Kommentare von Christian Füller

Christian Füller 19.03.2017 | 17:24

Danke @weinzstein, der Link ist köstlich.

Sie müssen übrigens nicht meiner Meinung sein. Sie könnten allerdings die vielen Quellen und die Spuren zur Kenntnis nehmen, die Trittin hinterlässt. Interviews in taz, Spiegel, Stern, Tagesspiegel usw. usf. (Einfach googeln ;-))

Sind Sie so nett und fragen mal Cem Özdemir oder Katrin Göring-Eckardt, falls Sie denen mal privatissime begegnen, was die von der Interview-Offensive des funktionslosen Abgeordneten Trittin halten. Umgekehrt haben sich Spitzen-Grüne im Wahlkampf 2013 an das Gesetz gehalten, den beiden Spitzenleuten nicht in die Parade zu fahren – obwohl ihnen Trittins Steuer-Zahlenfuchs-Wahlkampf und manches andere nicht passte. Und nochmal: befreien sie sich von Spekulationen über den Autor auf der Grundlage von Kommentaren. Das ist abwegig. Ich finde, dass Trittin ein exzellenter und achtsamer Politiker ist. Und er kann nichts dafür, dass die taz ihn vor vier Jahren wenige Tage vor der Wahl zu Unrecht an den Pädo-Pranger stellte – obwohl Jürgen Trittin der letzte in seiner Partei war, der etwas mit den Missbrauchsskandalen etwa auf dem Dachsberg, in der Berliner AL oder der Nürnberger "Indianer"-Kommune zu tun hatte. Anyway, Grüße in den warmen Süden.

Christian Füller 16.03.2017 | 13:53

@weinzstein @zietz @achtermann

Es gibt eine unbedingte Regel in Wahlkämpfen: der Spitzenkandidat gibt die Richtung vor (die zuvor gemeinsam in der Partei beschlossen wurde), die anderen stören dieses Leitfeuer nicht. Es wird also bei den Grünen mit größtem Unbehagen gesehen, dass Jürgen Trittin wie eine lose Kanone über Deck rollt und ein Interview nach dem anderen gibt – in denen er obendrein den beiden Spitzenkandidaten die Welt erklärt. In einem demokratischen Zeitungsleserforum ist das natürlich anders ;-) – und auch gut so. In einer Partei aber, zumal in Wahlkampfzeiten ist das Gesetz Nummer 1: Stützen – oder stürzen.

Es ist übrigens abwegig, aus der Kommentierung des Trittin´schen Ego-Shooter-Kurses eine politische Farbenlehre des Autors ablesen zu wollen.

Für @weinzstein&Co zur Kenntnis ein Tweet, in dem der Bundesgeschäftsführer Michael Kellner den Trittin sofort zurecht rückte, freilich ohne ihn beim Namen zu nennen:

Wir kämpfen fürs Klima, Europa & gerechte Gesellschaft. Zu Seehofer und Wagenknecht ist Entfernung weit. Wie weit genau, ist heute egal.

— Michael Kellner (@MiKellner) March 5, 2017

Christian Füller 06.03.2017 | 06:31

@quindeau @tux Der Satz heisst übrigens "Hängt ihn tiefer", er wäre eine hübsche Überschrift gewesen und ist eine Umkehrung von "Hängt ihn höher", und zwar in genau dem Stil, den Deniz so liebt. Ich verstehe nicht, warum man einen Text über Deniz nicht mit seinen Stilmitteln bestreiten sollte. Hängt ihn tiefer bedeutet also - für einige hier zur Klarstellung, "hängt ihn nicht höher", bestraft ihn nicht, lssst ihn drei. Und für die Außenstehenden Journalisten: plappert weniger über Deniz, das macht die Sache für ihn noch gefährlicher. Inzwischen ist dieser Fall eingetreten. Während türkische Minister Propaganda für eine undemokratische Verfassung machen, hat die Türkei ein prima Faustpfand in der Tasche - Deniz Yücel.

