Christian Füller
Ausgabe 2115 | 20.05.2015 | 14:00 54

1.000 Opfer bei Berliner Grünen

Missbrauch Bis in die 90er Jahre hinein war die Alternative Liste ein Hort für sexuelle Gewalt gegen Kinder

Als Grünen-Chefin Simone Peter die Zahl zum ersten Mal hörte, da entglitten ihr die Gesichtszüge. 1000 Opfer sexueller Gewalt gegen Kinder soll es in Berlin-Kreuzberg in den 80er und 90er Jahren gegeben haben, und Grüne selbst waren diesmal die Täter und Organisatoren des Missbrauchs. Bislang hatte Peter stets die Formel bemüht „Wir Grünen sind nicht der Ort der Taten“. Diese These lässt sich angesichts des jüngsten grünen Aufklärungsberichts nicht mehr halten, den die Berliner erstellt haben. Die Zahlen und Strukturen gehen weit über das hinaus, was bisher über Missbrauch bekannt war. Die Odenwaldschule war eine Art Waisenhaus gegen das, was in Kreuzberg geschah.

Die Zahl der „bis zu 1.000 Betroffenen“ von sexueller Gewalt im direkten Zusammenhang mit der Alternativen Liste hat der Berliner Grünen-Abgeordnete Thomas Birk zunächst  bestätigt; bei der Vorstellung des Berichts nannte er diese Zahl dann "spekulativ". Sie kommt zustande, weil allein vier pädokriminelle Intensivtäter in Kreuzberg ihr Unwesen trieben. Sie sind inzwischen gestorben oder sitzen in Sicherheitsverwahrung. Bei den Berliner Grünen gründeten sie innerhalb der Partei eine AG „Jung&Alt“, die als Tätergruppe agierte – und als ideologisches Zentrum. In und mit der Partei kämpften die Aktivisten für die Abschaffung der Missbrauchsparagrafen 174 und 176, sie spielten sich im Kreuzberger Kiez als eine Art grüne Jugendbeauftragte auf und traten bei Prozessen als Unterstützer auf – für angeklagte Täter. „Die Schwulen-AG unserer Partei war bis 1993 mehr oder minder ein Pädophilenbereich“, gesteht Birk ein. Er ist der Kopf hinter der radikalen Aufklärung, die die Berliner Grünen mit ihrem 80-Seiten-Bericht praktizieren.

Dies war dringend nötig. Denn die Grünen waren damals das Herz eines großen Kinderpuffs namens Kreuzberg. Praktisch jede Kindereinrichtung stand in der Gefahr, von Pädosexuellen okkupiert zu werden. Das berichten die Zeitzeugen – und es ist teilweise im Bericht dokumentiert: ein Kinderbauernhof, der Freizeitkeller „Falckenstein“ – er war die operative Basis der grünen Pädosexuellen –, Kindertagesstätten und Jugendgruppen, sogar einen „Kindernotruf“ gründeten Missbraucher. Wer dort anrief, landete direkt bei den Tätern. Der grüne Haupttäter groomte die Kinder in einer Grundschule und begleitete sie die ganze Zeit. Er manipulierte sie, zahlte alleinstehenden Müttern Geld. Aber er schickte sie auch auf den Kinderstrich am Bahnhof Zoo, sagen Zeugen aus.

Für die Grünen ist der Bericht beides: Ein Akt der schonungslosen Aufklärung von innen heraus; das gab es bisher nur ansatzweise. Und zugleich eine Katastrophe. Denn die Aufklärer in der Hauptstadt legen zugleich bloß, wie vorsichtig und wertlos die bisherigen Bemühungen etwa der Göttinger Forscher um Franz Walter waren: Dort wurden Diskurse untersucht, ein intellektuell redliches Unterfangen – aber von Tatorten, Taten und Tätern war in ihrem Buch stets nur sehr verschämt die Rede.

Das Berliner Papier kann wieder nur ein Zwischenbericht sein, so auch sein Name. Denn was fehlt, sind die Verbindungen zu Tatorten anderer grüner Landesverbände. Berlin-Kreuzberg war gewissermaßen Nachschublager und Drehscheibe für Reisen mit Knaben. Wichtig wäre es auch, das Netzwerk der hochrangigen Beschützer aufzudecken: Es ist überaus aufschlussreich, zu hören, wer in den 80er Jahren plötzlich anrief, um die mutigen Sozialarbeiterinnen und die pädokritischen Frauen aus der Kreuzberger Alternative Liste zurückzupfeifen. Es ist, so viel kann man sagen, ein kleines Who is Who der Linksliberalen in Deutschland.

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 21/15.

