RE: Dank Merz wird Cum-Ex ein größeres Thema | 11.11.2018 | 17:46

"der un-sinn Ihrer letzen sätze ist offensichtlich:

neos,cons + nazis ruinieren ihre basis, um einsicht zu stiften?"

Ich danke für die Nachfrage und bitte vielmals um Entschuldigung, wenn mein Sarkasmus nicht immer und von jedem richtig dekodiert wird.

Natürlich ruinieren Neoliberale, Konservative und Nationalisten nicht gezielt, bewusst und planmäßig ihre eigene Basis, um Einsicht zu stiften.

Das sind mehrheitlich weder Masochisten noch Selbstmörder und auch keine Hohlköpfe. (Bei vielen Nationalisten bin ich mir nicht ganz so sicher.) Nur extrem dumme Sklavenhalter erschlagen ihre jungen und arbeitsfähigen Sklaven, wenn sie nicht schnell genug arbeiten. Es sei denn, man will ein Exempel statuieren zur Abschreckung für alle anderen.

Was die neuere deutsche Geschichte angeht, dürfte allerdings die Tatsache unbestritten sein, dass es nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg in Deutschland ab 1918 schon einmal eine Demokratie gab. Eine Demokratie, die aufgrund rechtlicher Gegebenheiten und vor allem ökonomischer und sozialer Ursachen 1933 zu einer gleichgeschalteten Diktatur führte, die wiederum 1945 bekanntlich mit einem internationalen und deutschen Trümmerhaufen und Bergen an Leichen und Kriegsversehrten ihr Ende fand.

Das Grundgesetz von 1949 mit seinen normativen Werten (Menschenwürde, Gleichheitsgrundsatz, Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, Demokratie, Sozialstaatsklausel, Garantie und Sozialpflichtigkeit des Eigentums usw.) ist nicht vom Himmel gefallen und es existiert auch nicht, weil eine Handvoll "einsichtiger" Bürger irgendwann einmal ein paar gute Ideen hatte.

Die Demokratie, in der wir seit 1949 leben, existiert, weil nicht nur Sozialdemokraten, sondern auch viele Konservative und Liberale die Lehre aus dem Scheitern der Weimarer Republik zogen und sich bewusst waren, dass Armut, soziale Ausgrenzung, Arbeitslosigkeit, extreme Ungleichheit, ökonomische Konzentration und vor allem die Verachtung der Menschenwürde zu diesem "Vogelschiss in unserer über 1000-jährigen Geschichte" (A. Gauland, AfD-Vorsitzender 2018) geführt haben.

Und jetzt geht es zweifelsohne wieder vorwärts in die Vergangenheit. Wer aus der Geschichte nichts lernt, muss die Lektion eben wiederholen. Die Mehrheit der Deutschen kennt den Krieg eben nur aus dem Fernsehen.

RE: Dank Merz wird Cum-Ex ein größeres Thema | 11.11.2018 | 15:35

@ gelse "Bei Wahlen gibt es zwar Verschiebungen im Block der Kapitalparteien"

Deswegen spenden nicht wenige Unternehmen in Deutschland inzwischen Jahr für Jahr ganz offiziell auch an fast alle "größeren" Parteien gleichzeitig, sprich an die CDU, an die CSU, an die SPD, an die FDP und sogar an diese sogenannten Grünen, wenn auch zum Teil in sehr unterschiedlicher Höhe.

Schließlich haben wir in Deutschland ein personengebundenes Verhältniswahlrecht. Da kann man nie wissen, welche Koalition sich nach den Wahlen tatsächlich ergibt. Jamaika, Tansania, Große Koalition, Schwarz-Grün, Schwarz-Gelb oder Schwarz-Orangeblau wie in Bayern.

Um einem beliebten Argument neoliberaler Lobbyisten vorzubeugen: Selbstverständlich erwarten diese Unternehmen keine direkten Gegenleistungen von den oben genannten Parteien. Aber wenn man überhaupt nichts dafür erwartet, dann kann man das Geld auch im Wald vergraben oder an den MiM (Mann im Mond) überweisen.

