RE: Alles über die irre Mietenkillerin | 06.09.2019 | 14:28

Neoliberal-konservative Politiker, Ökonomen und Gazetten vom Typ "Welt" tun an dieser Stelle immer so, als ob alle Mieterinnen und Mieter in Deutschland in Zukunft keinen Cent Miete mehr für ihre Wohnung zahlen müssten. Das gab es meines Wissens nicht einmal in der ehemaligen DDR.

Fakt ist: Eine "Deckelung" der bestehenden Mieten schafft keinen neuen und mehr Wohnraum.

Fakt ist aber auch: Die vielgepriesene "heilige" Marktwirtschaft schafft es 75 Jahre nach dem Trümmerhaufen des Zweiten Weltkrieges nicht, bezahlbare Wohnungen in hinreichender Anzahl zur Verfügung zu stellen. Oder wollen Neoliberale und Konservative das bei Lichte und nüchtern bestreiten? Sogenannte "Leistungsträger", die im Jahr 2019 aus einer einzigen Dividendenausschüttung 500 Millionen Euro kassieren, haben mit Sicherheit kein Problem damit, wenn die Miete für ihre 60-qm-Wohnung von 700 Euro/Monat auf 1.300 Euro steigt, nur weil das Haus einen "energetischen" Farbanstrich bekommen hat.

Wir leben in einer Demokratie. Wenn der Markt versagt, muss der Staat intervenieren. Für Scheinheilige gilt das offenkundig aber nur bei "notleidenden" Banken, wenn sich Topmanager beim milliardenschweren Hütchenspielen an der Börse verzocken.

Ich mag einfach keine Scheinheiligen!

RE: Scherben, wohin man schaut | 06.09.2019 | 12:59

Zitat: "Klar ist schon jetzt, dass sein Vorgehen die britische Demokratie beschädigt und das Land spaltet."

Hier unterstellt der Autor dem britischen Premier Boris Johnson eine Bedeutung, die er tatsächlich nicht hat. Boris Johnson ist nicht die Ursache für die Spaltung dieses Landes und die Schädigung der (britischen) Demokratie. Dieses Land war schon lange vor Johnson und vor dem Brexit gespalten.

Johnson ist lediglich die logische Konsequenz und Fortsetzung neoliberal-konservativer Politik, die in Großbritannien spätestens 1979/80 mit Margaret Thatcher begann und in Deutschland mit Helmut Kohl und seiner "geistig-moralischen Wende" bzw. dem populistischen Slogan: "Leistung muss sich wieder lohnen".

Die Ursachen für die Spaltung des Landes sind Privatisierung, Deregulierung, Sozialstaatsabbau, Vermögenskonzentration, Lohnkürzungen für die Mehrheit der (britischen) Bevölkerung, Erhöhungen der indirekten Steuern bzw. Abgaben für die breite Masse der Gesellschaft und Steuersenkungen für die Hyperreichen.

Verkauft wurde diese verlogene neoliberal-konservative Politik immer mit dem scheinheiligen Versprechen, wenn der Staat "spart" und man fast alles dem sogenannten "Markt" überlässt, würden am Ende alle Briten davon profitieren (Stichwort: Trickle-Down"). Tatsächlich profitiert haben von dieser neoliberal-konservativen Politik aber vor allem die oberen Zehntausend der britischen Gesellschaft, die inzwischen in den Milliarden schwimmen, aber den Hals einfach nicht voll kriegen.

Prinzipiell ist das in Deutschland, Frankreich, Italien, Russland, USA usw. nicht anders. Wenn in Deutschland z. B. die (Wieder-)Einführung der Vermögensteuer gefordert wird, einer Steuer von der lediglich die oberen drei Prozent der Bevölkerung betroffen wären, dann schwadronieren neoliberal-konservative Politiker, Ökonomen und Journalisten von "Welt" und "FAZ" irgendeinen nebulösen Scheißdreck von Sozialismus, Sozialneid und dass sich Leistung für die sogenannten "Leistungsträger" nicht mehr lohnen würde, ohne auch nur ansatzweise zu definieren, was das ist, ein "Leistungsträger": Ist das jemand, der mit harter Arbeit brutto 20 Euro in der Stunde verdient oder oder 50 Euro oder 100 Euro oder vielleicht 1.000 Euro? Oder ist das jemand, der mehr oder weniger fürs Nichtstun in einem einzigen Jahr 500 Millionen Euro im Jahr an Dividenden kassiert? Auf solche konkreten Fragen bekommt man von Neoliberalen und Konservativen nie eine konkrete Antwort.