Kommentare (54)

Adrian van Mechelen 20.05.2015 | 15:31

Herr Füller soll seine Leser dann auch der entsprechende Link zum Abschlussbericht geben sodass mann sich an der Hand davon sich eine Meinung machen kann (91 Seiten):

http://gruene-berlin.de/sites/gruene-berlin.de/files/benutzer/henriette.kluge/bericht_komm_aufarbeitung_gruene_berlin_.pdf

Auch diese Woche erschienen ist das Abschlussbericht von Prof. Franz Walter über der Deutsche Kinderschutzbund (101 Seiten)

http://www.demokratie-goettingen.de/studien/deutscher-kinderschutzbund-abschlussbericht

Wegen Prof. Walter habe ich der Fachvortrag von Dr. Bruce Rind auf mein Site gesetzt. Mein Kommentar Prof. Walter folgt.

https://independent.academia.edu/AdrianvanMechelen

schna´sel 20.05.2015 | 15:51

Tut mir leid, aber das passt für mich in das Bild, das ich von diesen Wendehälsen habe. Und zwar nicht nur als politisch Betroffener, sondern quasi aus einer Innensicht heraus. Natürlich waren solche Vorstellungungen damals nicht nur auf Grüne oder das, was man heute Grüne nennt beschränkt. Es war einfach so, dass zu den Vorstellungeen von sexueller Befreiung auch gehörte, bestimmte Tabus in Bezug auf Kinder und Jugendliche nicht mehr so ernst zu nehmen. Man (also ich) war ja selber (fast) noch jugendlich in der Zeit. Oder fühlte sich so, auch wenn man die Mitte 20 schon überschritten hatte. Und für die Grünen zu sein war mehr alss selbstverständlich. Das war einfach die Partei, die politisch all die Tabubrüche verkörperte, für diee "unsere" Generation stand. Diese haltung war weit verbreitet, auch wenn man selbst nicht so veranlagt war, sich aktiv für Kinder zu interessieren.

Ich kann nur sagen, dass Jahre später, als die Grünen längst politisch etabliert waren, meine Begegnungen mit vielen, die dann aktiv bei grünen Ortsvereinen oder Kultureinrichtungen mitgemacht haben über Jahre von einer Doppelbödigkeit der Moral geprägt waren, die Ihresgleichen sucht. Das war mehr alks traurig und bis heute hat sich an dieser Einschätzung für mich nichts geändert. Und das gilt auch und ganz besonders für viele der Frauen, diee fest mit dieser Bewegung verbunden waren und sind. Die haben das mit getragen, auch wenn sich deren Fokus häfig auf ihre eigenen feministischen Themen konzentrierte: die Mentalität unterscheidet sich nicht groß von dem was da jetzt an die Öffentlichkeit kommt. Es ist die gleiche ideologische, tragische Basis auf der sich eine ganze Generation zuerst "befreit" hat, um dann spießiger zu werden, als diejenigen gegeen die sie damals politisch angetreten ist. Ein trauriges Kapitel der Geschichte.

muchtar55 20.05.2015 | 16:23

Die Grünen auch dieser sog. Bürgerrechtler sind doch nur noch einen abklatsch von sich selbst. Ich habe die Selbstherrlichkeit dieser Leute in den achzigern selber erlebt. Ihre Arroganz gegenüber den jenigen die nicht ihrer Meinung waren, auch teilweise die Agression gegenüber andersdenkende. Diese Leute sind doch das letzte in der politischen Landschaft. Sie stehen für Krieg (größte Verbrechen der Menschheit), sie stehen für Alters- uns Kinderarmut (stecken sich selbst die Taschen voll Fischer und Co.) sie stehen für Sklaverei (viele dieser Funktionäre und Anhänger betrieben sog. Sozialeinrichtungen die keine sind) sie sind gegen Meinugsfreiheit (Hofberichterstatter verharmlosen die Verbrechen der Grünen). Diese Partei ist wirklich das letzte.

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Ehemaliger Nutzer 20.05.2015 | 16:48

Ja, und hinter den Letzten der Letzten reiht sich in einiger Entfernung noch Marie Lusie Beck ein. Eine tolle Entwicklung der Grünen, da muss ich allen beipflichten. Die haben es sich inzwischen schön gemütlich gemacht in ihrer westlich-geistigen Demenz. Ich verstehe die jungen Parteimitglieder nicht und kann nicht nachvollziehen, das die noch jemand wählt. Wahrscheinlich stecken die auch noch hinter der kanadischen Firma, die Edathy mit Bildern beliefert.

Denke das Schlimmste, potenziere es mit unendlich und du siehst Olivgrün.

Richard Zietz 20.05.2015 | 18:52

Sorry – aber den Inhalt dieses Berichtes will ich mir erst noch von ein paar anderen (Medien) verifizieren lassen. Wäre die Faktenlage nur halb so schlimm wie oben dargestellt, würde medien- und politikseitig die Erde erbeben; die BLÖD-Zeitung für morgen würde mit Blut gedruckt werden. Da würden nicht nur ein paar lokale Parteiköpfe rollen. Ein derartiges Ausmaß hätte eine finale Abrechnung mit allem zur Folge, was auch nur entfernt mit »68« zu tun hat.

Leider nicht wirklich Off Topic: Gregor Gysi kriegt möglicherweise ein Strafverfahren an den Hals – wegen angeblicher Falschaussage. Noch nicht ganz ausgemacht ist die Sache, weil derzeit ein interner Behördenkampf tobt zwischen Hardlinern, die offensichtlich den Generalabwasch mit der Partei in Angriff nehmen möchten und Kräften, die sich für diese Form politischer Justiz (noch) nicht so erwärmen können.

Nochmals Sorry, aber ich bin nicht so blöd, die derzeitige Gesamtlage nicht mit ins Kalkül zu ziehen, wenn irgendeine Meldung über egalwas irgendwo steht. Denjenigen, die voreilig hier ins Bashing innerlinker Lieblingsfeinde einstimmen (ja – die Grünen sind etabliert und oberhalb der basicsten Basis in den meisten Fällen *******), würde ich – zumindest, bis was Valides vorliegt – eine ähnliche Haltung empfehlen. Jedenfalls, sofern noch ein politisches Veränderungsinteresse vorhanden ist.

