Christian Füller
Ausgabe 0917 | 03.03.2017 | 15:00 75

Grassierende Doppelmoral

Pressefreiheit Im Fall des inhaftierten Journalisten Deniz Yücel liegen Tragödie und Komödie eng beieinander

Grassierende Doppelmoral

Es ist verwirrend: Mit jedem Text wird der ausgesprochen robuste Deniz Yücel immer liebenswerter

Fotos: Privat/Deniz Yücel/dpa

Wir kämpfen mit unerschrockener Recherche, präzisen Fakten und klugen Gedanken“, schrieb Anfang der Woche Mathias Döpfner. Der Vorstandsvorsitzende des Axel-Springer-Verlags prägte den Slogan „Wir sind Deniz“ – um die Freilassung des ehemaligen taz-Redakteurs und heutigen Welt-Korrespondenten, Deniz Yücel, zu erreichen. Allein die Verbrüderungen der sonst in inniger Feindschaft verbundenen Pressehäuser Bild und taz, zeigt, wie dramatisch die Lage ist. Yücel sitzt in der Türkei nun in Untersuchungshaft. Ihm wird wegen Terrorpropaganda und Volksverhetzung der Prozess gemacht. Die Sache ist ernst. Aber auch verwirrend.

Hätte man dem linksradikalen Deniz Yücel vor ein paar Jahren erzählt, dass der Springer-Chef einmal „Wir sind Deniz“ skandiert, er hätte gelacht und geweint. Und sich wahrscheinlich übergeben.

Denn die Geschichte des nicht selten unbändigen Kollegen ist nicht nur die eines unerschrockenen Rechercheurs. Sie hat auch viel mit Doppelmoral zu tun. Und mit Befangenheit. Strenggenommen dürfte ich zum Beispiel diesen Text nicht schreiben. Denn ich bin ein Kollege von Deniz, und ich habe bei der taz auch noch eng mit ihm zusammengearbeitet. Journalisten sollten nicht über Journalisten schreiben – und schon gar nicht über Freunde.

Im Fall von Deniz Yücel aber sind alle Grundregeln der publizistischen Schwerkraft außer Kraft gesetzt. Die moralischen Maßstäbe fliegen immer höher. Mit jedem Text wird der ausgesprochen robuste Deniz immer netter, liebenswerter und Pulitzerpreis-verdächtiger. Angela Merkel setzt sich für ihn ein, und der grandios polemische Autor scheint dabei zu sein, ein Stück Weltgeschichte zu schreiben: Könnte es gar sein, dass wegen Deniz das Flüchtlingsabkommen zwischen der EU und der Türkei platzt? Und wie wäre es mit einem Tauschgeschäft dieser Art: Deniz kommt frei – und dafür bekommt Recep Tayyip Erdoğan roten Teppich und Ehrenformation, wenn er demnächst in Köln für die semi-diktatorische neue Verfassung der Türkei wirbt?

Vielleicht sollten wir Deniz einfach tiefer hängen. Das würde allen helfen – vor allem dem 43-jährigen Provo-Redakteur.

Den ganzen Montag über wurde Deniz Yücel in Istanbuls Justizpalast angehört. Fünf Stunden brachte er vor dem Staatsanwalt und dann vor dem Untersuchungsrichter zu. Zuvor schmorte er fast zwei Wochen in Polizeigewahrsam, ohne dass die türkische Justiz auch nur einen Haftbefehl ausgestellt hätte. Augenzeugen berichten nun, er habe großartig ausgesehen. Der Bart inzwischen ein bisschen lang geraten, aber er trug – wie einst in den schlecht gekleideten Redaktionen von Jungle World und taz – „ein blütenweißes Hemd“, dazu blaue Lederjacke und schwarze Hosen. Als er seine Freundin erblickte, wurden seine Augen feucht. Dass Deniz ein Terrorist sein soll, ist auch ein lächerlicher Vorwurf. Die vier Polizisten, die ihn vorführten, sollen freundlich gewesen sein.

Unbequeme Stimme

Die Anklagepunkte gegen Yücel lauten auf „Propaganda für eine Terrororganisation“ und „Volksverhetzung“. Der erste ist ein Paragraf aus dem Rechtsbestand des türkischen Anti-Terror-Gesetzes. Der zweite gehört dem Strafgesetzbuch an. Das Problem für den im hessischen Flörsheim geborenen Journalisten könnte darin liegen, dass Staatsanwalt wie Untersuchungsrichter ihn vor allem nach seinem berühmten PKK-Interview mit dem Vize der Terrorgruppe Cemil Bayık (von 2015) befragten – und zudem seine angebliche Nähe zur Gülen-Bewegung Thema gewesen sein soll. Das bedeutet: Deniz Yücel wird in die Nähe der Staatsfeinde Nummer 1 und 2 gerückt. Das kann sehr gefährlich für ihn werden. Denn diese Anklage ist dazu da, unbequeme Stimmen zum Verstummen oder hinter Gitter zu bringen „Seit dem Putsch wird Untersuchungshaft nicht mehr juristisch begründet, sondern dient zur politischen Säuberung“, klagt einer aus dem deutschen Solidaritätskreis. Eine Person, die Yücel vor Ort zu Gesicht bekam, sagt: „Das ist doch alles Comedy.“

Freilich liegen Komödie und Tragödie oft nah beieinander. Für Yücel könnte die jetzige Anklage bedeuten, dass er fünf Jahre lang in Untersuchungshaft sitzt. Und das ohne echte Grundlage. „Rechtlich gesehen gibt es keinen Grund, Yücel in Gewahrsam zu behalten“, sagten seine Anwälte in einem Interview mit der taz. Sie haben Widerspruch gegen die Entscheidung eingelegt, den Journalisten in Untersuchungshaft zu nehmen.