Diese Spaltung gilt auch auch für das demokratische "Projekt" der Europäischen Union. Zweifelsohne haben nicht wenige Briten bislang von der EU profitiert und profitieren immer noch davon. Aber eben nicht alle Briten. Wenn der Monopoly-Kapitalismus immer mehr nationale Verlierer produziert, dann sind autoritäre Politiker wie Boris Johnson, Donald Trump usw. nicht die Ursache, sondern die nationale demokratische Konsequenz.

Demokratie ist nicht die Krönung der Staatsformen, Demokratie ist leider nur eine Zweitbesten-Lösung. Ob der Brexit das ursächliche Problem löst oder das Problem noch verstärkt, spielt dabei nämlich keine Rolle.

RE: Wer soll das alles bezahlen? | 30.08.2019 | 14:02

Man soll die Hoffung nie aufgeben, dass aus der SPD wieder eine Partei wird, die sich tatsächlich für die Interessen der Allgmeinheit und die vielen sogenannten "kleinen Leute" einsetzt und nicht für die Interessen des "großen Geldes".

Nach dem Trümmerhaufen des Zweiten Weltkrieg bestand das Ziel der deutschen Politik einmal darin, "Wohlstand für Alle" zu schaffen und eben keinen Monopoly-Kapitalismus, in dem die hyperreichen oberen Zehntausend immer noch reicher werden und Bürger, die ein Leben lang hart arbeiten, im Alter eine Rente bekommen, die gerade einmal für die Miete reicht oder nicht einmal dafür. Die obszöne Vermögenskonzentration war nämlich ein Grund für den Niedergang der Weimarer Republik und den Aufstieg Adolf Hitlers. Stellt sich die Frage: was hat die SPD aus der Geschichte gelernt? Ober will die SPD nichts aus der Geschichte lernen?

Das einzig Positive, das die "Sozialdemokratische"PD in den letzten Jahren gegen die Interessen des großen Geldes tatsächlich durchgesetzt hat, war die Einführung des (löchrigen) gesetzlichen Mindestlohnes auf einem sehr bescheidenen und beschämenden Niveau.

Das bürokratische Argument des Erhebungs- und Kontrollaufwandes ist so alt und billig wie die Vermögensteuer selbst. Es wird von neoliberal-konservativen Ökonomen, Sozialdarwinisten und scheinheiligen Politikern immer dann in Stellung gebracht, wenn es um die hyperreichen oberen Zehntausend geht. Bei Hartz IV-Empfängern kann der bürokratische Kontollaufwand nämlich nicht hoch genug sein, denn hier wird allen Hartz IV-Empfängern pauschal unterstellt, sie hätten zwei echte Rembrandts für 100 Millionen Euro im Tresor und jährliche Kapitaleinkünfte in dreistelliger Millionenhöhe, die sie vor dem Arbeitsamt verstecken würden.

Ein Teil des Vermögens, das betrifft vor allem das Geldvermögen, war nämlich vorher Einkommen. Dividendenausschüttungen an Aktionäre sind im Jahr des Zuflusses Einkommen. Wenn die 500 Millionen Euro netto (nach Abzug der Einkommensteuer) an einen Großaktionär auf seinem Girokonto gutgeschrieben werden, wird daraus Vermögen. Man könnte also z. B. auch den Einkommensteuertarif auf Kapitaleinkünfte anpassen und den Einkommensteuersatz auf sehr hohe Einkünfte entsprechend erhöhen.

NUR ZUR ERINNERUNG: Der sog. Spitzensteuersatz auf sehr hohe Einkommen lag in Deutschland einmal bei 56 Prozent (das galt auch für Kapitaleinkünfte!), die Mehrwertsteuer bei 11 Prozent. Heute liegt der Mehrwertsteuersatz bei 19 Prozent, der Spitzensteuersatz bei 42 bzw. 45 Prozent. Allerdings gilt dies nicht für Kapitaleinkünfte, denn Kapitaleinkünfte werden derzeit ab 801 Euro (="Sparerfreibetrag") nur mit 25 Prozent zzgl. Soli = 26,375 Prozent besteuert und zwar linear. Hier gibt es keine Progression. Es spielt keine Rolle, ob man Kapitaleinkünfte in Höhe von 5.000 Euro oder 50.000 Euro im Jahr kassiert oder ob es 500 Millionen Euro im Jahr sind.