Adrian van Mechelen 20.05.2015 | 20:54

Zwei der externe Mitglieder kommen aus feministische Beratungsstellen, Iris Hölling von "Wildwasser" und Lutz Volkwein von "Hilfe-für-Jungs" (S. 3).

Ohne ausfürhrlich eingehen zu können auf was in Berlin passiert ist (ich wohnte da noch niet in Deutschland), doch ein paar kurze,allgemeine Bemerkungen. Über Berlin sollen bestimmt andere Leser hier mit mehr wissen darüber können kommentieren. Ausführliche Argumenten kann mann nachlesen in mein Papers auf Academia.

Wie ich wohl öfter sehe, auch in der Fachliteratur, werden auch in Abschlussbericht Jugendliche unter der Term "Pädophilie" gefasst. Für pübertäre Jungen bzw. Mädchen sind da die Termen Ephebophilie und Parthenophilie die richtige. Da sind noch wohl Wissenschaftler wie Prof. Klaus Beier zu unrechte der Term Hebephilie (j/m) benutzen welches es aber wegen pseudowissenschaftlichkeit nicht als "Störung der Sexualpräferenz" bzw. "Mental Disorder" in der DSM-V gebracht hat.

Obwohl in Abschlussbericht allerhande Schwullengruppierungen vorbeikommen, wird nirgendwo berichtet über homosexuelle Jungen welche ein Intergenerationelle Beziehung hatten und möglicherweise nach heutige Ansicht der Grünen "Opfer" sein hatten können oder zum Opfer gemacht werden wie in Canada in 1993 (was die Grünen natürlich nicht aufsnehmen sollten). Sehe für der Kanadische Fall van Mechelen 2015, S. 7-8.

Ich sage nicht das es kein Missbrauch bei (homosexuelle) Jungen gibt, aber um alles als Mißbrauch ab zu tun, geht mir doch wirklich viel zu weit. Hierauf komm ich zürück in ein kunftiges Paper über Sexueller Missbrauch bei Homosexuelle Jungen. Wegen der Aktualität geht Franz Walter erst vor.

Die Grünen argumentieren auch hier wieder nach klinische, viktomologische und moralische Maßstäben und nicht nach empirische. Deswegen machen die auch kein Meldung von positive Beispeielen.

Das lässt sich schon bei Finkelhor sehen, denn was schreibt er in 1979 zur Einwilligung: (Finkelhor 1979, Übersetzung von mir)

"„Auch der hier postulierte Einwand der mangelnden Fähigkeit zur wissentlichen Zustimmung beruht zwar wieder nur auf moralischen statt empirisch nachprüfbaren, etwa psychischen Gesichtspunkten“. Mit "Wissenliche Zustimmung "informed consent" gemeint, dies im Gegensatz zu "simple consent".

Laut David Spiegel ist es moralisch nicht richtig um das bestehen von Freiwilligkeit zu unterstellen und es zu sagen (Spiegel 2000).

Diese freie Wille kann laut manche Kritiker nicht bestehen, denn diese darf nicht bestehen und besteht also auch nicht. Speziell ab der Pübertät kann mann hier die nötige Fragezeichen bei setzen.

Da sollen noch genug Diskussionen folgen, wir mussen aber auch auf homosexuelle Minderjährige (Hier Jungen, gilt aber auch für Mädchen) achten wovon sehr wohl sich ein Teil zu Ältere Jungen und/oder (junge) Männer angezogen fühlt wie ich noch in mein Missbrauchspaper nachweisen soll.

Finkelhor, D: What´s wrong with sex between adults and children? American Journal of Orthopsychiatry, issue 49, 1979

Spiegel, D: The price of abusing children and Numbers. Sexuality & Culture 4-2, Spring 2000, 63-66

Spiegel, D: Suffer the children: Long-terms effects of sexual abuse. Society, 05/01/2000, 37 -4, 18-20

Van Mechelen: Response to Christian Laes: “When Classicists Need to Speak up: Antiquity and Present Day Paedophilia ‒ Pederasty“. Berlin 2015. Academia.edu

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Ehemaliger Nutzer 20.05.2015 | 22:09

Die Grünen haben ihre Leute bis heute nicht zur Rechenschaft gezogen. Antje Vollmer war Aufsichtsratvorsitzende der Odenwaldschule, eng befreundet mit Gerold Becker und wie er und andere Homosex. , Mitglied im humanistischen Bund.

Sie hat alle Beschwerden von Schülern unterdrückt-

Heute haben sich die Pädophilen an die Gendergruppen angeklickt. Dort haben sie ihre Ideologie erfolgreich umsetzen können.

Prof. Kendler ist eine führende Figur in der pädosexuellen Allianz.

sch123 21.05.2015 | 00:17

"Denn die Grünen waren damals das Herz eines großen Kinderpuffs namens Kreuzberg."

etc... schon ein ziemlich geschmackloser Stil für so ein ernstes Thema, aber kennt man ja vom Herrn Füller.

Macht es nicht besser, dass er sein hehres Anliegen mit persönlichen Ressintements vermischt. Ein kleines Who is Who deutscher Linksliberaler hat damals bei einer Kreuzberger AG angerufen? Wenn man schon mit solchen schrägen Andeutungen um sich schmeißt, dann doch mal Butter bei die Fische; wer war es denn alles?

