Hotel-Lobby macht gegen Ferienwohnungen mobil

Ferienwohnungen Nicht jeder Tourist ist Willens oder in der Lage, die in vielen Großstädten der Welt üblichen teuren Hotelpreise zu bezahlen. Viele von ihnen sind froh ...
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Nicht jeder Tourist ist Willens oder in der Lage, die in vielen Großstädten der Welt üblichen teuren Hotelpreise zu bezahlen. Viele von ihnen sind froh, wenn sie auf günstigere Übernachtungsmöglichkeiten wie die von Ferienwohnungen zurückgreifen können.

Private Zimmervermittlung hat in den letzten Jahren zunehmend an Beliebtheit gewonnen. Internetplattformen wie Airbnb oder Wimdu sind zu beliebten Anlaufpunkten geworden für diejenigen, die bei ihrer Übernachtung in Städten wie Berlin oder New York Geld sparen wollen.

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Der Erfolg von Airbnb, Wimdu und ähnlichen Plattformen ist der Hotellobby zunehmend ein Dorn im Auge. Die wirtschaftlichen Krisenzeiten gehen auch an dieser Branche nicht spurlos vorbei. Die setzt nun alles daran, die unliebsame Konkurrenz vom Markt zu drängen. Dabei verzeichnet die Hotellerie erste Erfolge. Airbnb New York wurde inzwischen verboten. Im vergangenen Jahr wurden dort 300000 Übernachtungen gebucht. Für 2013 wurde mit einer Million gerechnet.

Die Jagd auf private Vermittler hat in Übersee zum Teil bizarre Formen angenommen. In Kanada sollen Regierungsangestellte zum Schein Privatzimmer gebucht haben, um illegalen Vermietungen auf die Spur zu kommen. Der Einfluss der Hotellobby scheint in Kanada überhaupt recht groß zu sein. Beim nördlichen Nachbarn der USA dürfen kurzfristige Übernachtungen erst nach Zahlung einer Gebühr in Höhe von 250 Kanadischen Dollar regelmäßig angeboten werden. Außerdem ist eine behördliche Registrierung der Vermieter erforderlich.

Außer der Hotellerie sehen sich auch die gewerblichen Anbieter von Übernachtungsmöglichkeiten durch die Vermittler privater Unterkünfte bedroht. Wie die Hotellobby gehen auch sie organisiert gegen airbnbmm Wimdu und andere Plattformen mit ähnlichem Inhalt vor. Mit zunehmendem Erfolg. Inzwischen wird auch in anderen nordamerikanischen Großstädten außer New York an Gesetzen gearbeitet, die darauf abzielen airbnb zu verbieten. Und auch anderswo auf der Welt, etwa in Neuseeland oder Spanien wird die Privatvermittlung von Unterkünften erschwert oder völlig verdrängt.

In Berlin steht ein Gesetz vor der Verabschiedung, mit dem die Vermietung privater Unterkünfte an Touristen untersagt werden soll. Der Entwurf sieht vor, sämtliche Ferienwohnungen in Berlin zu verbieten. Den Eigentümern von Ferienwohnungen soll eine Übergangsfrist von lediglich zwei Jahren gewährt werden. Die aus SPD und CDU bestehende große Koalition scheint angesichts permanent herrschender Wohnungsnot die Privatvermieter von Ferienunterkünften als Sündenböcke ausgemacht zu haben.
Dass die Privatvermietung von Touristenunterkünften für die Wohnungsmisere in Berlin verantwortlich ist, sehen die Besitzer von Ferienwohnungen anders. Für sie soll es aber nur wenige Ausnahmeregelungen geben. Etwa, wenn sie nachweisen können, dass ihre wirtschaftliche Existenz gefährdet ist oder sie Ersatz für den angeblich durch die Ferienwohnung verloren gegangenen Wohnraum schaffen.

Die Pläne der Berliner Regierung könnten für viele Arbeitsplätze das Aus bedeuten. Startup-Unternehmer Arnaud Bertrand, der mit HouseTrip.com eine eigene Online-Vermittlung von Ferienunterkünften betreibt und inzwischen 180 Mitarbeiter beschäftigt, sieht in dem geplanten Berliner Gesetz die härteste Regelung ihrer Art. Betrands Meinung nach hält sich der durch Ferienwohnungen verursachte Wohnraumverlust durchaus in Grenzen. Denn häufig werde die an Touristen vermietete Ferienunterkunft auch für eigene Zwecke genutzt. Vermieter von mehreren Objekten gibt es nach Meinung von Bertrand nur wenige. HouseTrip.com bietet in Berlin ca. 1300 Ferienwohnungen an.

Auch Stephan La Barré, der in Berlin 14 Wohnungen als Ferienunterkunft anbietet und sechs Mitarbeiter beschäftigt, glaubt nicht daran, dass seine Branche für die Wohnungsmisere in der Hauptstadt verantwortlich ist. Er betont, dass die Urlauber, häufig Familien mit Kindern, die sich kein Hotel leisten können, in Berlin Geld ausgeben, was der örtlichen Wirtschaft zu Gute komme.

Warum die Berliner Wohnungsnot ausgerechnet den Vermittlern von Ferienwohnungen anzulasten ist, bleibt weiterhin unklar. Verlässliche Zahlen über den Anteil der Touristenunterkünfte am gesamten Wohnraum gibt es nicht. Die vom Berliner Senat genannte Angabe von 12000 Ferienwohnungen ist nicht unumstritten. Aber selbst wenn diese Zahl halbwegs zutreffen sollte, wäre dies gegenüber den insgesamt zwei Millionen Berliner Wohnungen nur ein geringer, noch im Promillebereich liegender Anteil.

13:20 14.06.2013
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