Christian Füller

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Christian Füller
RE: Andere Wende | 03.09.2017 | 06:56

@karstenkrampitz wie schön, dass Sie direkt antworten. Zunächst: wenn Sie eine kleine Geschichte der DDR als (auch) glücklicher Nischengesellschaft schreiben wollen, dann tun Sie das, ich gebe Ihnen dafür 25-30.000 Zeichen im Robinson. Das können wir hier und jetzt sofort abmachen. Sodann haben mich in ihrem schön geschriebenen Beitrag zwei Kurzschlüsse wirklich fuchsig gemacht:

zum einen die Bemerkung, wir sind mit der Stastsmacht nicht in Konflikt geraten.* Was heisst denn das? Ein Lob auf die Anpassung? Dass diese Haltung Gegenstand von Geschichtsschreibung oder Wesenskennzeichnung eines Staates sein soll? Sie sind doch ein politischer Mensch. Sie wissen doch, dass man die Kennzeichen einer Gesellschaft nicht nur daran misst, wie es sen vielen geht, sondern wie Staat und Gesellschaft mit den Wenigen, den Abweichenden, den Minderheiten umgeht. Für die DDR kann man sagen, abweichende Meinungen wurden privat geduldet, aber staatlich rigoros unterdrückt. (Ingrid Babendererde, Mutmaßungen über Jakob etc.) Das beschreibt die DDR nicht komplett. Aber es gehört unbedingt zum Gesamtbild dazu.

Zum anderen ihr Hinweis zur Aufstiegsgesellschaft. Das war die DDR sicher nur für bestimmte Gruppen und nur mit der Gegenforderung der Loyalität zum System. Aber der Vergleich zur Bundesrepublik ist hier interessant. Brandts Aufstiegsgesellschaft war ein enormer Bruch zur - beinahe ständischen - Aufstiegsmodalität unter Adenauer. Aber auch Brandt, Picht und Dahrendorf haben doch keine wirklich durchgreifende Aufstiegsmobilität entfacht. Die beginnt sich erst Post-Pisa zu entwickeln, also nach 2001. Sie bringt inzwischen 60 Prozent zum Abitur, sie ist lange nicht abgeschlossen und produziert, natürlich, konservative Gegenströmungen in der Gesellschaft. Das bedeutet, auf ihren Beitrag bezogen, dass sie noch viel zu unkritisch mit dem Westen umgehen.

Ok, so weit. Aber klar ist: Ihr Text war gut und wichtig und sollte nur ein Auftakt gewesen sein.

Beste Grüsse, Christian Füller

PS Für Gaus wurde extra ein abhörsicheres Büro gebaut, im Garten der StäV

*"Menschen wie meine Eltern, die nie in Konflikt geraten sind mit den Verhältnissen, tauchen in der Erinnerungspolitik nicht oder nur verzerrt auf"

RE: Andere Wende | 02.09.2017 | 19:00

Die Sichtweise auf @adrianbe und die Art des Umgangs mit seinem Beitrag hier ist in der Form nicht freundlich, um das mindeste zu sagen. Er wird aber auch der Sache nicht gerecht. Karsten Krampitz Beitrag ist eloquent und wichtig. Aber es muss doch erlaubt sein, auf ein paar Schlaglöcher in seinem Beitrag hinzuweisen. Mir ist z.B. nicht klar, wie man beinahe ungebrochen die Aufstiegsnomenklatura "Krampitz" beinahe bruchlos unter "kleine Leute" subsummieren kann. Diese Charakterisierung mag aus subjektiver Perspektive stimmen, aus objektiver kann man sagen: die Krampitz waren Aufsteiger und profitierten vom System.

Es gab zur gleichen Zeit übrigens auch andere, die gezielt benachteiligt wurden. Die sollte man nicht vergessen.

Am besten finde ich diesen Satz: "Sozialismus war ihnen [seinen Eltern und anderen ähnlicher Provinienz] keine Ideologie, sondern ein gefühltes Versprechen von 'denen da oben', dass es ihnen im Lebensstandard jedes Jahr ein wenig besser ging." Soll das eine Konsumgesellschaft beschreiben? Im Osten der Republik? Gehe ich Recht in der Annahme, dass die DDR kollabiert ist, weil sie weder ihre Bevölkerung allgemein und gut versorgen konnte noch ihr politische Freiheit gewährte. Verzeihung, dass passt nicht zusammen. So etwas kann man nicht schreiben, ohne den Zwiespalt aufzuklären.

Der Schluss von Krampitz´ Essay ist beeindruckend, weil nicht mehr melancholisch, sondern analytisch scharf auf den ziemlich schnellen Seitenwechsel bezogen, der möglich ist, wenn plötzlich eine reale oder gefühlte Konkurrenz durch Asylbewerber eintritt. Dann hat man ganz fix AfD-Parolen parat – auch wenn man vorher "jahrelang über Solidarität und Internationalismus geschrieben hatte".

