Spruch der Stunde_23

Bedürfnisse_ Keine Phrase ist zu unscheinbar, dass nicht noch Wahrheit in ihr stecken würde (können).
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"Egal ob es Gott gibt oder nicht, ich brauche ihn."


Martin Walser

SWR2 Glauben

http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/glauben/-/id=659102/nid=659102/did=10988678/wq6jns/index.html

-> Ja, was denn? Was man meint zu brauchen, davon mindstens wohl Gewissheit gegeben sein sollte. Anstatt die Relativierung vorrangestellt.

Aber da diese Aussage nach dem Jahreswechsel 2010/2011 getätigt wurde, als die alten Götter starben, könnte die Intention dazu leichter erkennbar werden.

Aber Walser hat leicht Reden. Trauert er auf zu hohem Niveau? Ist sein Gott tot? Und wieder fragt einer: Wer hat ihn getötet?

Ist es nicht erbärmlich, zu was Politik willig ist? Starstruck. Im Namen der Freiheit und Liebe - große Werte dahingeheuchelt und doch gemeuchelt. Aber sie sind erst groß, weil sie vermisst werden. Weil wir solange terrorisiert werden, bis wir glauben, dass wir frei sind, aber vom Thema doch nicht loskommen. Das dies niemandem sonderbar vorkommt, ist auch Symptom. Und so kämpfen wir für die Freiheit anderer, obwohl wir gar nicht wissen können, was sie bedeutet. Es gibt halt anerkannte und unerwünschte Pathologien.

Ein Popstar der Politik rief im Frühjahr 2011 noch im letzten Atemzug wohl wahres aus: Verschwörung! (Gaddafi)

Und die Muttersöhne dieser Welt sind dem Tode gweiht und kennen ihre Mütter nicht. Niemand hilft dann, dankt oder entschuldigt sich bei ihnen - ist wohl froh, dass ihr Leid sie vom Leben abhält.

Man ist in der Gegenüberstellung sich selbst der Nächste, obwohl den Feind niemand kennt - er woanders lauert. Auf diese Götter seid ihr angewiesen oder ihr wählt den Untergang, den falschen Verbündeten - absurd selbstlos. Anstatt Globalisierung zur Identität wird, und keine Heimat.

Walser ist Weise. Is klar; meint man, denn im Alter kommt man nicht darum herum. Das stimmt aber nicht. Weil Weisheit eben nicht evident im Alter entsteht, ist Weisheit überhaupt ein Wert.
Böse zungen sprechen gar von spät-adulter Demenz über die Altersweisheit - als Vorstufe von ultimativen Demenzzuständen. Die Tendenz aber gibt dem sogar recht - zeigt sie doch, was zur Wahrnehmung verwendet wird. Systemintelligenz als auf sich aufbauende Kenntnis einer zielstrebigen, linearen Chronologie bis ins letzte Detail gebundene Verstandesleistung trägt Scheuklappen zur Ausblendung von Störsignalen. Die Altersweisheit hat keine Arroganz und keine Kraft mehr, um Detailverliebt den Rest der Welt zu ignorieren, ignoriert Detailtiefe dieser linearen Systeme - erhält aber eine breiter gedeutete Perspektive zur Einschätzung. Die "Zoomfunktion" ist defekt, aber der Hafen wurde größer (viele lineare Systeme seien nun parallel angedockt und bilden ein redundantes, multikausales System) - Systemkurzsichtigkeit als Altersgebrechen zur Altersweisheit.
Was kein Vorwurf gen Walser sei. Ist halt aus Gründen zwingend so - wenn Götter altern. Dumm nur, dass wir Gott irgendwo da draußen suchten, während er still in uns stirbt - oder nie herranwuchs. Wir sind halt Abschaum gegen virtualisierte Helden - und sehen es schon von selbst ein.

12:49 06.07.2013
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Geschrieben von

chrislow

Wenn alle sind, wie sie sind, dann ist es die Normalität?
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