Christian Mehl
14.06.2013 | 13:20 12

Hotel-Lobby macht gegen Ferienwohnungen mobil

Ferienwohnungen Nicht jeder Tourist ist Willens oder in der Lage, die in vielen Großstädten der Welt üblichen teuren Hotelpreise zu bezahlen. Viele von ihnen sind froh ...

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Christian Mehl

Nicht jeder Tourist ist Willens oder in der Lage, die in vielen Großstädten der Welt üblichen teuren Hotelpreise zu bezahlen. Viele von ihnen sind froh, wenn sie auf günstigere Übernachtungsmöglichkeiten wie die von Ferienwohnungen zurückgreifen können.

Private Zimmervermittlung hat in den letzten Jahren zunehmend an Beliebtheit gewonnen. Internetplattformen wie Airbnb oder Wimdu sind zu beliebten Anlaufpunkten geworden für diejenigen, die bei ihrer Übernachtung in Städten wie Berlin oder New York Geld sparen wollen.

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Der Erfolg von Airbnb, Wimdu und ähnlichen Plattformen ist der Hotellobby zunehmend ein Dorn im Auge. Die wirtschaftlichen Krisenzeiten gehen auch an dieser Branche nicht spurlos vorbei. Die setzt nun alles daran, die unliebsame Konkurrenz vom Markt zu drängen. Dabei verzeichnet die Hotellerie erste Erfolge. Airbnb New York wurde inzwischen verboten. Im vergangenen Jahr wurden dort 300000 Übernachtungen gebucht. Für 2013 wurde mit einer Million gerechnet.

Die Jagd auf private Vermittler hat in Übersee zum Teil bizarre Formen angenommen. In Kanada sollen Regierungsangestellte zum Schein Privatzimmer gebucht haben, um illegalen Vermietungen auf die Spur zu kommen. Der Einfluss der Hotellobby scheint in Kanada überhaupt recht groß zu sein. Beim nördlichen Nachbarn der USA dürfen kurzfristige Übernachtungen erst nach Zahlung einer Gebühr in Höhe von 250 Kanadischen Dollar regelmäßig angeboten werden. Außerdem ist eine behördliche Registrierung der Vermieter erforderlich.

Außer der Hotellerie sehen sich auch die gewerblichen Anbieter von Übernachtungsmöglichkeiten durch die Vermittler privater Unterkünfte bedroht. Wie die Hotellobby gehen auch sie organisiert gegen airbnbmm Wimdu und andere Plattformen mit ähnlichem Inhalt vor. Mit zunehmendem Erfolg. Inzwischen wird auch in anderen nordamerikanischen Großstädten außer New York an Gesetzen gearbeitet, die darauf abzielen airbnb zu verbieten. Und auch anderswo auf der Welt, etwa in Neuseeland oder Spanien wird die Privatvermittlung von Unterkünften erschwert oder völlig verdrängt.

In Berlin steht ein Gesetz vor der Verabschiedung, mit dem die Vermietung privater Unterkünfte an Touristen untersagt werden soll. Der Entwurf sieht vor, sämtliche Ferienwohnungen in Berlin zu verbieten. Den Eigentümern von Ferienwohnungen soll eine Übergangsfrist von lediglich zwei Jahren gewährt werden. Die aus SPD und CDU bestehende große Koalition scheint angesichts permanent herrschender Wohnungsnot die Privatvermieter von Ferienunterkünften als Sündenböcke ausgemacht zu haben.
Dass die Privatvermietung von Touristenunterkünften für die Wohnungsmisere in Berlin verantwortlich ist, sehen die Besitzer von Ferienwohnungen anders. Für sie soll es aber nur wenige Ausnahmeregelungen geben. Etwa, wenn sie nachweisen können, dass ihre wirtschaftliche Existenz gefährdet ist oder sie Ersatz für den angeblich durch die Ferienwohnung verloren gegangenen Wohnraum schaffen.

