Geringfügige Beschäftigung im Juni 2013

Statistik Auch im Juni gibt es mehr Minijobber in Deutschland. Eine genaue Analyse zeigt, die verfehlte Arbeitsmarktpolitik führt zu mehr prekärer Beschäftigung.
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Die Zahl der Minijobs in Deutschland nahm zwar seit Beginn der 2000er Jahre beständig zu, im Sommer 2013 ist allerdings Stagnation und sogar ein leichter Rückgang zu verzeichnen. Das liegt an der zunehmenden Vollbeschäftigung, in die viele Mini- und Midijobber (Jobber in der Gleitzone zwischen 450 bis 850 Euro) aufgrund der Arbeitsplatzangebote wechseln können.

Entwicklung im Minijob-Bereich seit 2003

Der Trend bei den Minijobs zeigt seit Beginn der 2000er Jahre steil nach oben bis Ende 2012, erstmals sind die Zahlen im Jahr 2013 leicht rückläufig. Im Einzelnen stellt sich die Entwicklung wie folgt dar:

  • 2003: ~5,53 Millionen Minijobs
  • 2007: ~6,78 Millionen Minijobs
  • 2012: ~7,51 Millionen Minijobs
  • Juni 2013 (Schätzung): ~6,95 Millionen Minijobs

http://www.geringfuegigebeschaeftigung.org/geringfuegig-beschaeftigte-entwicklung.jpg

Quelle: Geringfügige Beschäftigung

Die exakten Zahlen werden von der Bundesagentur für Arbeit jeweils am Jahresende ermittelt, zwischenzeitlich gibt es nur quartalsweise Schätzungen, die auf Interpolationen beruhen. Für den Juni 2013 meldete die Minijob-Zentrale eine leicht sinkende Zahl von Minijobbern im gewerblichen Bereich. Der Rückgang betrug 0,8% gegenüber Dezember 2012, im Gewerbe wurden für Juni 2013 insgesamt 6,7 Millionen Minijobber geschätzt. Das ist aber nicht die Gesamtzahl der Minijobber, die schließlich auch in anderen Bereichen arbeiten. In Privathaushalten nahm die Zahl der Minijobs um 5,7% auf 248.000 zu. Interpoliert bedeuten beide Zahlen zusammengenommen einen leichten Rückgang bei der Gesamtzahl der Minijobs auf 6.948.000 einzelne Jobs, von denen auch mehrere von einer Person ausgeführt werden können. Das wäre gegenüber dem Jahresende 2012 ein Rückgang um etwa 0,8 Prozent. Viele der Minijobber üben ihre aktuelle Beschäftigung noch nicht länger als ein Jahr aus. Die Minijobzentrale ermittelte als Verhältnis:

  • Minijobber mit höchstens einem Jahr im gewerblichen Bereich: 45%
  • Minijobber mit höchstens einem Jahr im privaten Bereich: 38%
  • Minijobber mit höchstens drei Jahren Beschäftigung (alle Bereiche): 70%

Rentenversicherungspflicht von Minijobs

Seit dem 01.01.2013 sind Minijobber generell rentenversicherungspflichtig, können sich aber befreien lassen. Davon machen weniger Minijobber als erwartet Gebrauch, die Regierung hatte mit 90 Prozent Befreiungsanträgen gerechnet. Die Quoten stellten sich wie zum Ende des ersten Quartals 2013 wie folgt dar:

  • neue Minijobs (seit 2013) Gewerbe: 25,9 Prozent rentenversicherungspflichtig
  • neue Minijobs (seit 2013) Privathaushalte: 24,5 Prozent rentenversicherungspflichtig
  • alle Minijobs Gewerbe: 11,3 Prozent rentenversicherungspflichtig
  • alle Minijobs Privathaushalte: 9,2 Prozent rentenversicherungspflichtig

Dass nicht noch mehr Minijobber in die Rentenkassen einzahlen, was ihnen bei einem sehr geringen Beitrag große Vorteile bringen würde, liegt daran, dass viele von ihnen entweder Rentner sind oder einem sozialversicherungspflichtigen Haupterwerb nachgehen.

01:09 09.08.2013
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