Wenn neoliberal-konservative Ökonomen und scheinheilige Politiker in Deutschland gegen die (Wieder-)Einführung der Vermögensteuer Stellung beziehen, dann sollten sie nicht um den heißen Brei herum reden und ehrlicherweise sagen: Wir wollen nicht, dass die hyperreichen oberen Zehntausend der Gesellschaft mehr Steuern zahlen. Ich bin kein Heiliger, aber auch Scheinheiliger und ich kann Scheinheiligkeit nun mal nicht ausstehen.

C.B.

RE: Niedersteuerlande | 29.08.2019 | 14:06

Das Wort "Steuerparadies" klingt viel zu schön. Es ist die falsche Bezeichnung für einen gesellschaftlichen Missstand, weil "Paradies" eine verbale Verharmlosung und Verniedlichung des vorliegenden Sachverhalts darstellt. Es sollte treffender Steuersumpf, Steuerkloake, Steuerkläranlage oder Steuerscheißhaufen heißen.

Für die große Mehrheit unserer Gesellschaft ist dieses "Paradies" nämlich zeitlebens unerreichbar. Diejenigen, die ihr Geld in Steuerparadiese schaffen, gehören nicht zur hart arbeitenden Mehrheit und schon gar nicht zu den Niedriglöhnern, die am Monatsende das Girokonto überziehen müssen, um ihre Miete zahlen zu können.

Ganz im Gegenteil, es sind sogenannte "Mitbürger", die Geld bzw. Vermögen im Überfluss haben, aber den Hals nicht voll kriegen und darauf weniger Steuern zahlen wollen als die Steuergesetze bzw. der Steuertarif im eigenen Land vorsehen. Um zum Beispiel 30 Millionen Euro Steuern "hinterziehen" zu können wie der CEO des Fußballclubs Bayern München Uli H., muss man mindestens 30 Millionen Euro haben. Dafür muss selbst ein Gymnasiallehrer mehrere Jahrhunderte arbeiten, was rein biologisch außerordentlich schwierig werden dürfte.

Mitbürger, die ihr eigenes Geld in "Steuerparadiese" bringen, sind Verbrecher. In einem "Paradies" sollte es keine Verbrecher geben.

RE: Ignoranz ist heilbar | 29.08.2019 | 11:31

Ein Artikel, der den bekannten Nagel auf Kopf trifft. "Die" sogenannten Ostdeutschen und "die" Westdeutschen unterscheiden sich m. E. in in der Mentalität und in zentralen Einstellungen nur unwesentlich. Diese mediale Trennung ist ein pauschales Vorurteil, das von nicht wenigen deutschen Politikern und Journalisten im Jahre 2019 immer noch bzw. immer wieder vorgebracht wird, um von anderen Ursachen abzulenken.

Es gibt ignorante Ossis und es gibt ignorante Wessis. Zur Ignoranz kommen bei vielen Ost- UND Westdeutschen allerdings noch Arroganz, Dekadenz, Opportunismus, Heuchelei und Scheinheiligkeit hinzu.

In unserem Veloverein gibt es z. B. einen gebürtigen westdeutschen Beamten, der in seinem ganzen Leben noch keinen einzigen Tag arbeitslos war. Er ist einer der typischen deutschen Arschkriecher, die 30 Jahre nach dem Fall der Mauer immer noch mit dem Finger auf die ehemalige DDR zeigen und "Sozialismus ist bäh" schreien bzw. dass die "Ossis" erstmal lernen müssen, was arbeiten heißt. Gleichzeitig wählt er seit fast zwei Jahrzehnten eine ehemalige Opportunistin des DDR-Regimes alias"Mutti" Merkel zur gesamtdeutschen Bundeskanzlerin. Eine Politikerin, die behauptet, "Deutschland gehe es gut". Wenn es Bürger gibt, denen es tatsächlich nicht gut geht, dann spielt es für diese Frau keine Rolle, ob das ehemalige "Wessis" oder gebürtige "Ossis" sind, weil das dieser Frau aus der ehemaligen DDR grundsätzlich vollkommen egal ist. "Mutti" Merkel macht nämlich Politik für die oberen Zehntausend in Deutschland und nicht für Ostdeutsche oder Westdeutsche.

