ChristianBerlin

Theologe (Pastor) und Journalist, Berlin. Mitglied im Journalistenverband Berlin-Brandenburg (JVBB) und im Pfarrverein-EKBO. Singt im Straßenchor.
ChristianBerlin
RE: Wie man aufmüpfigen Migranten den Mund stopft | 16.03.2017 | 12:51

Mensch JP,

in alter Frische noch dabei, wer hätte anderes erwartet?

Die mir persönlich unbekannten Rechtsnachfolger der eigentlich aufgelösten RAF würden wahrscheinlich tatsächlich nicht gegen eine Migrantenpartei mit dem Kürzel RAP klagen, dafür könnte aber die auch nicht wirklich migrantenfreundliche REP Herrn Dr. Höcker den nächsten Auftag bescheren.

Wenn ich Remzi wäre, würde ich mich - wie ursprünglich geplant - mit anderen Migrantengruppen zusammentun und diesen Zusammenschluss dann "Antirassistische Union" (ARU) nennen.

RE: Wie man aufmüpfigen Migranten den Mund stopft | 15.03.2017 | 15:45

Danke, Poor, schön, dass es Dich hier noch gibt!

RE: "Ossis? Die Flüchtlinge sind mir lieber" | 08.10.2015 | 00:53

Es hat keinen Sinn eine solche Debatte abstrakt und apodiktisch zu führen. Was nicht auf Anhieb passte, wissen diejenigen am besten, die 1990 von der einen Seite auf die andere gewechselt sind. Deren Berichte könnten konkreten Aufschluss bieten der Fragen, die die Autorin stellt. Was sie selbst schreibt oder was in den Kommentaren kommt, bewegt sich eher auf der Ebene der Spekulation. Die Welt entsteht nicht in unseren Köpfen, ist nicht wie wir sie uns denken, folgt manchmal ihrer eigenen Logik, die nicht unsere sein muss.

Ich gestehe, ein solcher Grenzgänger gewesen zu sein, 1990 in die Noch-DDR zur Arbeit gewechselt zu und die Familie um einiges später nach Pendel-Jahren nachgeholt zu haben.

Dass das Grass vorschwebende Modell (Referenz des Beitrages) des Zusammenwachsens gegenüber dem von Kohl durchgesetzten Einheitsmodell Vorteile gehabt hätte, bestreitet niemand. Ob und welche Nachteile es gehabt hätte, seine Risiken und Nebenwirkungen, sind - im Unterschied zu dem dann tatsächlich praktizierten Modell - unbekannt.

Nachdem aber als Modell der Beitritt feststand, weil vom Wähler der DDR in dem Wahlen vom 18. März 1990 erkennbar bestätigt wurde (ein deutlich anderes Ergebnis hätte ein entschleunigtes Modell zur Folge gehabt), ist die alleinige Schuldzuweisung an den "Westen", er hätte dieses als "Sieger" den das nicht wollenden Ossis aufgezwungen, von deren demokratischer Mehrheit falsifiziert worden (auch wenn eine Minderheit gute Gründe sah, es sich anders zu wünschen, s.o.). Und mit dieser demokratisch getroffenen Entscheidung stand auch fest, dass das Beitrittsgebiet sich in das FDGO-System integrieren musste und nicht umgekehrt oder auf Augenhöhe ein neues Rad gesucht und erfunden werden müsste.

Das ging zum Teil erstaunlich schnell, was ich dann selbst als Journalist von Anfang 1991 bis Ende 1998 in den Berichten meiner Redaktion wiedergeben konnte, als ob es nie eine DDR oder die Diktatur davor gegeben hätte. Aber es gab auch immer wieder mal Schwachstellen, wo man doch sehr deutlich merkte, dass es ein "Früher" gab und dass das scheinbar so leichte und selbstverständliche "Ankommen" in der neuen Zeit seine Fallstricke und Tücken hatte. Darüber haben wir und andere lokal im Leipziger Raum berichtet, ungefährt acht Jahre lang, bevor ich wieder in den kirchkichen Dienst zurück wechselte. Wie man abseits solcher Berichte von damals die hier diskutierten Fragen entscheiden will, kann ich mir schlecht vorstellen - abgesehen von Geschmacks-Fragen wie der aus dem Titel. Die war damals übrigens auch schon Thema, ich erinnere mich gut an eine Titanic Karikatur, wo ein Neffe aus Schkopau gegen eine asylsuchende Vietnamesin in Konkurrenz zueinander ins Rennen um die Gunst eines Westdeutschen als dessen potenzielle Mitbewohner geschickt wurden. Alles Schnee von gestern oder von vorgestern.