Deniz Yücel aus dem Gefängnis wieder herauszubekommen wird wohl nicht so einfach. Angela Merkel und auch Außenminister Sigmar Gabriel haben zwar bereits interveniert. Am Dienstag wurde der türkische Botschafter ins Außenministerium gebeten. Der SPD-Abgeordnete Marco Bülow sieht im Verhalten der Regierung Doppelmoral am Werk. „Man hätte nicht warten müssen, bis ein deutsch-türkischer Journalist festgenommen wird, um etwas zu unternehmen“, sagte Bülow. „Es sind vorher schon genug Journalisten inhaftiert worden.“

In Wahrheit grassiert die Doppelmoral geradezu. In der Türkei sind nach dem Putsch mehr als hunderttausend Beamte und Richter entlassen worden, es rollte eine beispiellose Verhaftungswelle durch das NATO-Land. Auch tausende Journalisten haben ihren Job verloren, 155 türkische Kollegen sind von jahrelanger Haft bedroht. Erst mit der Festnahme von Yücel aber scheint das türkische Desaster nun voll ins deutsche Bewusstsein durchzuschlagen. Gerade bei Journalisten-Kollegen setzt das Wut frei. Als die FAZ darauf hinwies, dass es gefährlich und töricht war, ausgerechnet einen Kollegen mit türkischem Pass aus der brodelnden Türkei berichten zu lassen, ging die sonst so bedachtsame Zeit auf die Barrikaden. Vize-Chefredakteur Bernd Ulrich behauptete, die FAZ habe gegen Yücel als Person polemisiert und implizierte damit mangelnde Solidarität mit dem Kollegen. Dabei hatte der FAZ-Autor unter der – zugegeben – scharfen Überschrift „Einmal Türke, immer Türke“ eine für den Springer-Verlag unbequeme Wahrheit ausgesprochen: Warum hat man im Hause des nun vor Mitgefühl nur so triefenden Mathias Döpfner den Korrespondenten nicht schon lange nach Deutschland zurückbeordert?

Das haben, bereits vor etwa einem Jahr, große Zeitungen mit ihren Türkei-Reportern getan. Hintergrund war, dass die türkische Regierung Anfang 2016 keine Akkreditierungen mehr ausgegeben hatte. Nach einer Intervention der Kanzlerin bei einem Türkeibesuch waren den Kollegen dann nach und nach ihre Zulassungen erteilt worden – aber eben nicht allen. Yücel gehörte zu denen, die nicht mehr akkreditiert wurden, ebenso wie der Spiegel-Korrespondent Hasnain Kazim. Kazim, der indisch-pakistanische Eltern hat, verließ die Türkei, als ihn der Hinweis erreichte, dass ihm eine Ermittlung wegen Terrorpropaganda drohe. Exakt der Vorwurf, der nun Yücel ins Gefängnis bringt.

Yücel hatte, anders als Kazim, die Türkei nicht verlassen, sondern er blieb. Allerdings nicht in seiner Funktion als deutscher Journalist, sondern als türkischer Staatsbürger. Yücel hat den Doppelpass – das heißt, er besitzt sowohl die deutsche wie die türkische Staatsangehörigkeit. Mit dem türkischen Part seiner Identität berichtete er weiter, gewissermaßen als Privatmann. Ein gefährlicher Status. In der Türkei kennzeichnen Zeitungsleute ihr Land mit diesen Worten: „Weiße Journalisten ärgern wir höchstens ein bisschen, nichtweißen machen wir das Leben zur Hölle – und türkische werfen wir gleich in den Knast.“ Diese bittere Weisheit war allen Kollegen klar. Nur der Springer-Verlag wollte sie offenbar nicht kennen. Kein Wunder also, dass man dort nun viel und öffentlich für Deniz weint. „Wir sind Deniz“ bedeutet in Wahrheit: Wir haben ein schlechtes Gewissen.

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 09/17.

Kommentare (75)

wwalkie 03.03.2017 | 17:16

Wir sollten Deniz tiefer hängen - solche Sätze dürften nicht aus der Tastatur springen, aber es passiert halt manchmal. Auch eine Übetreibung wie: Hätte man dem linksradikalen Deniz Yücel vor ein paar Jahren erzählt, dass der Springer-Chef einmal „Wir sind Deniz“ skandiert, er hätte gelacht und geweint. Und sich wahrscheinlich übergeben, ist der Situation, aus der Deniz Yüliz im Moment nicht herauskommt, nicht gerade angemessen. Genauso wenig wie der Begriff "Provoredakteur". Wortspiel mit "Provokateur" oder mit den 68er "Provos"? Ersteres wäre schlimm, das zweite wäre sinnlos. Ähnliche Mehrdeutigkeiten, Relativierungen und im Vagen verharrenden Andeutungen durchziehen den ganzen Text.

Dabei gab es doch nur eine "Textvorgabe": Solidarität mit dem Kollegen und Freund. Punkt.

barker 03.03.2017 | 17:29

Dass Yücel "linksradikal" sei, will mir einfach nicht runter. Als ich früher noch Taz gelesen habe, ist er mir als widerwärtiger Provokateur aufgefallen, als ob es ihm immer um viel Aufregung ging. Als einzige Konstante bei ihm ist mir aufgefallen, dass man die Politik Israels nicht schlecht finden darf, weil man dann Antisemit ist, jedenfalls als Deutscher darfst du nicht. Das ist die gleiche Linie wie Broder. Gilt der neuerdings auch als "linksradikal"?

Trotzdem muss man eine faire Behandlung verlangen.

SuzieQ 03.03.2017 | 17:36

Tja, von 'Holt ihn raus' zu 'Vielleicht sollten wir Deniz einfach tiefer hängen.' Das hebt schonmal die Augenbrauen.

Der Chefredakteur in spe schreibt für alle Journalisten in dem er das 'wir' verwendet. Es wird sich kaum um den Pluralis Majestatis handeln.

Er ändert das Datum vom 29.03. auf den 03.03., ok, Fehler passieren, dennoch dürfte eine Korrektur Erwähnung finden... Vielleicht hat auch der 'Kurator' freitags früher frei?!

SuzieQ 03.03.2017 | 18:01

Ich frag mal wieder direkt:

War ursprünglich die Veröffentlichung für den 29.03. vorgesehen?

Und könnte das dann bedeuten, dass dF kaufen wesentlich aktueller ist als ihn online zu lesen?

In Anlehnung an Ihr neues twitter-Hintergrundbild 'der telefonierende Chefredakteur', bieten sich hier '12 Tipps für erfolgreiche Aquise am Telefon' an. Nichts zu danken.

