Sonntags gehört Papi Premiere

DFL Die neuen Übertragungszeiten für die Fußball-Bundesliga zerreißen das Wochenende noch weiter

Auf den ersten Blick hat die Deutsche Fußball-Liga (DFL), die Organisation der Bundesligavereine, ein beachtliches Verhandlungsergebnis erzielt. Das gilt vor allem dann, wenn man berücksichtigt, wie unsicher in diesen Zeiten alle Prognosen über Werbeeinnahmen sind. Mehrere Sender, öffentlich-rechtliche wie private, garantieren den Vereinen 412 Millionen Euro pro Jahr für die Übertragungsrechte der Fußballspiele. Zwar ist einer der Vertragspartner, der Sender Premiere, nicht gerade eine solvente Firma, er hat sogar seine Abonnentenzahlen geschönt, aber im Vergleich zu einem Mann wie Leo Kirch - mit dem die DFL zunächst abgeschlossen hatte - wirkt Premiere geradezu seriös.

Doch: um ihre Millionen zu bekommen, ist die Liga sehr weit gegangen. Mit dem neuen Vertrag ist die Kommerzialisierung des Fußballs - mithin eines Stückes Volkskultur - ein weiteres Stück vorangeschritten.

Vor allem dem Bezahlsender Premiere ist die DFL entgegengekommen. Die zeitnahe Berichterstattung über den Spieltag im frei empfangbaren TV war eine politische Vorgabe. Mit ihren neuen Plänen geht die Liga bis an die Grenze, hinter der diese Vorgabe beschädigt wird. Der Spieltag wird weiter zerfleddert, Premiere bekommt exklusiv ein Topspiel am Samstagabend, das gleichzeitig mit dem Beginn der ARD-Sportschau angepfiffen wird. Es scheint, als sollten die Zuschauer nun mit aller Macht zu dem gedrängt werden, was sie bislang verschmähen: den Bezahlsender zu abonnieren.

Für dasselbe Ziel wird auch der Fußball-Sonntag weiter zerteilt. Die Sonntagsspiele werden in Zukunft zu unterschiedlichen Zeiten, am Nachmittag und am frühen Abend, angepfiffen. Was beeinträchtigt oder gar zerstört wird, sind Strukturen, Gemeinsamkeit, am Ende auch mancherorts das Familienleben. Für die DFL zählen offenbar nur die Einnahmen, die 412 Millionen, die an die Vereine verteilt wird. Dass eine solche Organisation auch gesellschaftliche Verantwortung trägt, scheint sie nicht zu begreifen.

Das Argument für die weitere Kommerzialisierung des Fußballs ist immer das gleiche, es heißt: Konkurrenzfähigkeit. Internationale Stars verdienen viele Millionen im Jahr, die Vereine haben enorme Personalkosten. Entsprechend muss die Refinanzierung der Clubs alle Möglichkeiten ausloten, sonst gehen die Topspieler anderswo hin. Doch ein Blick über die deutschen Grenzen hinaus zeigt, wie hoch der Preis für Weltstars wirklich ist. "You`ll never walk alone", singen englische Fans zwar immer noch, aber viele von ihnen können es sich nicht mehr leisten, mitzugehen, wenn in Chelsea oder Manchester die günstigste Karte 60 Euro kostet (zum Vergleich: Bundesliga-Karten gibt es ab 15-20 Euro).

Der Spieltag auf der Insel ist noch mehr auseinander gerissen als zukünftig bei uns - alles zum Wohl des Bezahlfernsehens. In England leisten sich, genauso wie in Italien oder Spanien, Milliardäre die Stars. Diese Herren halten sich Vereine wie ein Spielzeug und wie einen Spiegel für ihre Eitelkeit. Finanzielle Grenzen scheinen sie nicht zu kennen. Die Frage, die man sich bei uns stellen sollte, heißt: wie viel will man noch zertreten, um gegen die Abramowitschs und Berlusconis in ein Rennen zu gehen, das alle Bodenhaftung bereits verloren hat?

Die Bedeutung des Fußballs reicht viel weiter, als sich die werbetreibende Wirtschaft und mancher Manager vorstellen kann. Die Vereine geben Zusammenhalt, leisten Jugendarbeit, bieten Identifikation - Werte, die in unserer Gesellschaft dringend schutzbedürftig sind. Ein möglichst einheitlicher, verbindender Spieltag gehört unbedingt dazu. Er ermöglicht die Gemeinsamkeit dort, wo die Tendenz zur Vereinzelung immer stärker wird.

Aber die DFL bewegt sich in die entgegengesetzte Richtung. Die Manager in den Clubs und in der Liga wollen, wie ihre Kollegen in der Wirtschaft, vor allem mehr Geld umsetzen und weiter oben mitspielen. Die Fans werden dabei als Konsumenten betrachtet. Ein alter Handwerkersatz heißt aber: "Nach ganz fest kommt ganz los". Auch bei den Fernsehrechten kann die Schraube überdreht werden. Wenn sich die Leute einmal abwenden, ist der Weg zurück verbaut.

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