Berlin demonstriert - jetzt gegen Christenmord im Arabischen Frühling

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Tausend Dank an Calvani für die Idee mit den Bildern und an Pedram für seinen Augenzeugenbericht vom Massaker in Kairo vor einer Woche, als Panzer und Heckenschützen eine friedliche Demonstration von koptischen Christen, deren Kirche niedergebrannt wurde, in ein Blutbad mit inzwischen 26 Toten und hunderten Verwundeter verwandelt haben. Eine Woche danach waren wieder Kopten auf der Straße. Auch in Berlin, wo es eine starke kopitsche Diasporagemeinde gibt.

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Christen anderer Konfessionen wie Bruder Hubertus von den Kleinen Brüdern aus Paderborn halfen Bischof Damian (ganz rechts) und seinen Glaubensgeschwistern in dieser Schicksalsstunde der Kopten beim Kreuztragen. Die bislang politisch inaktive Minderheit mit nach eigener Schätzung ca. 15 Millionen muss sich jetzt "politisch neu erfinden" (Pedram Shahyar).

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"Wir sind hier und wir sind laut, weil man uns die Freiheit klaut!" Mit pfiffigen Parolen, die teilweise der Occupy-Demo vom Vortag abgelauscht waren, trieb die 15jährige Veronia die Menge zum Mitskandieren an.

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"Religionsfreiheit!" - Selten war dieser Begriff so rhythmisch wie auf dieser Demo, und selten hat er heute noch so einen ernsten Hintergrund. Allerdings hatte Veronia noch nicht das Format, einem Polarisierer zu widersprechen, der sich nach der Kundgebung bei ihr einkratzen wollte mit dem anti-islamischen Propaganda, Jesus habe Petrus angewiesen, das Schwert in die Scheide zu stecken, und Mohammed habe es wieder herausgeholt. Muss man studiert haben, um dem widersprechen zu können?

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Dabei waren auch viele Muslime mit den Kopten mitmarschiert, unter ihnen Bischof Damians Freund Dr. Nader Mohammed, der an der Universität Göttingen christliche Archäologie lehrt. Bei der Kundgebung hielt er einen kritischen Rückblick auf die Christenverfolgung in Ägypten, die nach seiner Darstellung 1928 mit der Gründung der Muslimbruderschaft begann. 1947 wurde die erste Kirche geschändet, nach 1956 unter Nasser koptische Körperschaften enteignet, Sadat habe die Exilierung aller Kopten noch in seiner Regierungszeit angekündigt und Mubarak die Bombardierung am 1. Januar 2011 durch die Luftwaffe zu verantworten. Allerdings verschwieg er, dass für die Verfolgungen im arabischen Frühling nicht die Muslimbrüder, sondern Anhänger des Ancien Regime verantwortlich zu sein scheinen.

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Bischof Damian ist dagegen überzeugt, dass vereinzelte Hassprediger für die Gewalt gegen Christen verantwortlich sind, weil die Übergriffe oft am Freitag stattfänden. Ganz sicher schafft aber auch die noch geltende Ägyptische Verfassung eine diskriminierende Ungleichheit, die als indirekte Aufforderung zu Gewalt gegen Minderheiten wirken kann. Die Absetzung von Mubarak bedeutet noch nicht, dass die Revolution schon gesiegt hat. Soll sie vollendet werden, führt an einem aufrichtigen Dialog der Religionen auf Augenhöhe kein Weg vorbei, hier wie dort.

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Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

ChristianBerlin

Theologe (Pastor) und Journalist, Berlin. Mitglied im Journalistenverband Berlin-Brandenburg (JVBB) und im Pfarrverein-EKBO. Singt im Straßenchor.
ChristianBerlin

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