Seltsames in seltsamen Zeiten

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"Das Glück in Glücksfernen Zeiten" von Wilhelm Genazino. Eine Rezension

Als ich den Klappentext des Buches „Das Glück in glücksfernen Zeiten“ von Wilhelm Genazino las, war ich nicht sonderlich beeindruckt: einen Haufen Alltagsprobleme, die schon tausendfach in Büchern behandelt wurden. Aber ein Wort lies mich aufhorchen: Philosoph. Ich wusste nicht was ich mir von diesem Wort versprach, aber mein Interesse war geweckt, ich kaufte.

Als ich mit den ersten Seiten begann wurde ich sofort in den Kopf von Gerhard Warlich katapultiert und kam erst auf Seite 158 wieder heraus. Ich war gefesselt von den Gedankengängen des Protagonisten, der zumeist beobachtet, hier und da ein bisschen Alltagsphilosophie betreibt und irgendwie versucht durch den Tag zu kommen. Gerhard ist ein seltsamer Kerl, seine Handlungen scheinen von außen absurd und unverständlich, aber der Leser, der ihn von innen betrachtet, bekommt nicht nur Mitleid mit seiner Verlorenheit in der Welt. Er hat auch ein bisschen Verständnis für seine Handlungen, weil er die Welt im Moment des Lesens aus Gerhards Augen sieht. Ob er nun seine Hose auf dem Balkon tagelang aushängt um sie verrotten zu sehen oder ob er einer Jugendfreundin ,statt ihr die Hand zu geben, ein Brot in die Hand drückt und kurz danach heftigst anfängt zu weinen, alles kann vom Leser gut nachvollzogen werden, von seiner Freundin jedoch nicht: sie bringt ihn in eine Nervenheilanstalt. Hier offenbart der Autor einen Hauch an Gesellschaftskritik, die auch schon bei Gerhards alltagsphilosophischen Betrachtungen durchschimmerten. Diese regt zum nachdenken an, ohne jedoch aufdringlich oder rechthaberisch zu klingen.

Mit Gerhard Wahrlich hat Genazino eine Figur geschaffen, die trotz oder gerade wegen ihrer Seltsamkeit enorm authentisch wirkt und in eine Welt geworfen ,die aus Sicht des Protagonisten mindestens ebenso seltsam ist.Wahrlich: ein Meisterwerk

12:47 20.08.2009
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Geschrieben von

Chrisliegtindersonne

Bei herrlichem Sonnenschein, nettem Vogelgezwitscher und dem Rauschen eines kleinen Baches im Hintergrund einfach herumliegen, gequält von 1001 Fragen mit der Befürchtung, dass auch 1001 Nächte mir keine 1001 Antworten bringen
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