RE: Und was ist mit uns? | 23.08.2017 | 06:15

Hallo IDog, merci für die Frage. Aber es gibt da ein Missverständnis. Ich mache doch nicht Werbung für die eine oder andere Partei. Ich frage mich: Wie lässt sich eine vorfindliche objektiv problematische/unsoziale/ungerechte Lage so adressieren, dass es zu Veränderungen kommt? Welche Sprache beschreibt einerseits die Probleme, die ja sehr differenziert sind, und nimmt zugleich die Betroffenen mit?
Ob das die SPD oder wer sonst ist, das ist doch einerlei. Die SPD ist nur deswegen der empfundene Adressat, weil die Linken und die Grünen bei der Wahl möglicherweise das Ihre auf die Waage bringen; brächte Schulzens SPD, über 30, vielleicht 33, dann käme man an Mehrheiten. Ob das zerstrittene, fragmentierte R2G dann wirklich irgendetwas besser hinbekäme – das weiss ich nicht.

Best, cif

RE: Und was ist mit uns? | 22.08.2017 | 16:33

Huch, da gehts ja um die Serie. Also es geht um depravierte Berufe, um Wohungsbau und Steuern und verarmende Kommunen. Und wenn Ihnen das nicht reicht, lieber Zietz, dann machen Sie gern weitere Vorschläge: esgehtumwas@freitag.de. Sie haben bestimmt viele gute Ideen – oder wollen Sie vielleicht selber in die Tasten hauen. Geht auch. Herzlich, Füller

RE: Spanien liefert Akhanli vorerst nicht aus | 22.08.2017 | 06:40

@miauxx und @lehrerblog zu China: warum so unfreundlich? Es ist ein normales und professionelles Verfahren, einen Text zu aktualisieren - und dies dann auch anzuzeigen. Sie wollen doch auf dem neuesten Stand sein, wenn Sie vor Freitag.de ihr WE verbringen, oder? Dass der Freitag keinen Wochenend-Dienst oder einen Korrespondenten vor Ort hat, der einen neuen Text schreibt, dürfte auch klar sein. Entscheidend ist, dass wir diesen wichtigen Eingriff in die Freiheit von Herrn Akhanli zeitnah berichtet und verfolgt haben. Sofern objektive Fehler vorliegen, wenden sie sich gern ab chefred@freitag.de. Grüße, herzliche, Füller!

RE: Spanien liefert Akhanli vorerst nicht aus | 20.08.2017 | 19:37

Es macht ja wenig Sinn, Spanien vorzuwerfen, es mache sich zum Büttel Erdogans, wenn es nun nicht ausliefert.

RE: Gruß in den Knast | 17.07.2017 | 02:17

Lieber Hr/Fr "Flori",

was haben Sie denn vermisst? Für das Ressort Alltag sind das die Fragen, die man stellen kann.

Herzlich

Füller

RE: Schutz der Würde, auch auf Facebook | 04.07.2017 | 21:19

@luddisback es ist keine zensur, weil es nur so heißt, wenn der staat das macht. ich empfehle karlsbader beschlüsse nachzublättern.

correctiv "korrigiert" fakenews, d.h. die redaktion bekommt eine anfrage für einenfaltenchek – der dann veröffentlicht wird. correctiv löscht nicht, es fügt erklärungen an

RE: Schutz der Würde, auch auf Facebook | 04.07.2017 | 04:08

@luddisback interessant, oder: viele Kritiker des ersten maas-entwurfs für #netzdg forderten eine regulierte selbstregulierung durch eine weitere freiwillige selbstkontrolle, bestehend aus der internetindustrie. dort wird der schutz der menschenwürde im netz effektiv verlangsamt (24 stunden sind bei hatespeech echt ein problem); vor allem aber wird es für facebook billiger, das selbstverständliche auskehren von volksverhetzung etc vorzunehmen – weil es die kosten auf andere unternehmen mit abwälzen kann. verzeihung: es gibt nur einen einzigen grund für facebook, seinen job der gesprächsmoderation nicht wahrzunehmen - es ist einfach sauteuer, die rülpsen von zwei milliarden nutzern zu moderieren. mit meinungsfreiheit, die es bei facebokk qua agb nicht gibt, hat das nichts zu tun. kurz: facebook hat sich eine schar billiger freier mitarbeiter und lobbyisten zugelegt. es sind jene, die täglich for free auf plattformen und in leserbriefspalten "zensur" rufen, obwohl sie ganz offensichtichtlich nicht wissen, was das ist

RE: Schutz der Würde, auch auf Facebook | 03.07.2017 | 06:57

Guter Hinweis.

Und übrigens: Wer bei Facebook Mitglied wird, der gibt die Meinungsfreiheit ohnehin ab. Denn er stimmt zu, dass Facebook löscht, wann und was es will – ohne Brgündung