Katze tot...

Gnadenspritze_ wenn das Tier sich quält und sein Leben aushaucht .. .und man es auch noch ansehen tut.
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Nachdem die Katze nun schon 1 1/2 jahre dahinvegitiert hat, hat sie nun der Tierarzt "eingeschläfert". Überdosis Sedativum - Beruhigungsmittel oder Betäubungsmittel, was das selbe ist und nur die Dosis den Unterschied macht.

Zuzuschauen, wie die katze langsam einschläft und dabei stirbt, ist kein angenehmer Zeitvertreib. Erbärmlich fühlte ich mich. Und einen Hass auf die Tiermedizin, weil sie keine Ahnung hat, wie man Tiere wieder gesund macht. Auch beim Tierarzt ist die Devise: Symptombehandlung. Was soll man machen - man kann das Tier ja nicht zerschnippeln und dabei erkennen, was ist und sie dann wieder zusammenflickenn. Nein, da wird ein wenig durch das Fell gestrichen, das Maul angeschaut, gewogen und Herztöne abgehört - und noch nach der Anamnese beim Besitzer gefragt. Weil so viel Leid und Symptom zu beklagen war, hat es gedauert und die Aussage beim Arzt provoziert: es könne auch ein Tumor sein.

Viel Gerede um wenig Erkenntnis. nicht viel anders, als beim Menschenarzt. Nur, dass man den Menschen nicht direkt einschläfert, weil einem das befürchtete Elend einer schweren Krankheit nicht erträglich sei. Aber etwas wie Heilung scheint es selten zu geben. Warum also sollte es bei einem Tier auch besser sein. Es ist sogar noch schlechter...

Das Tier war mir ans Herz gewachsen. Auch, wenn es nicht mit mir zusammenlebte. Aber ihr Siechtum ist grausam gewesen. Die Ursache ihrer Probleme sind sonderbar im Unklaren. Eines Tages vor etwa 1 1/2 Jahren ging es ihr fast schlagartig sichtbar schlechter. Ihr Fell wurde stumpfer, unsauberer... sie zog sich immer mehr zurück und war auch weniger zugänglich. Ängstlich, unsicher, apathisch und versteckte sich nur noch. Außerdem viel weniger aktiv, obwohl sie alle Möglichkeiten dazu hatte. Jederzeit hätte sie aus dem Haus können - aber das wollte sie beinahe schlagartig kaum noch. Wenig gefressen hat sie plötzlich. Auch hatte sie manchmal scheinbar Krämpfe und Schmerzanfälle, die unvermittelt auftraten. Sonderbarerweise oft beim Fressen, zuckte sie zurück und krümmte sich und mauzte jämmerlich. Als ob ihr jemand/etwas einen Höllenschmerz bereitete, nur weil sie eben fressen wollte. Sowas hatte ich noch nie gesehen. So lebte sie nun schon mehr als ein Jahr sabbernd und leblos vor sich hin.

Sie war mal eine stolze Katze - feines und weiches Fell, schlanke Statur und erhabene Haltung, dominanter Charakter (gegenüber dem Kater im Hause), sie hatte sehr scharfe Krallen, die sie aber nicht einsetzte (jedenfalls nicht als Waffe) und sie führte ein souveränes Leben. Doch das war schon lange vorbei. Sie wird wahrscheinlich nur etwa 10 Jahre alt geworden sein. So genau ist das nicht bekannt (weil sie uns damals zugelaufen ist). Einen Namen haben wir ihr nicht gegeben. Wer Katzen kennt, der weiß, dass die mit Namen nicht viel anfangen können. Sie hören nicht auf diesen, sondern auf die Ansprache und die Haltung des Menschen. Es ist egal, ob man zu ihr etwa Chantal, Mietze oder Katze sagt; es hat die gleiche Bedeutung für die Katze.

Es war schon der dritte Tierarzt, der sie untersuchte. Keiner hatte eine gescheite Diagnose. Sicher, Symptome haben sie viel gefunden. Mit Aufbaunahrung, Infusionen, Zahnbehandlungen und Antibiotika hätten sie sie alle noch behandelt. Da das aber schon mehrfach geschehen ist und sich ihr Zustand nicht dauerhaft gebessert hat, machte das doch keinen Sinn. Auch, wenn es eben brachial ausgedrückt ist, stimmt es doch. Wenn die Ärzte keine Idee haben, warum sie so krank war, hat doch ihr Leben nur noch Elend zu bedeuten. Mich macht diese Situation nicht glücklich. Der Ansicht zu sein, dass ein (Tier-)Leben elendlich sei und sie deswegen zu töten, kann man nicht einfach verkraften. Die rationale Hochrechnung aber sieht eben keine Lebenschance mehr. Also lasse man sie einschlafen.

Nachdem der Arzt die Spritze gesetzt hat, dauerte es nur noch eine viertel Stunde, der Atem wurde immer flacher, die letzten Bewegungen immer langsamer und die Zunge hing schon weit herraus. Ohne große Erregung und Reflexe ist sie dann vor uns gestorben. Der Arzt bestätigte uns noch nach dem Abhören der Herztöne, dass sie nun ihr Ende hatte.

An alle da draußen, die wissen, an was sie gelitten hat:

Das hatte sie nicht verdient ...

Und wisst ihr was?

Im Angesicht des Todes ist einem auch egal, ob der Himmel Blau sei, die Erde zwei eisbedeckte Pole hat, gerade (eine?) Krise herrscht oder ob ein Verleger "im Zweifel Links" zum Lebensmotto hat. Da wollt ihr dann alle nichts von wissen.

00:10 23.09.2012
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

chrislow

Wenn alle sind, wie sie sind, dann ist es die Normalität?
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