Viele westdeutsche Arschkriecher, die heute "Sozialismus ist bäh" schreien, wären mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Erich Honneker und der SED ganz tief hinten rein gekrochen, wenn sie in der ehemaligen DDR geboren und aufgewachsen wären.

RE: Anerkennung und Sicherheit | 23.03.2019 | 13:08

@Jonah Jarvis

Zitat: "Wirtschaftlich hat der Osten keine Zukunft und Schuld sind alleine die Menschen, die dort leben. Es tut mir leid, um die vielen freundlichen und gütigen Leute im Osten, aber nahezu 30 Prozent AfD-Wähler sind Zeugnis für eine kranke Gesellschaft und schrecken ganz zuverlässig Unternehmen und Kapital ab."

Mit Verlaub, aber die Unternehmen und das "Kapital" sind doch sonst auch nicht so pingelig und moralisch kleinkarriert, wenn es darum geht, Gewinne zu machen. Schließlich exportiert Deutschland Jahr für Jahr Rüstungsgüter in mehrstelliger Milliardenhöhe in die ganze Welt. Die Unternehmen und das sogenannte "Kapital" scheren sich doch einen feuchten Dreck darum, wo die vielen Waffen tatsächlich landen und welcher rechte oder linke Diktator bzw. Pseudo-Demokrat damit auf die eigene Bevölkerung oder andere Menschen schießen lässt.

Wo bitteschön bleiben die Skrupel des "Kapitals", wenn z. B. große Immobilienfonds ganze Wohnblocks mit 1.000 Mietern aufkaufen, die Fassaden neu anstreichen lassen und mit dieser lausigen Begründung die Mieten verdoppeln oder die Häuser entmieten, um sie dann in 5-Sterne-Luxus-Eigentumswohnungen umzuwandeln, die für die große Mehrheit der Bevölkerung inzwischen unbezahlbar sind?

Dem Kapital ist es doch vollkommen sch...egal, ob dieser Wohnblock in München-Brunshausen, Hamburg-Deppendorf, Bummsstadt oder irgendwo in den sogenannten neuen Bundesländern steht, wenn man damit Profite machen kann.

Wo bleiben z. B. die moralischen Bedenken der Kapitalschlepper und zwielichtigen Steuerberater, die Millionen dafür kassieren, um den Milliardengewinnen des Kapitals bei der Flucht in irgendwelche obskuren Steueroasen zu helfen?

Es tut mir leid, aber bei Lichte betrachtet entpuppt sich die Behauptung, dass der Osten mit überdurchschnittlich vielen AfD-Wählern die Unternehmen und das Kapital "abschrecken" als sehr oberflächliche und plumpe neoliberale Argumentation. Oder gibt es in Westdeutschland keine Rechtskonverservativen, Rassisten, Nationalisten, Sozialdarwinisten, AfD-Wähler und AfD-Sympathisanten?

Die Wahlerfolge der AfD haben ihre eigentliche Ursache nicht im Fall der innerdeutschen Mauer und der Wende von 1989. Die Abkehr von der Sozialen Marktwirtschaft und die neoliberale bzw. "geistig-moralische" Wende fand in Westdeutschland nämlich bereits 1979/1980 Jahre statt.

Wenn in dieser Gesellschaft jemand "krank" ist, dann sind es das Kapital selbst und vor allem die Parteien (CDU/CSU, SPD usw.), die seit Jahrzehnten den Wählern vorgauckeln, Politik für die sogenannte "Mitte" der Gesellschaft zu machen, aber tatsächlich Politik für die oberen Zehntausend der Gesellschaft, die deutschen Oligarchen und Hyperreichen machen. Sogar die FDP ist schon mit Wahlplakaten "Zukunft für die Mitte" auf Dummenfang gegangen. Ein paar Dumme finden sich nämlich immer, die darauf reinfallen.

Die AfD ist nicht die Ursache der Probleme. Die AfD ist nur die konsequente Fortsetzung der neoliberal-konservativen, nationalistischen und pseudo-sozialdemokratischen Politik der letzten Jahrzehnte.

RE: Diskursverschiebung erfolgreich | 19.12.2018 | 08:11

1. Zitat: "Wenn man weiß, dass das Kind längst im Waldorf-Kindergarten groß geworden ist, sieht die Schulwahl plötzlich logisch aus."