RE: Bitte Platz machen, wir möchten jetzt bomben | 07.10.2015 | 05:52

Keine Frage, die Klarheit, die nötig wäre, ist bei den meisten Kommentatoren nicht da. Die kommt vielleicht irgendwann später einmal, so wie jetzt nach dem Facebook-Urteil, das ein einzelner ehemaliger Jura-Student erstritten hat, plötzlich für fast alle Kommentatoren alles klar und eindeutig ist, was vorher so punktgenau nie gesagt wurde.

Das Putin-Bashing hat übrigens gestern der Kollege Christ, der immer schon für derbe Polemiken bekannt ist, weit unter dem Niveau jeder Analyse auf die Spitze geschrieben:

http://www.huffingtonpost.de/2015/10/06/putin-syrien-angriffe-brief_n_8250024.html?ncid=fcbklnkdehpmg00000002

Solche Polemik kann aber nicht verschleiern, was mittlerweile den führenden westlichen Politikern durch Putins Auftauchen klar zu sein scheint (mich selbst aus einer gestrien fb-Diskussion mit türkischen Freunden zitierend:)

Europa wird das Flüchtlingsproblem nur MIT den maßgeblichen Akteuren in den Herkunfst- und Durchgangsländern lösen, ebenso wie das Problem der zerfallenden Staaten im Nahen Osten. Zu diesen wichtigen Akteuren, ohne die keine Lösung möglich ist, gehört Erdogan zweifellos, aber auch Putin, Assad, Netanjahu, Rohani, Barzani, Talabani, Salih Muslim und einige andere mehr. Wäre schön, wenn es einfacher ginge, aber das wird nichts werden.

Die Frage ist nur, ob Europa schnell genug in der Lage ist, daraus vernünftige Konsequenzen zu ziehen. Unser Selbstbild ist so oder so bedroht.

RE: Bitte Platz machen, wir möchten jetzt bomben | 05.10.2015 | 07:26

Aus den Schlagzeilen unserer liberalen Leitmedien ist dieser "tragische Vorfall" in Kundus jedenfalls heute schon wieder verschwunden.

Das trifft nicht zu (Belege folgen).

Süddeutsche 04.10. 17:27

http://www.sueddeutsche.de/politik/bombenangriff-in-kundus-wie-ganz-afghanistan-zum-kollateralschaden-wurde-1.2676001

Mitteldeutsche 04.10. 15:16

http://www.mz-web.de/politik/kommentar-zum-luftangriff-in-kundus-ein-krankenhaus-zu-bombardieren-ist-eine-menschliche-katastrophe,20642162,32078318.html

Thüringer Allgemeine 05.10. 06:01

http://www.thueringer-allgemeine.de/web/zgt/suche/detail/-/specific/Die-Meinung-Das-Fanal-von-Kundus-1994917476

Aus den Nachriten-Seiten ist der Vorfall verschwunden, weil da alles sofort veraltet, was nicht neu ist. Die Agenturen haben aber gestern nochmal nachgelegt mit der Meldung, dass Obama von einer Tragödie spricht. In den Schlagzeilen für Analyse und Kommentar hat das Thema nach wie vor eine dominierende Präsens (auch in nicht-ganz-so-liberalen Leitmeidien wie der taz oder der FR)

Auf der Startseite von SPON sucht man ihn völlig vergebens.

Eine solche Beobachtung sagt vielleicht etwas über SPON aus, nicht über "unsere liberalen Leitmedien" im Allgemeinen.

Afghanistan ist zwar nur ein verwandtes Thema zum Konflikt in Syrien und dem Irak, die Fehler in beiden Regionen und ihre jetzt auch hier spürbaren Konsequenzen werden uns allerdings gleichermaßen weiter beschäftigen, auch weil sie eng verwandte Ursachen und Folgen haben.

RE: Dämliche Doktorspiele | 02.10.2015 | 15:01

@christianberlin ihre kommentare schlagen hier mit 4.500 zeichen zu buche. haben sie die arbeit gelesen? machen sie mal, steht im netz!

LIeber Christian Füller,

danke fürs zählen, ich hatte bloß diesmal gar kein Honorar verlangt. Kürzer geht immer, manchmal allerdings nur auf Kosten des Inhalts.

