Der traurige Körper

Maler als Bildhauer Die Stuttgarter Staatsgalerie zeigt Ernst Ludwig Kirchner und seine Bewunderung für das Archaische
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Adam und Eva begrüßen uns. Zwei lebensgroße Portalfiguren, geschnitzt aus dem Baumholz der Schwarzpappel, braun gebeizt, der Mann stoisch, zurückhaltend, die Frau ebenso voluminös, übergroß stilisierte Köpfe, ein grob angedeutetes Geschlecht: so stehen sie am Anfang der Stuttgarter Ausstellung, ein altes Paar, weise und nackt, sehr traurig und auf das Körperliche reduziert.

Und so standen sie auch am Eingang des Hauses, das Ernst Ludwig Kirchner mit seiner Frau nach dem Ersten Weltkrieg in den Davoser Bergen bewohnte. Die Skulptur, und das ist wenig bekannt, hatte für Kirchner eine enorm wichtige Funktion: er sah sie als eigenständige Wegbegleiterin seiner Malerei - hier wurde im Raum, im Holz vor allem, vorgefühlt, experimentiert,