O Mensch! O Castorf!

SPORT AM "ALEXANDERPLATZ" Zuchtmeister Frank C. zeigt den Zürcher Reichen, wie in Berlin gekotzt, gebrüllt und gevögelt wird
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Das Leben ist eine Baustelle, Berlin ist eine Baustelle, und Berlin Alexanderplatz müsste bei Frank Castorf eigentlich Potsdamer Platz heißen. In seiner Züricher Inszenierung, in der riesigen ehemaligen Fabrikhalle des Schiffbau, hat Castorf den Franz Biberkopf in einen relativ jungen Haftentlassenen verwandelt und wirft ihn in ein kriminelles Milieu aus Halbstarken und russischen Nutten, die am Bauzaun in Wohncontainern auf einem Großbauplatz residieren.

Die Stadt wird umgepflügt, und das Innenleben des Franz, der anständig sein will und das nicht kann, wird ebenfalls ziemlich umgebogen. Der melodramatische Faßbinder brauchte dazu 14 Fernsehfolgen, Castorf braucht fünf Theaterstunden, und am Ende schwankt der Zuschauer zwischen Ermattung und einem ge