Richard Zietz 03.03.2017 | 18:42

Nee – ich bin ganz und gar nicht dafür, Deniz Yücel »tiefer zu hängen« – die Decke in der 7-m2-Zelle zusammen mit mehreren Mitgefangenen ist sicher schon tief genug. Und ob er ein (gewendeter oder noch immer so denkender) »Linksradikaler« ist, Gonzo-Journalist oder sonstwas, tut ebenfalls nichts zur Sache. Deniz muß raus – für was tun wir den Aufstand wegen Meinungsfreiheit pipapo, wenn nicht wegen solcher Fälle?

Sicher kann man die Solidaritätsfront von Springer, Merkel, Maischberger und Gabriel bis hin zu scharf links kritisch hinterfragen. Besser täte man das allerdings, wenn der Mann wieder aus dem Luxusknast raus ist. Sicher kann man dann auch die Frage aufwerfen, dass wer gefährlich lebt auch mit Gefahren rechnen muß. Im Moment allerdings sind die aufgeworfenen Fragen komplett fehl am Platz. Schlage deshalb vor, die Diskussion um journalistische Risiken und verlegerischen Opportunismus dann wieder aufzugreifen, wenn der aktuell Hauptbetroffene wieder frei und ungehindert mitreden kann.

Magda 03.03.2017 | 19:49

Also zum Thema Yücel fällt mir nur ein: Wie schrecklich muss das für ihn - und die vielen verhafteten Kollegen - sein, dort im Knast zu sitzen und zu wissen: Ich bin restlos ausgeliefert.

Die Ungewissheit, das Gefühl, absolut nichts tun zu können, das muss furchtbar sein.

Es ist ihm zu wünschen, dass er da innere Stärke hat, dass ihm jemand was zu rauchen gibt und dass es - hinter den Kulissen - (bloß nicht zu laut),energische Bemühungen gibt, ihn frei zu bekommen. Und vielleicht weitet sich dadurch dann sein Blick noch mehr. Er ist ja ein guter Schreiber.

Das gibt natürlich nicht so viele Zeilen.

Magda 03.03.2017 | 20:00

http://www.reinhard-mey.de/start/texte/alben/diplomatenjagd

die entsprechende Strophe:

Man reicht ihm die Büchse, es prasselt das Schrot:
So findet der Außenminister den Tod.

Daß der Ahnherr daraufhin noch „Waidmannsheil“ schreit,
Hat alle peinlichst berührt.
Ihm wird ein Protestschreiben überreicht
(besonders scharf formuliert),
Doch muß man dem Alten
Zugute halten: Das war, bei Hubertus,
Ein prächtiger Blattschuß,
Und daß er das Wort Diplomatenjagd,
Nur etwas zu wörtlich genommen hat!

Joachim Petrick 03.03.2017 | 20:15

"Strenggenommen dürfte ich zum Beispiel diesen Text nicht schreiben. Denn ich bin ein Kollege von Deniz, und ich habe bei der taz auch noch eng mit ihm zusammengearbeitet. Journalisten sollten nicht über Journalisten schreiben – und schon gar nicht über Freunde."

Warum tuen Sie es dann, Herr Füller?, um einmal mehr zu unterstreichen, dass selbst die Haldbwertzeit der Moral und Solidarität unter und gegenüber Kollegen_innen gegenwärtig dramatisch sinkt?

"Im Fall von Deniz Yücel aber sind alle Grundregeln der publizistischen Schwerkraft außer Kraft gesetzt. Die moralischen Maßstäbe fliegen immer höher. Mit jedem Text wird der ausgesprochen robuste Deniz immer netter, liebenswerter und Pulitzerpreis-verdächtiger. "

Den Satz verstehe ich nicht und will ihn auch nicht verstehen in dieser ganzen Melange aus dahingeworfen halbherziger Solidaiträt und Verbeugung vor dem Boulevard Publikum zum tränengerührten Gelächter, weil ich den Autoren Christian Füller ansonsten gerne lese.

Ist es nicht genau umgekehrt, sind nicht spätestens jetzt, wann dann, alle Grundregeln publizistischer Schwerkraft miit der Option in ihren wahren Stand versetzt., Deniz lebensrettend den Pulitzer Preis anzutragen?

"Eine Person, die Yücel vor Ort zu Gesicht bekam, sagt: „Das ist doch alles Comedy.“

War die Person der Kerkermeister gar Folterknecht, der sprach und raunte, eigentlich gehört der doch einen Kopf kürzer, bei dem, was der alles auf dem Kerbholz hat?

"Vielleicht sollten wir Deniz einfach tiefer hängen. "

In diesem Zusammenhang voller Gefahrenlagen, Gefährdungen für den deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel in türkichem Gewahrsam ein fatal launiger Satz ohne achtsames Gespür für kollegiale Solidarität im konkreten Einzelfall.

Haben Sie, Herr Füller nicht noch vor einer Woche an dieser Stelle gefordert "Holt Deniz Yücel raus, er ist in Lebensgafahr"?

https://www.freitag.de/autoren/christian-fueller/personifizierte-pressefreiheit
CHRISTIAN FÜLLER AUSGABE 0817 | 22.02.2017 | 12:51 40
Holt ihn raus
Türkei Deniz Yücel ist so etwas wie die personifizierte Pressefreiheit. Gerade seine Grenzgänge sind es, die unserem Beruf erst Sinn geben

Wo sich erst einmal ein launig fataler Gedanke im Text wie oben eingeschlichen hat, folgt sogleich der nächste: zur Krönung des Unbedachten?

". Augenzeugen berichten nun, er habe großartig ausgesehen. Der Bart inzwischen ein bisschen lang geraten, aber er trug – wie einst in den schlecht gekleideten Redaktionen von Jungle World und taz – „ein blütenweißes Hemd“, dazu blaue Lederjacke und schwarze Hosen. Als er seine Freundin erblickte, wurden seine Augen feucht. "

Dieser Satz liegt, angesichts der Gefahren, Nöte, denen Menschen gegenwärtig in türkischer Haft ausgesetzt sind, neben der Spur.

Deniz war 14 Tage in einer Zelle inhaftiert mit vier bis sechs Gefangenen die für zwei ausgelegt ist. Da von seinem angeblich guten Aussehen zu schwadronieren und sei es nur durch Zitat von Augenzeugen, entfaltet das Geschmäckle von Hohn und Spott gegenüber Menschen in Not, einem Kollegen in Haft.