Wie gesagt, nüchter und sachlich ist was anderes und das wäre bei diesem Thema wirklich angezeigt.

schna´sel 21.05.2015 | 11:27

"’Denn die Grünen waren damals das Herz eines großen Kinderpuffs namens Kreuzberg.’

etc... schon ein ziemlich geschmackloser Stil für so ein ernstes Thema, aber kennt man ja vom Herrn Füller."

Ich finde es ungleich geschmackloser wenn sich Grünen Politiker jahrelang weigern, mit den Linken zusammen zu arbeiten, wegen deren Vergangenheit und selber Dreck am Stecken haben ohne Ende. Und jetzt schämen sie sich und damit ist dann alles in Butter? Das was Sie hier auf persönliche Ressentiments runter brechen ist doch eventuell viel mehr als das, was sie mit dieser Polemik unterstellen. Weil es zumindest versucht das Unbehagen zu erklären, das viele Menschen haben, die sich früher vielleicht sogar zu den Grünen hingezogen fühlten. Mir geht es so und ich kann das, was Herr Füller schreibt gut nachvollziehen. Und wem das geschmacklos vorkommt, der sollte sich vielleicht doch besser daran aufhalten, worum es hier geht: Um die Abgeschmacktheit, die sehr vile Menschen heute mit dieser Partei verbinden, der sie sich vielleicht einmal verbunden gefühlt haben. Und um die Hintergründe dafür, die ja auch immer noch politsch relevant sind. Um eine Agenda Politik, die von den Grünen mitgetragen wurde,, um Sozialabbau, um den Kosovo Krieg und um die politisch aktuellen Positionen der Grünen in Sachen Bundeswehr, Wiederaufrüstung und auch den Ukraine Konflikt. Das ist geschmacklos, im Vergleich zu den Inhalten, mit denen diese Partei angetreten ist. Die Pädophilie Debatte ist nur die Spitze des Eisbergs. So wie Ulli Hoeness die Spitze dessen war wofür der FC Bayern immer noch steht. Das ist nüchtern. Und diese Nüchternheit sollt man einfordern. Von der Partei und von denen die sie kritisieren.

Joachim Petrick 21.05.2015 | 14:12

Voller guten Willens, sich fremd zu schämen, laufen die gegenwärtigen Spitzenpolitiker DER GRÜNEN einmal mehr Gefahr, in die Falle der Kollektivschuld zu tappen, die dazu einlädt, über alle persönliche Verstrickung, strafbewehrte Vergehen Einzelner, das schambleiche Tuch des Kolletivs zu stülpen.

Geht es hier nicht auch um klageunwillige Vertreter der Kinder- Jugendhilfe staatlicher, kirchlicher, anderweitig privater Träger, Staatsanwälte, Richter Ende der siebziger Jahre in Westberlin, Westdeutschland in Gesamt- Deutschland bis heute, eingedenk der Tatsache, dass es in sozialliberalen Kreisen nicht nur an Unrechtsbewusstsein fehlte, was überhaupt emotionaler Kindesmissbrauch ist?, sondern dieser emotionale Kindesmissbrauch als "Allheilmittel" gegen das vagabundierende soziale Elend der Gewalt gegen Kinder, Jugendliche in Familien, in staatlichen, kirchlichen, gewerkschaftlichen Einrichtungen kommuniziert wurde?

Wie sah es denn zu diesen Zeiten mit dem emotionalen Missbrauch an Kindern, Jugendlichen in staatlichen, kirchlichen Kinder- , Jugendhilfe Einrichtungen, der Freien Deutschen Jugend (FDJ) der DDR aus?

Es reicht nicht, wenn DIE GRÜNEN sich jetzt kollektiv ihre Häupter mit Asche betreuen. Das verbürgt zwar den "So als ob Beleg" der Fähigkeit zu öffentlich offenbarten Emotionen Wenigstens das.

Aber zur Politik im Sinne einer Meinungs- und Willensbildung braucht es mehr, als vorauseilend ein von DEN GRÜNEN sogenanntes "Anerkennungsgeld" für Opfer auszuwerben, die sich bisher einfach nicht trauen wollen, sich als solche erkennen zu geben? Warum wohl?

sch123 21.05.2015 | 22:02

Es gibt zweifellos viele gute Gründe, die Grünen zu kritisieren und von ihnen enttäuscht zu sein.

Herr Füller versucht aber (wiederholt) mit allen Mitteln der untersten Schubladen des Journalismus und der Rethorik die Etikette der "Kinderschänderpartei" (Die Grünen) zu etablieren und zu stärken. Das kritisiere ich. Weil es nicht fair ist, weder den Grünen noch den Opfern gegenüber, die für die Skandalisierung instrumentalisiert werden.

Dies ist übrigens nicht der erste Text, der mir in dieser Hinsicht unangenehm auffällt.

Richard Zietz 22.05.2015 | 08:58

Insgesamt leider auch ein wenig glaubwürdiger Bericht. Zudem von einem Autor, von dem bekannt ist, dass er das Thema »Grüne & Sex mit Kindern« vorzugsweise im Missionsmodus angeht (hier eine freundliche, sympathisierende Beschreibung der causa von Stefan Niggemeier).