Christian Füller 04.03.2017 | 09:18

Hallo @Weinzstein,

Merci für Ihren Beitrag. Sie haben Recht, Deniz hatte keinen Schutz als Korrespondent mehr. Allerdings habe nicht ich, sein Ex-Kollege und Freund, ihm diesen Schutz abgesprochen, sondern die türkische Regierung verweigerte ihm die Akkreditierung als Journalist. Damit war er ohne die verbrieften Rechte eines Korrespondenten - und in einer gefährlichen Situation. Ich habe mich gestern mit Türkei-Korrespondenten unterhalten, die ratlos und entsetzt sind - über den Springer-Verlag. Es habe eine Fülle von Hinweisen auf eine bevorstehende Festnahme Deniz' gegeben. Nun befindet sich - Siehe Erdogans Äusserungen von gestern - Deniz praktisch in Geiselhaft. Er ist das Faustpfand für Wahlpropaganda türkischer Minister in D. Sie, Weinzstein, sind doch so gut informiert: Was sollte die Regierung jetzt tun?

Herzlich, Füller P.S. Ihr Tomatensugo-Rezept ist prima!

Christian Füller 02.03.2017 | 00:32

@suzie ihr Link führt hierher zur wichtigen PM des Gerichts in Verden: "Der Angeklagte erscheine ausweislich der auf den Rechnern des Deutschen Bundestages protokollierten Logdateien hinreichend verdächtig, es unternommen zu haben, sich den Besitz kinderpornographischer Schriften zu verschaffen." Damit sollten wir es bewenden lassen. Ihr Ton lädt nicht zur Debatte ein. Grüße!

Christian Füller 01.03.2017 | 22:18

@metambigo Mit Mitläufertaten meine ich sexualisierte Gewalt gegen Kinder/Jugendliche von Nicht-Pädophilen. Nach der mehrfach zitierten Mikado-Studie ist das die Mehrheit der Missbrauchstäter. Frauen sind eine interessante und nicht zu vernachlässigende Tätergruppe, aber sie ist kleiner und noch kaum im Fokus der Öffentlichkeit. Tatsächlich ist die Frage, ob Pädophile oder vollendete Täter von der Gesellschaft verabscheut oder gedeckt werden, nicht unkompliziert. Erster Hand sind Missbraucher geächtet. Bei genauem Hinsehen gibt es eine beinahe unheimliche Toleranz für gesellschaftlich akzeptierten Missbrauch wie z.B. die von @Quindeau beschriebene rape Culture, die Knabenliebe (Athen), Freundesliebe (Jugendbewegung) oder die "sexuelle Befreiung des Kindes" der 68er und jungen Grünen. In der Presse gibt es so etwas wie eine Täterduldsamkeit, beschrieben hier im Cicero am Beispiel von Edathy/Prantl: http://cicero.de/berliner-republik/sz-magazin-justizskandal-edathy/60974

Christian Füller 01.03.2017 | 18:30

Liebe Frau Quindeau, ich verstehe, dass Sie mehr Sachkenntnis förderlich fänden. Freilich ist das bei Ministern so, auch bei Vorstandschefs, bei Erziehern und Bäckern auch, besonders aber bei Journalisten als den kleinen Brüdern und Schwestern der Intellektuellen: hier gilt die detaillierte Sachkenntnis geradezu als hinderlich, um die grossen Linien zu sehen. Das westliche Konzept des Intellos nach Emile Zola hat als zentrale Fachkompetenz - die der Inkompetenz. Allein die Benutzung des Wortes, die politische Intervention und der Appell an die grossen Werte der Menschheit zeichnet denjenigen aus, der j'accuse! ruft. Die Intelligenzja Lenin'scher Prägung ist was anderes. Aber verlassen sie sich drauf: ich habe mit mit den sozialen, psychologischen und klinischen Diagnosen von "Pädophilie" ziemlich genau auseinandergesetzt. Diese sexuelle Präferenzstörung ist nicht verdammens-, sondern bemitleidenswert. Und - nochmal - es ist gut, dass es "Kein Täter werden" gibt. Aber die gesellschaftliche Präferenzstörung im Blick auf "Täter verstehen" finde ich ais vielen Gründen falsch. Etwa dem, dass man - auch in diesem Forum - unbedarft insinuiert, was denn schon dabei sei, wenn ein Erwachsener "mit einer 13jährigen Sex hat". So etwas gibt es qua Definition nicht, sondern das nennt man "sexualisierte Gewalt", die aus einem Machtverhältnis heraus möglich wird und nicht wg angeblicher "Gleichberechtigung", "pädagogischem Eros" oder "sexueller Befreiung". Das sind gesellschaftliche Tarnideologien, die seit der angeblich asexuellen antiken "Knabenliebe" die Köpfe der Eliten verpesten. Diesen Zisammenhang hat die Reporterin Heike Faller m.E. nicht durchschaut. Sonst könnte sie nicht schreiben, dass ein Tausendfacher Missbrauch-Filme-Konsument Taten "vermieden" hätte. Das ist, pardon, kurz gedacht, da mag Frau Faller noch so viel Mitgefühl für den vermeintlichen Nichttäter mobilisieren, der in Wahrheit durch seinen endemischen Konsum von "Kinderpornografie" die Missbrauchsindustrie kräftig ankurbelt. Die ökonomischen Zusammenhänge und Gewalt-Verhältnisse sind m.E. gut erkennbar. Herzliche Grüsse! Christian Füller