Wenn MdB Marco Bülow sagt. „Es sind vorher schon genug Journalisten inhaftiert worden.“ so ignoriert er mit der FAZ, Bernd Ulrich von der Zeit und Ihnen, Herr Füller das eigentlich hochbrisante Geschehen. Matthias Döpfner hat es als Herausgeber der Welt richtig befunden,den Welt Reporter Deniz Yücel mit deutsch-türkischen Doppelpass, wie diesen über 150 000 Deutsche mit türkischem Migrationshintergrund in der Tasche haben, als Minensuchhund in die Türkei zu entsenden, um die Praxis türkischer Behörden, Justiz, Regierungsstellen im Umgang mit Doppelpass Bundesbürgern_innen zu prüfen und öffenltich zu machen. Als Beifang wird dazu das Verhalten der Bundesregierung getestet.

Ist doch, zurückhalted formuliert, die Pflichtvergessenheit vorheriger Bundesregierungen zu Zeiten griechisch- türkischer, lateinamerikanischer Miltätjuntas in Chile Argentinien 1967- 1990, - z. B. Fall Elisabeth Käsemann in Buenos E Aires - gegenüber Bundesbürgern, mit und ohne Doppelpass ein dunkles Kapitel, das bis heute unter Verschluss des Kanzlermtes und Außenamtes steht.

Dass ausgerechnet der Freitag mit Ihnen bei jenen ist, die das brisante Thema Doppelpass im Fall Deniz Yücel unter der Wasslinie halten, verwundert, war es doch der Herausgeber des Freitag, Jakob Augstein, der nach dem gescheiterten Militärputsch in der Türkei am 15. Juli 2016 mit vorauseiledem Gespür für "schlafende Hunde" Themen, bei Gefahr von der AfD untergehakt zu werden, für meine Begriffe unpassend publizistisch die Forderung aufstellte, den Doppelpass abzuschaffen
https://www.freitag.de/autoren/joachim-petrick/wenn-h-d-genscher-seinen-daumen-senkte
JOACHIM PETRICK 06.06.2014 | 03:09 22
Wenn H.- D. Genscher seinen Daumen senkte
E. Käsemann Mord 1974- 1983 Terrorparanoia des Kanzlers Helmut Schmidt, des Außenministers Hans- Dietrich Genscher, der Staatsminister, Klaus von Dohnany, Hildegard Hamm- Brücher?

Joachim Petrick 03.03.2017 | 20:36

http://www.reinhard-mey.de/start/texte/alben/diplomatenjagd

die entsprechende Strophe:

Man reicht ihm die Büchse, es prasselt das Schrot:
So findet der Außenminister den Tod.

Daß der Ahnherr daraufhin noch „Waidmannsheil“ schreit,
Hat alle peinlichst berührt.
Ihm wird ein Protestschreiben überreicht
(besonders scharf formuliert),
Doch muß man dem Alten
Zugute halten: Das war, bei Hubertus,
Ein prächtiger Blattschuß,
Und daß er das Wort Diplomatenjagd,
Nur etwas zu wörtlich genommen hat

Den vertrackt missratenen Versuch einer Pointe auf Kosten des Kollegen Deniz Yücel in türkischer Haft mit Unterhaltungswert auch noch mit einer nächsten Pointe toppen zu wollen, das war zuviel dessen, was mein Gemüt unkommentiert erträgt.
Ansonsten Danke für den gelungenen Versuch der "Erinnerung" an Reinhard May

Avatar
Ehemaliger Nutzer 03.03.2017 | 23:04

Nicht 2001 indes 2017: grassierende Doppelmoral.

Nämlich dann, wenn es um die Ernte ggf gesäter Eigenartigkeiten geht.... - wo sich das G36 als vollkommen untauglich erwiesen zu haben scheint...

Damals, als es um Waffenlieferungen an "die" Kurden ging klang das allerdings noch ganz anders hierzulande.

Regen wir uns auf darüber?

Warum also heute, wo die Ernte eingefahren wird?

guggst Du hier:

https://www.freitag.de/autoren/marian-schraube/stoppt-die-kriege-r

SuzieQ 03.03.2017 | 23:10

Fassungslos wäre ich, wenn mich der Text überrascht hätte.

Würgen müsste ich, wenn ich Yücel hieße, mir bliebe das Lachen im Halse stecken.

Nach dem ersten Lesen dachte ich: nu, wer solche Freunde hat,...

Herr Füller kreist doch tatsächlich und trotz Yücels Lage um sich selbst, und er missbraucht dessen Lage für sich, völlig losgelöst von möglichen Konsequenzen. Man könnte, wenn man unbedingt möchte, dahinter Methode sehen, mit Missbrauchsopfern von sexualisierter Gewalt macht er nämlich genau dasselbe.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 03.03.2017 | 23:11

Wenn Ulf Poschardt, die Welt-Girlande, ins "Kommet Töchter, lasset uns klagen" skandiert will man von Fakten bald gleich garnichts mehr hören.

Indes, die Erdogan-Administration spielt die Deniz-Karte offenkundig so souverän, dass gleich der ganze Hofstaat hierzulande aufheult, wenn es einen der ihren in der Fremde erwischen sollte beim Demokratie spielen.

Umso besser, dass es Recht-Staatliche Verfahren gibt, die auch Herr Erdogan respektieren wird, sollte er sich nicht zum Hosenmatz seiner Ambitionen aufschwingen wollen.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 03.03.2017 | 23:48

Vorschlag: die einen verlieren Geld, die anderen Kopf und Kragen - okay, der war schwach...

Oder so: Erdogan braucht zur Ermächtigung sein Volk, die anderen lediglich die Kohle...

Und da die wirtschaftlichen Kennzahlen der, eine 'Freude' es zu schreiben, erinnert es doch an seinen großen 'Antagonisten' in Übersee, Erdogan-Administrationen nun nicht gerade gut aussehen wird Erdogan einen spitzen Bleistift in der Hand halten, um durchzurechnen was lohnt oder weniger lohnt.

Da darf man getrost auf die Machtgier zählen: die bleibt zuverlässig.

