Flugzeug gewartet und vor dem Start die Systeme gecheckt werden. Die Piloten und Fallschirmjäger kennen alle dieses Gesetz des Herrn Murphy.

Das hindert nicht, sich immer mal wieder zu hinterfragen, z.B. ob denn unbedingt mit dem Fallschirm abgesprungen werden muß.