Christian Füller 27.02.2017 | 20:34

Ich bin nicht zornig, lieber Goedzak. Es geht einfach um Aufklärung. Ich habe die mir von Ihnen unterstellte Formulierung, "Pädophile lebenslänglich wegsperren" übrigens nicht benutzt und es ist auch nicht meine Haltung. Pädophile können nichts für ihre sexuelle Störung, es ist absolut richtig, Ihnen zu helfen. Aber es gibt eine Vielzahl an Taten, die nicht aufgeklärt werden, auch weil die Gesellschaft die Besonderheiten des Phänomens nicht versteht. Daher rate ich, Überlebenden zuzuhören, auch um die Taten (und damit die Täter) besser zu durchschauen. Okay, viel mehr muss man dazu nicht sagen - vor allem nach dem krassen Ausfall hier nicht, wo Missbrauch offen gerechtfertigt wird. Danke, Goedzak, dass Sie da einschreiten! Herzlich, Füller

Christian Füller 26.02.2017 | 21:45

@ed2murrow @metambigo Wer tausendfach gefilmten, also dokumentierten Kindesmissbrauch konsumiert, ist ein Täter - ganz egal, ob er sich dabei schlecht fühlt. Das ist das Megaproblem das Faller-Textes, dass Sie offenbar davon ausgeht, dass Missbrauchsfilme (die sie "Kinderpornos" nennt) mit Puppen hergestellt werden. Ist aber nicht so. Dafür werden reale Kinder und Jugendliche missbraucht, also auch vergewaltigt.

@Quindeau Falls sie sich weiter informieren wollen, kann ich Ihnen den Sündenfall empfehlen, eine Studie zum Missbrauchssystem der Odenwaldschule. Oder Die Revolution missbraucht ihre Kinder. Wenn Sie meinen, man könne sich fünf Jahre mit einem Thema befassen, ohne Zeitzeugen zu hören und die Sache genau zu studieren, dann liegen sie übrigens falsch. Dass Sie als Fachfrau das Wort "Kinderschänder" benutzen, wundert mich übrigens: welchen analytischen Wert verbinden Sie mit dieser NPD-Parole?

Ich finde übrigens nach wie vor Fragen hilfreicher als Unterstellungen.

Christian Füller 26.02.2017 | 13:33

Der von Frau Faller porträtierte Mann hat dokumentierten Kindesmissbrauch konsumiert. Die Autorin benutzt dafür das Wort "Kinderpornografie" – geradeo so, als würden Kinder freiwillig an pronografischen Handlungen teilnehmen. Passage aus dem Text von Heike Faller: "Schon damals war ihm klar, dass er seine Fantasien nie in die Tat umsetzten würde – Kinderpornografie erlaubte er sich als Ersatzhandlung." Hat der Beschriebene mit dem Kauf und Konsum #Missbrauch begünstigt? Was meinen Sie?

Christian Füller 25.02.2017 | 23:17

Ich kann dazu nur sagen: sprechen Sie mit Überlebenden sexualisierter Gewalt. Sie brauchen oft viele Jahre, bis sie sich äußern. Studien zeigen, dass ein Kind, das sexuell missbraucht wird, sich an bis zu acht Menschen mit seinen Hilferufen wenden muss, bis ihm endlich geholfen wird. Kurz: Es ist ein langer und mühsameer Prozess, sexualisierte Gewalt aufzudecken und aufzuklären. Sehen Sie sich die langen und oft verzweifelten Versuche von Andreas Huckele, Matthias Katsch oder Norbert denef an, die an ihnen begangenen Taten der Öffentlichkeit zu erklären.