Die Pläne der Berliner Regierung könnten für viele Arbeitsplätze das Aus bedeuten. Startup-Unternehmer Arnaud Bertrand, der mit HouseTrip.com eine eigene Online-Vermittlung von Ferienunterkünften betreibt und inzwischen 180 Mitarbeiter beschäftigt, sieht in dem geplanten Berliner Gesetz die härteste Regelung ihrer Art. Betrands Meinung nach hält sich der durch Ferienwohnungen verursachte Wohnraumverlust durchaus in Grenzen. Denn häufig werde die an Touristen vermietete Ferienunterkunft auch für eigene Zwecke genutzt. Vermieter von mehreren Objekten gibt es nach Meinung von Bertrand nur wenige. HouseTrip.com bietet in Berlin ca. 1300 Ferienwohnungen an.

Auch Stephan La Barré, der in Berlin 14 Wohnungen als Ferienunterkunft anbietet und sechs Mitarbeiter beschäftigt, glaubt nicht daran, dass seine Branche für die Wohnungsmisere in der Hauptstadt verantwortlich ist. Er betont, dass die Urlauber, häufig Familien mit Kindern, die sich kein Hotel leisten können, in Berlin Geld ausgeben, was der örtlichen Wirtschaft zu Gute komme.

Warum die Berliner Wohnungsnot ausgerechnet den Vermittlern von Ferienwohnungen anzulasten ist, bleibt weiterhin unklar. Verlässliche Zahlen über den Anteil der Touristenunterkünfte am gesamten Wohnraum gibt es nicht. Die vom Berliner Senat genannte Angabe von 12000 Ferienwohnungen ist nicht unumstritten. Aber selbst wenn diese Zahl halbwegs zutreffen sollte, wäre dies gegenüber den insgesamt zwei Millionen Berliner Wohnungen nur ein geringer, noch im Promillebereich liegender Anteil.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (12)

dame.von.welt 14.06.2013 | 14:30

Verläßliche Zahlen über die Umwandlung von Mietwohnungen in äußerst einkömmliche Gewerbe gibt es in Berlin u.a. deswegen nicht, weil ein Großteil der Wohnungsinhaber ihre Umsätze nicht versteuern.

In meinem Viertel ist der Wohnraum ultraknapp und zunehmend unbezahlbar, während sich die Ferienwohnungen wie die Karnickel vermehren. Viele Touristen sehen keinen Grund, sich in Wohnhäusern dem auch nur im mindesten angepasst zu verhalten - schließlich kommen sie nicht wieder und reklamieren ihr Menschenrecht auf Spaß aka Sau-rauslassen rund um die Uhr.

Der Senat ist, wie immer, reichlich spät dran - die Bekräftigung des Verbots der Umwandlung von dringend benötigtem Wohnraum in Geldmacherei hätte schon vor 10 Jahren passieren müssen und das Schlupfloch 'Gefährdung der Existenz' ist reines Gummi. Was werden wir demnächst viele notleidende Ferienwohnungsvermieter haben!

Nichts spricht gegen preiswerte Unterkünfte, nichts gegen gelegentliches privates Bed+Breakfast, gegen Couchsurfing, Wohnungstausch oder Untervermietung während eigener Ferien-Abwesenheiten. Alles spricht gegen die Hinauskomplementierung der Nichtwohlhabenden aus der Innenstadt und daran haben die Ferienwohnungen einen Anteil.

Magda 14.06.2013 | 23:27

In meinem Viertel ist der Wohnraum ultraknapp und zunehmend unbezahlbar, während sich die Ferienwohnungen wie die Karnickel vermehren. Viele Touristen sehen keinen Grund, sich in Wohnhäusern dem auch nur im mindesten angepasst zu verhalten - schließlich kommen sie nicht wieder und reklamieren ihr Menschenrecht auf Spaß aka Sau-rauslassen rund um die Uhr.

Bei mir in der "Platte" gibts auch Vermieter. Das geht im Augenblick schon noch, aber die stellen ihre Fahrräder auf das Podest vor unsere Wohnung und sind nicht in der Lage, ihren Gästen zu verklickern, wie man einen Müllschlucker geräuscharm bedient.