Dagegen ist der Prozentsatz der Spenden juristischer Personen an die sogenannte "Linke", ein quantité négligeable, geradezu unsichtbar. Eine Partei, die sich in diesem Lande tatsächlich für die Interessen von Mietern, Rentnern, Arbeitslosen, Obdachlosen, Migranten, Hartz IV-Aufstockern und den vielen arbeitenden Menschen, die keine Millionen im Jahr verdienen, einsetzt, das wollen die Manager des großen Geldes, die Aktionäre und Hyperreichen naturgemäß nicht.

Und die Problematik verdeckter Spenden via Tarnorganisationen, Sponsering (siehe dazu https://www.lobbycontrol.de/2018/05/parteispenden-verdeckte-geldfluesse-in-millionenhoehe/

muss man erst gar nicht erwähnen.

RE: Fünf Dinge, die anders besser wären | 11.11.2018 | 12:13

1. "Angela Merkel ... wolle „Diesel-Fahrverbote per Gesetz erschweren“. Tatsächlich? Warum nicht gleich Stickstoffdioxidmessungen abschaffen? Luftwert- und Feinstaubkontrollen verbieten? Damit wäre das Problem gelöst."

Das ist "marktkonforme" Demokratie. Mutti und ihre neoliberalen Konservativen gauckeln der Öffentlichkeit vor, sie würden etwas für die Umwelt tun, aber in Wirklichkeit tut sie das, was die Interessenvertreter des großen Geldes wollen.

2. "Und: Das koste 100.000 Arbeitsplätze. Bis 2030!"

Das neoliberale Argument der "Arbeitsplätze" gab es zum Beispiel auch vor und bei der Einführung des Katalysators in den 80er Jahren. Diese scheinheilige Argumentation ist vermutlich ebenso alt wie das älteste Gewerbe der Welt.

Den Managern und Lobbyisten des großen Geldes geht es nicht um die Arbeitsplätze, sondern vor allem um Gewinnmaximierung und die Rendite der Aktionäre.

Warum sonst werden hierzulande Arbeitsplätze abgebaut und z. B. nach XYZ verlagert, obwohl das Unternehmen in Deutschland schwarze Zahlen schreibt und Gewinne macht? Warum sonst werden "teure" Menschen durch "billigere" Maschinen und Roboter ersetzt?

Und wie viele Arbeitsplätze werden Jahr für Jahr durch Spekulanten und Börsenzocker vernichtet?

3. "Nahles ist erst mal nur Freigängerin. Bis sie ihr Gegenkonzept zur Agenda 2010, das Projekt „Sozialstaat 2025“, vorlegt, angepeilt ist Ende 2019."

Logische Schlussfolgerung und/oder Voraussetzung dafür wäre doch die Kündigung der (großen) Koalition mit der CDU/CSU oder etwa nicht?

Denn mit Interessenvertretern des großen Geldes wie Herrn Merz wird die Sozialstaatsklausel des Grundgesetzes endgültig auf den Kopf gestellt werden. Kindergeld gibt es dann nur noch für "notleidende Banken", deren Eltern sich bei Milliarden-Poker an den Finanzmärkten verzockt haben. Für die Mitte der Gesellschaft und die ganz kleinen Leute bleibt dann n ichts mehr übrig.

RE: Sie nannten uns Sozialhilfe-Adel | 09.11.2018 | 00:04

@kmv "Och nö, nach 'aufschrei', 'aufstehen', 'unteilbar' ect., noch so ein Sammelaufruf."

Mit Verlaub, das Problem besteht doch nicht darin, dass wir in Deutschland zu viele dieser "Sammelaufrufe" haben haben, sondern viel zu wenige, wenn man sich den neoliberalen Medien-Mainstream anschaut und weiß, wie vernetzt Rechtskonservative, Nationalisten und Rechtsextreme sind.

Oder auf welcher Seite der Demokratie stehen Sie?

Autoritätgläubige Menschen und Sozialdarwinisten haben es naturgemäß einfacher. Sie treten nach unten und kriechen irgendeinem "Führer", der vorgibt, ihre Interessen zu vertreten, in den schwarzbraunen Arsch. Nicht nur die Mehrheit der Deutschen sind scheinheilige, opportunistische und autoritätsgläubige Arschkriecher.