Die komplette Arbeit hab ich nicht gelesen (und auch nicht mit google gefunden, auch nicht, wenn ich Passagen eingebe), wohl aber die Analyse bei Vroniplag mit den Quellen daneben und den farbig markierten Übereinstimmungen. Daran ist klar erkennbar, dass die verfassende Person ziemlich an der Quelle "klebt" und dass sie sich beim Umformulieren keine große Mühe gegeben hat. Was sie da jeweils abschreibt, hätte jeder vom Inhalt her ebenfalls schreiben können, ein neues Rad wird da nicht erfunden, es sieht mir mehr nach "Formulierungsdiebstahl" als nach Ideenklau aus. Sowas kam früher nie raus und wird erst jetzt, Jahrzehnte später, mithilfe neuer Software aufgespürt. Systematisch wird danach aber immer nur bei prominenten Politikern gesucht, sodass der fehlerhafte Eindruck entsteht, diese neigten besonders zum Mogeln.

Soweit Kurzfassaung meines ersten Kommentars hier. Inwiefern, meinen Sie, wäre der inhaltlich anders ausgefallen, wenn ich mir nicht nur die einschlägigen Passagen auf Vron-Plag, sondern die ganze Arbeit angesehen hätte?

LG CB

RE: Dämliche Doktorspiele | 01.10.2015 | 20:02

Aber was hat dies mit dem Subjekt des FüllLeuschner'schen Artikels zu schaffen - nämlich dem evt. anstehenden Glaubwürdigkeitsproblem der Supermami aus Hannover?

Ich denke, was Columbus will, ist ausnahmsweise verständlich, sogar für mich. Wenn jemand ein Glaubwürdigkeitsproblem hat, ist man versucht nachzutreten, nach dem Grundsatz "ehrlos - wehrlos" (und umgekehrt).

Ich gebe zu, als ich die Bildunterschrift las, dachte ich auch - so ganz nebenbei - "Für man was in Medizin nicht alles einen Doktortitel kriegt ... ". Frau von der Leyen wird damit schon bei der Themenwahl als Dünnbrettbohrerin hingestellt.

Manchmal bemerkt man das gar nicht. Die Frage ist: Hätte der Autor mehr journalistische Sorgfalt bei der zusammenfassenden Bezeichnung für den Inhalt der Arbeit walten lassen, wenn die Glaubwürdigkeit von Frau von der Leyen noch nicht angeschlagen gewesen wäre?

Man weiß es nicht, aber man muss es auch nicht wissen. Falsch ist falsch und richtig ist richtig - Glaubwürdigkeitsproblem hin oder her.

RE: Dämliche Doktorspiele | 01.10.2015 | 15:41

gemogelt ist gemogelt. punkte aus

Mich wunderte schon bei zu Guttenberg, dass er offenbar nicht mehr wusste (oder noch nie gewusst hat?) mit welcher Eindeutigkeit und in welchem Umfang seine Doktorarbeit abgeschrieben war. Bei meiner hübschen Sangesschwester auf dem Bild scheint das ähnlich zu sein.

Dafür sind mehrere Erklärungen möglich, die allerdings nicht gleichzeitig richtig sein können.

Sicher ist, dass damals kein Mensch ahnen konnte, dass es später einmal eine Software gäbe, die Arbeiten analysieren kann und ohne menschliches Lesen und Sich-Merken-Müssen über das Internet wortgleiche Sätze ausfindig macht.

Ähnlich erging es an den Hochschulen den BAFöG-Sündern, die Zinseinnahmen auf Erspartes nicht angegeben hatten, als vor 10 Jahren rückwirkend das Bankgeheimnis gelockert wurde und ein automatisierter Datenabgleich mit Freistellungsaufträgen erfolgte. Außerhalb des universitären Bereichs ahnten Fußballmanager nicht, dass deutsche Steuerbehörden illegal erstellte Daten-CD aus legal erwerben und so selbst das Schweizer Bankgeheimnis rückwirkend beseitigen könnten, und bei VW galt in den Köpfen cleverer Schummelsoftware-Erfinder offenbar lange als höchst unwahrscheinlich, dass deren Nachweis durch exterene Messverfahren je erfolgen könnte. Die Triple-A Rater könnte man noch anführen und viele mehr, die die Lücken eines Systems für lukrative Mogeleien ausnutzen, bis es zum großen Crash kam.

