Kritik an der FED ist kein Antisemitismus

Im Ernst? Kritiker der Montagsdemos haben keine Ahnung vom Geldsystem und greifen blind zur Nazikeule.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Wenn man Großbanken, die FED, oder das Geldsystem angreift, wird das heute von Kommentatoren in den Öffentlich-rechtlichen – und vermutlich auch in weiteren "Leitmedien" – als antisemitisch oder rechts eingestuft. Ironischerweise sind es aber genau diese Kommentatoren, die dadurch antisemitische Ideen verbreiten. Denn wenn sie behaupten, dass Kritik an Großbanken und am Geldsystem automatisch antisemitisch ist, sagen sie damit implizit, dass man von Großbanken wie der FED immer eine Verbindung zum Judentum ziehen müsse. Diese Verbindung als gegeben anzunehmen ist Ausdruck des antisemitischen Vorurteils, dass Juden grundsätzlich die Banken beherrschen.

Ein Beispiel für derartige antisemitische Äußerungen lieferte Stefan Maas in einem Beitrag für den Deutschlandfunk am 16. April:

"Ich bin sozusagen noch dabei mir dieses Thema anzuschauen und habe angefangen Indizien zusammenzutragen und ich würde sagen, man kann es an der Semantik festmachen. Zum Beispiel, ich bin am Montag selbst an so einer Demo hier vor dem Brandenburger Tor vorbeigefahren, da waren mehrere Schilder, da stand drauf 'Gegen die FED'. Und ich hab' noch gedacht, warum demonstrieren die gegen die Federal Reserve, also die amerikanische Notenbank?

Und wenn man jetzt aber rund um diese neuen Montagsdemos liest und Videos anschaut, dann stößt man letztlich immer auf die These 'Die FED ist Schuld an allem Übel in der Welt' und 'Die FED ist eine Privatbank' und von da aus ist man wieder ganz schnell – wenn man die politischen Sprachbilder kennt – beim jüdischen Finanzkapital als Ursache allen Übels in der Welt. Das haben schon die Nazis so gesehen.

Und dann wird in Reden und im Netz dieses zweite Bild beschworen, 'wir hier unten gegen die da oben', also die Eliten, die Politikelite, die Medienelite, die uns hier unten – und das kann man in dem Fall wohl so sagen – verarschen wollen. Auch das ist ein Kennzeichen des Populismus, des Rechtspopulismus."

Anscheinend reicht es vollkommen aus, wenn man mal an einer Demo vorbeifährt und sich einfach mal irgendwas durchliest und irgendwelche Videos ansieht, um dann im Deutschlandfunk einen Kommentar über die Montagsdemos abzugeben. Namen von Quellen oder Videos müssen nicht genannt werden, Interviews mit Demonstranten vor Ort müssen nicht geführt werden.

Ähnlich wie Stefan Maas, dessen journalistische Schwerpunkte Verbraucher- und Sozialpolitik sind, sieht es Jutta Ditfurth, Mitinitiatiorin der ökosozialistischen Partei ÖkoLinX. In der 3sat Sendung Kulturzeit sagte sie ebenfalls am 16. April:

"Wenn zum Beispiel der Organisator der Friedensdemos, Lars Mährholz, sagt – in einer Rede, kann man bei YouTube ja sehen – dass in den letzten hundert Jahren alle Weltkriege, alle großen Probleme der Menschen rückzuführen seien – und zwar wirklich alle weltweit – auf die amerikanische Federal Reserve Bank, dann deutet er damit in diesen Kreisen an; jüdische Weltverschwörung.

Das heißt, heute sagen diese Art von Nazis oder Antisemiten [..] nicht mehr, 'wir bezweifeln, dass sechs Millionen Juden von den Nazis, von Deutschland, vernichtet worden sind', sondern sie deuten an und sagen 'Ostküste' oder sie sagen 'die FED ist Schuld'. Und [...] auf diesen Seiten findet man immer antisemitische Karikaturen, Hassschriften gegen die Rothschilds und was auch immer."