Auch wenn es wie Korinthenkackerei erscheinen mag, die Wahl der besagten Schule ist im voliegenden Fall vielleicht konsequent, aber nicht zwingend "logisch". Logik ist etwas anderes. Wenn A größer ist als B und B größer als C, dann ist A auch größer als C. Das ist "Logik".

2. Zitat: "... worum sich die Story im Kern dreht..."

Im Kern geht es darum, dass es sich hierbei um eine staatlich anerkannte oder staatlich genehmigte Ersatzschule in freier Trägerschaft handelt, die von ihrem Recht Gebrauch gemacht, einen potentiellen Schüler abzulehnen.

Wäre Ihre Empörung ebenso groß, wenn der Vater des Kindes ein fundamentalistischer Moslem, ein linker Steinewerfer oder ein verurteilter Kinderschänder wäre und kein Mitglied einer neoliberalen, antidemokratischen, völkisch-autoritären und nationalistischen Partei? Das kann man mit Fug und Recht bezweifeln.

3. Zitat: "... Erbmultimillionär und Pseudo-Malochervertreter"

Links und Multimillionär ist zweifelsohne besser als links und arm. Aber das immer noch besser als rechts und arm, denn dann ist man auch noch strunzblöd. Bleibt die Möglichkeit, man ist rechts und Multimillionär.

Und zu welcher Gruppe gehören Sie?

RE: Nachhilfe in C++ | 17.12.2018 | 23:35

Ist man "links", wenn man - für die Erhöhung des Spitzensatzes bei der Einkommensteuer auf das Niveau von 1960 bei gleichzeitiger Ausweitung der Progressionszone auf ein zu zvE von 500.000 Euro/Jahr, - für die Wiedereinführung der Vermögensteuer für Hyperreiche ab 100.000 Millionen Euro Reinvermögen, - für die Trennung des Bankensystem in einen spekulativen/riskanten Investmentbereich und einen Bereich der gewöhnlichen/normalen Geschäftstätigkeit, - für die Erhöhung der Eigenkapitalquote von Großbanken auf 30 Prozent, - für die gleiche Besteuerung von Einkünften aus nichtselbständiger Tätigkeit und Kapitaleinkünften, - für die Abschaffung des Steuerprivilegs beim Verkauf von Unternehmen, - für die Reaktivierung des sozialen Wohnungsbaus, - für die Einführung einer Finanztransaktionssteuer für spekulative Investments in Höhe von 1 ,5 (in Worten: einskommafünf) Prozent, - für die Senkung des allgemeinen Mehrwertsteuersatzes von 19 auf 10 Prozent, - für die Abschaffung der Mehrwertsteuer auf Babywindeln, Kinderschuhe, Kinderfahrräder, Mineralwasser, Nudeln, Kartoffeln, Blumenkohl und Lehrbücher, - für eine effiziente Erbschaftssteuer, - für Mindestlöhne, die über dem Existenzminimum liegen, und gegen Lohndumping bzw. "Hartz-IV-Aufstocking", - für feste Arbeitsverträge und die Beschränkung befristeter Arbeitsverhältnisse auf ein absolutes Minimum, - für die Abschaffung des "Statistikmodells" beim Hartz-IV-Regelsatz und für die Berechnung des sozioökonomischen Existenzminimums auf der Grundlage eines Warenkorbes, - für die konsequente Offenlegung und Transparent aller Nebeneinkünfte aller Abgeordneten in den Parlamenten, - dafür, dass 500 Finanzbeamte eingestellt werden zur Bekämpfung von Steuerhinterziehung und Subventionsbetrug, - für die Beschränkung der Mandatstätigkeit eines Abgeordneten auf (maximal) drei Legislaturperioden, - dafür dass, Spielfilme im Privatfernsehen an Sonn- und Feiertagen durch Werbespots unterbrochen werden dürfen, - für eine armutsfeste gesetzliche Rente, - für die Erhöhung der gesetzlichen Gewährleistungsfrist bei langlebigen Konsumgütern auf mindestens 6 Jahre, - gegen die Privatisierung der Autobahnen und - gegen den das Abschmelzen der Alpengletscher ist? Oder ist das bereits "marxistisch"? Wenn ja, dann war die Bundesrepublik (West-)Deutschland nach dem Ende des Zweiten Weltkrieg in vielen Bereichen jahrzehntelang marxistisch. Auch Konrad Adenauer und Ludwig Erhard waren dann Marxisten nach dem Motto: Den Marxismus in seinem Lauf halten weder Angela Merkel noch Friedrich Merz auf. Prost Glühwein! Gelobt seien die Kerzen am Weihnachtsbaum.

