occupy 1984.... stop the city!

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alles schonmal dagewesen...

nicht nur, dass uns visionäre und autoren bereits in den 70ern erzählt haben, was elementar falsch läuft in unserer welt... ein paar jahre später gab es eine weltweit organisierte aktion gegen die finanzmärkte.

die "stop-the-city-demonstrations" wurden 1983 und 1984 ganz ohne soziale internetzwerke ins leben gerufen. in australien, nordamerika und england. da muss die empörung recht gross gewesen sein, wenn sich eine solche bewegung ohne facebook und twitter in mehreren ländern aus dem boden stampfen liess. doch was hat es gebracht? wie verlief das damals?

schon 1983 einte die wut auf die finanzmärkte völlig unterschiedliche bewegungen, wie z.b. radikale liberale, anarchisten und pazifisten. es ging nicht nur gegen die wallstreet, sondern gegen den "military-financial complex".

dieses video zeigt interessante aufnahmen der aktionen in london:

vimeo.com/30645061

"stop the city!" war keine eintagsfliege. die aktionen fanden speziell in der city of london über einen zeitraum von 18 monaten hinweg statt und sie konnten schliesslich nur durch repression eingedämmt werden. "the city" ist die höhle der gefrässigsten aller finanzpredatoren. uralter finanzadel. "die city" of london ist dem vatikan sehr ähnlich. insgesamt wurden 1000 menschen im laufe der proteste verhaftet. die blockaden haben teilweise enorme monetäre schäden an den finanzmärkten verursacht. nach mehreren "stop the city"-blockaden gab es weitere "stop business as usual"-aktionen. 1999 wurde "carnival against capitalism" erneut aufgegriffen. wieder ohne nachhaltigen erfolg.

occupy wallstreet ist also nicht neu. weder in der globalen ausrichtung noch in der zielrichtung. wobei das original "stop the city" doch etwas konsequenter und zielgerichteter erscheint. doch was hat es gebracht? hat das thema damals trotz weltumspannender organisation überhaupt bei uns in deutschland in den medien stattgefunden?

wie entwickelt sich occupy the world dieses mal ?

wenn man sich die argumente und sichtweisen der heute die börsen "besetzenden" menschen z.b. hier in deutschland anschaut, frägt man sich schon, was das überhaupt bringen wird. da wird im übertragenen sinne am wochenende mit wattebällchen gegen verschlossene börsentüren geworfen. so kann man das interpretieren, wenn man z.b. die verschiedenen stimmen betrachtet, die hier bei einer der deutschen occupy veranstaltungen in der protest-bewährten stadt stuttgart von thorsten puttenat, im auftrag von fluegel.tv in kooperation mit cams21.de aufmerksam gesammelt wurden:

vimeo.com/30730858

wenn ich mir die menschen in diesem beitrag anhöre, habe ich nicht den eindruck, als würde ihnen das thema wirklich unter den nägeln brennen, oder als würden sie den tatsächlichen ernst der situation begreifen. es herrscht eher eine gemütlich bedächtige aufbruchsstimmung. ganz so, als würde das globale finsnzsystem nicht aktuell und gerade jetzt in diesem moment vor dem kollaps stehen. gerade so, als seien die politker nicht in dieser sekunde dabei weitere phantastilliarden ins lodernde feuer zu werfen.

vor allem aber scheinen nicht besonders viele junge menschen an der occupy bewegung interessiert zu sein, obwohl es zumindest eine junge dame in dem video gibt, die sehr differenzierte und richtige gedanken unter ihrer anonymous-maske hervorbringt. die anderen, meist älteren menschen reden pauschal von ein bisschen mehr demokratie, ein bisschen mehr sozialer gerechtigkeit, ein bisschen weniger entfesselten finanzmärkten und ein bisschen mehr transparanz...

auf der ganzen welt reden gerade sehr viele menschen über die finanzmärkte, aber nur sehr wenige reden über das schuldgeldsystem. zudem, was ist mit der dunklen seite des planeten? occupien wir die auch? sind die menschen auf der helleren seite des planeten jetzt wirklich auch besorgt um ihre brüder und schwestern in den slums und unterentwickelten regionen dieser welt? den brüdern und schwestern, die von einer profitorientierten weltordnung tagtäglich alle fünf sekunden exekutiert werden? nicht zuletzt um neben der befriedigung der gier der spekulanten und profiteure unseren wohlstand zu sichern?

wollen die world-occupier also dieses mal wirklich den grossen wurf, kontinente übergreifend? für alle menschen? oder geht es doch nur um unsere wohlstandssicherung in der westlichen welt? oder ist das ganze nur eine art reality-empörungsspiel, das aus den sozialen netzwerken heraus gespielt wird? glauben wir allen ernstes, dass wir maden im speck den selben geist entwickeln können, den eine ausgehungerte, terrorisierte und traumatisierte unfreie ägyptische bevölkerung am tahrir platz entwickelt hat? ist unsere wohlstandsgesellschaft dafür nicht zu sehr in der illusion einer demokratie gefangen? johann wolfgang von goethe sagte einst:

"Niemand ist mehr Sklave, als der sich für frei hält, ohne es zu sein."

menschen, die um überleben und freiheit kämpfen, tun dies anders als menschen mittleren oder fortgeschrittenen alters, die ihren wohlstand wahren wollen.

menschen, die nichts haben kämpfen um das maximale zu gewinnen. menschen, die viel haben, kämpfen um möglichst wenig zu verlieren. das ist ein fundamentaler unterschied.

occupy wallstreet und occupy the world haben allenfalls eine nachhaltige chance, wenn die junge zu grossen teilen völlig desinteressierte und medial abgestumpfte generation begreift, dass ihre reale zukunft längst verhökert wurde. jungen, wütenden menschen würde ich abnehmen, dass sie etwas reissen wollen und vor allem auch können, denn sie haben nichts zu verlieren.

sie können lediglich ihre zukunft zurückgewinnen.

en.wikipedia.org/wiki/Stop_the_City

libcom.org/library/stop-city-demonstrations-1983-1984

10:55 23.10.2011
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Geschrieben von

cleptocracy

es konkurrieren mainstreammedien, wahrheitsbewegungen, verschwörunsgtheorien, esoteriker, pr-agenturen, politiker und natürlich ganz viele blogger…… jeder proklamiert die wahrheit für sich, dabei gibt es diese als solche gar nicht. es gibt verschiedene realitäten und fakten.
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