Deutschland im Sektenfieber: 6 x Scientology in 3 Tagen

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"Es ist unsere Pflicht als öffentlich-rechtlicher Sender Missstände und gesellschaftliche Probleme darzustellen." wird SWR-Fernsehspielchef Carl Bergengruen in einer DPA-Meldung zitiert. Diesem Programmauftrag will die ARD am übermorgigen Mittwoch um 20:15 Uhr mit der Ausstrahlung des Sekten-Thrillers "Bis nichts mehr bleibt" von Niki Stein nachkommen. Der Film, der die reale Geschichte der Scientology-Aussteiger Heiner und Astrid von Rönn zum Vorbild hat, wurde unter ungewöhnlich strenger Geheimhaltung gedreht. Erstaunlicherweise will die Scientology Organisation (SO) wegen der Ausstrahlung aber nicht die ARD verklagen, sondern den Senat der Freien und Hansestadt Hamburg, meldete DDP am vergangen Donnerstag. Grund: Ursula ("Uschi") Caberta von der Hamburger Arbeitsgruppe Scientology hat als Fachberaterin für den Film agiert. Ob die staatliche Beratung justiziabel sein wird, bleibt abzuwarten. Für Kenner der Szene verspricht diese enge Zusammenarbeit zwischen Senatsverwaltung und ARD erst einemal eine große Realitätsnähe des Fiction-Beitrags.

Ein solches Medienereignis kann natürlich nicht für sich allein stehen. Gleich, in wenigen Minuten, wird Reinhold Beckmann in der ARD die lebenden Vorbilder des Aussteigerpaares interviewen. Und übermorgen Abend, nach der Ausstrahlung des Spielfilms, will Frank Plasberg für den Sender eine harte aber faire Diskussion zum Thema Scientology moderieren. Und im Anschluss daran zeigt der SWR als Regionalprogramm ab 23 Uhr die Dokumentation noch die Dokumentation "Die Seelenfänger. Wie Scientology Menschen zerstört".

Bereits morgen wird um 11:00 der ehemalige Wiener Scientology-Direktor Wilfried Handl sein zweites Buch über die SO auf einer Pressekonferenz im Haus der Kirche in Berlin-Charlottenburg vorstellen. "Das wahre Gesicht von Scientology" ist eine Dokumentation mit über 150 Abbildungen. "Bisher", so Sektenexperte und Scientology-Gegner Pfarrer Thomas Gandow, "hat noch kein deutschsprachiger Aussteiger gewagt, so umfangreich und ungekürzt das System zu dokumentieren."

Sogar die Scientologen selbst wollen sich am Sektenfieber beteiligen: Die SO hat für Mittwoch eine 40minütige Gegendokumentation angekündigt. Und wer weiß, vielleicht meldet sich ja auch hier beim Freitag Scientology-Chefin Sabine Weber mal wieder, die uns im vergangenen Sommer erstmals beehrt hat.

23:46 29.03.2010
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

ChristianBerlin

Theologe (Pastor) und Journalist, Berlin. Mitglied im Journalistenverband Berlin-Brandenburg (JVBB) und im Pfarrverein-EKBO. Singt im Straßenchor.
ChristianBerlin

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