Enver Hodscha wußte das ebenso wie Kim Jong-un heute: wie man einen Operettenstaat hoffähig machen könnte.

Für so etwas allerdings wirkt Erdogan allerdings bislang vergleichsweise "uneitel".

Joachim Petrick 03.03.2017 | 23:58

"Man könnte, wenn man unbedingt möchte, dahinter Methode.."

Ich fürchte das ist die neue Methode des "Thundering both" des "Donnerden sowohl als auch" zuerst engagiert klar für etwas dann im Verlauf profilgeil Pointen jagend mit Alleinstellungsmerkmal in aller Unschärfe das Gegenteil, die die Studenten_innen auf Journalisten Hochschulen eingebimst kriegen, damit dem Boulevard auch für schwere Themen bei der hin und her gerissnen Lesrschaft "unterhaltsam" die Türen geöffnet bleiben?

Der Leser soll den Autoren nicht sympathisch oder unsympathisch finden, sondern hin und hergerissen süchtig nach seinen Produkten sein, als wären diese Speed, Dop, das Ziel?

Metambigo 04.03.2017 | 02:12

Das schlechte Gewissen, daß Sie, Herr Füller beim Springer - Verlag verorten, sollte nach solch teilweise widersprüchlicher (insbesondere mit Hinsicht und im Vergleich zu ihrem ersten " Free Deniz" Artikel) und verqueren Analyse eher (oder zumindest auch) Sie heimsuchen.

Doch "hochfliegende moralische Maßstäbe" ( wie hoch dürften denn die bei Befolgung der/ihrer? " Grundregeln publizistischer Schwerkraft" sein?) sind wohl weder dort noch bei Ihnen das Maß der Dinge (?).

Kann es nicht sein, daß Her Yücel sich einen Scheiß um Akkreditierung und "Zurückbeorderung" ja oder nein kümmerte?

Trotzdem oder gerade deswegen seinen "Job" machen wollte ?

Würde doch zu seinem "robusten" Stil passen, oder?

Aber Sie mildern quasi die diktatorische Behandlung, die Ihrem Journalisten-"Freund" widerfährt, mit Beschuldigungen gegen ihn selbst (warum reiste er nicht zurück), seinen Arbeitgeber und der in Ihren Augen (möglicherweise mit Recht so zu sehen) doppelmoraligen Unterstützung zweifelhafter Fürsprecher ab.

Das und ob Deniz nun nett war/ist oder nicht, sind aber nun wirlich nicht die aktuell vorrangigen Probleme in dieser - wie Sie es nennen - "tragischen Komödie".

Ob auch Deniz Yücel darüber lachen kann ?

denkzone8 04.03.2017 | 02:25

zum thema:

1)die vielen gemachten worte signalisieren:

verzwickte, komische situation,

2)alles halb so schlimm!

füllers formulierung: semi-diktatorische neue verfassung

läßt viel platz nach oben!

39als gäbe es die maßnahmen des kriegs-rechts,

den sichtbaren aufbau eines maßnahme-staats,

der der kommenden diktatorischen dynamik

viel platz läßt: nicht wirklich.

4)zur durchsetzung brauchts keinen reichstags-brand.

putsch-versuch und terror-anschläge

sollen hinreichend legitimieren:

die rechts-befreite herrschaft des reis,

was als piraten-kapitän, chef oder führer übersetzt werden kann.

5)ist das apart-geschilderte schicksal

eines exzeptionellen kollegen

solcher de-focussierenden rede wert?

denkzone8 04.03.2017 | 04:29

"niemals ist dem menschlichen hirn eine theorie mit

verhängnisvolleren wirkungen entsprungen

als die lehre, daß im falle eines ernsten staatsnotstandes

jede beliebige rechtsbestimmung suspendiert werden könne. eine solche lehre führt direkt zu anarchie oder despotismus..

kriegsrecht(martial law) kann niemals bestehen, solange die gerichte offen sind und ihre tätigkeit in der üblichen weise und unbehindert auszuüben in der lage sind. (us supreme court,1866)

zu: fancied emergencies (erfundene notstands-situationen) :

die herrschende partei "kann leicht den von ihr selbst veranlaßten oder begünstigten oder durch schlauheit zum ausbruch gebrachten aufruhr als vorwand benutzen,

um die gesetze zu suspendieren.

übertriebene ängstlichkeit, welche überall drohende gespenster der anarchie sieht, .." gibt ihnen mittel der gewalt in ihre hand.

(mittermaier,1849. belagerungszustand,kriegsrecht,standrecht

und suspension der gesetze über persönliche freiheit)

weinsztein 04.03.2017 | 05:21

Christian Füller,

Freund von Deniz Yücel, wie Sie sagen, Sie schreiben:

"Yücel hatte die Türkei nicht verlassen, sondern er blieb. Allerdings nicht in seiner Funktion als deutscher Journalist, sondern als türkischer Staatsbürger. Yücel hat den Doppelpass – das heißt, er besitzt sowohl die deutsche wie die türkische Staatsangehörigkeit. Mit dem türkischen Part seiner Identität berichtete er weiter, gewissermaßen als Privatmann. Ein gefährlicher Status."

Sollten die Anwälte von Deniz Yücel das lesen, wären sie entsetzt. Die zuständige türkische Staatsanwaltschaft wird das zu den Akten nehmen. Ihr Artikel, Christian Füller, dürfte auch in einem Gerichtsverfahren gegen Deniz Yücel zitiert werden.

"Mit dem türkischen Part seiner Identität berichtete er weiter, gewissermaßen als Privatmann", als türkischer Staatsbürger, nicht mehr als deutscher Journalist, sagen Sie. Das dürfte auch in türkischen Medien gerne zitiert werden.

Sie, Christian Füller, sprechen Deniz Yücel jenen gewissen Schutz ab, den Auslandskorrespondenten auch in der Türkei genießen.

Ich fordere Sie auf, Ihren Artikel - für deutsche und für türkische Leser erkennbar - zu überarbeiten.

Ich hoffe, die deutsche Diplomatie wird es richten, dass Deniz Yücel frei kommt.

"Im Fall des inhaftierten Journalisten Deniz Yücel liegen Tragödie und Komödie eng beieinander", steht oben in Ihrem Vorspann.