Die gerade aufgezählten Fälle haben das Überrascht-Werden von neueren technischen und rechtlichen Entwicklungen und deren konsequenter Anwendung gemeinsam, unterscheiden sich kaum in der Ubiquität im Rahmen der potenziellen Tätergruppe (Gelegenheit macht Diebe), aber doch in zwei Dingen:

Die Schadenshöhe und die kriminelle Energie, die mit vollem Bewusstsein investiert werden musste.

Als Flaggschiff einer deutschen Schlüsselindustrie dürfte VW wieder mal "too big to fail" sein, um von der Politik fallen gelassen oder abgewrackt zu werden. Jeden Mittelständler hätte bei dieser Sachlage das totale Aus getroffen.

Ungerecht ist auch, dass Politiker (mal von Edathy oder Taut abgesehen) immer weich fallen - zumindest bei einfachen Mogeleinen oder Lügen als Rücktrittsgründen, das hat eine lange Tradition.

Andererseits ist aber auch ungerecht, dass die Vroni-Plag-Aktivisten immer nur Prominente und Politiker aufs Korn nehmen. Früher galt schon bei Hausarbeiten als sicher, dass die Profs wörtliche Zitate, die keine Schlüsselsätze sind, nicht als solche erkennen können, die haben sie weder in den Genen noch im Kopf. Die Wahrscheinlichkeit des Entdeckt-Werdens war nahe Null vor der Software. Die Zeit, alle angegebenen und nicht-angegebenen Bücher zu lesen und sie neben die Arbeit zu halten, war einfach nicht.

Das nur Politiker deshalb sorglos gearbeitet und auf die Mühe des Paraphrasierens oder mit eigenen Worten Nach-Formulierens aus Gründen der Zeitökonomie verzichtet haben, ist nachvollziehbar, weil es als offenes Geheimnis galt, dass das völlig unnötig war. Nie flog damals jemand deswegen auf, da musste schon ein dummer Zufall hineinspielen - und welche Bücher die Profs als Lieblingsbücher hatten, wusste man ja meistens (oder konnte es sonst in deren Lit-Verzeichnissen in etwa nachlesen).

Wenn das früher nie zu Problemen führte, ist zu vermuten, dass nicht nur Politiker sich die Zeit des Umformulierens einfach gespart haben. Dann aber ist ungerecht, dass die Vroni-Plagger nur Politiker aufs Korn nehmen.

Bevor man quantitäts- und qualitätsunabhängig bei Moglern "Punkt aus" sagt, müsste sicher sein, dass alle Dissertationen drankommen. Und dann wäre ich gespannt, wer danach noch seinen Doktorgrad behalten kann.

RE: Auge um Auge, Haus um Haus | 30.09.2015 | 21:53

Vielen Dank, Ayhan, ben de zaten elisekiz yasindayim, was hier nicht alle wissen müssen, wenn sie es nicht längst mitbekommen haben. ;) Danke auch für die Information, der ich nachgegehen werde, und für die Ermutigung, den Weg zwischen den Fronten weiterzugehen.

Wenn alles klappt, bin ich in 10 Tagen auch i.d. TC, aber bis Cizre wollte ich mich nicht vorwagen, viel Glück dort und hoffentlich bald Frieden für alle!

LG Christian

RE: „Das ist keine ehrliche Reaktion“ | 30.09.2015 | 16:35

Aber auch das OLG Hamm hätte bei dieser Konstellation mit der richtigen Entscheidung kein Problem.

Bist Du sicher? Auch wenn ein Witz dieses Typus von der Übertreibung ins Absurde lebt, hat doch das sprichwörtlich gewordene OLG Hamm seinen Ruf aus den 70ern bis heute immer wieder erfolgreich verteidigen können durch Entscheidungen, die ebenfalls ins Absurde übertreiben - in Verkennung der paradoxen Weisheit "summum ius summa iniuria".

Das belegen jetzt auch Internet-Kommentare wie dieser:

Erstellt am 22.10.2014, 15:21 Uhr.

Als ich schon die große Überschrift sah, war mir klar, welches OLG hier geurteilt hat. Das so oft lebens- und weltfremd urteilende OLG Hamm hat sich wieder einmal selbst übertroffen. Mich erstaunt nur, dass schon seit vielen Jahren es immer wieder solche Art Richter zum OLG Hamm schaffen, denen Paragraphen das Wichtigste sind. Aber Gleiches zieht wohl Gleiches an.

(aus dem ab morgen für immer geschlossenen t-online-forum

wobei ich die dort beanstandete Entscheidung selbst für so falsch gar nicht halte)