Einsamkeit in der Menge

Fremdeln Miteinander Gemeinschaft Zusammensein Fürsorge Emphatie Mitfühlen wahrnehmen des Anderen ?
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(Spaziergang durch New York)

Die Leute strebten auf Lichte zu, die fern im dunkeln aufgehängt waren. Rege vielfarbige Schlangen. Aus allen Strassen rings um ströhmten sie heran. Das sind verdammt viele Dollars dachte ich, so eine Menge allein schon in Taschentüchern zum Beispiel oder in Seidenstrümpfen oder allein schon in Zigaretten. Und man selber spaziert mitten durch all dies Geld, ohne dass einem das auch nur einen roten Heller bringt. Nicht mal genug zum Essen. Zum verzweifeln, wenn man daran denkt, wie abgeriegelt die Menschen gegeneinander sind - genau wie Häuser.

Passage aus:

Reise ans Ende der Nacht

von Louis-Ferdinand Céline

...

Jeder lebt in seiner eigenen Welt. Jede/r hat seine Geschichte - jede/r sieht seinen eigenen (Lebens-)Film. Tausend Schicksale begegnen sich schweigend. Niemand weiß vom anderen. Man steht hier und keine 10 Meter weiter gehen Menschen vorrüber mit gesenktem Blick, sehen nichts und wissen nicht, dass ich hier stehe. Sie sind dir begegnet und wissen es nicht. Ihre Wege kreuzen sich nur für den Augenblick, doch wahrnehmen tuen sie sich nicht. Gibt es auch nur irgend eine Beziehung zwischen den Passanten? Wie Häuser - eingemauert und abgeschirmt - undurchdringlich. Viele Menschen - doch keine Gemeinschaft - jeder für sich. Jede/r Einzelne im Krampf der Selbstverwirklichung - ich bin, wenn ich jemand bin und mich absondere und fernbleibe. Sich den anderen überhaupt nur wenigstens ansehen? Nein... keine Zeit ich muß weiter was gehen mich die Leute an - ich bin nicht wie sie.

(Interpretierte Gedanken einiger Passanten in der Einkaufsstrasse) Inspiriert von einem Einkaufsbummel im örtlichen Einkaufscenter und von Arte Philosophe - Fürsorge:

http://www.arte.tv/de/Fuersorge---Fabienne-Brugere-ist-zu-Gast-bei-Raphael-Enthoven-in-Philosophie/6682948.html

(Film leider nicht mehr abrufbar)

Fürsorge fängt mit wahrnehmen an.

http://de.wikipedia.org/wiki/Fremdeln

-> Wer will denn wirklich behaupten, dass das Fremdeln nur Kleinstkindern passiert? Beim Spaziergang durch die Einkaufspassage tuen es auch die meisten Erwachsenen.

11:24 10.07.2012
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Geschrieben von

chrislow

Wenn alle sind, wie sie sind, dann ist es die Normalität?
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