Interessanterweise ist es aber Jutta Ditfurth, deren politische Überzeugungen frappierende Ähnlichkeiten mit denen von Adolf Hitler und Joseph Goebbels aufweisen, wie Oliver Janich nachgewiesen hat. Trotzdem ist sie es, die den Teilnehmern der Montagsdemos vorwirft antisemitisch und rechtsradikal zu sein, ohne handfeste Indizien zu nennen. Als Beleg zitiert sie lediglich die Kritik an der Federal Reserve und angebliche antisemitische Karikaturen und Hassreden auf nicht genannten Internetseiten.

Es ist wahr, dass im Dritten Reich die Kritik an Banken häufig gekoppelt war mit der Dämonisierung des Judentums, und sicherlich gibt es auch heute Antisemiten, die sich gegen die Federal Reserve aussprechen. Nichtsdestotrotz ist es ein sehr leicht nachweisbarer Fakt, dass die größten alternativen Nachrichtenseiten weltweit keinen Antisemitismus verbreiten und häufig sogar explizit erwähnen, dass jegliche Art von Xenophobie zu verurteilen sei.

Als Beispiel für diese aufgeklärte und differenzierende Haltung innerhalb der Wahrheitsbewegung und der Mehrheit der Demonstranten auf den Montagsdemos soll hier ein Ausschnitt aus der Radiosendung von Alex Jones dienen, der die alternative Medienszene weltweit beeinflusst und ein scharfer Kritiker der Federal Reserve ist. In diesem Ausschnitt antwortet Alex Jones auf den Kommentar eines Anrufers, der an eine jüdische Weltverschwörung glaubt.

Anrufer: Wir sind in einer Depression. Unsere Wirtschaft geht den Bach runter. Goldman Sachs, Bear Stearns, die Rothschilds und andere böse, gierige internationale jüdische Banker an der Wall Street haben unsere Wirtschaft zerstört. [...]

Alex Jones: Lass mich dich etwas fragen. Was denkst du, sollte man die Juden loswerden?

Anrufer: Ja, sollte man. In jedem Land...

Alex Jones: Das reicht, ich habe genug von dir gehört. Ich bin jüdisch. Ich meine, ich bin zwar nicht wirklich jüdisch, aber wenn du so redest und die Juden umbringen willst, dann nur über meine Leiche. Alles klar? [...] Und wenn du sagst, Latinos sind Teufel und müssen umgebracht werden, oder Schwarze [...] oder Weiße, [...] dann musst du erst an mir vorbei. Im Ernst, du hast gerade gesagt, du willst Millionen von Menschen umbringen, das ist unfassbar.

Weder Alex Jones noch der Großteil der Wahrheitsbewegung ist antisemitisch. Die Kritik an der FED und am Geldsystem aber bleibt. Der Hauptkritikpunkt liegt darin begründet, dass es momentan weltweit staatlich aufrechterhaltene Monopole auf die Geldschöpfung gibt, wobei de facto vor allem private Großbanken die Fäden in den Händen halten. In diesem System, in dem Geld aus dem Nichts geschaffen und gegen Zinsen verliehen wird, ist es mathematisch unvermeidlich, dass die weltweiten Schulden insgesamt unaufhörlich steigen und unmöglich zurückgezahlt werden können. Die Sparmaßnahmen, wie man sie heute praktisch überall sieht, werden dadurch ad absurdum geführt. Nutznießer dieser Sparmaßnahmen sind diejenigen, die sich in Zeiten der Krise physische Werte aneignen und ihre Kontrolle über die Bevölkerungen durch strengere Gesetze festigen.