Überspitzt und hyperventilierend ist nicht nur der – von Unterstellungen sowie Andeutungen von »mehr« wimmelnde – Ton des Beitrags (Headline: »1000 Opfer bei Berliner Grünen«; weiter im Text: »Die Odenwaldschule war eine Art Waisenhaus gegen das, was in Kreuzberg geschah.«, »(…) die Grünen waren damals das Herz eines großen Kinderpuffs namens Kreuzberg.«, »Der grüne Haupttäter groomte die Kinder in einer Grundschule (…)« und so weiter und so fort).

Wer so steil formuliert, sollte seine Anschuldigungen zumindest belegen. Was ist dran an den behaupteten »1000 Opfern«? In dem Untersuchungsbericht (den der Beitrag zwar als Anlass nimmt, aber selbst nicht verlinkt und erst in Form eines kritischen Artikelkommentars nachgereicht bekommt) kommt sie nirgends vor. Ein Abgeordneter der Berliner Grünen hat sie bestätigt, später allerdings als »spekulativ« bezeichnet. Auch jenseits der hyperventilierten Geisterzahl her gibt der Bericht die behauptete Dramatik (oder diese Zahl) nicht her. Thema dort sind weniger strafrelevante Ereignisse. In der Hauptsache geht es vielmehr um innerparteiliche Strukturen und Positionen. Wie hat sich die AL damals zur Frage Sex mit Minderjährigen positioniert? Wer vertrat welche Position in welcher Arbeitsgruppe? Das ist sicher interessant. Man wird daraus sicher politische Positionen herauslesen können, die vom heutigen Wissensstand aus nicht haltbar sind. Exotik oder gesellschaftspolitische Naivität – sicher. Aber Kriminalität? In Odenwaldschule-übertreffenden Dimensionen gar? Kreuzberg als – so die BILD-schlagzeilenreife Formulierung – Kinderpuff?

Zum Skandal fehlen zwei Dinge. a) die Leiche zum behaupteten Mord. Angesichts der deklarierten Dimensionen müßte es doch zumindest ein paar Klagen geben, Offenbarungsberichte, polizeiliche Ermittlungen, justizielle Verfahren, eventuell Selbsthilfegruppen der Opfer, die sich an die Öffentlichkeit wenden. Kurzum: Opfer, Gesichter; Fakten. Respektive das, was den organisierten Mißbrauch an der Odenwald-Schule (oder den innerhalb katholischer einrichtungen) auszeichnete: die organisierte Form der Tat, das Milieu und b) der dazu notwendige abgeschottete Rahmen. Wer Berlin kennt, weiß, dass derartige Bedingungen – anders als bei abgelegenen Einrichtungen wie der Odenwaldschule, wo die Kontrolle über die Opfer hoch bis sehr hoch ist – selbst im »szenigen« Kreuzberg der 80er und 90er nicht einmal in Ansätzen gegeben waren. Anders gesagt: potenzielle (oder auch reale) Opfer von Übergriffen hatten jede Möglichkeit dieser Welt, sich an Institutionen / Medien (Tagesspiegel? Mopo?) und Menschen zu wenden, die sie aller Voraussicht nach unterstützen würden. Anders gesagt: Hätte es organisierten Mißbrauch in dem behaupteten Umfang gegeben, wäre der Berliner AL die Chose bereits in den 80ern um die Ohren geflogen.

Was bleibt? Selbst die kommunistenfresserischen, 68-abrechnungwütigen Leitmedien halten sich zurück. Genug sicher, um olle Kamellen um eine Sektierergruppe aus der grünen Gründungsphase in der ein oder anderen Hintergrundstory wieder zu verbraten. Beifall bekommt das Anliegen des investigativen Artikelautors vorerst nur bei anderen Missionsbesessenen – denen von rechts. Dort wittert man – was sicher seinen Grund hat – einen guten Anlass, mit dem Hauptanliegen »Abrechnung mit den Ideen von 1968« ein weiteres Stück voranzukommen. Was bleibt noch? In Deutschland hört es nie auf. Nur in Deutschland ist politische Verfolgung radikallinker Konzepte zu einem Konzept gediehen, dass in seiner Erbarmungslosigkeit quasi auf Ewigkeit angelegt ist. RAF-Leute werden – nach Absitzen ihrer Freiheitsstrafe (!!), siehe Verena Becker und das Neu-Ausgraben des Falls Bubackerneut verfolgt, vor Gericht gestellt, sanktioniert. Ebenda unterstellte oder auch reale Stasi-Kontakte – eine Angelegenheit, die Involvierte ebenfalls bis ins Grab hinein verfolgen wird. Noch was? Der Staat der Alternativlosen hat derzeit eine Wutbürger-Debatte am Hals. Warum wohl? Wo unsere Gesellschaft doch mittlerweile so formiert und gleichgeschaltet ist wie selbst in den nierentischseeligen Fünfzigern nicht?

Wie auch immer: Dass es so ist, und dass es noch schlimmer wird – dazu trägt die agendabehaftete Aufklärung des Journalisten Christian Füller einen nicht ganz unwesentlichen Beitrag bei. Auch wenn es – als Optimist vermute ich da einfach mal – auf lange Sicht nicht helfen wird.

SiebzehnterJuni 22.05.2015 | 19:20

was von füller zu halten ist: hat buch über odenwaldschule geschrieben und war keine minute dort. Es gab etwas über 150 missbrauchsfälle.