Ach ja, vielleicht sollten Sie tatsächlich einmal vor dem BFH, BVerwG, BGH oder dem BVerfG klagen. Dann merken Sie, wie "rechtsstaatlich" unsere vielgepriesene (west)deutsche Demokratie tatsächlich ist.

Oh, mein Hund bellt gerade und wendet ein, dass die DDR bekanntlich auch ein "demokratisches" und rechtsstaatliches Land war, schließlich steht die Abkürzung für Deutsche "Demokratische" Republik. Ich glaube, mein Hund hat ein Glas Sherry zu viel getrunken. Wer zu viele Alkohol trinkt, wird risikofreudiger, aber weniger kritikfähig und schwächt sein Urteilsvermögen.

Chee­rio Mister Winterbottom

PS: Grüßen Sie Admiral von Schneider und Mr. Pommeroy von mir.

RE: Dank Merz wird Cum-Ex ein größeres Thema | 08.11.2018 | 22:36

@reziplikativ

Ihre Vision ist zwar nicht sehr optimistisch, aber bei Lichte betrachtet durchaus realistisch.

Es gibt dumme Menschen und Menschen, die andere für dumm verkaufen. Das Tragische daran ist, dass es die Dummköpfe naturgemäß nicht merken, wenn sie übervorteilt bzw. für dumm verkauft werden. Es sei denn, sie verbrennen sich die eigenen Finger auf der heißen Herdplatte der Marke "Trump". Dann merken selbst die Dummen. Ein "heißer" Trump und Brandblasen tun höllisch weh.

Nur zur Erinnerung: Im Lande der "christlichen" Deutschen haben einmal rund 43 Prozent der Deutschen Adolf Hitler und die NDSAP gewählt. 1945 wußte die die Hälfte der deutschen Bevölkerung nicht, wer Adolf Hitler ist, und 49,9 Prozent der Deutschen waren im passiven Widerstand.

Krieg ist für Neoliberale, Konservative und Nationalisten die Krönung der Marktwirtschaft. Nur dann, wenn fast alles in Schutt und Asche liegt und die eigenen Kinder im Krieg sterben, lernen die Menschen etwas dazu.

RE: Unser Sterben wird teuer | 08.11.2018 | 21:51

@phs: "Es ist diese Heuschrecken-Kapitalfraktion, die eine der Hauptursachen für das "vernachlässigte Lebensgefühl" vieler Menchen ist, nicht Frau Merkel ..."

Häh?

Frage: Wer bzw. was bitteschön ist Frau Merkel seit 2005 (in Worten: zweitausendfünf)?

Eine angelernte Bürokraft, die für 8,64 Euro brutto pro Stunde Briefe abtippt, Termine vereinbart, Kaffee kocht und Kopierpapier bestellt oder die Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland, die gem. Grundgesetz bzw. Verfassung die Richtlinien der deutschen Politik festlegt?

Antwort: Frau Merkel ist keine Bürokraft, die Briefe abtippt, Termine vereinbart, Kaffee kocht und Kopierpapier bestellt. De facto ist sie Stelleninhaberin des höchsten politischen Amtes in diesem Lande, auch wenn sie de jure unter dem Bundes(tags)präsidenten steht.

Es ist Aufgabe dieser Bundeskanzlerin, der von ihr eingesetzten Bundesminister und der Legislative, dieser "Heuschrecken-Kapitalfraktion" Grenzen zu setzen.

Aber genau das tut Frau Merkel nicht. Ganz im Gegenteil, sie kriecht diesen Heuschrecken-Kapitalisten seit Jahren ganz tief in den Arsch und scheißt auf die Umwelt und arbeitende Bevölkerung.

RE: „So ist das in der Klassengesellschaft“ | 08.11.2018 | 20:11

Ich bitte vielmals um Verzeihung für meine Unverschämtheit, Ihnen zu widersprechen.

Erstens handelt es sich beim Buddhismus um eine aus religiösen Gründen selbst gewählte asketische Lebensweise.