Auch im Fall des neu installierten FREITAG-Chefredakteurs Christian Füller liegen Tragödie und Komödie eng beieieinander.

apatit 04.03.2017 | 09:13

">>Erdogan braucht zur Ermächtigung sein Volk,...UND "Gottesgeschenk"!

So...

und das kommt mir doch sehr bekannt vor als Deutscher! Die Kommunisten waren schon weg gesperrt und auf den Koppelschlössern stand “Gott mit uns“ … oder noch anderes! Und Herr Y. wird behandelt wie die heiße Kartoffel und zum Schluss gegen Interessen geopfert! "Hoch" lebe tatsächlich die Doppelmoral und Herr Gabriel ist in der Ukraine und spricht mit Poroschenko. Hoffentlich fragt er auch nach, die Nazis in der Regierung von P. - was machen die jetzt eigendlich?

Christian Füller 04.03.2017 | 09:18

Hallo @Weinzstein,

Merci für Ihren Beitrag. Sie haben Recht, Deniz hatte keinen Schutz als Korrespondent mehr. Allerdings habe nicht ich, sein Ex-Kollege und Freund, ihm diesen Schutz abgesprochen, sondern die türkische Regierung verweigerte ihm die Akkreditierung als Journalist. Damit war er ohne die verbrieften Rechte eines Korrespondenten - und in einer gefährlichen Situation. Ich habe mich gestern mit Türkei-Korrespondenten unterhalten, die ratlos und entsetzt sind - über den Springer-Verlag. Es habe eine Fülle von Hinweisen auf eine bevorstehende Festnahme Deniz' gegeben. Nun befindet sich - Siehe Erdogans Äusserungen von gestern - Deniz praktisch in Geiselhaft. Er ist das Faustpfand für Wahlpropaganda türkischer Minister in D. Sie, Weinzstein, sind doch so gut informiert: Was sollte die Regierung jetzt tun?

Herzlich, Füller P.S. Ihr Tomatensugo-Rezept ist prima!

ed2murrow 04.03.2017 | 09:38

@ciffi

Mehrfach haben Sie direkt wie indirekt in Artikel und Tweets die Behauptung aufgestellt, Springer habe Deniz Yücel bewogen (die konkrete Form der Order, Überredung, Motivation lassen Sie offen), trotz fehlender Akkreditierung in der Türkei zu bleiben, quasi klandestin zu agieren.

Sicher sind sie in der Lage, diese bisher unhinterfragte Behauptung, die Weinsztein zu Recht als von großem Interesse für die türkischen Behörden bezeichnet, zu belegen und die Belege zu präsentieren.

apatit 04.03.2017 | 09:56

Das geht ja weiter.

Erdogan bezeichnet den in der Türkei inhaftierten Welt-Korrespondenten als "deutschen Agenten" und "Vertreter der PKK". Au-Backe, egal ob da was dran ist, bei leckeren kurdischen Spezialitäten die man isst, ist man da bei Edogan oder anderen interessierten Dienststellen in Deutschland schon verdächtig?

Eins muss man Erdogan lassen, erpressen und verunsichern – das kann er - bis nach Deutschland!

Wer kann helfen?

luddisback 04.03.2017 | 10:29

die springerunterstützung zum dramtikanzeigenden wunder zu stilisieren, weil es um einen "linksradikalen ex-tazler" geht, braucht es einen füller, der den ganzen restlichen artikel so klingt, als hätte er ihn geschrieben, um mal loszuwerden, dass er den heute welt- (ja ok, das kann man am rande erwähnen, auch wenn es das schöne springerwunder einigermaßen entwundert) journalisten höchstpersönlich kennt, ja ein höchstpersönlicher freund von ihm ist. von deniz. free deniz!

kmv 04.03.2017 | 11:04

Guten Tag Herr Füller,

das Thema Ihres Artikels habe ich doch richtig verstanden: Als Aufhänger bedienen Sie sich des Stichworts Pressefreiheit, um dann, Themenwechsel, eine herrschende Doppelmoral des Verlagshauses Springer im Fall Yücel zu konstatieren. Die Tragik sehen Sie in der Festsetzung Yücels in der Türkei und das komödiantische darin, dass das Verlagshaus dieselbe zu verantworten habe?

Im Tenor Ihres Artikels sieht der oben verlinkte Leo Fischer einen „vorläufiger Höhepunkt im Ballett der Missgunst“ während Calvani – ich gestehe, zu meiner Erheiterung - ein Aufmerksamkeitsdefizit auszumachen vermeint. Kann es nicht eher so zu sein, dass dieser grundlegende Gehalt zwangsläufig folgt, wenn wie auch immer geartete, radikale Haltung auf schwammige Befindlichkeit stößt?

Ihr Artikel steht in einem Meinungsmedium, erklärt dies, weshalb auf journalistisches Handwerkszeug, wie Quellenangaben, Abarbeitung der W-Fragen verzichtet werden kann?

Last not least, helfen Sie mir bitte bei Einordnung Ihres Textes: Kommentar, Leitartikel oder einfach nur zu Papier gebrachte Geschwätzigkeit?

Danke für den ‚Trigger‘ und klar, ich freue mich auf viele mehr.

Freundliche Grüße, KMVotteler

PS) Welche Pasta bevorzugen Sie zu Weinzsteins Tomatensugo?

ThomasF 04.03.2017 | 21:19

"Hätte man dem linksradikalen Deniz Yücel vor ein paar Jahren erzählt, dass der Springer-Chef einmal „Wir sind Deniz“ skandiert, er hätte gelacht und geweint. Und sich wahrscheinlich übergeben."

So groß kann der Ekel nicht sein. Den Arbeitsvertrag bei Springer hat Yücel doch wohl selbst unterschrieben.

Und was er bei der Taz geschrieben hat, bewegte sich eigentlich immer zwischen Menschenverachtung und "Auffallen um jeden Preis". Mit einem linken Humanismus hatte Yücel nichts am Hut. Nach meiner Einschätzug ein narzisstisch gestörter Mensch ohne moralische Überzeugung.