Im letztern Jahr gab es 4.000 nachgewiesene Missbrauchsfälle in deutschen familien - was schreibt füller? nichts!!!!!!!!!!!!!!!!!

aber jetzt stürzt er sich auf die grünen, ohne ein wort über hunderttausende von nachgewiesenen missbrauchsfällen in deutschen familien ein wort zu verlieren.

YCremer 23.05.2015 | 01:41

Die Vorkommnisse wären ein geeigneter Anlass darzustellen, inwieweit das Pädophiliethema nicht zufällig den Grünen als erster Partei der 68er Bewegung zukommt. Sie könnten ein Augenöffner sein für die Zusammenhänge von, grob gesagt, (Total-)Emanzipation und Depression und einen Grundgedanken der Frankfurter Schule, nämlich der gesetzten Folge von Glück <= Freiheit <= Befreitheit, in Frage stellen. Die Hyperindividualisierung, der kultivierte Egotrip, führt ins Nichts. Auswege daraus werden uns dann zwei geboten: Konsum oder Perversion. Letzteres war hier der Fall.

GEBE 23.05.2015 | 10:20

Abgesehen von der - selbstverständlich notwendigen - Verifizierung der Tatausführungen der hier inrede stehenden Vorkommnisse, gibt es die dahinter stehende kollektive Gesinnung, welche durchaus noch bis Anfang der 80er, einem Boden entstammt, der auch gerade ideologisch der frühkindlichen Sexualisierung das Wort nicht nur geredet hat. Wer die damalige Zeit wach erlebt hat und sich in Kreisen bewegt hat, die sich im weitesten Sinn als alternative Kreise verstanden haben, ist mit dieser deliktemanzipierten Gesinnung inbezug auf sexuelle Übergriffigkeiten bei Kindern, in den sich für alternativ ansehenden, meistens pädagogisch und sozialpädagogisch orientierten und etablierten Kreisen mit Affinität an "grüne Politik" durchaus unappetitlich bekannt. Es ist meines Erachtens diese Zeitspanne nach wie vor soziopsychologisch nicht in ausreichender Weise aufgearbeitet, aus der bis in heutige Tage ein konversiv zu nennender „Gutmenschen“-Faschismus bzgl. der soziokulturellen Gestalt dieser Gesellschaft, insbesondere auf den Feldern Pädagogik, Ökologie, Genderismus, Militarismus und Sozialgesetzgebung rekrutiert.

GEBE 23.05.2015 | 13:17

Nee! Und eine solche Interpretation gibt mein obiger Kommentar auch nicht her, selbst das einleitende "Abgesehen von... " nicht. Hingegen gehen Tatortbesichtigung, Tatortverifizierung durch Spurensicherung, Faktenrecherche und Umfeld- und Motivanalyse Hand in Hand. Denn abgesehen von Tatortbesichtigung, Tatortverifizierung durch Spurensicherung und Faktenrecherche sind Umfeld- und Motivanalyse oft die erhellendsten Kategorien.

silvio spottiswoode 23.05.2015 | 19:57

"Get both sides of the story," habe ich irgendwann mal verinnerlicht. Was so viel heisst wie, dass sich "Journalisten nicht mit einer Sache gemein machen sollten. Auch nicht mit einer guten."

Womit wir dann schon bei genau dem Punkt wären, der mich an diesem Artikel- und dem erschütternden Sachverhalt - umso mehr stört, - indeed, I am not amused: Wo sind die konkreten Stellungnahmen, die Zitate aus den Untersuchungsberichten, die Artikulationen der Zeitzeugen- und Betroffenpositionen? Nichts davon ist hier zu lesen. Wie ist das bei einer derart großangelegten Geschichte möglich? War es für die Geschichte am Ende unwichtig sich mit Betroffenen zu unterhalten?

Um von einer auf reine Mutmaßungen und Behauptungen gestützten Kampagne abstand zu nehmen sollte gerade ein an Implikationen und Emotionen aufgeladener Text konkrete Positionen anschaulich machen. Alles andere schürt Ressentiments, ohne stichhaltige Argumente oder Fakten zu liefern. Gerade im Zeitalter des "Instant-Journalism" erwarte ich von Texten in einer Wochenzeitung mehr Futter, Herr Füller.

sch123 24.05.2015 | 13:41

"Gutmenschen"-Faschismus???

Das ist die absolut unsinnigste Wortschöpfung, die ich seit Langem gelesen habe.

Davon abgesehen, dass der Begriff "Gutmensch" (zu recht) äußerst kritisch gesehen wird, scheinen Sie auch eine merkwürdige Vorstellung/Definition von Faschismus zu haben. Menschen wg. Merkmalen wie Rasse, Geschlecht, sexueller Orientierung, Nationalität etc... nicht zu benachteiligen ist ja nun gerade prioritär auf der Agenda der als "Gutmenschen" Verunglimpften. Sie spielen vermutlich darauf an, dass bestimmte Haltungen und Einstellungen scharf kritisiert oder abgelehnt werden, aber das ist kein Faschismus und auch nicht faschistoid.

Etwas off topic, sorry, aber diese Anmerkung musste ich mal loswerden.

hessisch-sibirien 25.05.2015 | 18:41

Was mir in der Diskussion um sexuellen Missbrauch der siebziger und achtziger Jahre fehlt, ist die Betrachtung aus der damaligen Zeit heraus. Die Eltern der so genannten 68er Generation waren bis zur Selbstverleugnung verklemmt. Man zeigte sich niemals nackt vor den eigenen Kindern. Umarmungen, Zärtlichkeiten waren spärlich gesät, allenfalls waren die Omas dafür zuständig. Sexualaufklärung zu Hause und in der Schule war undenkbar, allenfalls ein paar Biologieinfos anhand schematischer Darstellungen.