Und zweitens ist das "Leiden" viel erträglicher, wenn man in einer Villa am Stadtrand lebt, ein paar Goldbarren im Banktresor, ein "kleines" Aktienpaket und 100 Millionen Euro auf dem Konto hat und keine Angst haben muss, dass man irgendwann von seinem Arbeitseinkommen in diesem "christlichen" Land die Miete nicht mehr zahlen kann.

RE: Unser Sterben wird teuer | 06.11.2018 | 01:27

Der Duden umschreibt "Raubtier-Kapitalismus" als "ohne Rücksicht auf andere Belange nur nach möglichst großem Profit strebende Form des Kapitalismus".

Die Bezeichnung trifft es meiner Meinung aber nicht ganz, denn Raubtiere auf vier Beinen, Pfoten, Tatzen oder Pranken fressen sich immer nur den Bauch voll und legen sich dann auf die faule Haut, bis sie wieder Hunger bekommen.

Das Raubtier mit dem aufrechten Gang, genannt homo sapiens, bekommt den Hals einfach nicht voll. Zuweilen schlachtet es sich auch noch massenweise im Namen eines höheren Wesens gegenseitig ab.

Es wird Zeit, dass der Mensch endlich ausstirbt, um Platz zu machen für intelligentes Leben.

RE: Grüne Köche, rote Kellner | 05.11.2018 | 08:18

"Vor allem aber springen Kevin Kühnert und Genossen ebenso wie ihre Vorbilder Bernie Sanders und Jeremy Corbyn in Sachen sozialdemokratischer Erneuerung viel zu kurz, weil sie die ökologischen Fragen unterschätzen."

Einspruch. Selbstverständlich sind "ökologische Fragen" wichtiger denn je. Aber Bürger, die zum Beispiel ein Leben lang hart gearbeitet haben, um sich dann im Alter bei der Tafel anstellen zu dürfen, weil die Rente in diesem reichen Land gerademal für die Miete reicht, sind ökologische Fragen herzlich egal. Das gilt sicherlich auch für Bürger, die noch im Erwerbsleben stehen und nach Feierabend noch einen zweiten Job brauchen, weil ein Einkommen inzwischen nicht mehr ausreicht, um damit über die Runden zu kommen, und viele andere Bürger.

Und auch die Aussage "Die Zukunft der Arbeit hängt an der Digitalisierung" kann ich nicht voll und ganz unterschreiben, zumal die Digitalisierung keine sozialen Probleme und gesellschaftliche Verwerfungen lösen, sondern eher noch verschärfen wird.

Andererseits gibt und gäbe es in unserer Gesellschaft genügend analoge Arbeit zum Beispiel im Bereich der Pflege (Stichwort: Pflegenotstand). Es sei denn, man will irgendwann einmal von einem Roboter oder Tamagotchi gepflegt werden.

Richtig ist die Feststellung, dass "Umverteilen" im klassischen Sinn nicht ausreichen wird. Es kommt allerdings auch darauf an, wie man "umverteilt". Wenn Multimillionäre und Hyperreiche auf Kosten der Allgemeinheit mit Kindergeld alimentiert werden und "notleidende Banken" von "Mutti" Merkel mit Milliarden unterstützt werden, ist das auch natürlich auch eine Art "Umverteilung", aber eine Umverteilung von unten nach oben.

RE: Kohl sah keine Gefahr | 04.11.2018 | 17:20

zelotti: "Wird ein CDU-Parteivorsitzender Friedrich Merz die Milliarden-Krötenwanderung durch Steuerbetrug (cum-ex, Dutch sandwich usw.) in die Hände des Großkapitals wirksam unterbinden? Wird er die Steuer-Freihäfen der Digitalkonzerne schließen?"

Aber nur wenn der Papst Erwin Lindemann heißt, in 66 Jahren nach Island umzieht, dort einen Lottogewinn von 500.000 Kröten macht und dann im Herbst zusammen mit seiner Tochter, Mr. Bean und Vladimir Putin in Wuppertal die Herrenboutique "Loriot" eröffnet.

Aus diesem Saulus wird kein Paulus.