Ins Gefängnis gehört er trotzdem nicht. Aber sollte die Türkei ihn behalten: Der Verlust hielte sich in Grenzen.

koslowski 04.03.2017 | 23:07

Während Füller sich über den „Welt“-Kollegen mokiert, resümiert Gottschlich, der Korrespondent der taz in der Türkei, die Geschichte des Desinteresses deutscher Politik und deutscher Medien an den türkischen Verhältnissen und gibt eine pessimistische Prognose:

Aus einem Land, in dem die Pressefreiheit für die einheimischen Medien abgeschafft wird, kann auch die ausländische Presse auf Dauer nicht frei berichten.

Da die EU und Merkel seit 2007, als sich Erdoğans Marsch in die Autokratie abzuzeichnen begann, weder mit positiven Anreizen noch mit Sanktionsdrohungen etwas dagegen getan haben, ist nun der Weg in die Despotie kaum noch zu stoppen. Für ausländische Korrespondenten wird es extrem schwer werden, Licht ins kommende Dunkel zu bringen.

Gottschlichs ganzer Artikel hier: http://bit.ly/2mEqKKh

Metambigo 04.03.2017 | 23:44

Ihre persönliche Einschätzung über die "Wertigkeit" des Deniz Yücel für die deutsche Presselandschaft bezeichnen Sie als "Tatsache"?

Da der von Ihnen anscheinend herbeigesehnte Verlust aber nur über ein "Behaltenwollen" (sprich Gefängnisstrafe) durch die Türkei realisiert werden würde und Ihnen das klar sein dürfte, ist ihr geäußerter vermeintlicher Glaube (daß er nicht in den Knast gehõrt) nicht besonders glaubwürdig.

Im Übrigen geht es hier nur zweitrangig um Verlust oder Gewinn für uns Leser.

miauxx 05.03.2017 | 01:05

"Dass der Verlust für die deutsche Presselandschaft sich in Grenzen halten würde, ist als Tatsache davon völlig unabhängig."

Aber ein Befinden über den Stil der Journalistik im Zusammenhang mit einer solchen willkürlichen Verhaftung unter schärfsten Anschuldigungen ist doch mehr als fehl am Platze. Da müssen Sie sich schon fragen lassen, ob Ihnen Recht nur dann wirklich recht, oder zumindest nicht egal, ist, wenn es an Ihren Sympathieträgern vorbei zu gehen droht.

gelse 05.03.2017 | 09:03

>>Da die EU und Merkel seit 2007, als sich Erdoğans Marsch in die Autokratie abzuzeichnen begann, weder mit positiven Anreizen noch mit Sanktionsdrohungen etwas dagegen getan haben, ist nun der Weg in die Despotie kaum noch zu stoppen.<<
Dabei spielt ganz nicht nur das Flüchtingsabkommen eine Rolle, sondern dass die Türkei als wichtiger "NATO-Partner" gesehen wird.
Jetzt läuft aber die Konfliktlinie an der Bundesregierung vorbei: Einige Gemeinden haben türkischen Politikern ihre geplanten Wahlkampfauftritte nicht erlaubt, und die türkische Propaganda schiesst aus vollen Rohren dagegen.
Die Bundesregierung kann nur noch reagieren, nicht mehr agieren. Zum Beispiel wie Gabriel, der relativierend laviert...

Christine Quindeau 05.03.2017 | 14:03

Ich war mir sicher der Satz, man solle Deniz tiefer hängen sei ein Versehen. Ich musste über das Ausmaß der Stilblüte lachen.

"Das war bei Hubertus ein prächtiger Blattschuss" meint, dass man sehr zielgenau etwas anderes getroffen hat als beabsichtigt war. Wie gesagt ich ging von einem Lapsus aus.

Man kann den Satz doch nicht stehenlassen, unabhängig davon, was gemeint ist.

tux 05.03.2017 | 18:00

"Hängt ihn höher" und "Blattschuss" möchte ich einmal ausklammern, weil dazu schon (zu) viel gesagt wurde.

Es geht allerdings m. E. nicht primär um Herrn Yücel, sondern um etwas anderes: Die (viel zitierte und wenig verstandene) Presse- und Meinungsfreiheit in ihrer Gesamtheit. Warum begegnen die von uns gewählten Amts- und Mandatsträger eigentlich nicht Herrn Erdoğan statt in vorauseilender Unterwürfigkeit auf der von ihm gewünschten Augenhöhe?

Das hieße konkret: Entweder Deniz Yücel und alle anderen gegenwärtig in der Türkei wegen der Ausübung ihrer selbstverständlichen Menschen- und Bürgerrechte inhaftierten politischen Häftlinge (egal, ob Straf- oder Untersuchungshaft) werden sofort und mit einer angemessenen finanziellen Haftentschädigung versehen auf freien Fuß gesetzt und können unbehelligt in ein Land ihrer Wahl ausreisen, oder die Bundesregierung schlägt für den Friedensnobelpreis 2017 Fethullah Gülen und Abdallah Öcalan vor - und macht diesen Vorschlag öffentlich!

Dann hätte der Kalif vom Bosporus wirklich einen Grund zu erhöhtem Blutdruck.

Christian Füller 06.03.2017 | 06:31

@quindeau @tux Der Satz heisst übrigens "Hängt ihn tiefer", er wäre eine hübsche Überschrift gewesen und ist eine Umkehrung von "Hängt ihn höher", und zwar in genau dem Stil, den Deniz so liebt. Ich verstehe nicht, warum man einen Text über Deniz nicht mit seinen Stilmitteln bestreiten sollte. Hängt ihn tiefer bedeutet also - für einige hier zur Klarstellung, "hängt ihn nicht höher", bestraft ihn nicht, lssst ihn drei. Und für die Außenstehenden Journalisten: plappert weniger über Deniz, das macht die Sache für ihn noch gefährlicher. Inzwischen ist dieser Fall eingetreten. Während türkische Minister Propaganda für eine undemokratische Verfassung machen, hat die Türkei ein prima Faustpfand in der Tasche - Deniz Yücel.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 06.03.2017 | 13:04

So habe ich es auch verstanden - und wahrscheinlich Deniz Yücel ebenso, wenn er wieder Gelegenheit dazu hat. "Bring mir den Kopf von Alfredo Garcia" wäre ein weiterer Cliffhanger.