Steiner 15.06.2013 | 21:05

Dieses "Gesetz", das man auch als Enteignung bezeichen kann, fällt mitten im Wahlkampf. Wo fangen wir an, Rechte des Eigentumes zu beschränken? Alles nur, weil genau die Politker, die jetzt lauthals herumschreiben, es versäumt haben, Sozialen Wohnungsbau zu genehmigen, anstatt Einkaufscenter und Bankenhochhäusern! Aber Kaviar fressen und Sekt saufen auf solchen Einweihungsfesten machte offentsichtlich mehr Spass, als mit sozial schwachen Mitbürgern wegen Sozialen Wohnungsbau zu sprechen.

Eines sollte man nicht vergessen. Es gibt vom Bundesverfassungsgericht ein klares Urteil. Dieses besagt, das die Vermietung als Ferienwohnung keine Zweckentfremdung ist. Auch bei der Vermietung einer Eigentumswohnung an laufend wechselnde Gäste sei die Nutzung nicht gewerblich, denn auch in diesem Fall diene die Wohnung den Gästen als Unterkunft und damit zu Wohnzwecken. (Az.: V ZR 72/09, NJW 2010 = GuT 2010, 44).

Anders formuliert: Einige Politiker wollen ablenken von eigenen Versäumnisse, planen Enteignungen, verstossen gegen oberste Gerichtsurteile. Alles weil Wahlkampf ist und siehe da, es gibt sogar sofort Leute, die glauben diesen Politiker sofort und finden das super toll und gerecht.

Besser ist aber, mal richtig nachdenken, ob a) dies nur eine Ablenkung ist von Versäumnisse in der Genehmigung von Bauanträge und B) sogar noch eine heimliche Unterstützung der Hotellobby, die gerade in Berlin im Wahlkampf kräftig am spenden ist.

Und nach der Wahl klagt einer der Ferienwohnungsvermieter mit den Verweis auf dieses BVG-Urteil und dann wird ganz leise das Gesetz wieder einkassiert.....

Deshalb Kopf einschalten und Politiker mal direkt fragen, was für einen Blödsinn er jetzt wieder verzapft.... und schauen, ob er nicht Lobbyarbeit für Hotel gerade macht.

Steiner

hamburger 18.08.2013 | 15:33

Lieber Herr Mehl,

Ich glaube, es ist nicht die Hotel-Lobby,die Front gegegn Fewos macht.

Ich bin betroffener Vermieter in Hamburg. Es ist m.E. die SPD, die ihr "soziales Profil" schärfen will - auf Kosten fremden Eigentums. Es ist vieleicht die Absicht, Hartz 4 vergessen zu machen, das schlechte Gewissen, die Rache der bösen Tat.

In Hamburg gibt es etwa 900 000 Wohnungen, der SPD Senat hat 160 Ferienwohnungen ermittelt. Wegen dieser 160 Vermieter wurde extra ein Gesetz in hamburg beschlossen, welches

- Zwangsvermietungen gegen Willen des Besitzers ermöglicht

- den Versuch, eine Fewo anzubieten oder zu vermieten bereits unter Strafe bis 50 000€ stellt

-das Grundgesetz (Unverletzlichkeit der Wohnung) für Vermieter einschränkt

-Beamten erlaubt bei Verdacht "jederzeit und unangemeldet" Wohnungen zu kontrollieren

In der Hamburger Presse (Abendblatt und Welt) wurden neulich Nachbarn aufgefordert, Vermieter von Ferienwohnungen bei der Behörde anzuzeigen.

So werden zahlreiche Grossmütter gezwungen, jetzt die Einliegerwohnung in ihren Haus zu vermieten. Wenn die Kinder dann zu Besuch nach Hamburg kommen, müssen sie im Hotel wohnen, obwohl Oma doch deswegen eine Einliegerwohnung hat.

SPD ? Diktatur und Unterdrückung!

hamburger 18.08.2013 | 15:47

Steiner zitiert zu Recht das Urteil des BGH, der ausführte, dass auch Touristen eine Wohnung zum Wohnen nutzen.

Das Wohnraumschutzgesetz in Hamburg wertet völlig willkürlich diesen Aufenthalt nicht als "Wohnen".

Mir unverständlich, dass eine Landesregierung sich über die Wertung des obersten deutschen Gerichts hinwegsetzt.

