Claus Weselsky als Bahn-Vorstand ?

Deutsche Bahn Streik Ein Kommentar zum Streik der GDL
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Zugegeben die Idee ist nicht neu. Claus Weselsky als Vorstand der Deutschen Bahn. Schon vor einiger Zeit hat man versucht, diesem charakterstarken Mitarbeiter die Mitgliedschaft in den obersten Etagen des Potsdamer Platzes schmackhaft zu machen. Vergebens. Ich möchte Claus Weselsky als Vorsitzenden des Vorstandes der Deutschen Bahn vorschlagen.


Herr Dr. Grube wird mir diesen mutigen Vorschlag sicher verzeihen. Vielleicht könnte man eine Art Doppelspitze etablieren, wie sie derzeit bei der Deutschen Bank in Frankfurt am Main praktiziert wird. Möglicherweise hat Herr Dr. Grube aber auch Interesse daran, den Berliner Flughafen in Schönefeld zusammen mit Hartmut Mehdorn tatkräftig zu Ende zu bringen. Auch dort wird jede kompetente Fachkraft dringend benötigt. Beides sicher sehr reizvolle Aufgaben.

Warum Claus Weselsky als Vorstandsvorsitzenden ? Die wichtigste Nachricht zuerst. Bei der Deutschen Bahn würde es künftig keine Streiks mehr geben. Die guten und lange bewährten Kontakte zur GDL würden die Tarifverhandlungen auf ein Minimum an Sitzungen reduzieren. Gegenseitiger Respekt, aber auch die grundlegenden Kenntnisse über die Leistungen seiner früheren Kollegen würden unmittelbar zu konstruktiven und ergebnisorientierten Verhandlungen führen. Zudem müsste die Konkurrenz-Gewerkschaft EVG ihre Mitglieder deutlicher davon überzeugen, warum gerade sie die Vorherrschaft in den Tarifverhandlungen beanspruchen möchte.

Auch wäre Claus Weselsky seinem derzeitigen Gegenspieler, dem Personalvorstand Ulrich Weber, weisungsbefugt. Die Anerkennung und die Umsetzung der Tarifpluralität innerhalb des Konzerns der Deutschen Bahn wären innerhalb einer einzigen Sitzung entschieden und festgelegt. Eine juristische Auseinandersetzung, Fehlanzeige. Ein Streik über mehrere Tage, überflüssig.

Noch einen weiteren Vorteil hätte diese Positionierung von Claus Weselsky. Das marode und störungsanfällige Schienennetz der Bahn könnte endlich nachhaltig saniert werden. Dank seiner zahlreichen Kontakte zu den Lokführern könnten diese auf kurzem Dienstwege, gewissermaßen direkt live vor Ort, beim Auftreten einer Störung im Betriebsablauf eine kleine Nachricht, nennen wir sie SMS, an ihren neuen Vorgesetzten schicken. Dieser könnte dann beim Erreichen einer kritischen Masse an negativen Meldungen unverzüglich handeln und den bewährten Notfall-Fahrplan ausrufen. Erprobt aus zahlreichen Streiks, die seine Gewerkschaft, die GDL, initiiert hat, würde der Fahrplan auf das Notwendigste ausgedünnt, um freie Kapazitäten für die Reparaturarbeiten im laufenden Betrieb zu schaffen. Größere Proteste aus der zahlenden Bevölkerung wären wohl nicht zu erwarten. Die Kunden der Deutschen Bahn haben ja jetzt gesehen, auch im Notfall fährt ein Zug.

Ob der Aufsichtsrat, in dem sich zufällig jene Politiker befinden, die im aktuellen Streik ein juristisches Vorgehen gegen die GDL befürwortet haben, gerade Claus Weselsky den Vorsitz im Vorstand der Deutschen Bahn anbieten würden, bleibt abzuwarten. Ich habe in diesen Tagen gehört, beide Seiten müssten Kompromisse machen. Eines aber ist sicher. Eine große Zustimmung in der Bevölkerung unseres Landes hätte Claus Weselsky. Im Zweifel wäre eine Volksabstimmung angebracht. Seit den juristischen Erfolgen vor dem Arbeitsgericht in Frankfurt am Main und vor dem Landesarbeitsgericht Hessen outen sich immer mehr Menschen zu ihrer Solidarität für die GDL. Die negativen Kampagnen in der Presse und in den sozialen Medien haben deutlich nachgelassen und viele Kritiker sind leiser geworden.

Zugegeben, mein Vorschlag ist eine Fiktion, wahrscheinlich undenkbar. Selbst Claus Weselsky würde vermutlich dankend ablehnen und sich lieber wieder seinen Lokführern widmen. Dennoch muss sich bei der Deutschen Bahn etwas ändern. Einerseits im Verhältnis zwischen Management und Arbeitnehmern. Das juristische Überprüfen von Mitarbeiterrechten hat das Image etwas beschädigt. Sucht die Deutsche Bahn nicht nach neuen Leuten ? Andererseits im Dialog zwischen dem Konzern und den Bahnkunden. Trotz aller Emotionen, die während eines Streiks und den Tarifverhandlungen verständlicherweise immer wieder zum Tragen kommen, hat die Öffentlichkeit ein Recht auf faire und objektive Berichterstattung. Die Hetzjagd gegen Claus Weselsky war teilweise unerträglich und hatte mit demokratischer und freier Meinungsäußerung manchmal nichts mehr zu tun.

Ich wünsche Ihnen stets eine gute Reise mit der Deutschen Bahn, in guten wie in Streikzeiten.

17:04 11.11.2014
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Geschrieben von

Christian Frischholz

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