Abgesehen von den Antisemitismus-Vorwürfen hat es von Mainstream bisher wenig Reaktionen auf die Montagsdemos gegeben, was vermutlich auch daran liegt, dass die von den Demonstranten angesprochenen Themen für im Mainstreamparadigma verhaftete Journalistendarsteller schwierig zu erfassen sind. Vermutlich wird bald argumentiert werden, die FED sei keine private Bank, wie von den Demonstranten behauptet. Aber wer besitzt die FED wirklich? Offiziell heißt es, dass niemand die FED besitze (!) und dass sie keine private, profitorientierte Organisation sei. Diese Darstellung ist irreführend, da mehr als 8.000 Privatbanken und nationale Zentralbanken Anteilseigner der Federal Reserve sind. Was zunächst nach einem diversifizierten Besitz aussieht, ist jedoch relativ stark zentralisiert, wenn man bedenkt, wie eng verwoben besonders die Hauptanteilseigner sind, wie 2011 in einer Studie an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich nachgewiesen wurde. Demnach besitzt eine Kerngruppe von 147 Unternehmen ca. 40% des weltweiten Vermögens. Drei Viertel der Unternehmen innerhalb dieser Kerngruppe sind Banken.

Vertreter der größten dieser Bankhäuser waren es, die in einem geheimen Treffen auf Jeckyll Island den Grundstein für das Federal Reserve System gelegt haben. Mit dem Federal Reserve Act, der 1913 vom Kongress genehmigt wurde, wurde dem Staat das Monopol auf die Geldschöpfung praktisch entrissen und in die Hände der Federal Reserve gegeben. Frank A. Vanderlip, einer der Teilnehmer des Treffens auf Jeckyll Island, schrieb später, "Ich glaube, ohne übertreiben zu wollen, dass unser geheimes Treffen auf Jeckyll Island die Geburtsstunde des Federal Reserve Systems war. [...] Wenn wir der Öffentlichkeit ausgesetzt gewesen wären und ein Bankengesetz verfasst hätten, wäre dies niemals vom Kongress genehmigt worden". Öffentlich lehnten viele Mitverschwörer dieses Gesetz ab, um den Eindruck zu erzeugen, dass es den Großbanken schaden und dem kleinen Mann nutzen würde. Außerdem wurden Carter Glass und Robert Owen von der Demokratischen Partei instrumentalisiert, um den Eindruck zu erwecken, dass es auch in der Partei des kleinen Mannes Unterstützung für dieses Gesetz geben würde.

Die Großbanken, die die FED erschaffen haben, kontrollieren die Federal Reserve zwar nicht offiziell – in der Tat könnten die Gesetzgeber in den USA die FED sogar auflösen – aber durch die Kontrolle von Schlüsselpositionen innerhalb der Machtstruktur des Politik- und Bankwesens wird effektiv auch die Geldschöpfung durch die Federal Reserve kontrolliert. Dies erklärt auch, warum gewisse Banken "too big to fail", zu groß zum Scheitern, sind und mit Steuergeldern gerettet werden. Der Bock ist der Gärtner. Vermutlich wird von Mainstreamjournalisten auch bald argumentiert werden, dass der US-Präsident den Vorsitzenden der Federal Reserve ernennt, was beweisen würde, dass die Federal Reserve nicht von den Großbanken kontrolliert wird. Dies lässt jedoch die Tatsache außer Acht, dass der Präsident seinerseits nur mit dem Segen der besagten Großbanken regiert. Kein Kandidat, weder bei den Demokraten noch bei den Republikanern, schafft es heute in einflussreiche Positionen, wenn er nicht in Übereinstimmung mit den Wünschen der Banken regiert. Alex Jones hat dies in seinem Film Die Obama-Täuschung am Beispiel von Präsident Obama eindrucksvoll nachgewiesen. Der letzte Präsident, der aktiv die Monopolstellung der Federal Reserve angegriffen hat, war John F. Kennedy. Ein halbes Jahr, nachdem Kennedy die Executive Order 11110 zur Entmachtung der Federal Reserve unterschrieben hat, wurde er umgebracht, wobei Lee Harvey Oswald als Täter präsentiert wurde, obwohl die Beweislage eindeutig gegen diese Darstellung spricht.