Wir haben es mit gänzlich unterschiedlich "sozialisierten" Generationen zu tun. Einerseits Yücel, aufgewachsen in einem realen Umfeld, welches eine robuste Mentalität erfordert. Andererseits die neuen Virtuellen, die sich bevorzugt in Safe-Spaces tummeln, Mimimi-Sprachakte tätigen, dabei aber äußerst aggressiv gegen diejenigen vorgehen, die ihre heile Welt mit schmutzigen Fakten trüben.

Plapper-Journalisten plappern gerne. Sie befinden sich in einer Blase, die ihnen eine eingeschränkte Außen- und eine verzerrte Innensicht gestattet. So bleibt der Durchblick auf der Strecke.

Nachbrenner 06.03.2017 | 23:10

tja, so wie ich das sehe, gibt es tatsächlich eine doppelmoral bei journalisten: welche die bequem in berlin sitzen und sich bis 17h darüber gedanken machen, wer wo was besser machen könnte und journalisten die dahin gehen wo es tatsächlich was zu berichten gibt. es gibt tatsächlich zwei sorten. die einen moralisieren gerne aus sicherer entfernung, die andern kommen ihrem job nach und versuchen zu recherchieren. also für meinen teil, kann ich sagen, welche journalisten mir lieber sind. und wenn ich mir die kommentare hier so ansehe, stehe ich nicht alleine da.

das hier ist zwar ein "meinungsmagazin" aber irgendwoher müssen die infos ja kommen, über die man sich eine meinung bilden soll. sozusagen den rohstoff liefen. wer soll das machen?

und noch etwas: die abfällige art, über yücel zu schreiben, so von wegen linksradikaler provojournalist, wird yücel wohl kaum gerecht. sicher hat er provoziert (aber provozieren tut ja auch christian füller, auch wenn er es nicht beabsichtig). aber er hat auch sehr gute meinungsartikel geschrieben, bei denen man erkennen konnte, dass er sich zuvor gedanken darüber gemacht hat. bei diesem kommentar, kann ich das eher nicht erkennen.

wessen meinung ist fundierter? der glattgebügelte berliner prenzlauer-berg-moralismus oder doch eher die von denen die dahin gehen und zeigen, wo es auch mal weh tun kann? die frage kann sich der redakteur wohl selber beantworten.

Christine Quindeau 07.03.2017 | 09:30

Man hat eben diesen feingeistig-zivilisatorischen Konsens, dass man Menschen überhaupt nicht hängt. Zweifellos nur durch wirklichkeistfremde Manieriertheit zu erklären.

Die Aufforderung auf eine bestimmten Höhe zu hängen, könnte auf manche daher etwas deplatziert wirken. Vor allem auf jemanden bezogen, der sich im Moment nicht sicher sein kann, dass er ein rechtstaatliches Verfahren bekommt.

Die Metapher nicht wie bei "hängt ihn höher" ironisch gedreht (was "Achtung, Rechtsstaat goes Wildwest meint), sondern in - nicht entgegen - der Bedeutungsrichtung zu verwenden, ist evtl etwas unglücklich.

Christine Quindeau 07.03.2017 | 09:44

"Vielleicht sollten wir Deniz einfach tiefer hängen" kommt aber ganz anders, nämlich so als sei der Satz eine Aufforderung an die deutsche Öffentlichkeit die Ereignisse medial weniger hochzukochen. Nicht als sei es eine Aufforderung an die türkische Justiz im Sinn von "lasst ihn frei". Dann zählten ja durch das "Wir" in dem Satz wir zu den türkischen Strafvollzugsbehörden.
Ich lerne zu ^^

Aber das machen, Sie wie Sie meinen. Ich wollte keine ernstgemeinte Stilkritik abliefern, sondern bin wie gesagt nur nicht auf die Idee gekommen, der Satz könne bewusst so gesetzt sein.

SuzieQ 07.03.2017 | 15:27

@quindeau @tux Der Satz heisst übrigens "Hängt ihn tiefer", er wäre eine hübsche Überschrift gewesen und ist eine Umkehrung von "Hängt ihn höher", und zwar in genau dem Stil, den Deniz so liebt. Ich verstehe nicht, warum man einen Text über Deniz nicht mit seinen Stilmitteln bestreiten sollte. Hängt ihn tiefer bedeutet also - für einige hier zur Klarstellung, "hängt ihn nicht höher", bestraft ihn nicht, lssst ihn drei. Und für die Außenstehenden Journalisten: plappert weniger über Deniz, das macht die Sache für ihn noch gefährlicher. Inzwischen ist dieser Fall eingetreten. Während türkische Minister Propaganda für eine undemokratische Verfassung machen, hat die Türkei ein prima Faustpfand in der Tasche - Deniz Yücel.
-------------------------
Der Satz lautet: Vielleicht sollten wir Deniz einfach tiefer hängen.

Wenn ein blog die Leser verwirrt, wenn der Text eines blogs die Leser verwirrt, wenn ein Satz des blogs die Leser verwirrt, dann kann es tatsächlich passieren, dass es manchmal ca 70 Kommentare braucht, eh sich der Verfasser erklärt.


Oder sein blog erklärt oder seinen Text oder seinen Satz.
Hat was von 'Witze erklären', wenn jemand meint, dass an einen Text drangeschrieben werden muss, wie er gemeint ist...
..., damit er eindeutig, nein besser richtig verstanden werden kann.
Wobei, ob dieses Verständnis des Textes eindeutig besser ist?


Fragen wir Herrn Yücel, was er davon hält, wenn nicht von ihm sondern über ihn geschrieben wird, bestritten unter Zuhilfenahme seiner Stilmittel...
Das mit dem Plappern find ich gut. Toll, wenn da einer ist, der den Anderen die Welt erklärt.
Der fehlte grad noch.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 09.03.2017 | 00:18

as we learn: Erdogan seems to claim his Wuthering Heights.

but: indeed quite an European marked issue called Pride and Prejudice.

Na dann schaun mer doch mal, wie Herr Trump sein Land aus der Schuldenfalle herausmanövrieren wird beim defecit spending.

Außer "seinem" Hauptgläubiger China ans Bein pinkeln zu wollen hat der feine Herr bislang nämlich wenig mehr zustande gebracht als der Öffentlichkeit seine Unterschriftsetzung über TV-Kanäle zu übermitteln.