RE: Auf dem falschen Gleis | 17.12.2018 | 22:09

Zitat: Die „erstaunlich gute Stimmung“ beim Bahnchef-Weihnachtsessen hat wohl andere Gründe: Dürr, Mehdorn und Grube kommen aus dem Daimler-Imperium. Dürr hatte Mehdorn als seinen Nachfolger vorgeschlagen, Grube war Mehdorns Büroleiter bei Daimler, Lutz kletterte unter Dürr, Mehdorn und Grube auf der DB-Karriereleiter nach ganz oben. Dürrs Hauptengagement galt stets seinem Familienbetrieb, dem Autolackier-Konzern Dürr AG.

Im Sinne und für die oberen Zehntausend in diesem unserem Lande läuft doch alles Bestens, wie man sieht. Wen interessiert es da, ob die Bahn pünktlich ist, die Toilette im Waggon verstopft ist, die Fahrkartenautomaten defekt, die Züge entweder menschenleer oder vollkommen überfüllt sind, die Zugführer schlecht bezahlt werden und übermüdet sind, die Klimaanlage nicht funktioniert und wie versifft und verdreckt viele Bahnhöfe sind? Die Hauptsache ist, das Image stimmt.

Wer zur oberen Mittelschicht oder zur High Society gehört, fliegt heutzutage sowieso mit dem eigenen Helikopter oder dem Privatjet. Der braucht keine popelige Bahn.

RE: Gegen das Verderben | 15.12.2018 | 14:01

In normativer Hinsicht stimme ich ihnen zwar zu, was die Gewaltenteilung in unserer Demokratie angeht. So steht es theoretisch jedenfalls in den juristischen Lehrbüchern und Kommentaren.

Empirisch sieht es bei Lichte betrachtet allerdings anders aus. Selbstverständlich setzen Polizei, Staatsanwaltschaft und Richter als Teil des Staates auch Prioritäten, wenn es um den Vollzug der Gesetze geht, die der Gesetzgeber (Bundestag, Bundesrat und Länderparlamente) beschlossen hat oder wollen Sie das allen Ernstes bestreiten?

Mir wurde zum Beispiel vor zig Jahren einmal ein abgeschlossenes Fahrrad aus der Tiefgarage gestohlen. Ich habe den Diebstahl zwar zur Anzeige gebracht. Solche Delikate interessieren aber allenfalls "das" Sachbearbeiter, "das" die Statistik führt, denn es wäre naiv zu glauben, Polizei und Staatsanwaltschaft hätten tatsächlich auch nur eine Sekunde lang ermittelt.

Wenn man andererseits sieht, welche Ressourcen die Exekutive aufwendet, um Bürger, die fünf Hanfpflanzen zum Eigenverbrauch auf dem Balkon anpflanzen, zu erwischen und gerichtlich zu bestrafen. Da wird schon mal die Wohnung in Abwesenheit des Bewohners von der Polizei aufgebrochen und durchsucht und vom Richter bekommt er am Ende 90 Tagessätze aufgebrummt.

Ganz abgesehen davon, dass es vollkommen legal ist, sich jeden Tag zu Hause im Wohnzimmer zwei Flaschen Schnaps und/oder drei Schachteln Marlboro, Camel, Chesterfield usw. reinzupfeifen. Hier kann und darf die Exekutive gar nicht ermitteln.

Wenn Polizisten bei Demonstrationen eingesetzt werden, dann kommt es auch darauf an, ob es sich um tendenziell linke oder tendenziell rechte Demonstranten handelt. Bei linken Demonstranten wird schon mal einem Demonstranten - selbstverständlich versehentlich - mit einem Wasserwerfer ein Auge zerschossen, bei rechten Demonstrationen gucken viele Polizeibeamten demonstrativ in die Luft, wenn sie von einem Neonazi mit einem in der Bundesrepublik Deutschland verbotenen Gruß aus der Zeit vor 1945 begrüßt werden und dieser dabei auch noch mehrmals Heil Hitler grölt.

Auch das mit der "repräsentativen Demokratie" ist bei genauer Hinsicht nur ein Mythos, wenn man sich zum Beispiel die reale berufliche und geschlechtliche Zusammensetzung der Parlamente ansieht.