Das musste und sollte anders werden. So haben viele aus der so genannten 68er Generation sich Kindern und Jugendlichen gegenüber völlig anders, nämlich ungezwungener und offener gezeigt. Mit dieser Art Umgang mit der eigenen und der Sexualität von Kindern und Jugendlichen gab es keine Erfahrungen, also wurde da viel "experimentiert" und als Fortschritt hin zu einer ungezwungeneren Sexualität gesehen.

Heute ist die deutsche Gesellschaft wieder einige Schritte zurück gegangen und sehr viel prüder geworden. Die Toleranzschwellen sind enger geworden gegenüber allem, was "nicht normal" ist. Von daher wird Vieles als Missbrauch definiert, was seinerzeit nicht so gesehen wurde.

Im Text von Füller ist von vier (!!!) Intensivtätern die Rede. Die Überschrift suggeriert jedoch, alle Grünen hätten Missbrauch getrieben. Und viele Kommentare greifen das auf, nur um ihre Abrechnung mit "den Grünen" und "den 68ern" zu machen, endlich hat man etwas gefunden, um sie in Grund und Boden zu verdammen. Eine differenzierte Betrachtung wird damit unmöglich.

Die Kritik an den Artikeln von Christian Füller, die hier von einigen geäußert wurde, kann ich nur unterstützen. Ich habe zu seinen polemischen oberflächlichen Artikeln und seinen oft wenig fundierten Argumentationen zu Schule und Unterricht in meinem Freitag-Blog (www.freitag.de/autoren/hessisch-sibirien) Stellung bezogen.

Um nicht missverstanden zu werden: ich plädiere hier nicht für Täter und gegen Opfer, sondern für eine tiefer gehende, umfassender begründete, die zeitgeschichtlichen Bedingungen einbeziehende Betrachtungsweise des Themas.

Christian Füller 16.10.2015 | 14:38

@richard zietz welche fakten brauchen sie denn noch? im bericht der grünen stehen die vier haupttäter genannt - weil sie alle verurteilt sind bzw derart exhibitionistisch waren, dass man an ihnen gar nicht vorbei kamen (O.S.). das müssen sie einfach mal lesen. der berliner abgeordnete thomas birk hat vor rund 200 leuten in der böll-stfitung von "tausenden opfern gesprochen". (siehe taz-bericht und rbb-mitschnitt) birk, der nach seinen äußerungen von den grünen an die kandare genommen wurde ("ich kämpfe hier gerade sehr harten kampf"), entschloss sich dann unter dem druck die zahl zu relativieren. beteiligte sozialarbeiter haben die plausibilität der zahl längst bestätigt, z.b. frauke homann. nicht anders bei report mainz. also: sie haben 200 zeugen, drei originäre quellen und vier dokumentierte berichte - was brauchen zietz noch, um der wirklichkeit ihr recht zu geben?

Christian Füller 16.10.2015 | 14:38

@richard zietz welche fakten brauchen sie denn noch? im bericht der grünen stehen die vier haupttäter genannt - weil sie alle verurteilt sind bzw derart exhibitionistisch waren, dass man an ihnen gar nicht vorbei kamen (O.S.). das müssen sie einfach mal lesen. der berliner abgeordnete thomas birk hat vor rund 200 leuten in der böll-stfitung von "tausenden opfern gesprochen". (siehe taz-bericht und rbb-mitschnitt) birk, der nach seinen äußerungen von den grünen an die kandare genommen wurde ("ich kämpfe hier gerade sehr harten kampf"), entschloss sich dann unter dem druck die zahl zu relativieren. beteiligte sozialarbeiter haben die plausibilität der zahl längst bestätigt, z.b. frauke homann. nicht anders bei report mainz. also: sie haben 200 zeugen, drei originäre quellen und vier dokumentierte berichte - was brauchen zietz noch, um der wirklichkeit ihr recht zu geben?

Christian Füller 16.10.2015 | 14:49

@siebzehnterjuni ich habe sowohl für den sündenfall als auch für das vorgängerbuch an der odenwaldschule recherchiert. da problem der gespräche an der oso war nicht, dass es zu wenig gab (es gab dutzende), sondern dass viele zeugen ihre aussagen bei der autorisierung zurück zogen oder aufweichten. in den meisten fällen o-töne, die mit dem band aufgenommen waren und also belegbar sind. was meinen sie, wie das kam? weil diese leute bedingungslos an ihrer reformpädagogischen ideologie festhielten. manche der lehrer weigerten sich über den missbrauch der kinder zu sprechen, weil sie selbst traumatisierte seien - von der entzauberung und ihrem schock über den missbrauch an der oso. das muss man sich vorstellen: reformpädagogen schauen viele jahre dem missbrauch ihrer schutzbefohlenen zu - und die aufdeckung traumatisiert sie dann. nicht die opfer werden beweint, sondern die eigene zerstörte ideologie und das eigene entwertete berufsleben. das ist die empathie von pädagogen, deren leitmotiv lauten sollte: kein kind wird beschämt. beschämend, würde ich sagen.