Die Lobby der Täter ist riesig – die der Opfer, Betroffenen, Überlebenden ist sehr sehr klein. Das Projekt "Kein Täter werden" ist wichtig, keine Frage. Aber es ist mir beinahe unheimlich, dass für mögliche Täter wohl regelmäßiger und mehr Geld ausgegeben wird als für Opfer – und sie vor allem mehr fürsorgliche Aufmerksamkeit bekommen. Wir sollten Opfern zuhören, ihnen eine Stimme geben, ihnen helfen, ins Leben zurück zu kommen, ihnen demütigende Prozeduren ersparen, wenn es darum geht Therapien und Wiedergutmachungen bzw. Anerkennungsleistungen zu erhalten.

Und was ich auch nicht verstehe: Warum es so misstrauisch beäugt wird, dass sich jemand den Opfern zuwendet; man unterstellt ihnen Eifertum, Mission, Rachefeldzug. Aber diejenigen, die sich mit künftigen, mutmaßlichen oder echten Tätern befassen, erhalten so viel Empathie. Warum? Sind Täter mehr wert als Opfer? Woran liegt das, Janto Ban? Können Sie mir das erklären? Danke

Christian Füller 25.02.2017 | 21:54

@Goedzak et al Erstmal vielen Dank für die engagierte Debatte, die hier über sexualisierte Gewalt geführt wird. Ich finde das gut, man/frau kann nie früh genug damit anfangen. Ich verstehe allerdings ihren Eifer nicht recht, Goedzak. In meinen Texten zu Pädokriminalität und sexualisierter Gewalt steht häufig, warum ich mich mit diesem Thema befasse. Mein wichtigstes Motiv: Ich hatte über die Odenwaldschule – kurz bevor sie im März 2010 enthüllt wurde – ein längeres Kapitel meines mit zwei Co-Autoren verfassten Buchs über Privatschulen verfasst. Das Kapitel fiel ziemlich positiv aus – aber es stand kein Wort über den systematischen Missbrauch an der Vorzeige- und Leitschule der Reformpädagogik darin. Obwohl ich das hätte wissen können, weil ja die Frankfurter Rundschau bereits 1999 über den Missbrauch berichtet hatte. Ich hatte einen schweren professionellen Fehler gemacht. Ich fuhr also in den Odenwald und sprach mit Menschen darüber, was an der Schule wirklich geschehen war. Das Ergebnis steht in Sündenfall und es heißt: In der OSO wurde unter Gerold Becker ein brutales Missbtauchssystem errichtet, dem wahrscheinlich Hunderte Schüler zum Opfer fielen. Ein halbes Dutzend als Pädagogen getarnte Päderasten waren als Täter beteiligt. Sie stützten sich nicht nur auf das Schweigen der Mitläufer – sondern auch auf sich überlappende Ideologien sexueller Gewalt gegen Kinder: den antiken "pädagogischen Eros", die jugendbewegte Päderastie im Wandervogel, später der unter den 68ern als Motiv der sexuellen Befreiung des Kindes propagierte "Sex mit Kindern". Diese Ideologien habe ich versucht, in dem Buch "Die Revolution missbraucht ihre Kinder" als Missbrauchstarnung zu entschlüsseln. Antrieb für meine Arbeiten waren viele, oft stunden-, nein tagelange Gespräche mit Überlebenden sexueller Gewalt. Sie sind es, denen man eine zunächst Stimme geben muss. Und nicht den Tätern. Denen sicher auch – aber ich wundere mich doch sehr über den Enthusiasmus, Täer zu verstehen. Hat das mit unserer Vergangenheit als Täternation zu tun? Keine Ahnung.

Falls jemand noch mehr Fragen zu dem Thema oder zu meiner Motivation hat, dann stellen Sie einfach Ihre Fragen. Hier in der Community. Ich kann dann gerne versuchen zu antworten.

Best, Christian Füller

P.S. Wer den "Sündenfall" lesen will – melden Sie sich einfach bei mir, dann sende ich Ihnen ein Exemplar zu

Christian Füller 21.02.2017 | 05:30

Kleine, aber entscheidende Korrektur: Gauck hat nicht gefordert, drei Prozent für Verteidigung auszugeben, wie das 1978 beschlossen worden war. Er bezog sich auf Ischinger, der dieses Zahl variierte: nicht allein auf die Nettoverteidigungsausgaben komme es an, sondern zusätzlich auf Krisenprävention, Entwicklungshilfe usw. Wortwörtlich steht in Gaucks Rede:

"Drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts nicht allein für die Aufstockung der Verteidigungsausgaben, sondern auch für Krisenprävention, Diplomatie und Entwicklungszusammenarbeit."

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