Die Monopolposition der Großbanken hinter der Federal Reserve wurde von Woodrow Wilson, der amtierender US-Präsident war, als die Federal Reserve Bank geschaffen wurde, mit klaren Worten beschrieben. In The New Freedom gestand Wilson die verheerenden Konsequenzen der Schaffung der Federal Reserve:

"Eine große Industrienation wird von ihrem Geldsystem regiert. Die Kontrolle unseres Geldsystems ist in privater Hand konzentriert. Das Wachstum der Nation ist deshalb abhängig von wenigen Männern, die – selbst wenn sie aufrichtig dem öffentlichen Interesse dienen wollen – in ihren Unternehmungen natürlich beachten, inwiefern ihr eigenes Vermögen betroffen ist. Aufgrund dieser Umstände kontrollieren und zerstören diese Männer echte wirtschaftliche Freiheit.

[...]

Wir haben heute nicht ein, zwei oder drei, sondern viele etablierte Monopole in den Vereinigten Staaten. Wir haben nicht ein oder zwei, sondern viele Bereiche, in denen es schwierig oder sogar unmöglich ist unabhängig Fuß zu fassen. Wir haben ein eingeschränktes Geldsystem, eingeschränkte Möglichkeiten, eine unfreie Entwicklung und wir sind dadurch zu einer der am schlechtest funktionierenden, einer der am meist kontrollierten und dominierten Regierungen in der zivilisierten Welt geworden – nicht länger eine Regierung der freien Meinung, nicht länger einer Regierung der Überzeugung und Wahl der Mehrheit, sondern eine Regierung, die der Meinung und dem Zwang von kleinen Gruppen dominanter Männer unterworfen ist."

Es ist nicht zu erwarten, dass diejenigen, die das Geldsystem heute direkt oder indirekt kontrollieren, ihre Macht freiwillig abgeben werden. Im Gegenteil, vermutlich würden diese Kräfte versuchen auch bei einer Neuordnung des Finanzsystems im Geheimen Einfluss auszuüben. Dies kann nur verhindert werden, wenn es ein öffentliches Interesse an der Geldschöpfung gibt und die Bürger selbst darauf achten, dass das Geld, welches sie benutzen, ihnen langfristig nicht mehr schadet als nützt. Es gibt diverse Ideen für neue Geldsysteme, die parallel nebeneinander existieren können, was auch die einzig realistische Vision ist, wenn man bedenkt, dass sich niemals alle Menschen freiwillig auf ein einziges Zahlungsmittel einigen werden. Die Idee der parallelen Existenz von Zahlungsmitteln ist nicht neu, sondern wurde von der Österreichischen Schule der Ökonomie als "freies Marktgeld" beschrieben.

Welche Form die Zahlungsmittel der Zukunft auch haben werden, durchsetzen werden sich vermutlich nur die, deren Schöpfung transparent geschieht. Warum würde jemand freiwillig ein Zahlungsmittel nutzen, bei dessen Schöpfung er weder Einfluss noch Einsicht hat? Ähnlich formulierte es auch die ehemalige Weltbank-Mitarbeiterin Karen Hudes, "Wir werden ein bereinigtes Finanzsystem haben, darauf läuft es hinaus. Aber in der Zwischenzeit werden diejenigen, die nicht wussten, dass das System manipuliert wurde, es noch herausfinden. [...] Wir werden ein neues internationales Finanzsystem kreieren. Es wird eine neue Welt werden, in der die Menschen wissen, was passiert – keine geheime Deals in Hinterzimmern, so etwas wird es nicht mehr geben. Wir werden neue Medien haben, wenn die Menschen nicht länger kontrolliert und dominiert werden wollen, wovon ich ausgehe."

Zuerst erschienen auf we-are-change.de.

21:20 14.04.2014
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Christian Stolle

Freischaffender Journalist, Übersetzer, Lektor
Schreiber 0 Leser 1
Christian Stolle

Kommentare 205

Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community
Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community
Avatar
Avatar
Avatar
Dieser Kommentar wurde versteckt
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
Dieser Kommentar wurde versteckt
Avatar
Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community
Avatar
Avatar