SiebzehnterJuni 16.10.2015 | 19:43

Herr Füller, welche und wie viele Lehrerinnen und Lehrer, die zur Zeit Ihrer Recherche an der Odenwaldschule waren, waren auch zur Zeit der Missbrauchsfälle an der Schule und konnten so der Katastrophe "zuschauen"?

Es waren nicht mehr als 3. Aber das wissen Sie ja, oder?

Und diejenigen, die zu dieser Zeit noch nicht dort waren, die dürfen natürlich nicht geschockt sein, oder?

In Ihren paar Zeilen zeigt sich die Ungenauigkeit Ihrer Recherche.

Im übrigen habe ich reformpädagogische Ideologie und ein bedingungsloses Festhalten daran in der Zeit, in der ich dort war, zu keinem Zeitpunkt erlebt. Im Gegenteil, ich habe ein Mindestmaß an Ideologie vermisst, es herrschte Ideologielosigkeit. Symbol für diesen Zustand war Wittney Sterling. Aber um das zu erkennen, muss man schon ein paar Tage länger dort gewesen sein...

Christian Füller 18.10.2015 | 17:04

@siebezehnterjuni aha, ohne namen posten und dann bescheid wissen wollen. so kennen wir das. ich kann ihnen aus dem stegreif eine ganzen strauß von lehrern nennen, die durch mitwisserschaft oder blinden glauben an die ideologie der oso-spezifischen reformpädagogik ("werde der du bist") die taten begünstigten.

aber kommen wir gerne mal zu ihnen. ist ihnen der text in der FR damals (1999) etwa entgangen, der alle tatvorwürfe bereits enthielt, die 2010 erneut aufgeworfen wurden? haben sie an dem legendären fortbildungsseminar etwa NICHT teilgenommen, bei dem es um sexuelle gewalt ging? haben sie salman ansari damals judas genannt?

das seminar fand im jahr 2000 statt. ich kenne teilnehmerliste und redebeiträge. sagen sie ihren namen, und ich weiß, was sie wussten. aber das trauen sie sich nicht. nicht vor den lesern des freitag, denen sie den kopf verdrehen. oso-lehrer schießen fast immer aus der tarnung. alle lehrer, die damals dabei waren, bei dem seminar und in den jahren davor, sie sind verseucht. sie waren vielleicht keine täter, aber sie wussten von zwei schülern, dass es viele viele übergriffe gegeben hat - nur sie haben danach nicht etwa geforscht, sondern "ganz allgemein" über missbrauch geredet. ich habe mit einem dutzend lehrern aus dieser und der zeit davor gesprochen. meist kommt erst nach stunden oder wochen heraus, dass sie es ahnten, dass sie etwas gesehen hatten, dass sie etwas erzählt bekommen hatten. bei manchen sogar, dasss sie täter oder trittbrettfaherer waren und z.b. "nur" ein verhältnis mit einer minderjährigen schülerin hatten.ihre these, es habe nur noch drei lehrer gegeben, die das system becker gekannt hätten, ist reine schutzbehauptung.

das entscheidende und empörende an ihren anonymius-posts aber ist dieses: sie stellen ernsthaft infrage, dass es an der odenwaldschule sexualisierte gewalt an kindern in großem umfang gegeben hat, wahrscheinlich 300 bis 500 opfer. und sie belegen ihr vertuscherwissen dadurch, dass sie selbst da waren - aber die aufklärer nicht. das ist eine groteske verdrehung: SIE müssen sich rechtfertigen, nicht die aufklärer um andreas huckele, salman ansari, jörg schindler usw usf. eine perfide methode, die alle zivilisatorische errungenschaften der intellektuellen und juristischen aufklärung von straftaten negiert. die dabeigewesenen unterstützer und mitträger des missbrauchs-systems klagen an - und verhöhnen die opfer.

also: wo waren sie, als aufgeklärt wurde? wann haben sie zum ersten mal vom missbrauch erfahren? haben sie ihn beobachtet? warum haben sie so lange geschwiegen und damit weitere schüler in gefahr gebracht? und: wie ist ihr name?

Christian Füller 28.10.2015 | 15:44

@siebzehnterjuni wie soll man das verstehen? im jahr 1999 stand es in der zeitung, es wurde in dieser zeit an der schule diskutiert - und sie haben 2003 nur so "ein gegrummel" gehört? eigenartig. im auge des orkans bekommt man nicht mit, dass da wind ist?

taz: Herr xy, Sie waren 2003 bis 2004 Lehrer an der Odenwaldschule. Hörten Sie von den Missbrauchsvorwürfen aus dem Jahr 1999?

xy: Nein, aber ich hatte immer so ein komisches Gefühl, das ich mir nicht erklären konnte. Da war so eine aufgeladene Atmosphäre. Ich hatte mal so ein Gegrummel und Gerüchte über den ehemaligen Schulleiter Becker gehört.

das interessante aber ist, dass sie gegenüber den taten&tätern indolent und uninteressiert sind - aber gegen jene, die aufdecken, sehr mutig und meinungsstark, haltlose behauptungen eingeschlossen.

"Einige scheinen nur das Ziel zu haben, mit der Diskussion über die sexuelle Gewalt an der OSO die gesamte Reformpädagogik plattzumachen."

es ist an der zeit, dass sie sich für ihre behauptung, ich sei nie an der schule gewesen, entschuldigen. "was von füller zu halten ist: hat buch über odenwaldschule geschrieben und war keine minute dort."