Wie ich schrieb, gibt es nur 160 "illegale" Ferienwohnungen in Hamburg. Meine Fewos helfen nicht, den Mangel an "bezahlbaren Wohnraum" in hamburg zu beheben, wie wohl die meisten der 160 Fewos, denn diese sind alle hochwertig ausgestattet und gut gelegen.

Zitat aus “Hamburger Grundeigentum 08/2013”

Kurioser geht es ja nun wirklich nicht mehr, denn mit 1,6 Millionen weniger Menschen und dafür 500 000 Wohnungen mehr,liegen die bisherigen Schätzungen ziemlich daneben.

Betrachtet man die nackten Zahlen, spiegelt sich keine allgemeine Wohnungsknappheit wider, sondern Wunsch- und Wohlstandsdenken seitens der Bürger und der Politik.

So hat allein Hamburg 25 000 Wohnungen mehr als angenommen und knapp 83 000 Bewohner weniger. Zitatende

Ideologen der SPD, allen voran Dirk Kienscherf,Hamburg bevormunden Vermieter und sagen in der Presse noch:

"Wir wollen Finanzinvestoren aus Hamburg fernhalten."

Ja, wer soll dann die angeblich fehlenden Wohnungen bauen?

hamburger 18.08.2013 | 18:47

Liebe Dame von Welt,

Woher wollen Sie wissen, dass ein Grossteil der Wohnungsinhaber die Umsätze nicht versteuern, das ist reine Spekulation.

Ich z.B. habe eine Fewo gekauft und renoviert etc. Vorsteuerguthaben 40 000€. Dafür verlangt das Finanzamt von mir, dass ich mindestens 10 jahre an Touristen vermiete (nämlich UST-pflichtig). Das Finanzamt verlangt also von mir, was die Stadt Hamburg mir verbietet.

Wer Immobilien besitzt und dem Finanzamt weiss machen will, dass er keine Mieteinnahmen hätte, wird schnell kontrolliert. Ebenso wie in allen Wirtschaftsbranchen arbeitet das Finanzamt mit betriebwirtschaftlichen Kennzahlen und man ist automatisch auf den Kicker, wenn man von den Kennzahlen abweicht.

Wissen Sie, dass ich auch

GEZ

Gema (Weil die Gema behauptet,meine Fewo sei öffentlicher Raum)

Bettensteuer

19% Mst auf eben diese bettensteuer

und natürlich EKST zahlen muss?

Und dann schreiben Sie, von "Hinauskomplementierung der Nichtwohlhabenden aus der Innenstadt".

Ich denke, wohlhabend zu sein, möchte aber für nichts in der Welt in einer Innenstadt wohnen, möchte meine Bäume und Natur vor dem Fenster haben.

Und die Politik hier in hamburg steht einen alleinstehenden Hart-4-Empfänger monatlich 340 € Kaltmiete zu. Es ist die Politik, die Nichtwohlhabende aus den Städten vertreibt mit solchen Hart-4-Sätzen.

matthias-kerl 19.08.2013 | 11:28

Tag,

Die Jagd in Hamburg auf die Ferienwohungen nimmt bizarre Formen an. Nach dem neuen SPD Gesetz (Wohnraumschutzgesetz) ist auch bereits die vorsätzliche oder fahrlässige Werbung für Ferienwohnungen eine Ordnungswidrigkeit, die mit bis zu 50 000€ Geldstrafe bestraft werden kann.

Nun haben erboste Wohnungsbesitzer in Hamburg das "Hamburger Abendblatt" angezeigt, weil das Abendblatt nämlich Werbung für illegale Ferienwohnungen macht mittels Links und Textanzeigen.

Ebenso wurde der Bürgermeister Olaf Scholz angezeigt, weil nämlich der Senat ein Gästehaus unterhält, welches meist leersteht.

Nach dem neuen Wohnraumschutzgesetz alles verboten.

Aber die Hamburger Wohnraumschutz-Beamten weigern sich, den Anzeigen nachzugehen.

Lieber ruiniert man den Vermieter einer Einliegerwohnung, als sich mit den Mächtigen anzulegen.

Hamburg - die Farce eines Rechtstaates.