chrischerf

Fliegender (Technik-)Soziologe und freier Autor.
Schreiber 0 Leser 0
Avatar
RE: Ohne wenn und aber | 12.04.2010 | 16:24

*schmunzel* Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass der heftigste Disput hier zwischen zwei Männern abläuft. Frauen scheint das offenbar kälter zu lassen.
Dennoch möchte ich nach all den Standpunkt auch einige Aspekte anschneiden, die mir bisher zu kurz kamen.
Gleich vorweg: Auch als Mann empfinde ich viel Symphatie mit feministischen Überzeugungen. Wenn wir davon ausgehen, dass unsere Gesellschaft Frauen in vielen Fällen (z. B. den Lohnverhältnissen) benachteiligt, ist eine gerechtere Gesellschaft auch eine weiblichere Gesellschaft. Die Frage ist aber, was unter "vorbildlicher Weiblichkeit" zu verstehen ist und da wird es kompliziert.
Der Feminismus leidet - meiner Auffassung nach - bedauerlicherweise unter einem inhärenten Widerspruch: Das, was aus guten Gründen überwunden werden soll, nämlich die Vorverurteilung von Frau (und Mann), wird selbst immer wieder aufgezeigt und damit auch ein stückweit reproduziert. Frauenquoten, Frauenmedien, Frauenparkplätze etc. zeigen ja an, dass hier weiterhin ein Unterschied in der Behandlung gemacht wird. Daher plädiere ich persönlich sehr dafür, die Forderungen auszuweiten. Benachteiligten mehr Rechte einzuräumen ist letztlich "nur" Mittel zum Zweck. Am Ende kommt es darauf an, ob die Menschen - gleich ob Frau oder Mann - in ihrer individuellen Vielfalt ernst- und angenommen werden. Ein Mensch zeichnet sich schließlich durch unzählige Eigenarten aus, er ist mithin ein schillerndes Mosaik aus vielen kleinen Bausteinen. Es ist einfach dumm, ihn auf die soziale Kategorie "Geschlecht", und dann noch auch noch bipolar, zu reduzieren. So verstanden ist der Feminismus ein richtiger und wichtiger Schritt auf dem Weg des sozialen Fortschritts, aber wir dürfen nicht bei der "Frauen-Lobby" stehenbleiben. Männer sind ebenso gefordert, für gleiche Behandlung einzustehen und sich von vorverurteilenden Rollenmustern zu lösen. Letzten Endes geht es darum, den Menschen von Verhältnissen zu emanzipieren, in die er hineingeboren wurde und zu denen er ohne eigenes Zutun kam. Das ist ein gutes Stück abendländische Aufklärung. Selbstreflektion ist hierzu ein wesentlicher Schritt.
Das gilt für den Mann, der meint, alles sei doch "naturgegeben" ebenso, wie für die Frau, die sich hinter das Vorurteil zurückzieht, für dies und jenes sei nunmal "der Mann zuständig"...als wenn das alles in Stein gemeißelt wäre. Dieser Strukturkonservativismus tut mir immer wieder weh. Alles was sozial ist, kann immer auch anders gemacht werden.
...das ist wohl etwas, das über das Thema Unterhaltszahlung bei Weitem hinausgeht. Hier ist schlicht eine möglichst gleich Behandlung unabhängig vom Geschlecht des jeweiligen Elternteils anzutreben. Die Eltern - gleich ob Frau oder Mann - sollten finanziell, vor allem aber emotional, bestmöglich für ihr gemeinsames Kind sorgen, so gut es ihre individuelle Lage zulässt. Beide Elternteile tragen hier die gleiche soziale Verantwortung. Der Mann ist ebensowenig nur "Erzeuger" wie die Frau nur "Gebärerin" ist. Solche Ausdrück finde ich biologistisch, reduktionistisch und schlichtweg inhuman.

RE: Freiheit vor Ökologie | 03.01.2010 | 20:18

Ich kann mich quarktasche nur anschließen! Freiheit ist laut Hegel "die Einsicht in die Notwendigkeit".